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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-28 · Heft 2400 (28.10.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2400 (28.10.1925)
Date
1925-10-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Heit« S Wien. Mittwoch Die vierte Sitzung des Mionskomitees wird Freitag mittags um 12 Uhr *20 Min. durch den Vorsitzenden M o tz k i n eröffnet. Verhandelt wird über die Ausführung der Kongreßbeschlüsse bet ressend die Palestine Land Development Company. Van V r i e s l a n d berichtet über die Ergebnisse -der seinerzeit nach Palästina eckfendeten Kommission. Nach einer Debatte, an.-er die Herren Levite, Farbstein, Dr. Federbusch, Ussischkin, Proftssor Marburg, Dr. Hellmann, Mereminski, Garfunkel, S p r i n z a f teilnehmen, wird eine Kommission zur Vorbereitung konkreter Verschlüge eingesetzt, in die die Herren Le wi n -EPftei n, Levite, Mereminsk i, Dr. Wald m a n n, Dr. L c w i n s o h n und Dr. Federbusch getvählt werden. Sodann gelangt die Frage des palästinensischen Erziehungswesens zur Besprechuting. Dr. M o s j inson schildert die momentane Lage des Schulwesens in Palästina, wie sie sich nach -den Beschlüssen -der letzten Sitzung dös Aktionskomitees vor dem Kongreß und -des Kongresses selber ergeben hat. Er schlägt vor, eine aus Vertretern der Exekutive, des Jischuw und -der Lehrer bestehende Kommission für die Fragen der Organisierung des Erzichungswesens einzusetzen. Vorläufig solle das Aktionskomitee die provisorischen Maßnahmen, die von Kolonel Kisch im Einvernehinen mit dem Mevkas Hamorim getroffen worden sind, legalisieren. So ko low bespricht im einzelnen die ' Rotivendigkeiten des palästinensischen Erziehungswesens und weist daraus hin, daß nur eine starke zionistische Organisation mit Autorität imstande seit! wird, den Anforderungen des 'Schulwesens in jeder Beziehung gerecht zu werden. David Yellin übermittelt im Namen der jüdischen Lehrer von .Jerusalem zwei Anträge: a) einen provisorischen Waad Hachinuch einzusetzen bis zur Bildung eine-Z endgültigen Waad Hachinuch, in denr die Exekutive, der Jischuw wie auch die Lehrerschaft vertreten sein sollen, und b) eitle ständige Kommission einzusetzeu zu-m Studium der pädagogischen und -sonstigen Fragen des hebräischen 'Schultvesens. Dr. Thon macht auf die Lage aufmerksam, die sich -daraus ergeben «hat, daß der Kongreß bei der Beschlußfassung über die Frage -der Kommission für das Cyziehungswesen eine grundlegende Bestimm u n g abgelehnt habe. Er halte es für üvünschenstmrt, daß die Verantwortung für das Schulwesen in Palästina von der Exekutive getragen werden solle. Rabbi Berlin berichtet auf Grund seiner letzten Erfahrungen in Palästina über die dortigen Verhältnisse und weist daraus hin, daß die Fördevung des hebräischen Schckrvesen-s, insbesondere im Hinblick ans die -wachsende Eintvanderung jetzt ganz besonders notwendig sei. Sprinzak fordert, daß die. Verantwortung für das ganze Schul« lvesen vom Waad Hachinuch getragen werden solle. Na id i t s ch wünscht, daß eine Kommission nicht nur die Fragen des Schulwesens, sondern alle Fragen derhebräischen Kultur in Palästina behandeln solle. Die Debatte wird sodann -mit Einsetzung einer Kommission, die dir mit -der gegenwärtigen Lage des 'Erziehungswesens in Palästina zusammenhängenden Fragen -behandeln solle, abgebrochen. Die Kommission besteht ans den.Herren Dr. Thon, Rabbi B erl i n, Dr. Mo ssinso n, Sp r i nzak und Fa r chy als Mitgliedern und Herrn Aellin als Experten. Schluß der Sitzung 3 Uhr 20 Min. Tie fünfte Sitzung des Aktionskomitees wird Samstag um 6 Uhr 20 Min. abends vom Vorsitzenden Motz'kin eröffnet. Es wird zunächst in