Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2409 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Menet Müvgenzeltttiig Mne und Kunst. >as -Monrprogramm der Smdertheat«. Lüche der Lmmenden Woche gcht in der Staa-tscher M S. b. ,-Ernani" mit Battistini als Gast m Sgme. Am 10-, 12. md 15. Etagen FtheingoLd", „Walküre" Mb „Siegfried* emter der Lsitlmg Felix Weingarin er S M ÄuMruwg. Am IT. d. fingt BattMck als Galst in „Lraviata". Für alle dies« Bochellungen, mit AuSnichme der zwei, in denen Battistiui anifirttt, gelten die weuen, gewöhnlichen greife; Mr bei diesen GaUpklen gelten die beissnderen Preise, die aber Hvov Höhe nach den Whochgen gewöhnlichen Preisen enHprechen. Im B nrythea'ter kommt Dienstag den 10. d. eine Neuetnstudierlmg von Schillers „Demetriüs" zur Auif- Dhvmeg. Daran schließt sich di« Erstaufführung von Unruh snmem, anläßlich der Rheiin-JchrtausenWer gedichtetem Dvama ,-Heinrich auS Andernach" mit Herrn Marr in der Titelrolle. Dich AuMhrung wird am Staatsfeiertags 12. d. sotwk am Svmckug den 15. d. wiedrcholt. Montag dm 9. d. wird Mn ersten Male in dichr Spielzeit Goethes Iphigenie" M Fvm Bleibtreu in der Ditelrolle, und Mar zu NachmiittaOprsltsen anfgeOhrt, Freitag den 18. d. findet zum ersten Mal« in dieser Spielzeit eine WffHmng wu HGbelS „Hartodes und Mariamne." mit Frau M edel Sk h und Herrn Heine in den Lidelrolleu statt. Im Akademtetheater kommt Mittwoch'dem 11. d. BeerS und GavaultS LutsffPiÄ „Diie zerbrochene Leiter" zur GvstauWhMNg. Ae Äonacffion für die hebMche rheater« SesMchaft in 8rer Israel. Wie uns aus TeliAwAv berichtet Wird, hat die Regierung die Statuten der „Cheiwmch Hacheatron Crez-Haisvachi" (MüästtneMche Dhoabengssellschast rn. b. H.") genehmigt. Ms Gründer ertschsinen di« Herren: M. M. Ussischkin, Clh. N. Bra- IÄ,-JaLotb Leu Meir, M. Gnesfin, Bürgermeister M. Disengoff, Dt. CH. Hararü, Dr.' van DvieÄcmd, I. WilkowM, Dr. I. Lurie, Michael Tettelman und Joses Sprinzak. Das vor kurzem gewählte Mstms- und Propagondakomitee hat 'seine Arbeit beveits begonnen und wich schon in nächster Zeit in Ha-ifa und anderen Orten MtoMomitees einfetzen. * Di>e helbräisch« OpernMellsschaßt in Evez-Isvael, welch« für di« neue Spielzeit Werke von Gounod, Halevi, Meyevbeer, Pueomi, Salnt-Saens, Rymski-iKorsakoff, Verdi und Wagner am SpiÄplian hat, brachte in Jevchälem die erste m hebräischer Sprache Mchrlebene Oper, ,^Der Chaluz", zur Aulffühmng, Wer deren Inhalt und künstlerischen Wert wir an dicht Stelle bereits berichtet haben. Aus den Aeateru. Morgen, V»8 Uhr abends, „D e r abends, ) oris Sigis- Buratheater. ewiaeJüngltng". Akademtetheater. Morgen, */,8 Uhr „DerVulka n". StaatSoper. Morgen, 7 Uhr abends, J G o d unow". VolkSoper. Morgen „Rtgoletto" mit mondo ZaleScht in der Titelvartie. Theater in der Jofefftadt. Die Erstaufführung von Dante Signorinis Lustspiel „Lob des Diebstrhls" tvurde auf Montag den 9. d. verlegt. Dienstag beginnen bet persönlicher Anwesenheit des Dichters, unter der Regie Max Reinhardts, die Proben zu Franz M o l n a r S Lustspiel „Riviera", daS Ende dieses Monats seine Uraufführung erfahren wiid. Die weibliche Hauptrolle wird die neu verpflichtete Schauspielerin Lillt D a r v a 8 vom Budapester LustsptelhauS darstellen. Raimund-Theater. Morgen Samstag und Sonntag, Vf * Uhr nachmittags, „Klein Däumling". — Allabendlich „Weiße Fracht". Exl-Bühne. lWtener Komödienhaus). Wilhelm Klitsch gastiert heute in „Pfarrer von Kirchfeld". — Morgen Uraufftihrung