Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2400 (28.10.1925)
- Date
- 1925-10-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sfr. 3400 aBicitt, Mittwoch Kennen Sie schon Wiener Morzenzeitung 28. Oktober M3 'Zette 8 die grandiose Wirkung des r DUMA r Me Bombe von Lemberg. Bon wo au« wurde das Atteutat verübt? — Ae Segeuantröge der Verteidig««». Donnerstag Entscheidung der Gerichte«. (Bon unserem H.-Korrespondenten.) in Kauf nehmen müßte.) rsranrdranntmin. Jeder Gesunde und jeder Kranke Wirdes Ihnen bestätigen, dass die denkbar beste.Wirkung durch DIANA Franzbranntwein mit Menthol erzielt wird Ueberall erhältlich mann-Franzbraniitwein-~ ' " -Ges. WIEN, II. PRAG, VIII. Eng: rthstrasse 169 Lieben, Drahobeljova 1073 JemiW« Des ftatts Wen Kabinetts. Einstimmiger Beschluß der Regierung. — Keine Gewißheit einer festen Majorität für die Finanzmaßnahmen. Paris, 27. Oktober. Der Kabinettsrat, welcher nach einer dreiviertelstündigen Besprechung zwischen dem Ministerpräsidenten Painleve und dem Kammerpräsidenten H e r r i o t um dreiviertel 10 Uhr zusammentrat und das Finanzproblem gemeinsam mit der allgemeinen politischen Lage einer Prüfung unterzog, wurde um 11 Uhr unterbrochen, um es dem Außenminister B r i a n d zu ermöglichen, der um 11 Uhr beginnenden Sitzung des Völkerbundrates zu präsidieren. Die Fortsetzung des Kabinettsrates war für 3 Uhr nachmittags angesetzt. In der Zwischenzeit wurde jedoch die Demission des Kabinetts und ihre Bekanntgabe an den Präsidenten der Republik beschlossen. Ministerpräsident Painleve begab sich um 2 Uhr nachmittags ins Elysee und hat dem Präsidenten Doumergue den Rücktritt des Kabinetts überreicht. Nach der Aoberreichmig der Demission ließ Ministerpräsident Painleve ehrenamtliche Mitteilung verlautbaren, in der es heißt, Haß die Erörterung der Entwürfe Caillaux' keine wesentliche Uneinigkeit im Schoße des Kabinetts in die Erscheinung treten ließ, doch habe sich die Regierung in der Ueberzeugung, daß die dringliche Kraftanstrengung zur, nationabm Wiederausrichtung nicht ohne die vorherige Gewißheit einer festen Majorität fordgesührt werden könne, einmütig entschlossen, dem Präsidenten Doumergue die Demission zu überreichen. Präsident Doumergue hat den Rücktritt des Kabinetts genehmigt. Am 6 Uhr abends verabschiedeten sich die Mitglieder des Kabinetts Painleve vom Präsidenten der Republik. Nach ihrer Rückkehr aus dem Elhsee hatten Painleve und Ca i ll a u x eine längere Besprechung. 0 Damaskus evakuiert? Paris, 27. Oktober. (Tel.-Komp.) „Temps" veröffentlicht eine in ihrer lafonijcfjen 'Kürze vielsagende Meldung aus B e i r at t: Die aus Damaskus eingetrofsenen Nachrichten sind nicht gut. Die Stadt Mußt« von den Frauen und Kindern geräumt werden. Zwei Kavallerieregimwter schaben sich von nach Syrien Lemberg, 27. Oktober. Der heutige 14. Verh a n d l n n g s t a g brachte die angekündigten Gegenanträge der V e r t e i d i gm n g, die nach dem Vorstoß des Staatsanwaltes vom Samstag mit Spannung erwartet worden waren. Die Einbringung und Begründung dieser Anträge, die Replik des Staatsanwaltes und die anschließenden Einwendungen der Verteidigung füllten die heutige Gerichtssitzung aus. Zunächst beantragte Verteidiger Dr. N o s e n k r a n z die Einvernahme einer Reihe von