Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2404 (1.11.1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Veite 14 Wiener Morgenzeitung Wien, Sonntag Vor schweren Kämpfen. Ae letzte krprobnng der Lramtandidate». - Ae Hakoah trifft auf eiuen harte» Gegner. - Bier Meifferschaltispiele in der erste» Klaffe. Heute finden vier Möiisterfchaftsispie'le der ersten Klasse statt. Di« Hakoah, di« in dem letzten Kamps« auch in der Verteidigung eine große Fwmverbessernug erkennen ließ, . ... ... . ut wird sicher alles daran setzen, den ihrem Können sicherlich nicht entsprechenden ungünstWn Stand in der Tabelle zu verbessern. Sämtliche Spiele der ersten Nichtamateurklasse beginnen um halb 3 Uhr. Hakoah gegen Simmering. ^■te Meistermanul'chaift stcht heute aus dem neutralen W. A. C-Platz vor einer sehr schweren Ausgabe, da ihr Gegner, der Simmeringer Sportklub, ausystze-ichnetes Können verriet und der Mesche Verein, der in der Verteidigung ans den noch inrmer verletzten (Mib vernichten muß, auch im Angriff Umstellungen vorznnchnren gezwungen ist, da sich Wortmanu baim Training verletzte. Die AuOellung der HaZoah hcchen wir bereits in uniserem gestrigen Blatte vevösfentliicht. Simmering stellt sollende Spieler: Aigner; Musil, Hauswlrch; DlMii>er, Ghckich: Urban, Danis, Horvath. Zilltanc-r, Bieirtck. Die Simmeringer treten also in ihrer stärksten Ausstellung an, dennoch Ware es aber verschlt, der Hakorh die geringeren Sie-geschancen cknFuräumen,' zunial der jüdische Verein denselben Gegner in einem Freundschaftsspiel erst vor kurzem 7:4 absertigte. Da di« Simm«ringer h^hes Können mit großer Fairneß verbinden und über die Fähigkeiten der Hakoah trotz ihres bisher wenig günstigen AMneedens tsin Wort zu verlieren ist, kann mit einem schönen, ungestörten Kampf' gerechnet werden, den di« Haik-eH trotz der EckMeute knapp fik sich entschsiden sollte. Das Spiel wird vom Schiedsrichter Braun geleitet. W. A. C. gegen Raprd. In diesem Kampf« scheint Rapid, dem auch der eigene Platz und sein PubMmn Wgnte kommen, die besseren Aussichten Kn haben, zumal der W. A. C. aus sein« beiden Größen Mcpera und K^eluh verzichten muß. Als MitteMänlfer wird sich Bielsk, Äs MitteMiirmer Düvschmiadt versuchen. Bei sonstiger GleichwertWeit der Mannschaften sollte die besser kombiimerende RapÄ-Angrifssreih« den Ausschlag gchen. Schiedsrichter: PHak F. A. C. gegen Slovan. Aus de-m Slodan-Plah stoßen zwei schön komlbtniereud« Mannschaften auMnandsr, di« gleich hoch einznschätzen sind. Bei beiden Tellen ist der AngM die Hauptstärike, so daß mit einem tveGerreichen Spiele zu' rechnen ist. Slovan verwendet seinen neuen jrMllaw'iischen Verteidiger Jvkcvie zum ersten Male in einem Mesiterfchaftskanipf. Schiedsrichter: Werner. ' Sportklub gegen Admira. Die gut MsHsgliichene GPortNubMannschast tritt in Floridsdorf dem S. C. Admira auf dessen Platze entgegen. Das gleichmäßiger« Können und - die. besseren Eingelkräft« sprechen f-ür die Doonbachsr, die größere SchnelliHit.und vielleicht auch das zweckmäßigere ZuIsammenspiÄ. für. di« Mmira. Wir rechnen mit einem knappen, hart erkämpften Sieg des Sportklubs. W. A. F. gegen Vorwärts 06. Dieses Meisterschaftsspiel findet heute um 10 Uhr vormittags unter der Leitung des Schiedsrichters Böhm statt., Freundschaftsspiele. Das interessanteste Spiel dürft« in der Brigittenau auf dom B. A. C.