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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-27 · Heft 2399 (27.10.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2399 (27.10.1925)
Date
1925-10-27
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Bfo» 2669 Wien, DiMstag - ,' Wienev Morgenzeitung 27. OktMr 1SÄ5 Vsih f Pull »vers (Schrupfweste) Molestrümpfe M. Holzer . Handschuhe VI., Mariahtlferstraße 89 - II., Taborstraße 18 s,s Radioprograrnr... Heute Dienstag. 11 Uhr: Konzert (nach Anlage). — 16 Uhr Id Min. t Konzert. Komvonisten-Abe. (IV. Folge.) Jensen : HochzeitSmusik (Suite); JoneSr Die Geisda. Potvourrt; Kreutzer: Nachtlager in Granada; Kienzl r Volksszene an» der Oper -Der Evangelimann-; Leoneavallo. Der Bajazzo; Liszt: Rhapsodie Nr. 2; Lortzing r Zar und Zimmermann. - 17 Uhr 89 Min.: Stunde der Frau. Frau Marianne Stern; Der der- Machte HauSbalt. 18 Udr 2k» Min:. Radiovo"shock>ickule Redakteur Friedrich Porges: Bon Kunst und Technik, des Films. 19 Uhr 10 Min.: Französischer Kurs. — 19 tut 40 Min.: Englischer Kurs (Vorgeschrittene). — ' 20 Uot 15 Min.: Zyklus Ludwig van Beethoven, 2. Abend. Einleitender Vortrag von Musikfchriftsteller Richard Specht. -- 81 Uhr 15 Min. Ein Tag au8 dem Leben einer Radiofreundiu. Humoristischer Vortrag von Emma Schiller, vorgetragen von Anton Amon. Wne und Knust. „rraumnlus." Deutsches Volkstheater. — Gastspiel Albert Bassermann. Traumulus, der naive Edelmensch, dem ein widriges- Schicksal just preußischen Gymnasialdirektor werden ließ, Traumulus, von einem kaltschnäuzigen, zerschmissenen königlichen Landrat aufs Korn genommen, von der Ehegattin verraten, von dem sauberen Herrn Filius bestohlen, von den' Schulbuben, die ihn vergöttern müßten, mißachtet — Tran-, mulus, der Feine, Gütige, hat seinen Lieblingsschüler verkannt und verstoßen. Kurt ist verschwunden, man besorgt, daß er sich das Leben nehmen wird, und Traümulus ist. von Reue zermürbt. Da . klammert sich sein kindliches Gemüt an einen leisen Hoffnungsschimmer,, da leuchten bei 'den aufmunternden Worten eines Freundes seine Augen wieder. Er wird den Jungen — wenn er nur schon da wäre! — in die Arme schließen üüd — rasch holt er eine Flasche Wein hervor, um mit dem Freunde anzustoßen — die Feinde der Jugend und Freiheit besiegen. Bassermann spielt diese Gipfelszene so erschütternd, daß man wünscht, Kurt möge unverzüglich wiederkehren und sein Lehrer könnte aufjubeln. Aber Kurt hat sich ins Jenfeits befördert und Traunmlus bricht zusammen. Bezeichnend für die bezwingende schauspielerische Leistung des Künstlers, daß man dem Drama von Holz und Jerfchke einen guten Ausgang wünscht; bezeichnend, daß nmn das Theater vergißt und um die 'Nerven. BässermannsBangt Weil eS diesen fünften Aufzug gibt — in den vorhergehenden befremdete manche Uebertreibung —/sollte man den verehrten. Meister diese Rolle nicht spielen lassen. Er scheint mehr herzageben, als ein Theaterpublikum beanspruchen darf. Albert Bassermann hatte Mitspieler von . Rang. Han- Ja rays Primaner Kurt ist tatsächlich ein Held. Das bleiche, gefaßte Antlitz des Jünglings spiegelt in seiner starten Rühe doch wunderbar den Seelenkampf, den er auszutragen hat. Prachtvoll auch der Couleurstudent des Herrn Sh a l l. Ein schnoddriges, bierehrliches, herzloses Lumperl, wie es im Büchel steht. Echt, belustigenecht in Geste, Sprache und Kleidung die kleine, im Liebesgewerbe tüchtige Provinzschauspielerin