Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2412 (9.11.1925)
- Date
- 1925-11-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Polen: 20 grosayl Wien: Zum Abholen in dei Expedition, 11« Taborsti. 1*3, oder in einer Verschlelsstelle (Trafik) monatl. 6 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma, C o 1 dschmied, \ Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei; Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 OHChxfthlangen bei P » e i *■ erhSboBien vortahaUe» Wiener * ♦ Ifrrels 20"51 England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien :Mori.lOOLewi. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs, 5 Redaktion, Administration Wien, II. Tahorstr, t Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Sk. 2412 Wie». Montag. 9. November 1921 M—HW 7. Jahrgang Set neue SberkommWr von Wien. Zouvenels „Regierungsprogramm". Paris, '8.' November. (Havas.) Die Blätter veröffentlichen eine Erklärung, des neuen Oberkomntiffar§ für Syrien, Henry de Iouvenel, worin dieser betont, es werde sein Bestreben fein, Syrien rasch zu pazifizieren und zu organisieren, txrmit das Land baldigst für eine a u i o n o m e Verfassung geeignet würde. Frankreich, «das den Frieden, aber einen ehrenhaften Frieden wolle, könne nicht auf das ihm vom Völkerbund anvertraute. Mandat v er-; i ch t e n. Der Oberkommissär müsse die Rolle eines u np a r t e i i s ch e n S ch i e d s r i ch t e r s zwischen den verschiedenen Völkern und -den verschiedenen Religionen spielen, jeden Angriff aber sowie jede Herausforderung unterdrücken. De Jouvenel erklärt schließlich, daß er die Absicht habe, mit England, und der Türkei c irg zusammen zuarbeiten. Die Kampfe bei Damaskus. London, 9. November.. (Tel.-Ko-mp.) Wie aus Damaskus gemeldet wird, versuchten gestern die Aufständischen durch das östliche Stadttor e i n z udringen, wurden jedoch nach einstündigem Kampfe in d i e F l u ch t g e s ch l a g e n. Dieser Kampf hat die U nr uhe in der Stadt vermehrt. Mehrere tausend Christen haben neuerdings Damaskus verlassen. Südlich der Sladt scheinen sich größere Kämpfe vorzüibcretten. Nach den letzten Berichten haben die Araber und Drusen ihre Tätigkeit mehr nach der P r o v i n z verlegt, da ihre Angviffe bei Damaskus bisher eMglos geblichen si-ud. In Damaskus herrscht jetzt Rühe, die von der Fremdenlegion auistechtechalten wird. Um auch die Provinz zu plyPAere«,) A«Mt. des „Eimes"-BeriWrsWerI wenig'M-nzöftfche 7 Truppen vorhandm, es dürften noch etwa 10.000 Us 15.000 Mann notwendig sein, damit die.Franzosen ihre Position euch in der Provinz halten. Re Liskusfio» Mer de« Frieden in Marokko. Parkst 8. November. (Havas.) Der „Matin" meldet aus Rabat: Der mene Oberrdftdent von Marokko, Steeg, erklärte in einer Unterredung die Nachricht von. der Ankunft offizieller Unterhändler Abd el Krims als unrichtig. Er betonte, daß Frankreich sich keineswegs in einem erklärten Kriegszustand mit Abd el Krim befinde, der, wenn er den Frieden wünsche, bloß die Feindseligkeiten einzusteklen hätte; der Friede würde alsdann automatisch, ohne ein diplomatisches' Protokoll wieder erstehen. Sie Sozialisten für Painleves Finanzplan. Paris, 8. November. (Havas.). Der Finanzausschuß der Kammer hat mit 17 gegen 14 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen einen Antrag des Abgeordneten Bincent-Auriol angenommen, worin von der Regierung verlangt wird, daß sie jede Inflation vermeide und erklärt wird, daß die außerordentliche Besteuerung nicht einzig und allein aus einer Erhöhung der Zeltelsteuern begründet sein dürfte. Der Ausschuß'lehnte sodann mit 18 gegen 9 Stimmen bei 12 Stimmenenthaltüngen einen Antrag des Kommunisten Cachin ab, durch den bei Regierungsentwurf klipp und klar verworfen wird. Die Radikalen und bic S oz i a l ist e u stimmten gegen den Antrag Cachins, um ihren Willen,zu bekunden, den RegieMugsentwurf als Grundlage der Diskussion anzunehmen, und ihren Wunsch zum Ausdruck zu bringen, mi tder Regiernng züsc m menzuarb e iten, wobei der ursprüngliche Wortlaut des Entwurfes im Sinne der Richtlinien 'des Antrages Bincent-Auriol abgeändert, würde. Unmittelbar darauf hat der Finanzausschuß der .Kammer die Debatte. Wer die Artikel der Finanzentwürfe der -Regierung begonnen und den Artikel, betreffend eine Nationalabgabe zurückgestellt, bis die Regierung ihre Ansicht über den Antrag dargelegt haben werde, der eine neue Fassung der Bestimmungen verlangt. - - v. - Der Ausschuß hat grundsätzlich der Schaffung e in e r A m o r t i s i e r «n gskass e zngestimmt und sich sodann auf morgen vormittag vertagt, um den Ministerpräsidenten .