der Behandlung -der Frage des palästinensischen Schulwesens fortgefahren. Hestm a tl n behandelt die Frage des Schulwesens in Paläftitm im Zusammenhang -mit den allgemeinen Fragen der hebräischen Kultur. F a r ch y beschäftigt sich mit der Hebraisievung der Galuth und fordert, daß die hebräischen Schulen in der Galuth gefördert werden und daß di-e palästinensischen hc>bräischen Lehrer gewissermaßen als Chaluzirn der hebräischen Kultur Pa-lästinas in die Galuth hinausgehen. Dr. Klee bespricht die budgetären Fragen des Schulwesens und regt die Heranziehung der jüdischen Gemeinden für die Erhaltung des Schulwesens in Palästina an. Dr. R a b i n befürwortet die Bildung einer Kommission für Beschaffung von Unterlagen für die verschiedenen Vorschläge. Tr. Katznelson ist für die Einsetzung ber -vom Kongreß beschlossenen Körperschaft in Palästina. Tr. Mossinson gibt Aufklärung über die Gehalte -der palästinensischen Lehrer. Nachdem <wr Vorschlag des Vorsitzenden in die 'bereits gewählte Kommission für die Fragen des Schulwesens auch noch Doktor Klee und Dr. Ra bi n hinzugewählt worden sind, wird die Debatte über diese Frage zunächst 'bis zur Berichterstattung der eingesetzten Kommission abgebrochen. . Dr. Klee erstattet sodann einen Bericht der vom Kongreß eingesetzten Kommission zur Prüfung der Frage . zur Uebersiihrimg der Gebeine Herzls nach Palästina. Tie Kommission wird beauftragt, ihre Vorarbeiten fortzusetzen. Es wird sodann Punkt 9 der Tagesordnung über die Verhandlungen mit der A g u d a s I i s r o e l behandelt. Tie Sitzung wird um 12 Uhr'20 Min. geschlossen. Sonntag, vormittags, arbeiten die eingesetzten Kommissionen. Zu Punkt 9 der Tagesordnung über die Verhandlungen mit der Agudas Jisroel referiert Oberräbbincr Dr. Chaj es. Es handelt sich über die Fragen des Landkauses, der Ein- und. Auswanderung, _Wiener Morgenzeitrmg des Gemeindegesetzes und der Beteiligung an der Jewish Agency. ' Das gleichzeitige Eintreffen der Mitteilung von den Verhandlungen der Agudah-Bertrcter mit Marquis Theodoli, »ein Vorsitzenden der Permanenten Mandatskommission >eS Völkerbundes in Genf» erregte in der Sitzung )ie stärkste Mißstimmung. In der Debatte wurde von vielen Rednern unverhohlen das Erstaunen darüber geäußert, daß eine Partei, mit der die Orgau i s a t i o n in Unterhandlungen st e h e, während der Dauer dieser Verhandlungen alle Schritte unternimmt, um gegen den Z i o n i s m u s S t i m m u n g 5 u m a ch e n. Schließlich wurde beschlossen, die Verhandlungen mit der Agudah fortzusetzen, jedoch nur unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß während dieser Besprechungen seitens der Agudah jeder feindselige Schritt beim Völkerbund und bei der Mandatsmacht zu unterbleiben hat. Der Sonntag Vorniittag war für die Arbeiten der Kommissionen reserviert. * Sonntag mittags folgte die bereits erwähnte Ausprachc über die Exekutive. Um '/«II Uhr nachts rat das Aktionskomitee wieder zusammen. Die I. T. A. berichtet: Zur Behandlung steht die vom Kongreß beschlossene. Kontrollstelle. Den Bericht der Kommission erstattet Dr. Rotteustrcich. Sein Antrag auf Bestimmung von drei Personen, die den Entwurf eines Statuts vorbereitcn und der nächsten Aktionskomiteesitzung verlegen sollen, wird angenommen. In diese Kommission werden die Herren Dr. R 0 t t e n st r e i ch, G r ü n b a n nl und S ch 0 rk e n gewählt. Sodann erstattet Dr. Hugo Herrmann den Bericht der Kommission, die sich für die Bestimmungen betreffend den Einheitsschekel und die Bildung der Landesschekelkommissionen 51t befassen hatte. Nach einer Diskussion, an der die Herren Farbstein, Dr. Gol dstein, Dr. Hindes, Stricker, Dr. S ch m 0 r a k, B. L 0 ck e