-Platz strttfinden, wo die Hausherrn den S. C. Hertha empfangen. Für den Sieg der Erstklassigen spricht die größere Wetbspielerfchrung und der Uimstawd, daß der B. A. C. gestern ein schweres MoistevschaftÄsplel anstrug. Schiedsrichter: Bruckner. Die weiteren Spiele sind: Betvegungsspieler gegen Donau (Lehrer-Platz, 10 Uhr). . - Gersthof gegen Wiener Sportfreunde (Sportfreunde, halb 3 Uhr). — International gegen Sturm 14 (Stürmt 14, halb 3 Uhr). Bewegung 20 gegen Germania (Bewegung 20, halb 3 Uhr). Die Meisterschaft der jüdischen Amateurvereine. Diesmal ist nur ein Teil der Mischen Amateurvereine an der Meisterschaft beschäftigt. Mit einer reorganisierten Mannschaft wird der drittklassige S. C. K ad im ah das Match gegen die Rasensportsreunde bestreiten. Wir rechnen mit einem sicheren Sieg Kadimahs (Viktoria 21-Platz, 2 Uhr, Fried). Hasmonea hat Nordost Min Gegner und wird kaum einer Niederlage entgehen. (Elcktra-Plah, 10 Uhr, Schwarz.) In den weiter angeführten Spielen rechnen wir mit einem Sieg des erstgenannten Vereines: Vierte Klasse Ost: Herrn ad» gegen Hagi'bor (Fav. A. C.-Platz, 10 Uhr, Iankovich). Süd« st: Hechawer gegen Wien-Ost (Frem-Platz, 10 Uhr. Hauser). Nordwest: I. A. C. gegen Mercedes (Madonna-Platz, 12 Uhr, LchNer). _ Ne gestrigen Meisterschaftsspiele. Die beiden Meisterschaftsspiel« brachten einen sicheren Sieg der Amateure und einen neuerlichen Puntlevovluist der Vienna, die diesmal geigen Riudolsshügel unentschieden spielte. Amateure—Wacker 4:1 (1:1). Amateur-Platz. 5000 Zuschauer. Schiedsrichter Professor Schmiegen. Am«teure: Lohvmann; Blitzen«. Tandler;Schneider, Reitever, Gaier; Cntti, Konrad, Hierlander, Wiicker, MlnariE. Wacker: Marchch; Kchlendorfer, Iellimel; Pellet, Rchch, Brinek; MachhörM, Rappan, Hafts, SiTossy, Bu-rckch. Die Amateure hatten bedeutend mehr vom Spiel und führten bis 30 Minuten vor Schluß'ihr allbekanntes, schönes, aber wenig wivkunysvvllos Zus-ammenspoel vor. Erst als sie sich auf Durchbrüche verlegten, schossen sie die siegsichernden zwei letzten Tore. Ihr« besten Leut« waren Konrad, Reitever und Cutti. Die Niederlage Mackers Wutfx durch die schwache Deckung, in der nur Pellet befriedigt«, verursacht. Außer ihm wären Bnresch und Mavesch hervovPheiben. Das erste Tor eryAte'MachhörM unter gefälligor Mitwirkung Lobrmanns (8. Minute). Ein Durchbruch Mlnarik bracht« den AuZgileich (32. Mmnte). Ein« Viertelstunde nvch Wiederbeginn war Meisrr nach einer Fla icke erfosgveich. Die beiden letzten Tore schoß Hierländer (31. und 41. Minute). Vienna—Rudolfshügel 1:1 (0:0). RudoffsihiWil-Platz. . 40y0 Zuschauer. Schiedsrichter Michel. Vienna: Ostriczek; Rainer, Mum; Seuffert, Hchfmann, Ludwig; Kuql, Uridll, Bulla, Rylba, Fffcher. Rudolfshügel: Bvazda; Klofac, CiapÄ; Tvattlehner, Nimmrichter, Ruhittl; Kamelsch, Duispiva, Holfstätter, Parofski, EiHler. Die Vienna spielt« bedeutend besser als in der Vorwoche, t war jedoch vor dem Tor zu unentschlossen und hatte überdies das Pech, einen Elfmeter zu verschießen. Ihre bOen Leute waren Bulla und Kuzl, wahrerrd Rhlba versagte. Die Favoritener vevdaMen den Gewinn des einen Punittes ührer cmscopyriedt 1924 d> 53 Fortsetzung. Kurt Wolff Verlag A.-0. München Nachdruck verboten. Herr Fettwanst. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. „Die Juden ... nur die Juden söl-bst . . . können di« Judenfrag« lösen. Aber sie ist tabu gemacht worden. Ihre Türen sind Fallen. Wer sich hineinwagt, wird von den Zähnen der Wachhunde des Judentums, von den pro- Monellen Inden, erfaßt und zerrissen. Sie nennen sich die Beschützer ihres VoAes. In Wahrheit aber sind sie die Gefangenwärter ihres Volkes, di« es fernhalten.von Erleuchtung und Befreiung. Un-diskutierbar — das ist das^ Gesetz der professionellen Inden. Undiskutiev'bar! Der Jude darf nicht diskutiert .werden, das ist verboten. Ich aber werde ihn diskutieren. Ich werde das kranke Ich meines Bottes in die Klinik tragen. Ich weiß, man wird mich einen Feind meines Volkes schimpfen', ich werde gehetzt, verflucht und bespien werden, werde auch von meiner eigenen Familie enterbt, lächerlich gemacht, ein Renegat, ein Opportunist, das bezahlte Werkzeug der Antisemiten genannt werden . . . Aber ich .muß vorwärts, ich muß . . . Ich will das kranke Ich meines Volkes in der Klint? wissen." Crane zündet sich eine Zigarette an. Ich halte weine Gelegenheit für gekommen und erinnere Esther daran, daß sie einen Spaziergang machen wollte. Aber Esther sagt: ,/Bitte nicht aufhören, Dr. Cran-e." „Ja, fahren Sie fort!" drängt Harry mit trockener Stimme und faßt sich an der Kehle, und auch Hymie bittet ihn, sich .das Herz ftei zu reden. Crane lächelt Hymie an und schaut dann Esther in die Augen. Ich scheine gar nicht zu existieren ... „Das ist keine Frage der Religion . . . Bete an, wo du willst, uh.- du willst, wann du loillst. Aber 'befreie dich von dem jaulen Gestank des Ghettos, Wenn dn nicht ein integrailer, mit dom Ganzen verwachsener Bestandteil der amerikanischen Nation wex>den >willst, wirst du dich albermals rs-oilimen, und, mit einem gelben Fleck gezeichnet, wiederum als Fremder unaer dem Volk« der Neuen Welt stehen ... wieder . . . fremd, rastlos, heimatlos . . . wieder .. . Mißtrauen, Abneigung, Verfolgung . . . Der Jude muß sich selbst in -die Hand nehmen, sich so sahen lernen, wie ihn die Welt sicht. Historische Tatsachen, wissenschaftlich erwiesene Wahrheiten, medizinische und -pathologische Befunde anerkennen. Muß sich selbst dehandel-n ... Ich weiß, wenn Outsider den Juden kritiisieren, zieht sich der Jude hinter die Mauern des Ghettos zurück, hinter die Mauern seiner Religion und wirst ifi-tö Mud dem tröstenden Glaulben in die Arme, einem Glauben, der unserer Rasse eine wahrhaft pathologische Tendenz gegeben hat... Gott wird sein ausevwähltes VE von seinen Bedrückern erlösen und wird seine Bedrücker vernichten . . . und fein auserwähltes VE wird die WÄt 'beherrschen . . . dereinst . . . dereinst . . . Wir sind hysterisch, nervenschwach, hochgekitzelt ... wir brauchen die Medizin der Ruhe, des Settstvergassens ... Wir >sind Neurastheniker . . . man. betracht« doch den großen Prozentsatz von Irrsinnigen und Schwachsimrig-en unter unserem VE« . . . Wir leiden an Rassenparanoia . . . glauben an unsere rassffche, Ueberlegenheit, schwören ans sie, rühmen uns ihrer; tragen sie in all unsere Handlungen hinein ... Es herrschte zuviel Inzucht in der Enge des Ghettos, daher kommen Geisteskrankheiten und Schwachsinn und Blutarmut ... Ich -weiß, der Jude ist dazu gezwungen worden, seine Gchirnmaschine so lange anzustrengen, bis sie aus den Geilenken gesprungen ist . . . dies Leben der Angst und Furcht vor den Bedrückern hat uns hysterisch gemacht und neuraisthenisch... hier aber in Amerika ... ist es anders ... sollte es anders sein ... hier können wir es anders machen ... Reißt die Mauern ein! Laßt -das Volk heraus, daß «8 sich mische und menge! Laßt Heiraten das Serum frischen Blutes herbeibringen . .. hört aus, euch zu isolieren ,.." 