Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2400 (28.10.1925)
- Date
- 1925-10-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Dien, MtwoH Wlenev MorgenzeÜuns 88. Oktober 1925 Nr. 2400 Bollsvikt. Sos vngewiffe Schicksal der stanMche« Fronten. Neuerliche Schwankungen nach erheblichen Steigerungen. — Lazax Frerrs vieder in Aktion. In den Nachutittagsstultden des Dienstag hat das Ban LH ans Lazar Freies, welches «schon im Vorjahr die Saniewm'gsaktioi: für dm sranMijschen Franken erfolgreich durchge-ffchrt hatte, neuerlich mit Slützungskäufei: für den Fraivken auf 'sämtlichen internationialon Plätzen eingesetzt. Schon die Kunde von den: bloßen Eingreifen dieses Haches hatte bewirkt, daß der .Franken ach sämtlichen Plätzen eine kräftige Erholung u,nr 8 Prryen: anftvies. Der Desftand ist bereits übevtvuuden. Allerdings konnte der Franken im Laiche des gestrigen Tages nicht den Höchlstkrrrs, welcher vorübergchend bis ach 22,30 gesti-egen war, behaupten. Er schloß in Zürich mit 22. Ms die Finanz diese Wendung bemerkte, haßen sich sofort spMlative Mitläufer zugüsellt. Die Situation für den Franken wird in der letzten Zeit ettoas guchtiger beurteilt. Es hat einen ausgezeichneten Eindruck gemacht, daß das frauzöMche Jnterventionskomitee, welches die Stützungskäche gemeinsam mit Lazar Freres durchgeführt hat, eine nur geringe Intervention notwendig hatte, um eine Wendung herbeizchi'chren. Trotzdem kann natürlich nicht behauptet werden, daß die Gefahr für den Franken bereits endgültig überwunden wäre. Eine gewisse Nervosität ist noch vorhanden. Es können in jeden: Momente Tatsachen eintreten, die für die Gestaltung des Franken gefahrvoll sein könnten. Infolgedessen werden auch ,für die nächste Zeit größere Schwankungen erwartet. Da sich aber die Spekulation nur in geringem Maße bei der jetzigen Frankenbowegung engagiert hat, dürften tatsächlich allzu scharfe Bewegungen für die nächste Zei! vermieden werden. Im Schoße der französischen Regierung sind die Bergungen über die eventuelle Einführung der Kapitalssteuer noch nicht zu EM geführt. Mt einer Reihe von Pariser Finmtzleuten werden Vechandlungen gepflogen, die ihr Gutachten über die durchgreifende Sanierung der französischen Finanzen abgeßen sollen. Auf alle Fälle wird versucht, in Frankreich selbst die französische Devisenspekulation ganz unmöglich zu machen, da di« französische Regierung erkannt hat, daß der Kern der Fvan-kenfen-kung in Abgaben der französischen Wirtschaft bestehe. Es sollen nunmehr sämtliche Devisenoperationen der Banken einer genauen Kontrolle unterzogen werden Rachkriegrgrünüungen und betrügerische Schuldner. Forderung einer Verschärfung der strafrechtlichen Bestimmungen. Uöber dieses Thema hielt Grsrmalsiekvetär Dr. Erwin Paneth in einer Versammlung des Rerichsvevbandes der Hotzhcmdler einen mit' außerordentlichem Interesse aufgenommenen Vortrag. Er Mrte aus, daß die Ursache der geradezu seuchenartig au-ftretenden Zahilungsmoral in dem Liquidrernngsprozesse der zahlreiichen Kriegs- und Nachkriegsgründungen zu suchen sei, wobei vielfach das Bestreben der Schuldner vorwcvlte, diese Geschäftsauflösungen zum Schaden der Gläubiger weiteftgcheck» hinauszuschleppen und hielbei anif deren Kosten zu retten, was zu retten -sei. Die Handhabe zu diesen Machenschaften biete die noch immer schr large Praxis des Ausgleichsverfahrens. Die von