Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2397 (25.10.1925)
- Date
- 1925-10-25
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Geile 16 Wien, SonniaH Wiener MorKen-ettima 26. Oktober IW * Goldene Hochzeit. Der Senior der Lehrer cnit meinen Österreich eschen itsvaelittschen DaubstummenlinKlnt, Oberlchrer Jchf Frieds soiert om 14. November d. I. mit «seiner Frau Johann« im Jnlsbitutstempel das Feist der g o ldenen 'Hochzeit. Dem hochverdienten und austgegeichuetoltz Lehrer wenden sich die Syirqmchien weitester Kreide zu. * Palastinareisen urit den Dampfern der fran.Mchen Linien ab Machille und Consta n^a. Auskünfte und Billetten Compagnie Generale TranSatlantique, Wim, 4. Bez., Wiedener Gürtel 24. * Explosion in -er Prorauer Zuckerfabrik. In der Prvrauer ZuckerfabrA ereignete sich vorgestern nachmittags, wie 'aus Olmütz gemeldet wird, ein furchtbares Unglück. Bonn 'Kesselputzen beging ein Arbeiter die Unvorsichtigkeit, Dampf in den Kessel einzulassen. E8 kam zu einer furchtbaren Explosion. Der Arbeiter, der den Kessel göpntzt hatte, wurde so schwer v e r b r a n n t, das; Fleifchsttücke von seinem Körper herabficlen. Ein anderer Arbeiter,der draußen stand, wurde durch den Druck aus den Kessel geschleudert; dabei Micke chm der Schädel zertrümmert, so daß er auf der Stelle t o t loar. Ein dritter Arbeiter wurde ebenfalls schwerverletzt. * Unaufgeklärte Todesfälle. Am 22. d. früh brachte die Llsährige Privatbeamtensgattin Stephanie Neu seid ihr neun Wochen altes Töchterchen Melanie zur Untersuchung in das Wilhelminenlspital. Ms die Frau Neufeld dort ankam, war das Kind schon t o t. Die gerichtliche OMnung der Leiche wurde beantragt. — Die Kauftwannsgartin Anna Prohaska ist am 33. d., nachts, .mit einer -mit Fieber verbundenen Fehlgeburt in das Wilhelmiinenspital gebracht worden und bald nach der Autjncchme gestorben. Weder rhr Mann noch sonst jemand wußte von der Fchlgeburt. * Im Bette verbrannt. Die 74jährige Wündnerin Regme Baranek. ist am 13. d. in ihrer Wchnung bei brennender Kerze eingeschlafen, Ihr Bett fing Feuer und die Greisin erlitt an der linken Körpechite und an den Händen schwere Brandwunden.. Auf der Klinik Ri-ehl ist die Unglückliche am 22. d. ihren Wunden erlegen. * Erpressung an einem Amerikaner. Ein in einer Pension am Alsergrund wohnhafter Amerikaner hat am 22. d. beim PMzeikammissariat Alsergrund angezeigt, daß er das Opfer von Erpressern geworden fei. Ex teilte unter anderem mit: Am 21. d. sei er in sein Zimmer in der Pension getreten und' habe dort zu seinem Erstaunen einen ihn: völlig unbekan nten Burschen angetrochn, der in seinem Bette lag und ihn auifforderte, ihm einen größeren Geldbetrag zu überreichen. Der Bursche habe ihm mit der Polizei gedroht. Der Amerikaner gab ihm nichts und ging dann zugleich mit dem Burschen weg; auf dÄn Gange habe sie ein zweiter Bursche erwartet, der sich ihnen anfchloß. Sie kamen auf die Straße und trafen einen Wachebe-amten; der Amerikaner drohte 2en Burschen, sie verhaften zu lassen, tvoraus sie flüchteten. Am nächsten Tage hatte der ersterwähnte Bursche die Stirne, nochmals zu kommen und unter Drohung wieder Geld zu verlangen, so daß sich der Amerikaner entschloß, ihm 700 Schilling zu übengeben. Be! einem dritten Besuch am 