über die Befugnisse dieser; Kasse' anzuhöcen. Somit ist es unmöglich, daß der. Bericht über den .. Entwurf in der morgigen Nachmittagssitzung der Kämmer erstattet wird. Wieder einmal Hocheuegg. . Die orthopädische Leihvkemzel. ' Der Professor für Chirurgie Julius Hocheuegg, der sich seit vorzeitiger Erreichung der wissenschaftlichen Altersgrenze mehrfach in der Oefsrntlichkeit unangenehm bemerkbar gemacht hat — in allgemeiner Erinnerung sind seine Anschuldigungen gegen : d i e W i e, n e r Aerzteschast —, hat sich, wie aus einem vom Vorstände der Universitäts-Kinderklinik Prof. Dr. P i r q u c t in der ,-Sonn- und Montags-Zeitung" veröffentlichten Aufsatz heworgeht, wieder einmal unangenehm bemerkbar gemacht. Hocheuegg. will nämlich gegen die überwiegende Majorität des Professorenkollegiums durchsetzen, daß die Lehr k a n z e l für Orthopädie/ welche seit mehr als einem Jahre unbesetzt bst und für die Pros. Hans Spitzy zum Ordinarius Vorgöschlagen wurde, aufgelassen und daß Orthopädie nunmehr von Chirurgen vorgetragen werde. Kürzlich hat nun Hocheuegg dem Unterrichtsminister ein U l t i ma t u m gestellt: Wenn das Ministerium einen eigenen Professor der Orthopädie ernennt, so droht 'Hochenegg, seinen Abschied zu nehmen. Wie in der Frage der Beibehaltung oder Auslassung der Abteilungen im Mlgem-einen Krankenhaus, so wird auch in der Sache der orthopädischen Kanzel neben dem schon von 'dein Rektor -der Exportakademie gekennzeichneten Hörevbolschewismus der Lehrerbolschewismus wirksam. Darauf macht der „Terror in der medi- .z i Nischen Fakultät" betitelte Aufsatz Pros. Pirquets aufmerksam, der nach einem Hinweis daraus, daß - die Orthopädie ganz, andere Methoden erfordert als die Chirurgie und daß dieses Fach auf der ganzen Welt als Spezialfach abgesondert und anerkannt wurde, Herrn Hocheuegg ■ -einige freimütige Wahrheiten sagt, :bie hier wiedevgegeben werden follenp - - - .. . i.. „Nun sollen wir es' hier auf der UniversM aufgeü en, nur um Prof. H och eneggs Auffassung der chirurgischen Lehreinheit nack^u-geben? Das Unterrichtsministerium soll sich seiner Pression fügen, um ihn als Lehrer der Chirurgie nicht zu verletzen?" „Bon Hochenegg ist es persönlich zu verstehen, daß er solche Pression «usübt, daß er sich nicht dem Witten der' Majorität fügt. Hat ex doch auch seinen Lehrstuhl nicht der Majorität zu verdanken: er hat die Professur durch kaiserliche Entschließung gegen die Majorität erlangt. Er ist auch weiterhin Einzelgänger geblieben. Seine Anschuldigungen gegen die Wiener Aerzteschast, mit denen er sich selbst und -em ganzen medizinischen Wien so außerordentlich geschadet hat, sind noch in frischer Erinnemng. Er ist ein selbständiger Mann, der seine eigenen Ansichten hat und der sich und feine Ansichten um jeden Preis durchsetzen will. Wir können es ihm nicht übelnehmen, wenn er das versucht. Aber das Unterrichtsnttnisterium sollte sich nicht durch die Hartnäckigkeit eines temperamentvollen alten Herrn in seinen Handlungen beeinflussen lassen." „Die Angelegenheit der Besetzung der Orthopädie in Wien, ist nun schon fa st e i n Jahr durch den Einspruch Hocheneggs hinausgeschoben worden. Meine Meinung ist die, daß Hochenegg, der ja in einigen Jahren die Altersgrenze erreicht, in der letzten Zeit durch die Hemmungslosigkeit, mit der er seine privaten Meinungen über das Interesse der Universität und derStadt Wien stellt, eine schwere Gefahr geworden ist, so daß -das Unterrichtsministerium .seine Rosignation ruhig in Kauf nehmen kann, weim es gilt, die Kontinuität des wissenschaftlichen Hochstandes der Wiener medizinischen. Fakultät zu sichern." I"1, B gg.gü'"? ' »ü '■ ig'BlglBigiiwi SB.BBB8 BBB Der Coupon zu unserem 3. Preisausschreiben Hakoah - Rapid ist in unserer gestrigen Nummer erschienen! Versäumen Sie nicht die rechtzeitige Einsendung - Sie gewinnen 1 Million! Die Bedingungen der valMnenst« scheu Wirtschaft. Einer der nachhaltigeren ersten Eindrücke, die der Ankömmling vom jüdischen Palästina hat, ist der der großen Differenzierung der noch