zahllu-ngsuMvilligen Schuldnern verwendeten Klt'^e bestehen darin, daß sie, gleichgültig ob sie die Jöprozesttrge Mnlimckguote übechaupt beisitzen oder ob sie auch ein« höhere zu zahle,: in der Lage seien, schr häufig den Min/iMlfatz aiMetei: und durch diese Taktik 90 Tage Frist gewinnen, in welcher sie in der Regel ihren bisherigen, vielfach lastlspielligen Lebensunterhalt auf Kosten der Gläubiger fortfüren. Ist der Ausgleich endlich perfekt geworden, so wird vielfach durch einen den: Schuldner nahestehenden Gläubiger ein Rekurs gegen die Bestätigung eingemacht, wodurch die Quotenzahlung wieder um einige Monate hmausgefcho-ben werde. Ist das Beusahren dann endlich rechtsgültig abgeschlossen, so ist schr oft für die Quotenzahlung eine Deckung überhaupt nicht vorhanden, sondern di« Zeit des Verfahrens wurde vom Schuldner nur dazu benützt, den letzten Rest der Mtiven Mfzuzchren oder zu verschleppen. Als Mittel zur Bekämpfung di-üser Auswüchse Wird vor allem ein einheitliches Vorgehen und eine straffe Organisation der Gläubiger, eine organische Verbindung mit dem KMursverfahreu, ferner di« Erweiternug der Rechte des Ausgleichsverwalters vorgeMageu, d>am:it der Schuldner ohne dessen Zustimmung keine wie immer geartete Verfügung treffen oder Verpflichtungen eiugchen könne. Ferner müsse die Verschärfung der strafrechtlichen Verfolgung der betrilgevischen uud fchrlästigen Krida verlangt werden, welche trotz der geisetzlichen Vorschriften nur in Ausnahmsfällm erfolgt und schließlich die Herabsetzung der Kosten des Konkursverfahrens durch Pauschalierung derselben, ähnlich wie in Ausßleichsvevfahren, und Einführung branchetüchtiger MasseveriMlter, damit, di« Gläubiger nicht aus Furcht vor den - Kosten des Konkurs« verfchrms jedem Ausgleich zuzustrmmeu gezwungen seien. Ae Anlase von Kmnkenlotsenseldern. Anlagemöglichkeit bei Privatbanken. In der gestrigen Sitzung des Budgetallsschusses richtete der Abgeordnete Parti! an den Minister für soziale Verwaltung die Frage, ob es Vorschriften über die Ablage der Gelder der Sozialversicherungsinstitute gebe. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die Wechselklage, die die Allgemeine Arbeiterkrankenkasse gegen den bekannten Spekulant^ Otto Fleischer wegen eines Betrages von 334 Millionen eingereicht hatte. Fleischer hatte drei Milliarden vom Fortbildungsschulrat und zwei Milliarden von der Arbeijerkrankenlasse gegen eine Verzinsung von 24 Prozent erhalten. Minister Doktor Resch hob hervor, daß alle Krankenkassen in der Nachkriegszeit ihre Gelder nicht pupilarsicher angelegt haben, weil dies sehr schwer möglich war. Sie haben nicht nur bei Großbanken,'sondern auch bei mittleren und kleinen Banken sowie bei Privatbankiers ihre Gelder angelegt- Wenn die Anlage des Kapitals sicher war, so ist dieses Vorgehen nach dem Krankenversicherungsgesetz möglich. Das Gesetz bestilMt, daß die für den Jüdisches Künstler - Kabarett Wien, II., Pratenstraese 60 Leitung; MftX STRENG Heute Mittwoch den 28. Oktober W25 Morgen Donnerstag den 29. Ok- J1 ||a!j4 . A £|%tlfA# tober der grosse Schlager M rlVlU H ellWfll Tägliches Auftreten der Hilllft DULlTZKAJA berühmten und beliebten Volkssängerin lllllll» UVUI lsmmJB Entree freit Beginn 8 Uhr abends Entree frei! Es wird höflichst ersucht, Plätze reserv eren zu lassen, da des glänzenden Programmes wegen der Saal täglich überfüllt ist. tinraimilnnl