der Frau Carlsen. Den Landrat spielt Herr Scharwenka aus dem Handgelenk, mehr auf äußere- Schneidigkeit;. als auf innere Fundierung der Gestalt bedacht, die ihm anvertraut ist. . Unter Rosenthals Regie eine gute, lebendige Aufführung, die neben anderen Vorzügen noch den ungewöhnlichen hat, daß man dem großen Kornelius Kirschner in einer Episode begegnet. O. A. Aus den Theatern. B u r a t h e a t e r. Morgen, l/»8 Uhr, abends,' „D e r ewige Jüngling". , “ ] % i.a. d e m ieth e a t c r. Morgen, V#8 Uhr . abends, „D er Vu lkan". Op »r n 't heater.. Morgen. 7 Uhr abends, „M a n o n". SÖutf’8,0 p e r. Morgett" wird -der 'Betrieb mit Lortzings komischer Oper „Zar' ündZ iän m'e r m'a n n" eröffnet.- Neues Wi ener S ta d tth e ater. Morgen, 8 Uhr abends, Uraufführung von. Ciliar S e g a l o w.s Schau-! spiel „F r e i h e i t 8 st ü r.m e" In der original russischen Cborelnlage wirkt der bekannte Tenor von der Warschauer Staatsoper Gustav -E h o r Wiedereröffnung -es-Modernen Theaters. Zwischen dem Präsidium, des- Wiener KaiMäWisMn -Vereines, Direktor "Robert Blum und Architekt Richard Ludwig wurde Samstag! der Mietvertrag für das Moderne Theater auf zehn Jahr'e : abgeschlossen. -Die Wiedereröffnung des-Modernen. Theaters unter der Direktion B l u m, der auch der erste Direktor, dieses; Theaters war, wird noch im Laufe des Monats November er- '!^n. . ' _' , ' . Vereine. Bortrstge und Bersammlnngen. .Z iopist i.j ch e I rauen g,-r.'wv pe /B r i g.i.t t en»ü. .-Morgen" um Wb 8 abeM-^UMt^ izy'Wreins-lKkäs, > 20. - Bez.,-: Karl-Meißl-Gttäße gA; i - die/Mmral6ersämmlüm .statt. 7-r.A stroKomische ZrMr.Mr:MsttzM4n'Kt-g-UM l halb 8 W.- abeüds im MdentWw-MMGW'M..MrtM . von Professor Dr. Oswald T h MDje".sMüxMtt Eche. - Z i o n ist; s che- F r a«e ng rllpHe P x/al'-e,-^''.Heute Ärm : 8 Mr. abends.findet;wn Heim, 2. Bez.','JüWraße 8, ein Bvr-; trag statt. Schriftstellerin Johanna Thal-Börsen spricht - über: „Dse .Aufgabe .der. Mischen.Frau .im,.Zio.n-ismus" — OesFsrr'ei'ch'ische pv'l ilische'Gi:sLll'schaftt, 1. Bsz-, Annagasse 5. Morgen Mittwoch Vortrag mit Lichtbildern des Herrn Emil RhbiWa über:'«Afghanistan in politischer, wirtschaftlicher und' kultureller- Beziehung".' ' ' Israelitische Kulinsgemoinde Men. Um den Kindern. , miMloser Eltern Gelegenheit zu geben. sich für die Barmizwah - vorbereiten M Lönnen; hat der Vorstaud der^ Israelit-ischeu Kultusgemeinde Wien beschlossen,, auch, im Schuljahr 1935/26. einen unentgeltlichen Barmizwchkurs zu eröffnen, Der, Unterricht findet Sonntag von 9 bis 16^ Uhr vormittags und Mittwoch von-3 bis 6 Uhr nachmittags in der Ehovschule der.Jfraelitifcheir Kultusgemeinde, I. Bez., Seiten,stetteugaffe 4, 4: Stock,'statt. AattistÄ und Wngeli. In einer dreitägigZi BechaMüng vor den Schöffen haben; sich der nach Melane (Italien) zuständiige Äaufntcmn Heinrich ' Battistel und sein^elMaliger. MlgesteMer. Josef Cz'rhlgeli wegen Kerbrechens der betrüge.rischen Ärida zu - verantwortey^Dje Ankl-age-Agt^dW' Beschuldigten zur Last, daß i sie von Anfang September 1923 bis Jänner 1924 Rbensmittel und Webcharett ^m ungefähreu .Werte,-von- 390-000 Schilling i boiser'te geschaffitMdszum^TE tief unter dem Einkaus?-! preis veräußert haben. ' ' Nach Darstellung der Anklageschrift waren Battistel und ^Czingeli in der Wiener Firma Prevedoni u..Jellitsch in Meidling tätig. Als'diese Firma sich im Auguist IW auflöste, traten l Battistel und Prevedoni in die bereilts bestehende Firma Zeidler u. Eo. ein, die ihren .Sitz in lder Rchthausstraße. 