23. d. wurde der nne Bursche fe'tgenammen. Er ist der 24jährige angebliche Filmartist Stephan Har ei er, im Hotel WaM wchnhan. Cr bchnty.'et, von »er -Erpressung überhaupt nichts zu wissen und nur von dem zweilen Burschen, einenr Bauzeichner, von dem er nur den Namen -Karl kennen will, awfgofordert worden zu fein, ihn zu begleiten. * Berliner Schlittenfahrer. Aus Berlin wird berichtet: Drei Ka-uGeute, der 34jähri^e Artur Anker und der 38jährvge Alfred Neufeld, letzterer mit seiner Frau, der 35jährigen Edith Neu selb, sind aus Berlin fluchtig geworden und werden beschuldigt, Textilwaren im Werte von 500.000 Reichsmark herausgeschwindelt und verischleudert p haben. * Neue Arbeitsmethoden -er Langfinger. Freitag wurde zum ersten Male beobachtet, daß Taschendiebe wieder nach einer neuen Methode arbenen. Ihr ArbeitIseld ist der gewöhnlich überfüllte Autobus auf der Strecke Schottentor—Stephansplatz. Mitten im Gedränge s ch n e i d e t der Gauner von unten und innen die Brusttaschen der Röcke samt dem Rockfutter auf und stiehlt durch den Schlitz die Brieftasche. Freitag haben sich z w e i d e r a r t i g e F ä!l >l e ereignet, bei denen die Gauner Brieftaschen mit M und rwit 66 Schilling erbeuteten. -E Wladimir JabotinSky wird den Bovtuag Mach dam 14. Zionistenikongreß"" am 38. .Oktober im Ehen Konzerthaussaal halten. Karten bei Heller, 1. Bez., Bauevmnarlkt 3. . Stiftungstrauung. Ackählich des KinUgjährigen Bestandes des Leovoldstädlcr TempeloereinS Aekchel Awrobom, 2. Bez.. Pazmanitengaffe 6. wird vom Vorstande deS genannten Vereines eine am 26. Aislev, 2 Chanukatag (18. Dezember l. I.), durchzuführende St stungStrauung gewidmet. Würdige, mittellose Brautvaare wollen ihre mlt den hierzu erforderlichen Dokumenten versehenen Gesuche bis spätestens 18. Marcheswan (b. Nov) im Settetariat, 2. Bez., Pazmanitengaffe 6, 1. Stock, an Wochentagen zwischen 1I24 bis 7q& Uhr persönlich überreichen. Zionistisch« Ortsgruppe Bicken. Heute um 8 Uhr abends im Smugslaale ver Jiraettlischen KultuSgemeinve, Vortrag Dr. Otto Abelesr „Meine Palästinareise im Juli 192b.* Anschließend daran Generalversammlung der Zionistischen OnSarnppe Laden. Tagesordnung: 1. Eröffnung; 2. RecheuschastSb richt, Kassabericht. Jugendreferat; 3. Debatte; 4. Wall; 5. Eventuelle-. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. 2. Bez., Taborstraße r>9, Telephon 40*3*16. Zn der Zeit vom 11. btS 24. Oktober 1925 waren angemeldet r 1067 männliche und 762 weibliche Stellensuchende aus den verschiedensten Branchen. Männliche offene Stellen: 7 Vertreter 3 Lehrburschen, 4 jugendliche Laufburschen. 1 Verkäufer, 1 Tischler, 27 Praktikanten 1 Schneider, 1 Tapezieier, 1 Spengler, 2 jugendliche Hilfsarbeiter. WeiblicheorseneStellenrl Schneiderin. 1 Ausfertigerin, 1 Laufmädchen, 14 HauSgeh'lfinnen, 1 Äöchin, 1 Verkäuferin, 2 Praktilantinnen, 1 Strickerin. 1 Kindermädchen, 9 Kinderftäulein, 1 Hilfsarbeiter n. In derselben Zeit wurden vermittelt: M ä n n l i ch e Stelle»,! 3 Vertreter, 1 Lebrburscke, 2 jugendliche Laufburschen, 1 Tischler, 5 Praktikanten. 2 Schneider. 1 Tapezierer, 1 Hilksarb-tter Weibliche Stellen: 1 Schneiderin. 1 Ausfertigerin. 1 Lausmädchen, 7 Hausgehilfinnen. 