Samstag den 31. Okt. und Sonntag den l. nov. ein noch me Voranzeige! dagewesenes Sclilagerprogramm 1 Plätze reservieren lassen! lausenden Betrieb notwendigen Summen in der Höhe des visri fachen Monatsbedarfes bei vertrauenswürdigen; inländisches Kreditinstituten angelegt werden können. In dem hier besprochenes Falle handelte es sich um ein Darlehen an das Bankhaus Brüll u. Kalmus. Das Geld war verhältnismäßig sicher on* gelegt. Es war eine 125prozentige Deckung in marktgängigen Wertpapieren vorhanden. Außerdem wurde die Bedingung gestellt, daß in dem Augenblicke, wo die Wertpapiere im Kurse sinken, die entsprechende Erhöhung der Deckung eintreten müßte. Die Verzinsung betrug 20 Prozent. Außerdem wurde vereinbart, daß das Darlehen nur für Jndustriezwecke verwendet werden dürfe. Bor Fälligkeit des Darlehens teilte die Firma der Kasse mit, daß sie das Darlehen an Otto Fleischer weitergegeben hätte. Die Kasse schloß mit Fleischer eine Vereinbarung, bei der das Deckungsverhältuis von 125 auf 150 Prozent und die Ber» zinsnng von 20 auf; 24 erhöht wurde. Bei der geschilderten Operation sei ein Fe hier in der Richtung begangen worden, daß di« Kasse sich von dem Geschäfte hätte zurückziehen sollen, als ihr mitgeteilt wurde, daß das Darlehen an Fleischer weitergegeben wird. Mit Rücksicht aus diesen Vorfall erging von seiten des Ministe« riunts an alle Sozialversicherungsinstitute die Weisung, für die möglichst sichere Anlage ihrer Gelder Sorge zu tragen. Uebertriebeue Gerüchte über die Litauisch-Jüdische Zen» tralbank. Aus Kowno, 20. d., meldet I. T. A.: Der Mangel an Bargeld, der sich jetzt überall in Litauen fühlbar macht, hat dazu geführt, daß die Litauisch-Jüdische Zentralbank, j^r 85 jüdische Kooperativbankeu in ganz Litauen angeischlossensin-d, momentan ZahlungsvevMichtungen nicht in normaler Weife befriedigen kann. Ein« Ursache dieser' Erscheinung ist die plötzliche Einstellung der Kredite an die Kopera.tivbanken seitens der Litauischen Staatsbank. Wie wir enfchren, liegt keinerlei Grund zur Beunruhigung vor, die Zentralbank, die auf kooperativer Balflis ausgebaut ist, stützt sich aus die wirtschaftlichen Kräfte der gesamten jüdischen Bevölkerung Litauens. Ein Komitee aus 15 der angescheichen jüdischen Kaust einte hat sich m!it dem Ziele gebildet, der ZentEaiMasse das .nötige Bargeld zu verschaffen, damit die Zahlungen sich normal abwiMn können. Der Direktor der Jüdischen Kolonialbanik, Dr. H-al-Pern, ist im Interesse der Behebung der Schwierigksiten der Zentralbank in Kowno eingetrosifen. Handelsverkehr mit Polen. Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft teilt mit, daß es mit Rücksicht aus die bestehenden Schwierigkeiten im Handelsverkehr mit Polen sowohl beim Bundesministerium sur Handel und Verkehr als auch beim Bundesministerium für Aeußeres interveniert und im Wege der österreichischen Gesandtschaft in Warschau auch bet bejc polnischen Regierung Vorstellungen erhoben hat. Im Hinblick auf diese Schwierigkeiten wird den Firmen dringendst empfohlen, Waren nach Polen nur dann zu versenden, wenn enze Verständigung von den polnischen Abnehmern vomeat, daß diese die E: n f u h r b e w: lligungen bereits in Hänoen haben. Es besteht sonst die Gefahr, daß den Firmen ourch Einlagerung und eventuelle Rücksendung Kosten entstehen. Die Reform des Mieterschutzes. In Finangikreifen wird die Frage des