Zeugen, die bekunden können, daß am 6. September 1924 „ die Bombe gegen den Wagen des Staatspräsidenten aus einem Fenster des Hauses geschleudert wurde, in dem sich das Cafe de la paix befindet. Damit wird das Gericht, dem auch die Anträge Doktor L ö w e n. st c t n § über die Einvernahme von sieben Zeugen zur Beschlußfassung vorliegen, welche ähnlich e W a h r n e h m u n g e n gemacht haben, darüber zu entscheiden haben, ob es den Nachweis führen läßt, daß die Angaben der Belastungszeugin Pastern a k, die als einzige feststellte, die Bombe sei von dem Platze, wo Steiger stand, geschleudert worden, nicht richtig sein können. Die Glaubwürdigkeit der Angaben der Pasternak wird weiters dadurch erschüttert, daß gemäß weiteren Anträgen des Verteidigers Dr. Rosenkranz eine Reihe von Zeugen, deren Vorladung Doktor Rosenkranz verlangt, darüber anssagen kann, daß zur Zeit der Verhaftung Steigers, bei der sie anwesend.waren, die Pasternak nicht mit Bestimmtheit Steiger als den Attentäter bezeichnet hat. In einer groß angelegten Siebe stellte sodann Verteidiger Dr. Ringel eine Reihe von ergänzenden Beweisanträgen, die hauptsächlich mit den Nachrichten übet das eidliche Geständnis des Ukrainers Olschanski Zusammenhängen, der sich jetzt in Berlin befindet. (Wie übrigens aus Berlin hieher gemeldet wird, haben die Polizeibehörden eine Handhabe, um Olschanski in Hast zu setzen, da er beim Uebexschreiten der deutschen Grenze wegen Paßvergehens bedingt zu einer Arreststrafe verurteilt wurde, hat er nun einer Vorladung der Polizei nicht Folge geleistet, sich also eines neuen Vergehens schuldig gemacht hat, wodurch die bedingte Strafe rechtskräftig wird; die Polizei zögert jedoch mit der Verhaftung Olschankis, da sie dadurch im Falle eines Auslieferungsbegehrens die recht komplizierten Ausliefe- „Große Koalition" in.IeuWnnd? Die Frage der Neuwahlen. Berlin, 27. Oktober. Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Der Reichskanzler scheint mit der Möglichkeit zu rechnen, daß zumindest ein erheblicher Teil der D e u t s ch n a t i o n a l e n, wenn es im Reichstag darauf ankommt, schließlich doch dem Vertrag von Locarno zu st im men wird. Sollte das nicht der Füll sein, so glaubt der Reichskanzler als Grundlage für seine weitere Politik die Parteien der Mitte und der L i nk e n für eine großeKo.alitiou gewinnen, zu können. Es wird alles darauf ankommen, welche Garantien er den den Vertrag billigenden Parteien der Linken für eine dahingehende Außen- und Innenpolitik aus lange Sicht zu geben vermag. In engem Zusammenhänge damit steht nach wie vor die Frage der A u f l ö s u n g des Parlaments, uw durch Neuwahlen eine völlig gesicherte parlame nt arische Basis für die Politik der großen Koalition zu schassen. Die Wahlen iu der Schweiz. Bern, 27. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der neugewählte schweizerische Nationalrat weist folgende Zusammensetzung aus: Sozialdemokraten 49 (Gewinn 6), Kommunisten 3 (Gewinn 1), Sozialpolitische Gruppe 3 (wie bisher), Freisinnige und Deniokraten 60 (Gewinn 2), katholische Konservative 42 (Verlust 2), Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei 30 (Verlust 4), liberal-demokratische Partei 8 (Verlust 2) und Parteilose 3 (Verlust 1) Mandate. Die Mumuug der Muer Zone. Paris, *27. Oktober. .