des Schauspieles „Wir wollen Menschen sein../' von Johann Ferch. R e n a t s s a n c e ü ü h n e. Heute zum 25. Male „D e r A u t o to i I b I i n g" mit Haust Riese. Klassikervorstellungen für die Fugend im Burgtheater. Das UnlerrrchtsiMinDerrum hat veranlaßt, daß tot Buvgcheater Stuidenitenvorstellungen zu sehr ermäßigten Preffvn stattsinden. Allerdings ist die Anzahl dieser Vovstellung-en vorläufig noch sehr gevinig, denn es soll mr eine derartige Vorstellung im Monat angeseht werden. Man plant zunächst einem vMpliedrtzeir AhMus von Dramm des 19. Jchchunderts, welcher Kleist, Hebbel, Ibsen und Hauptmann 'umfassen wich. Dann folgen von österreichischen Dramatikern Raimund uG Nestroy. Die Preise für diese Vorstellungen werden fich Mischen dreißig Groschen und drei Schilling bewegen. JMscher Künstlerabend. Am Sonntag den 16. v. um 8 Uhr albeM findet um Festsaale des Hotel Continental, 2. Bez., Tabovsttaße 4, der erste Jüdische Mnstlerabend statt. Mtwivkend: Erste Mische Kunstkrafte. Kartenvorverkauf: Aida, 2. Betz., Taibörstvaße 6; R. Lötwit, 1. Gez., Rotenturmstraße 22; Rath u. Präger, 2. BG, Daiborstraße 20 a; Kartenbirreau, 20. Bez., Wallensteiustraße U. Jakob Feldhammer vom Deutschen BoWcheater hat in Czernowitz an Mei Vortragsabenden sehr großen ErslMg erzielt. Minder geglückt war die Reise des bmMen Künstlers. DaS MWMg, welches er bemitzte, mußte eine Notlandung vornehmen. i Ausstellung. Sonntag den 8. d. wird in der Galerie St. Lncas aiuf dem JosleWmtz 6 (Palais Pallavicini) eine KolleiktivausstellMg der Werke des Mischen Malers Philipp Friedrich Kaufmann eröffnet. Strauß-Huldigung in Stockholnn In der Königlichen Oper zu Stockholm fand aus, Anlaß 'der Stvauß-Zenteuarfeier eine FOauWhrung der ,,-FledeMdüs" statt. Die den Prinzen Orlowsky darstellende SangeÄn, Frau Palson-MettergM, HM W HM MMb M zweiten M M Mdende Ansprache, m der sie den Manen des Meisters huldigte und MN. für die Schönheilt und Lsbensifrende, die er durch seine Kunst der Meuschheit gespendet habe, dankte. Der Fest- MWung wohnten der österveichische Geschäftsträger in Stockholm und viele MbiMeder des viplmratWen Korps bei. Baklcmofs in Nrlgvad. Wie uns aus Belgrad berichtet wird, gastierte dort der berühmte russische Bariton Baklärt o.ff rn seinen großen Operpartien mit stürmischem Erfolg. Jntewatlonale Kunstausstellrmg in London. Morgen Samstaig wirb in der KöniMchen.Waidemie zu London eine internatiouale Kunstausstellung erÄffnet, welche van der bsküuMn ,^International Soüisty os Pa-mte-rs, Gvavers und Smkptors" veranstalltet ist. DeutWand ist mit 30 Bildern, und elf KleinUutotuven beteiligt. Unter diesen befinden sich drei Werke von Max Liebermann. Auch Oest e rr«tch wich in Vieser Ausstellung Vertveien sein. Aus der Werlftatt des Auches. ' Romain Rolland entdeckt einen neuen Dichter! Romain RMrrch nemi Panait Jstrati, einen' bisher unbekannten rumänischen Dichter, in seinem Vorwort zu dessen neuem Roman ,-Kyva, Ktzralt-na" ein EvzMevgenir, den Gorki des Baltarns. Ein eigentümlicher Zauber oer Ursprünglichkeit, der Ungebundenheit und Naturnähe liegt über diesem Roman und zeugt für ein originelles und urwüchsiges Talent. Mr lbrinaen demnächst die ganz ungewöhnliche und interessante Geschichte der Entdeckung-Panait Jstratts durch Romain Rolland, die auch unser menschliches Interesse sür diesen eigenartigen, begabten Dichter zu wecken imstande ist. terbert Menberg gegen Bernhard Shaw. Der Verlag eißner kündigt «in schr interessantes