so jungen Wirtschaft. Man wundert sich schon einige Tage nach der Ankunft, wie straff die Arbeiter, organisiert sind, trotz der vielen Parteien, die es unter ihnen gibt, wie groß der Unterschieb zwischen einer judäischen Kolonie wie Petach-Tikwah oder Rechoboth, und einer Arbeitersiedlung im Emek oder in Galiläa ist. Man lernt Kwuzah und Moschaw - Owdim unterscheiden, und schließlich bewundert man die Wucht der theoretischen Konstruktion des Gdud Haawodah oder des Sölelboneh. Die Ursache dieser Wirtschaftsgestaltung liegt in den eigentümlichen Bedingungen der palästinensischen Wirtschaft und in ihrer daraus sich ergebenden vielgestaltigen , Entwicklung in den letzten Jahren. Für den Eingeweihten, den „Drinstehenden", sind manche dieser Bedingungen so selbstverständlich, daß sie ihm fast nicht zum Bewußtsein kommen und die Wagschale seiner Erwägungen nicht immer in dem ihnen entsprechenden Maße belasten. Dies führt nicht selten zu Fehlschlüssen und Jrrtümern. Es ist daher sehr begrüßenswert, wenn einmal ein Außenstehender, ein „Distanzierter", zu unseren brennenden Problemen das Wort ergreift. Es muß allerdings, ein Mann sein, der wohl zumindest im Unterbewußtsein eine Beziehung zu Palästina hat und bei großer sachlicher Orientierung zu den Dingen doch die Distanz eines Außenstehenden hat. Felix Pin n er, der Autor der soeben erschienenen Broschüre: „Das neue Palästina"^), scheint dieser wohlorientierte und der liebenden und verstehenden Objektivität fähige Mann zu sein. : Diese Distanziertheit bringt zwar manchmal einiges Unangenehme mit sich, so die ziemlich konsequent durch-. geführte, falsche Transkription hebräischer Namen (Tel- Kai statt Tel-Chai, dagegen Chwnzoth statt Kwuzoth oder Gdud Awvdaah, Rochoboth und Richon le Zion), was aber hier nur nebensächlich bleibt und die Wichtigkeit eines klaren, alles ergreifenden Blickes nicht schmälern kann. Der Autor fft sich zum Beispiel gleich beim ersten Erfassen der aus ihn einwirkenden Dinge in Palästina klar darüber, daß so manches hier, wie zum Beispiel die Universitätsgründung, ganz neue Städteprojekte (Asuleh im Emek) oder eine zu große und zu schnelle Immigration augenblicklich mehr auf Außenwirkung berechnet, als ein Ausdruck der tatsächlichen Bedürfnisse ist. Pinner verkennt zwar nicht, daß diese Schöpfungen, beziehungsweise Tatsachen nach einer kurzen Zeit schon organisch in die jüdischen Lebensverhältnisse im Lande sich einstigen können und werden, und daß sie als Außenwirkungen in vielfacher Beziehung (so zum Beispiel in propagandistischer und politischer) große Bedeutung haben. Was er aber doch nicht ganz würdigt — er deutet es zwar an, führt es aber nicht ganz aus —, ist die große Spannkraft des Willens und der e r z i e h e r i s ch e Wert (als Rückwirkung) einer vollbrachten Tat. Wir schaffen, nicht nur. weil wir müssen und brauchen, sondern auch weil wir w o l l e n und geschaffen haben. Wir wollen auch eine Tradition der schöpferischen Tat. Als bestes und. deutlichstes Zeugnis hiefür kann die hebräische Sprache angesehen werden. Ihr endgültiger Sieg in Palästina hat, was auch Pinner voll anerkennt, befruchtend nach außen und innen gewirkt. Man hat Schulen, Zeitungen und Theater gegründet, weil mau hebräisch bereits gesprochen hat und diese Schöpfungen wieder haben die Sprache vertieft, gereinigt, bereichert und verbreitet oder sollen es tun. Dies ist der Sinn all unserer Anstrengungen, auch wenn sie nicht im Augenblick zur Auswirkung gelangen. : Wenn man die Entwicklung der Kolonisation in Palästina rückschauend betrachtet, präsentiert sich die erste Stufe, die sogenannte Rothschild-Kolonisationsepoche, auf den ersten Blick nicht allzu günstig. Pinner weiß aber und sagt mit Recht, daß dieser Anfang nicht verächtlich abzntun ist, er kennt seine Licht- und Schattenseiten. Er fühlt, daß Philanthropie als wirtschaftlich aufbauender Faktor nicht ganz ohne üble Nebenwirkungen — ökonomisch und besonders erzieherisch — ist, er weiß aber einerseits die finanzielle Freigebigkeit dieser Philanthropie zu schützen, die' es ermöglicht hat, „den Boden zu erobern", und andererseits die Aufopferung dieser ersten Pioniere, die unter sehr widrigell Ilmständen, klimatischen, wirtschaftlichen Md ge- *) Felix Pinner: „Das neue Palästina." BolkÄvnt-- schastliche Studien, RMlf Möge Buchverlag,