Mieterschutzes sehr lebhaft erörtert. Es tvird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß das A n f o r d e r u n g sge-setz in seiner jetzigen Form nicht über dieses Jahr hinaus werde Wehen bleiben und daß das neue Gelsetz eine durchgreifende Novellierung ausiweilsen werde. Diese Novellierung dürfte eiire wesentliche Lockerung des Mieterschutzes bringen. Nach den ,Mnanznachrichten" sollen die Mietzinse alb Februar 1626 auf das 2000fache der Vorkriegszeit erhöht werden. Da in den meisten Häuisern die jetzigen: Zinse schon diese Höhe erreicht haben, dürsten die Zinse im Febvmr nur eine geringe weitere Erhöhung erfahren. Dafür dürfte die Steigerung im nächsten Quartal viel stärker sein. Me wir hiegn. erfahren, steht es noch nicht Copyright 1924 by 49 Fortsetzung. 6urt Wo,ff Verlag A.-G. München Nachdruck verboten. Hm Fettdilllift. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. Ich Whe dich, ich liebe." Mein sechster Sinn,'Vorsicht, zupft mich am Aermel und 'warnt mich, unter keinen Umständen etiwas Bindendes zu sagen. Irgendwo schreit es in mir: Heda, verrenne dich nicht' Karriere! Ehrgeiz! Größe! Ehre! Nirgendshin! Nirgendshin kommist du mit ihr! Nirgendshin! Nirgendshin!... Aber ich achte nicht auf den warnenden Lärm in mir. Ich verschließe meine Augen vor den auftauchendrn hohen Aemtern und Ghrenstellen... Ich strecke meine Hand aus. Alles, iwas ich heillig hielt — alle Edelsteine, die ich aus dem Lelben hevauskrtstallisiert hatte — lagen in «meiner Hand, die ich ihr entgegenstreckte. Was wäre geschehen, wenn Esther sie genommen hätte?... Würde ich dann eine andere Geschichte von Meyer Hirsch zu schreiben haben?... Sie ignorierte mein Flehen, verachtete, was ich ihr anzubieten hatte, und wich zurück. Oder, «besser gesagt, sie sperrte sich alb vor mir. Ich konnte es hören, «wie der R-iegeil ins Schloß schnappte. Und wie immer 'Legehrte ich sie um so heftiger, je mehr sie sich vor mir zurückzog. BersÄgen, Schwierigkeiten und Niederlagen feuerten nur die Gier nach Eroberung an, weckten die Verheißung der Jagd. „Weißt du, was man lheute singt?" fragte fte und zog ihre Handschuhe mit ruckweifen Bewegungen an. Esther -war keineswegs ruhig. Ich teimerlte 'die Anzeichen mit Genugtuung. Sie war 'offenbar nervös. Hatte sie sich die Handschuhe nicht ungezogen, bevor sie Hut und Mantel ik-'hm? Me schaute mich auch nicht mit dem ihr üblichen Gleichmut an. Und ihr Atem ging schneller. Ms sie nach ihrem Hute langte, der neben mir lag, faßte ich.sie am Arm und rief aus: „Esther, Esther, ich wollte, sie sängen '1? b-elbeslied für mich, das dir ins Herz dringen würde." Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und formte ihren Mund zum Kusse... so dachte ich... und ihre Augen öffneten sich weit — unmittelbar vor den meinen, alls oib sie mir einen Blick in ihr Inneres gesotten wollte. als ob sie seil'ber wüßte! Ist es nicht das Äwßte Geheimnis, der Ruf des Blutes und sein Widerhall^.". Rasch beugte ich mich nieder und küßte sie. Ihre NPPen schienen in meinem Munde zu schmolzen. Wie eiü Jungeder de-n ersten Lielbeskuß kostet, das erste Feuer der Leidenscha.st, zitterte ich am ganzen Körper, iwar einw Ohnmacht m>he. Ueberrascht, überwältigt, doch nur für ^'uen blitzartig>en Augenblick, erholte sich Esther rasch und Aiug nach der Tür. Ich wgnidte mich um und eüwartete, daß sie verschwunden sein würde; aber