r, Dr. H e l lm a n n und Dr. F e l d m a n n teilnehmen, werden unter anderem folgende Beschlüsse angenommen: 1. Gemäß dem Beschlüsse des 14. Kongresses werden folgende Bestimmungen betreffend den Einheitsschekel und die Bildung der Landesschekelkommissioncn getroffen: Die Schekelquittung wird in einer einheitlichen Form herausgegeben. Die Leitung des Landesschekelverbandes (Landesschekelkommissron) setzt sich aus den Vertretern des Landesverbandes und der innerhalb des Landes bestehenden Landesgruppen der Sonderverbände zusammen. Die Anzahl der jeder Gruppe zufallenden Vertretet richtet sich Proportionen nach der Anzahl der Delegierten, die die betreffenden Gruppen beim letzten Kongreß repräsentiert Haben. Jede innerhalb des Landes bestehende Gruppe mutz jedoch mindestens einen Vertreter und keine Gruppe darf mehr als 50 Prozent der gesamten Bertreterzahl erhalten, es sei denn, daß durch alle beteiligten Gruppen einstimmig ein anderer Schliifsel festgesetzt wird. Die auf den Landesverband entfallenden Vertreter sind aus die innerhalb des Landesverbandes anläßlich der letzten Kongretzwahlen aufgetretenen Richtungen aufzuteilen. 2. Die Exekutive wird aufgefordert, einen Entwurf der auf die Kongreßwahlen bezüglichen Bestimmungen auszuarbeiten und dem Aktionskomitee bei der nächsten Tagung vorzulegeu. Dr. R u s e i s e n erstattet fobamt den Bericht der Kommission betreffend das Budget der Londoner Exekutive. Das Budget wurde in der Höhe von 39.800 Pfund -rwilligt. Der Punkt „Jewish Agency" wurde von der Tagesordnung a b g e s e tz t. Nach einer Mitteilung des Vorsitzenden sind noch folgende stimmberechtigte Ersatzmitglieder des Aktionölomitees eingetrofsen: Moses Kahan (Kowno), Jean Schräme! (Straßburg) und Dr. Landsberg (Wiesbaden). Schluß der Sitzung 2 Uhr nachts. * Die Erwartungen, daß die Tagung des Zionistischen Aktionskomitees am Montag nachmittags zu Ende gehen würde, haben sich nicht erfüllt. Es hat sich die Abhaltung einer Nachtsitzung als notwendig erwiesen. Das Aktionskomitee beschäftigte sich am Montag mit den Fragen der Erziehung, des Budgets, der Stellung der zionistischen Bewegung zum Projekt der K x i m- Kolonisation und der Vertretung des Waad Leumi in der Exekutive. MattMag der österreichischen Zionisten- «Monisten. Morgen um 7 Uhr abends beginnt im Lokale der Scholle, 2. Bez., Lilienbrunngasse '1 (Dianabad), der erste Verbandsta-z der Zionistenrevisionisteu Oesterreichs. Außer den Referaten der Wiener Organisation wir-d der Präsident des Zentralkomitees der Zionistetiwvisiouisten, Wladimir Iab 0 tins y, das politische Referat erstatten. Anmeldungen und Gastkarten im Sekretariat» 9. Bez., Liechtensteinstraße 11, täglich ab 6 Uhr lind vor Beginn der Tagung im Lokal der Scholle, _28. Oktober 1925 , Nt. M00 .... Jet zillMM-nIchlik ler nationalen ftinietjjeiten. Zur Mttonalitäteritagung in Genf. Vom Abgeordneten Dr. M. Nurock (Riga, Lettlaind).; Die soeben beeltdete Konferenz der nationalen Minderheiten in Genf bedeutet den ersten Versuch zu einem Zusammenschluß sämtlicher nationaler Minderheiten Europas. Es ist der Weg zu einem tatsächlichen Zusammengehen der nationalen Minderheiten in chrem gemeinsamen Kampfe um die Vollberechtigung und die Pflege ihrer nationalen Eigenart geebnet worden. Dreizehn nationale Gruppen aus fast sämtlichen Staatert Europas, die eine tiationale Miltdevheit aufzuweism haben, waren mit zirka 50 Delegiertelt verreten: Bon Juden beteiligten sich neun Delegierte an der Konferenz. Der Leiter des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris, Herr Motzkin, vier Mgeordnete und ein Senator aus Polen, je ein Abgeordneter aus Lettland und Litauen u-nd ein Vertreter der