Buch au, das man wohl mit Interesse erwarten kann: Herbert- Eulenberg,/Neaen Shaw", eine Streitschrift mit einer Shaw-Parodie des Verfassers. Es geht hier offenbar um.Mhr als um eine Auseinandersetzung des deutschen mit dem englischen Dichter. Es handelt sich um einen Kampf der Weltanschauungen, einen Kampf, ausgetragen Mischen Romantik und Vernunft, zwischen schwärmerischem Idealismus und kritischem Verstand. Eine Shaw-Parodie, die Shaws Ankunft in den Gefilden der Seligen schildert, schließt dieses Buch, das, wie immer man sich zu dem hier aufgeworfenen Problem stellt, jedenfalls geistvoll und ergötzlich sein dürfte. Nützlich ist so ein Kampf unter allen Umständen für beide Parteien, denn er klärt die Gegensätze und schasst eine reinliche Scheidung. Ein neues Heine-Buch. Eben erst ist das Heine-Buch des Weltverlages erschienen, und schon wieder haben wir Gelegenheit, ein neues Heine-Buch anzuzeigen: „Gespräche mit Heine", herausgegeben von Prof. Dr. H. H. Hoüben. das bisher noch völlig unbekannte, Nachrichten über Hetoes Leben, über Heine selbst und über seine berühmtesten Zeitgenossen bringt. Gespräche mit Heine. Briefe Heines, Urteile berühmter Zeitgenossen, über Heine! Wir sehen daraus, wie lebendig die Persönlichkeit Heines noch immer ist, wie stärk das Interesse für ihn, wie lebhaft noch immer der Kampf .der Meinungen um diesen viel- Mnstvittenen Dichter und Menschen. Cs sammelt'sich da wieder reiches Ma-terial, das manchen Heine-Freund und Heine-Feind veranlassen dürfte, sein Urteil über Heine zu revidieren. . Volkswirtschaftliches über das neue Palästina. Felix P i n n e r, .der bekannte volkswirtschaftliche' Publizist, legt die Ergebnisse einer Studienreise nach Palästina in einer Schrift ,/Das neue Palästina"" (im Verlag Rudolf Mosse, Berlin) nieder, der - er den Untertitel' „Volkswirtschaftliche Studien" -gibt. Er entwickelt aus einer Analyse desjenigen, was bisher rm Rahmen des Ausbaues der neupaWimnsischen Wirtschaft „geworden" und „gemacht" worden ist, die Möglichkeiten, die sich für die Zulkunst ergeben können.^ Er sucht, in das Gefüge der Misch-palästimnsischen Wirtschaft einzudringen, ihre Bedingungen zu erkennen, ihre Chancen zu ermessen und ihre Grenzen abgustecken. Ueber den idealen Triebkrasten der Palästinaarbeit,- die er als Faktoren der Wirksamkeit durchaus würdigt, übersieht er nicht die realen Bedingtheiten. Darstellung, nicht Lendenz, ist das Ziel, das er sich gestellt hat. Mtssaal. Ein Milliardcnsallissement. Die Schuhfabrik Epstein ist vor einigen Tagen mit 12 Milliarden Passiven in Konkurs geraten'. Der Eigentümer der Firma, der Direktor uni) zwei Prokuristen wurden zunächst von der Polizei im Verwahruilgshaft genvlnmen, während einer der Fivmenchess namens Hamburger die Fluchl ergrifisen hat. Direktor Epstein und seine beiden Prokuristen wurden gestern dem Landesgerichte' eingüiesert. Im Zustmide der Siitnesverwirrung. Gegen den leitenden GeneraMrektor-Srellvertreier der Newag (Niedevösterr. Elektr-Uitäts- und Wasserkvafts A.