da stand sie, eingerahmt von den Tür- Pfosten. Das Bild des Lebens auf der Schwelle des Schicksals. Sie hatte sich den Hut aufgchetzt, einen weißen Biberhut, und als sie ihren Kopf hob, sah aus, als uiOJie einen Heiligenschein trüge aus Weißen Müten. Ihr Geisicht war weiß und zart, und ihre feuchten Lippen sahen verlletzt und gedomütigt aus. Aoer ihre Äugest waren klar und zuckten nicht und sahen aus wie gefrorene Teiche unter Winterhimme-ln... Ich hatte den Körper berührt, und der Körper war unterlegen, aber der 'Mist, der 'Geist war unberührt uud keusch... Ich sah e's wohl... der Geist war nicht mit mir... der Geist, den ich uannte: Puritanismus. Jedenfalls -hatte ich etwas von Esther ge-habt. Ich hatte ihre Lippen gekostet, einen Tropfen Wein hatte ich getrunken, der aus der seltenen Frucht der Leidenschaft gekeltert -war, so stark, daß er mich taumeln^ machte. In meinem Heryen aber bin ich krank vor Estttäujschung... Ich kann Esther nicht gehen lassen. Noch ist es fvüh^ am Tage. Später am Abend mag sie unter den: Onsluß ihrer puritanischen Komplexe sich weigern, den Mststn zu treffen, der sich den raschen, -den Körper Merraschestden Kuß söaihl... Ich schaute aus die Uhr und sagte: ,,Esther, es ist kurz nach fünf. Komm Uptown mit mir; wir wollen nns ein nettes Reistanrant aussuchen, wo wir Abendbrot essen können, bevor die Oper anfängt. Ich muß dir viel erzählen .Ruhig, verdutzt vielleicht Über ihre eigene Unsichecheit, studierte sie mich, augenscheinlich bemüht, auL ihrem Innern einen Lichtstrahl auf mich zu werfen. Sie nahm ähre Handtasche vom Pult, schante mich mit lachender, gleichmütiger Miene an und sagte unevsch>üttert: „Komm, Meyer, wir wollen gehen." Ihre Augen waren klar und furchtlos. Als wir durch die enge, überfüllte Ghrystie Street, die Mündung der 2. Menue, schritten, legte sich ihre kleine Hand auf meinen Arm, und ich war froh über diesen -Augenblick, sie nahe zu sühl-en. Esther schlug vor, -daß wir einen Umweg Uptown machen sollten, durch die engen, gewundenen Gassen um Stuyvesani, Gramercy und Madison Squave, wo Alt-Ne-W-Dork den letzten Widerstand gegen den Ansturm des Geschäiftslebens und der Einwanderer versuchte. Esther liebte die mhevollen Seitenstraßen mit ihren Ziegel- und Braunsteinhäusern voll ruhiger Eleganz, voll großer Linie-n und guten Geschmacks.- Das ist ihr Lieblingsspaziergang und ein Schlüssel zu dem Geheimnis ihrer geheimen Wünsche. Sdwie wir auf die breiten Boulievards hinaustvaten — «die 2. Avenue war die Richtlinie unseres Spaizierganges —, zog Esther ihre Hand zurück und gingin ihrer aufrechten, umibhängigen, freien Weise neben mir her. „Zieh' doch deine Hand eines lieben Kameraden nicht ckb von mir", neckte ich sie. Sie hakte sich wieder ein: ,/Vorwärts, mein kleiner Junge, fürchtest du, 'daß du dich verläufst?" Meine Freude war die eines Schuljungen auf verbotenen Wegen, die Freude, die ihre Onelle im Gefühl der FrennÄschaift hat. Im AugeMick war mein Kop-f v'Mommein frei vvm Wein der Lei-denschaft. Auch ich -war jetzt frei von der Bürde der Fleischeslust. Aber als die Hand, die da nahe an meinem Heyzen ruhte, -warm zu werden begann, übMef' es mich... Ich begann zu kochen und zu wüten und stillischweigend den Geist zu verfluchen, den heiligen Geist der sich hinter «'iner Barre aus Eis lbirgt uud der gegen meine stärlsten Flammen gefeit ist. Krtjetzmg -folgt.)