jüdichen Mndevheit in der Tschechoslowakei. Die Resoutionen, die teilweise an den Völkerbund gerichtet sind, bekunden den festen Willen der organisierten nationalen Minderheiten Europas, gemeinsam einen energischen Kantpf für die gerechte Lösung des Mmder- -eitenproblems zu sichren. Die Konferenz gewinnt an'und für sich dürch die Tatsache an Bedeutung, daß die Minderheiten sich zum ersten Male offen zusammengetan und die Forderungen ihrer Rechte proklamiert halben. In manchen Staateu.Pflegte man noch bis vor kurzem mit einem gewissen Verdachte auf die Bestrebungen der nationalett Minderheiten zu schauen, insbesondere dort, wo es sich um Kundgchungen außevhaG des Landes zu handeln Pflegte. Aber auch.. manche llllinderheitenkreise Pflegten eine gewisse Scheu und Zaghaftigkeit an den Dag zu legen. Die Genfer Konferenz bewies nun zur Genüge, daß der legale Kampf um das Minlderheitenvecht auf Grultdlage der, vom Kriege gezeitigten neuen völkerrechtlichen Ordnung keineswegs in irgend einem' Widerspruch zu einer wirklichen Loyalität der zu den nationalen Minderheiten gehörigen Staatsbürger der einzelnen Länder sich besinde. Dieses Faktum allein bedeutet bereits ein großes Verdienst der Konferenz. Ein aus Vertretern von fünf nationalen Minderheiten bestehender Ausschuß, dem' jüdischerseits auch Herr Motzkin angehört, soll die Einberufung eines Kongresses der Minderheiten zum nächsten Jahr vorbereiten. . ' Eine wesentliche Erleichterung in der Lösung des MnderheitenprMems ist darin zu eMicken, daß manche nationalen Minderheiten, deren MuttervoK ein Mehrheitsvolk bMet, in ihrem eigenen Jnttzvesse als ehrliche Makler werden austreten müssen. DieZ, gilt insbesondere von den deutschen und polnischen Mndevheiten in den verschiedenen Staaten Europas. Uebrigens wird nach dem Mcklichen Abschluß der Konferenz in Locarno und dem hiedurch bedingten allmählichen Eintreten Europas in ein normales Geleise das MndetheitenprMem immer mehr in den Vordergrund rücken müssen. Auch ist für die Lösung des MindevheitenprMeints der bevorstehende Eintritt Deutschlands in den Völkerbund von außerordentlicher Bedeutung. Die bisherigen Lecker der Geschicke im VAkerbundrat, deren BMer selbst keine Minderheiten besitzen, konnten beirn besten Willen sich in die Lage der Minderheiten nicht hinemfindem Die Mischen Mndevheiten, die bereits seit dent Versailler Friedenskongreß im Komitee der südischen Delegationen organisiert sind, haben in Mer. Beziehung bahnbrecheck» für die anderen natiomlen Mnidecheiten gewirkt. An der Führung der Konsevenz nahm die jüdische Gruppe einen regen Anteil und stellte auch den Referenten in der Autonömiefvage, den Autor dieser Zeilen. Die nunmehr gchilldete Einheitsfront von 40 Ätillionen nationaler Mndecheiten Europas bedmtet > zweifellos den Beginn einer neuen Aera für die end- Mtige Lösung des MinderheitLnprMems und das hichurch bedingte friMche und kulturelle Zusammenleben jder Völker Europas. StudenteMlM. Moskau, 26. Oktober. (Deilegraphena.gLntur der Sowjetunion.) Der Volkskommissär des Aeußern hat wegen ldes Eindringens einer Gruppe lettischer Studenten in das -Gebäude der Sowjetgesandtschast in Riga dem hiesigen Gesandten Lettlands eine scharfe Protestnote überreicht. Der Gesandte sprach im Namen seiner Regierung das Bedauern über »ben Zwischenfall aus. _ Auswechslung der Sowsetvertreter in Pari» «ud London. Moskau, 27. Oktober. (Havas.) Die französische Negiemng hat zur Ernennung' R a k 0 w 's k i s zunr B 0 tschaster der Sowjetregierung in Paris ihre IHmv« mung erteilt. Der bisherige Sowjetbötschasier in. Paris Krassin wird zum BoisHaster in Londyn er- MWt.

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