-G-). Friedrich' Wunderer, schwebte ein gerichtliches Verfahren wegen eines von ihm verschuldeten Abganges von eineinhalb Milliarden Kronen. Als gegen Wunderer die Strafanzeige erstattet wurde, war er eine - Zeitlang nicht auffindbar, stellte sich ckber dann sMst denl GeriM, das die Untersuchuirg gegen ihn ans freiem Fuße führte. Nunmehr hat die Stäatsanw'aUchaft die Anklage gegen Wunderer mit der Begründung zurückgezogen, daß er im Zustande der. Sinn es.Verwirrung gehandelt habe, wie das Gutachten der Gerichtspstlchiater und das Fakultätsgutachten besagen. Ehe, Liebe und Staatsbürgerschaft. Bor dem Strasbezirksgevicht 1 trat gestern der MagistratssÄretär Dr. Msred Heil sh erg als Privakkläger. gegen den Kaufmann Aaron Heller aus. Nach Inhalt'der'Klage soll der Beschuldigte vor einiger Zeit bei der Vorgesetzten Behörde des Klägers im Rathause zur AnWige gebracht haben, daß der Kläger erklärt .habe,, er könne jedermann rnu fünf Millionen die österreichische Staatsbürgerschast verschalffen. Heller hatte in seiner Vevantwörtung erklärt, daß er nicht die Absicht hatte, Men den Kläger in seiner amtlichen Eigenff-chaft . eine Anzeige zu erstatten, er wollte sich -lediglich bei dem Bor- . gesetzten des Magistratssekretärs, beschweren, daß dieser mit -seiner (Hellers) Frau Beziehungen -unterhalte, und ihr auch den Antrag gestellt habe, ihren Mann p verlassen und mit ihm zu Wchten. Im Zuge der 'Beschwerde habe er unter Berüfung aus eine Mitteilung -seiirer Frau erzählt, daß der Kläger mit ^letzterer sehr intim sein müsfe, wenn er ihr, wie diese .Marte, eiiMia'l gesagt halbe, daß er für sün-f Millionen Kronen jedermann die österreichische Stoätsbürgerlschast verschaffen könne. Der Klagevertreter bezeichnete die- BehauptMgen des - Angeklagten Won den Buchungen des Klägers zu dessen-Gatti-n als vollständig unrichtig. Schließlich kam ein Vergleich in der Form zttstanLe, daß Herr Heller die Erklärung abgab, er habe mit der inikriminierten Aeußerung der Amtsehredes Klägers nicht nahe treten wollen, habe, auch .keinen Grund und.Anhaltspunkt, die inkluniniert-e Beschuldigung für seine Person für loahr g> halten. Nachdem nv-ch der -Angeklagte sein Bedauern über den Vorfall ausgesprorhen hatte, zog der Klagevertrete-r den Strafarntrag zurück, woraus das Bepschren gegen Heller ei-yg«stellt wurde, . 6. November 1925 Seite 7 Volkswirt. Lar Arbeitrbudget PalWaar im letzten 8ahr. Jerusalem, 2. Noventber. (P. C.) In TelÄwiäv wurde eine Leih- und Spargesellschaft zwecks Hergäbe kleiner Darlcherr an jüdische Arbeiter gegründet. Die Institution arbeitet in Tel-Awiw, Jevnfalem und Haifa. Die Zionfftische Palästinaexekutive hat aus dem Ariboitsbudget des Keren Hajessod 300 Pfund investiert und die Arbeiier« bank 650 Pfund. Das Arbeitsd-epartement hat sein Angemmuk ans die BeschäftMng «nwcmdernder junger Mädchen gerichtet und eine Mm Anleihe an eine Gruppe gewährt, die die Welberei evlernen will, ferner an eine landiwirtschastlichr Gruppe, die zum Msvachi gehört und in Petach-Likvah angchedelt ist, und an. eine dritte, die sich tor Fli-chenllegen auSbildet. Unter den' größeren BelwilligMgm des Arlbeitsdepartements im Angust ist sine Anleihe von 1000 PfuO an die Montefiore-Kolonie zu nennen, die jetzt Mffchen Jevusal-M und Beth-Hakerem angelegt wird. Dieses Darlehen dient dm Bau einer Straße als Vorbereitung für die baldige Errichtung von 33 HäuseM. Weitere 1000 Pfund wurden der Misrachi-SiMunig Nov-e-Iakob (einige Kilometer nördlich vou Jerusalem) gewährt, wo 20 Häuser tor Bau sind. Beth- Hakerem, einem der neuen Jerusalemer Wchnviertel, wurden 300 Pfund für Ameliovationen bewilligt. Mn« weitere Anleihe von 100 Pfund echiÄten die Mischen Kolonien in Untergaliläa zur Fovtlfühmnig der Wsgebaut-an mit Jawn-eel und Bech-Gan. Die Geslamtaüfwsndungen für diese Straße betragen über 5200 Pfund, wozu die Pioa 2000 Pfund, die Kolonie selbst 800 Pfund und die ZioniWche Exelkutive durch den Keren