(Wolfs.) Die B o. t') ch a ft« rkonferenz ist vormittags zu einer Sitzung zusammengetreten, der Marschall F o H beiwohnte. Aeber die Sitzung wurde folgendes Conwunigue ausgegeben: Die Konferenz verhandelte über die Note der deutschen Regierung vom 23. d. und richtete an das interalliierte M i l i t ä r k o m i t e e in Versailles das Ersuchen, ihm schleunigst Bericht über die militärischen Fragen, die die Note außwirsi, zu^- koinmen zu lassen. Die Botschafterkonferenz begann andererseits die- Prüfung der Maßnahmen, die, sobald der ZeitpuE für die RaumungderKölner Zone . durch die. alliierten Regierungen festgesetzt werden fornt, durchzuführen' sind, namentlich was die Frage der Verteilung der.Truppe u in .den Gebieten betrifft, die noch besetzt bleiben. SozialdMvkatisck-lommimMche kinheitsfiont in Berlin? Ein Vorschlag der Kommunisten. Berlin, 27. Oktober. (Wolfs.) Die Maudatsverteilung auf Grund der Berliner Stadtverordneten Wahlen läßt nach dem vorläufigen Ergebnis folgendes Bild erwarten: Sozialdemokratische Partei 73, dmtfchnationale Volkspartei 47, deutsche Vol'kspavtei 14, Ko m-nmnisten 43, deutschdemokratische Partei 21, Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes ly, Zentrumspartei 8, unabhängige sozialdemokratische Partei 1, deutschvökkische Freiheitspartei 2, deutschsoziale Partei 3, evangelischer Gmioiuschastsbund 2, zusammen W5 Mandate. Unter dem Hinweis darauf, daß in: neuen Berliner Stadtparlament 10 6 Vertretern des bisherigen Bürgerblocks 120 Vertreter der Soziald e m o traten, K o m w u n i st e n u n d U n a b h ä ngigen gegenüberstchen, erklärt die „Rote -Fahne", daß die Kommunisten zu einer. Einheitsfront mit den Unabhängigen -und den SozialdMwkraten bereit seien. * Warnung. Das Sekretariat der jüdischen Kultusgemeinde Ossijck teilt uus mit: Ein gewisser Geza Schwarz Handelsangestellter aus Veliki-Beckevek, angeblich ehemaliger Eisenbahnbeamter in Subotica, entlehnt unter verschiedenen Vorspiegelungen vertrauensseligen Personen kleinere ' und größere Geldsummen. Gegen Schwarz wurde die Strasanzcige erstattet und um seine Knrrendierun^ angesncht. Schwerz, der etwa 25 bis 28 Jahre alt, von kleiner, doch kräftiger Statur >st, reist Mit einem Paß der stäotischen Polizei von Veliki-Peckerek. rungsfor malitäten Dr. Ringel beantragte die Entsendung von Bevollmächtigten der Regierung nach Berlin zum Zwecke der Herbeischasfung des Doku« m e n t e n m a t e r i a l s über Olschanski sowie der Feststellung, ob die von in Berlin befindlichen ukrainischen Offizieren gemachten Angaben richtig sind, daß chiese sich im Besitz von Photographien der Attentäter und von Planen des Attentats befinden; die diesbezüglichen Meldungen gingen dahin, daß die Berliner ukrainischen Kreise diese Photographien und Pläne nicht ansliefern wollen, da sie es zu eine Verurteilung Steigers kommen lassen wollen, um dadurch die polnische Justiz zu kompromittieren. Nach einer Rede des Staatsanwaltes, der einzelne Anträge der Verteidigung akzeptierte, sich jedoch gegen die meisten aussprach, richtete Verteidiger Dr. Landau in ausführlicher Darlegung und Begründung einen Appell, an den Gerichtshof, die Anträge der Verteidigung nach eingehender Prüfung anzunehmen. Der Vorsitzende verkündete, daß das Gericht den