1. November 1Ö26 Nr. 9404 Wer gewinnt am 8. November 1928 im K«tscheid«»g5spiel den kup Der koupon zu unserem zweiten Preiswettbewerb wird in unserer Ausgabe bwu Dienstag Den 3. November erscheinen Jeder Bewerber, der das richtige Resultat auf dem Coupon einträgt und diesen unserer Sportrcdaklion einschickt, gewinnt die Anwartschaft auf die nachfolgenden acht Preise: 1. Preis 160 Schilling (einhundert Schilling) bar. 2. „ Eine komplette Fußballausrüstung (Hemd, Hose, Schuhe. Stutzen). 3. „ Ein Jahresabonnement auf die „Wiener Morgenzeitung". 4. „ Heines gesammelte Werke (vier elegante Geschenkbände), gespendet vom Verlag R. Löwit, 1. Bez., Roicnturmstraße 22. 5. „ Drei Meter Kleiderstoff (für Damen oder Herren), gespendet vom Tuchhaus „Zum Hirschen", 2. Bez., Taborstraße 17 b. 6. „ Ein Regenmantel für Damen oder Herren, gespendet von der Firma Brüder Schiffmann, 2. Bez., Taborstraße 48,?. „ Ein Paar Herren- oder Damenschuhe. 8. „ Zwei Theaterkarten für ein Wiener Theater. ^zeichneten VerteidMng, deren gute Leistung das ErgMis recht erscheinen läßt. Nach einer tovlosen ersten Hälifte evziM Bulla durch '«inen gut placierten Kopfstoß in der fünften Mimite den 'ersten Tre>fs«r. Kamesch gleicht eine halbe Stunde später aus einem Gedränge aus. In den letzten Sekunden jagt Uridil einen borgen Hands gsgebenen Wer haushoch über das Tor. Prager Neuigkeiten.^ (Bon Mftre-m Korrespondenten.) Prag, 36. Oktober. In der allgemein üblichen Terminologie wird unter dem Worte „Cupfinale" ein erbitterter Kampf um di« höchst« Trophäe, ein grandioses Ringen, Kulminationspunkt der Saison unter festlichem Gepränge verstanden. In England ist es so üblich und, wie man lickt, haben-Mch di« Wiener ihr Staatsoberhaupt zum Pokalendkampf eingeladen. Das Finale des Prager Cup war, offen gestanden, ein sportliches Fiasko. Ich weiß nicht, wie lange es noch gedauert hätte. Ich schaute auf die Ü>hr und bedeutete Esther, daß wir zu spät kommen würden. Wir verabschiedeten uns eilig und Esther!bat Crane, Finns Wohllfahrtszentrum aufzufuchen ... Sie woNe ihn Wiedersehen, wollte mehr von seiner verrückten Rassenpsychopathologie wissen. Ich rief ein Cab an -und wir fuhren Uptown, ohne zu sprechen. Ich sah, daß Esther in Gedanken versunken war, Und es schien mir, als ob Crane die geistige Entfernung zwischen uns beiden um ein beträchttiches vergrößert Hobe. Ich kaufte Karten für den kleinen Balkon unter der Galerie. Wir halten unsere Sitze kaum eingenommen, als das Haus dunkel wurde und das Orchester verschwommen rm Scheine der Rampenlichter erschien. Die Ouvertüre begann... Aida... Ich hörte die Musik nicht... Ich fühlte nur, daß Esther, die neben mir saß, im Geiste weit weg war von mir. Ich hatte ihre Hand berührt, und sie zog sie hastig zurück... Einen Augenblick lang dachte ich daran, mich über die Balustrade hinunterzustürzen. Aber mein Egoismus kam mir zu Hilfe. Träumend saß ich da und ließ die Musik an mir Vorüberschweben, während ich von den Ehrenstellen phantasierte, die ich. erreichen würde. ... Esther würde^nur ein Hindernis darstellen... Sie würde mich traumbefangen machen.,. Ich weiß nicht mehr, was Esther sagte... Ich hielt mein Auge auf die hohen Aemter und-Würden gerichtet.. .-Der Duft parfümierter Körper-stieg mir in die Nase. Ich sah den weißen Kreis nackter Schultern in den Logen und versprach mir, daß auch ich eines Tages in den Logen sitzen würde, geehrt, gesucht, begehrt, geliebt... Ich verließ Esther an der Tür ihres Hauses, sagte ihr kurz gute Nacht, ging straffen Schrittes nach Hause und lief die Treppe hinauf. Ich lief vor der magnetischen Anziehungskraft Esthers davon. , Gretel wartete aus mich... (Fortsetzung ftjigt.)