8 hatte. Die . Firma machte sich; die infolge der herrschenden Absatzkrise bestehende BereitwilliMt yu Kreditverkäufen zunutze, kaufte große Pasten'Webwaren und auch Lebensmittel bei'zahlreichen Firmen auf Kredit ein und verkaufte die Ware gegen Barzahlung sofort zu sehr niedrigen Preisen weiter. Den größten Teil erstände;: die Bamckvollfirma Karl Pollak A.-G. und der Webwarenihänbler Martin Czingeli, der Bruder des Angoklagten CzinM . , 8ohan«'Stra«ß>FestkoWttt. . Robert Schumann hat einmal den feinen Unterschied , zwischen Kopf-, Fuß- und Herzwalzerü gemacht. Die Kopfwalzer schreiben; man gähnend, im Schlafrock, in C-Dur und F-Dur, in den Fußivalzern wogt und springt alles, Locke, .Auge, Lippe, Arm und Fuß, ihre Tonarten sind D-Dur und A-Dur. Und die Herzwalzer sind die Des-Dur- und As-Dur-Sihwärmer, die Abendblnmen und Dämmernngsgestalten. Die Johann Straußschen Walzer sind wohl, in welcher Tonart immer sie stehen, Fuß- und Herzwalzer zug.'cich, zumal wenn sie von unseren P h i l h a r m o n> kern gespu'l:, von Felrx Weingartner dirigiert werden. Nich: nur die Beine gerieten bei solcher Wiedergabe der Fuß- und Herzwalzer ins Hüpfen, auch das Herz hüpfte vor Freude cki: und cs Me nicht viel, daß das Publikum des hochyffiziellrn,.vcn den Spitzen der Behörden ("'suchten Tanzkonzertcs in eine ähnliche „Verkauit's mein G'wand"-Stimmung gekommen wäre, wie damals, da der 19jährige Johann Strauß im Dommayer-Kasino z;;m ersten Male seine eigene Kapelle dirigierte Für das Festkonzert war das Allerhöchste unter den Straußschen Tänzen gerade schön genug. Leicht und frohbeschwingt sang Frau Kiurina den „Frühlingsstimmenwalzer", frühlingsfrisch erklangen die „Geschichten ans dem Wienerwald" und das - „Künstlerleben", der W i e n e r M ä n n er g e s a n g v e r e;;; überbot sich geradezu im Vortrag von „Wein,' Weib und Gesang" und „An der schönen blauen Donau", und Moritz Rosenthal spielte, seine Straußsche Klavierparaphräse 'mit' Bravour und ' großartigem Kraftmeiertum. Mit den Walzern wechselte die reizvolle Polka-Mamr „Lob der Frauen" und der Musikalische Scherz „PerpötUum mobile" ab — ein Meisterstück ornamentaler- Fortspinnuug. vo.n instrumental prächtig kolorierten Themen ' ohne Ende —, das wiederholt werden mußte. Die Ouvertüre zn Strauß' erster Operette „Indigo und die vierzig Räuber" cr° öffnete das Konzert, wmauf Frau Lily Marberg ein von Hans Müller verfaßtes Festgedicht aus den Walzerkvuig sprach. Frölich. das gesprochene Wort verhallt wirkungslos, weiur erst Joha,:.; Strauß' Mig juW Welodim nWinZen. slb. Das Urteil im Rüigers-Prozetz'. Nach öreiilvöchiger Per- Handlung wurde gestern das Urteil m Prozeß gegen die Verwaltu'ngsräte^ der vevkrachten Julms-Rütgers-Deeründ NaPhtha.--Jndustrie-A.-iG. gefällt.. Der- Hauptangeklagte OMar Mei-tner, dessen Frau, wie erinnerlich, nach seiner Vechrfitung Selbstmord verübt hat. wurde wegen Betruges und Veruntreuung FU z'weieinhalb Jahren schweron Kerkers, Benfamin Griffel wegen fahrlässiger Krida' zu. zwei Monaten strengen Arrests und Rechtsanwalt Dr. Leopold Ehrlich wegen fahrlässiger Krida bedingt au zweieinhalb Monaten strengen Arreists venirteilt. Die Strafe des Benjamin Griffel erscheint durch die Untersuchungchast als verbüßt.