Hajessch 2400 Pfund beigesteuert haben. Das ArbSitsbudget für 5685 in der Höhe Von 28.800 Pfund war Ende September tatsächlich erschöpft; die GesamtauAgaben für Rechnung dieses Budgets beliefen sich zu diesem Zeitpunkt cu'f 27.647 äghvt. Pfand Strafanzeigen gegen antisemitische Banlleitungen.! Strasgerichtliche Untersuchung gegen den Direktionsrat der Alpenländischen Bereinsbank. — Der Kanossagang zu den „Judenbanken". Aus I n n s b r u ck wird gemeldet: DK Aufregung wegen des Zusammenbruches der Alpenländischen Bereinsbank hat sich in Tirol noch immer nicht gelegt. Ununterbrochen finden in vielen Tiroler'Ortschaften Gläubigerversammlungen statt, in welchen schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsführung der zusammengebrochenen antisemitischen Bank erhoben werden. Eine Versammlung in Kufstein beschloß die E r st a t t u n g b£r Strafanzeige gegen die Mitglieder der Bankleitung, da es sich mittlerweile herausgestellt hat, in welch unverantwortlicher Weise die Gründer und Leiter dieser Bank vorgegangen sind. Sie haben ihre eigenen antisemitischen 'Banken ins Leben gerufen mit der Devise, „die bodenständige Bevölkerung von den jüdischen Banken zu befreien", und haben nicht genug Mißbräuche den „Judenbanken" aMchten. können. Nun stellt sich heraus, daß von diesen Agitatoren selbst am schwersten gesündigt worden ist. Ihre Mißwirtschaft war beispiellos. In den Versammlungen wird der Bankleitung „Betrug", „verbrecherisches Vorgehen an den Tiroler.Bauern", „Schwindel unb ähnliches" vorgeworfen. Die Erbitterung ist grenzenlos. Die Ironie des Schicksals will es, daß die antisemitische Bankleitung, welche nicht genug Worte der Verachtung für die Wiener Banken als „jüdische" Banken finden konnte, sich in der Vorwoche an diese Wiener Banken gewendet und um Hilfe gebeten hat. Von den Banken'wurde dieses Ansinner natürlich glatt abgelehnt. Sie schwankende Haltung der SeldmSrlte der Welt. Erhöhung der belgischen Bankraie. Während erst vor kurzem die Schweiz ihren Diskont« satz um 1 Prozent, Ungarn um 2 Prozent und England bekanntlich um 0,5 Prozent ermäßigt haben, wurde gestern aus Brüssel telegraphiert, daß die belgische Bank ihre Rate um 1 Prozent erhöht hat. Dieser Schritt dürfte mit den Schwankungen des französischen 'Franken, welche natürlich auch den Kurs des belgischen Franken beeinflussen, Zusammenhängen. Bisher hat Belgien einen um 0,5 Prozent, niedrigeren Diskontsatz als Frankreich gehabt. Jetzt ist er um ebensoviel höher als der französische Diskontsatz. Dies scheint aus eine beabsichtigte Erhöhung der französischen Rate hinzuweisen, um auf diese Weise wieder den Zufluß fremden Kapitals anzuregen. In Deutschland sind die Geldverhältnisse ungünstig. Auch in Oesterreich ist von einer Erleichterung der Geldverhältnisse nichts zu spüren. In der Privatwirtschaft ist der Geldbedarf nach wie vor groß. Eine Ermäßigung der österreichischen Rate kommt vorläufig nicht in Frage. Die Schillinguotieruüg im Wiener Kursblatt. Gestern mittags fand eine Sitzung des Kursblattkomitees der Wiener Börse statt. Es wurde im Prinzip die Einführung der Schillingnotierung beschlossen. Es soll aber erst mit dieser Notierung begonnen werden, wenn eine größere Anzahl von Gesellschaften ihre Goldbilanz vorgelegt haben wird. Vorläufig sind noch zu wenig Goldbilanzen gemacht worden, als daß schon jetzt au eine solche Notierung geschritten werden könnte. Bis auf tveiteres bleibt also vorläufig' die jetzige Notierung, bestehen.