Mittwoch zür Beratung und Beschlußfassung über sämtliche ihm bisher vorliegenden Anträge verwenden und am Donnerstag seine Beschlüsse bekanntgeken werde. Morgen findet daher keine Verhandlung statt; die nächste Verhandlung beginnt Donnerstag um 9 Uhr vormittags. Das Gericht hat über eine große Zahl von ergänzenden Beweisanträgen Beschluß zu. fassen, die, wenn sie durchgesührt werden, eine Verlängerung des für die Dauer von drei Wochen angesetzten Prozesses nötig machen. Eine Vertagung des Steiger-Prozesses, von der in den letzten Tagen viel die Rede war, dürfte wohl nicht erfolgen. Verschiedene Zeitungsmeldungen hatten davon gesprochen, daß das I u st i z m i n i st e r i u m in Warschau Weisungen auf Prozeßvertagung erteilt habe. Das Justizministerium ist in einem amtlichen C o mmunique diesen Nachrichten energisch entgegengetreten und hat darauf hingewiesen', daß es die Souveränität des Lemberger Gerichtes in keiner Weise antasten und dessen Entschließungen nicht beeinflussen wolle. Ein Beschluß über Vertagung des Prozesses kann nur vom Gericht gefaßt werden; die Entscheidung darüber wird der Donnerstag bringen. Wer hatongesangen? Der griechisch-bulgarische Konflikt vor dem Völkerkmndrat. Paris, 27. Oktober. (T-el.-KomP.) Die heutige öffentliche Sitzung des VMerbuudrates wurde um 11 Ahr vormittags eröffnet. Der Vorsitzende B r i am d stellte zunächst sch, daß die Antworten der griechischen und bulgarischen Regierung zu dem gchrigenBeschluß des Rates noch nicht eing-e troffen sind. Er lud die Vertreter Griechenlands und Bulgariens ein, sich inzwischen über den Ursprung des Konfliktes zu äußern. Der griechische Delegierte teilte darauf mit, daß die griechische Regierung bereit sei, den rumänischen Verrnittlungsvorschlag (welchen wir bereits gestern mitgeteilt haben — Die Red.) anzunehmen, iwonach die Feindseligkeiten eingestellt werden sollten. Briand nahm davon Kenntnis, äußerte aber, es scheine, als -ob Griechenland den Beschluß des Völkerbundrates umgehen wollte. Der Tatbestand der Räumung der beiderseitigen Gebiete müsse auf alle Fälle festgeslM werden. Nach den von französischer Seite erhaltenen Informationen hätten di« Kämpfe noch nicht aufgehört, und solange dies nicht geschehe, könne von einer Beilegung des Konfliktes nicht gesprochen werden. Der bulgarische Delegierte verlas darauf ein oWelles Schriftstück, worin festgestellt wird, daß die 'Griechen mutwillig die Feindseligkeiten eröffnet hätten und teilte mit, «daß die bulgarische Regierung folgende Vorschläge tnache: 1. Besuch einer V ö l k«r b u n d k o m m i s s i o n an Ort und Stelle. 2. Vollständige Entschädigung für die Getöteten uni) für die materiellen Schäden sowie Sanktionen gegen die- Schuldigen. 3. Sofortige Freilassung der Gefangenen. Der griechische Delegierte verla's darauf seinerseits ein offizielles Dokument, worin die ganze Schuld an dem Konflikt den Bulgaren zugeschrieben. wird. Er wiederholte die Reparations- und Sanktiopsfo r de r u n g e n der griechischen Regierung. Chamberlain brachte darauf den griechischen Delegierten einigermaßen in Verlegenheit, indem er ihn in ironischem Tone auffordert>e, mitzuteilen, wie weit die. Griechen auf bulgarischem Gebiet stünden und wie weit die Bulgaren auf griechischem Boden, Er frage dWM, Ml 2