- . ... Rechtsstreit um einen Grabstein. Demnächst^ wird ein Wiener Gericht über die Frage zu Mitziereu haben, ob der Eigentünrer eines Gräbsteines aus einem von der Kultusgemeurde erworbenen Grab mit diesen; nach Guüdünken ver- . fügen kann. Der Kläger hatte vor Jahren auf dem Grab eines Familienängehörigen nach Zahlung sämtlicher vorgdschrkebenen Taxen einen Grabstein aufftellen lassen. In dieses Gra-b wurde ein zweites Familienmitglied bei gelegt und es sollte nun auf dem Stein auch die Jiuschrift für Wen zitveiten Verstorbenen angebracht werden. Keiner'der Wiener Steinmetzmeister konnte aber diese Arbeit übernehmen, da. vorerst ein diesbezügliches Gesuch bei her.'KnltusgemeiUde.eingebrycht und für die Bewilligung eine neuerliche Taxe erlegt werden muß. Der.Eigentümer. des Grabsteines w e i gar t 'sich/aber, das Gesuch ..ü'oerhanpt einzubringen und die Taxe zu erlegen, da er sich auf den 'Standpunkt stellt, daß die ganze Sache die KultusgemeWe'gar nichts zu Mmmeicn habei "Er'sei^EiMÜmner hes Grabsteines und.tonne -üher. denslbeu nach eigenen; Gutdünken verfügen. Die Kultusgemeinde sei nicht berechtigt, für die Anbringung ,der. Jnschrrf;' auf dem Grabstein eine Taxe einznheben. .Wir Werpe;;' Mr. den Apsgüng oieses interessanten. Rcchitsstreites 'Herlchteu.; Ein Taschendieb beim Zionistenkongwtz. Döm.Schriftsteller Heinrich.'St.eisier war am 18. August inr.Kon« 'zerlljaus, wo darüals 'der - Z"i> o n i st e n k o n g r e tz stattfmch, me golden e U h r s a in t-fit t t e gezogen worden. Der Täter wurde sofort ertappt und der Polizei überstellt. Es war der Schneidergchüfe Fischt. R o s e n ba u nt, ein tvegen Taschendiebstahls mehrfach schwer abgeftrafter junger Mann. Gestern hatte er, sich vor einem Schvffeusenat unter Vorsitz des Hosrates Billek wegen Verbrechens des Diebstahls zu verantworten und wurde zn -zwei Jahren schweren Kerkers v-ermtM, o v vorm. MALOWAN & FRANZ Telephon 72-84 Opernring 23 Infolge äusserst günstigen Abschlusses bringen wir aus allerfeinsten engl. Double-Stoffen, auf Seide gearbeitet, in den neuesten Fassons zum Preise von 195 Schilling und Sefdenhinder in allerschwerster Reinseide und neuesten Dessins zum Preise von 9.50 Schilling zm Ser Kurssturz Ves sranzöfischen Franken. Französische Frankenverkäufe. — Die Haltung der Kontermink. - Auf allen internationalen Börsen machte der Kursrückgang des ftanzösischen Franken weitere Fortschritte. In Zürich er- . öffnete.der -Franken mit 20,70 nach 21,65 vom Vortag, und besserte sich dann gegen Schluß des Verkehres auf 20,95. Der Rückgang - von Samstag, aus Montag betrug somit mehr als 3 Prozent. - Mit diesem Rückgang hat der Franken den Kurs erreicht, den er ' Mitte -März 1924 innehatte.! Die Situation ist insoferne verworrener, als das Schicksal ' Caillaux' noch immer nicht seststeht. Es ist möglich, daß seine Demission eventuell beschlossen werden wird. Es ist aber auch ' andererseits nicht -ausgeschlossen, daß sein Programm doch durchgeführt werden wird. Bon der gegnerischen Seite wurde Caillaux v.orgeworfen, daß er über kein, ausgesprochenes Finanz- Programm verfüge. Gegen diesen Vorwurf, hat sich Caillaux. gerade in semen letzten Aeußerungen entschieden verwahrt. Aus den - Erklärungen Caillaux kann folgendes herausgelesen, werden: Das Sanieruntzsprogramm ist gescheitert, weil die.ftüheren Regierungen eine allzu starke Juflationspolitik betrieben haben. Mein Finanzprogramm, das -ich bei Regierungsantritt vorgelegt habe, kann deswegen nicht durchgeführt werden, weil der iKrieg in Ma- .roRo alle meine Pläne über den Hausen geworfen hat. Es müssen infolgedessen neue. Maßnahmen getroffen werden, die dem jetzigen Chaos in den Finanzen entschieden'begegnen.' - '. Tatsächlich chat 'sich die nichtsundierte Schuld der französischen ' Regierung auf 105 Milliarden erhöht. Wenn noch die knrz- ' triftigen Anlehen an die Banken in der Höhe von 40 Milliarden - hinzugevechnet werden, so betragen die inneren nichtsundierten Schulden 150 Milliarden. Zweifellos kann der Schuldendienst für die fllüdier t e n und nichtsundierten Schulden vorläufig unmöglich aus öen lausenden Staatseinkünften bestritten werden. Es ergibt sich nun die Frage, durch welche Maßnahmen die französische Finanz bis zur Beendigung des Rifkrieges durchhälten könnte. Caillaux 'wehrt sich gegen den von sozialistischer Seite eingebrachten Vorschlag der Kapitalssteuer. Er befürchtet allem Anschein nach durch eine solche Maßnahme den Abfluß fremden Kapitals, das jetzt in Frankreich tätig ist. Dabei ergibt sich, aber die merkwürdige Tatsache, daß . die ganz recht orientierten Banken'einer solchen Kapitalssteuer ebenfalls zustimmen. Es scheint, daß sie dabei die Hoffnung hegen, sie - würden nicht allzu sehr^ davon-.-betroffen werden.mrd andererseits durch die Transaktionen größere.' Gewinne einheimsen. Es würden züm Beispiel größere Aktienverkäufe zur Bezahlung der Kapitalsteuer getätigt werden. Dies würde die Borsenbureaus der'Banken-stärker m Anspruch nehmen. Grund - und Boden würden für die Zwecke der Beschaffung der Käpitalsteuer Hypotheken ausnehmen müssen; dadurch würde sich das Kreditgeschäft der Banken heben. Interessant ist, daß die Regierung sich über ihre Stellungnahme zur Kapitalssteuer nicht einig ist. Der Ministerpräsident- Painleve scheint einem Kompromißstaudpunkt zuzuneigen, indem er erklärt, daß entweder die Kapitalssteuer oder eine Erhöhung der Einkommensteuer, die zur Begleichung der fälligen Schatzscheine notwendigen Mittel herbeischaffen könnte. Im übrigen scheint per Sturz des ftanzösischen Franken in erster Reihe auf forcierte Devisenkäufe des Pariser Platzes. ' zurückgeführt zu werden. Die ftanzösische Produktion hat sich in der letzten Zeit ihrer Devisenmittel entblößt. Nun benötigt sie zum Einkauf von Rohmaterialien unbedingt größere.Devisenmengen. Namentlich . die -ftanzösische Textilmdusttie ist genötigt, sich jetzt ' auf dem amerikanischen Baumwollmarkt einzudecken. Darauf dürfte es auch in erster Reihe zurückzusühren sein, wenn gerade NewHork wiederum das Zentrum-der . überhasteten Frankeuverkäufe bildet und dadurch der Frankenkurs immer weit himmter- . lizitiert wird. Die internationale Baissespekulatton, welche in Amsterdam, London und New-Dork ihren. Sitz .hat, scheint nicht recht ins Zeug gehen zu wollen, wie es im Vorjahre der Fall war. Die Verluste liegen ihr noch in allen Knochen. . Andererseits, wird befürchtet, 'daß Morgan eventuell boch wieder . eine ähnliche Aktion wie im Vorjahre durchsichren könnte, welche die Kontermine völlig eingezwickt und dem Hause Morgan Mil- ' liöüenverdienste eingebracht hat. Es hat den Anschein, als ob die Pariser Banken in dieser Richtung ans die internationale Spekulation kalmierend wirken würden. Sei dem wie auch immer. Die Situation ist vorläufig so gespauut, das; stüudlich eine Wendung eiutreien kann. Dies fürchtet die Spekulation und steht iu- > Medessen zum Teile abwartendbeiseite. 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