1 Köchin, 2 Prakti aminnen, 1 Strickerin. Die p. t. Arbei'geber werden höslichst ersucht, sich im Bedarfsfälle an obige Adresse zu wenden. «r. um Jüdisches Künstler "Kabarett Wien, ii., Pratenstrasse 60 Leitung: MAX STRENG Wer gut lachen will, der versäume nicht zu kommen zu dem grossen Sensaions- und Monsterprogramm Haute Sonntag den 25. Oktober 1925 A MOID - A CHWAT Hilde DUliTZKlJi SCHAPSE GOJLEM Auftreten der hier beliebten Volkssängeri:i mit Ihrem grossen;chlagvrprogr imm Dienstag den 27. Oktober der grosse Schlager Mit woch den 28. OKtober: BUNTER ABEND Donnerstag den 29. Oktober ||AS<| _ M /IüumI > ie grosse Lachkomödie §K WOIQ A %VlWot Entree frei Solis, Tänze, Duette Beginn 8 Uhr abend* Radroprggrarrrm. Heute Sonntag. 11 Uhr 5 Min.: Festkonzert d e i Wiener ShmphonieorchesterS. Leitung Professor Niiius. Johann Strauß. /Zu seinem 100. Geburtstag.)' — 4 Uhr: Konzert Kapelle Silving. Im Zeichen Johann Strauß'. — 7 Uhr 30 Min. - Operettenaufführung: „Der Zrgeunerbaron", von Johann Strauß. Musikalische Leitung Dr. Kaiser. Einleitender Vortrag über Johann Strauß' von Herrn Siegfried Löwh. Saffy, Z -eunermädchen Kammersängerin Berta Kiurina; Graf Homonay Ernst Tauber; Conte Carn ro Otto Beer; Sandor Barmkiuf, ein junger Emigrant Kammersänger Hubert Leuer; Kalman Zsuvm, ein reicher Schwemezuchter Kammersänger Hermann Frischler; Arsena, seine Töchter Paula Bäck; Mtrabella, deren Erzieherin Rose Attler; Oltokst, MirabellaS Sohn Karl Jälbl; Cztpra, eine alte Zigeunerin Hilda Salinger. _ Vereine. Bortriigr und Versammlungen. Z t o n i st i s ch e S e t t i o n P r a t e r. Heute. ^z8 Mr abends, im Sektionsheim. 2. Bez, Jungstraße 8, Heimabend. Vortrag Direktor Leon Wechsler: „Zionist und Jude*. - W i e n e r Beth-Hamtbrasch. 2. Bez., FerdinandZstraße23. Heute, 6 Uhr abends, Rabbiner Lektor Dr. S. N u b i n: „Midrasch, nach den Quellen erläutert und interpretiert." MorM Montag 7 Uhr abends. Vortrag Rabbiner Lektor Dr. S. R u b i n: „Talmud." — Jüdisch-akademischer I u r i st e v erein, 2. Bez.. Taborstraße 1. Donnerstag, 29. d, präzise Uhr abends, Vortrag Adolf Böhm: „Die völkerrechtlichen Grundlagen des Palästinammdats." Gäste willkommen. — Z i «» nistische Frauengrupp e Prater. DtenStag,27.d., 8. Uhr abends, im Heim, 2. Bez., Jungstraße 8. Vortrag Schriftstellerin Johanna Thal-Birsen: Me Aufgabe der jüdischen Frau im Zionismus." — Zionistische Sekt i o n VI—VUI. 8. Bez., Bennoplatz 1 s. Dtenstag, 27. d., 8 Uhr abends Konzertakademte. Künstlerische Leitung: Emil O st e rm ä n n. Anschließend Tanz. — V e r e i n i g u n g j ü d i.'i ch e M ö'd e r n e. Morgen, 6 Uhr abends. Cafe Josefinum, 9. Bez., Währingerstraße 33 (großer Saal), Vortragsabend Dr. Franz Kob ler: „Judentum und Europa." Gäste willkommen. — Z i o n i st i s ch e B e z i r k S s e k 1 i o n A l s e r g r u n d. 9. Bez-, Liechtensteinstraße 11. Morgen. ll2S Uhr abends, im Cäfö Metropole, 9. Bez , Berggasse 33, Vortrag des Henn Dr. I. S a d g e r: „Psychoanaly'e und Judentum." Gäste willkommen. -Z io n i st i sä, e B e z i r! sI e k t i o nXVI/XVlI.Morgen, 8 U h r abends, im Cafä Dubinsky, 16. Bez., Brunnenaasse 34. Ecke Thaliastraße, erweiterte AuSschu'ßlitzung. Tagesordnung: 1. Bericht über den Parteitag, 2. Beratung über die Gründung einer hebräischen Schnle und Arbeits. Programm während des Winters. ... ji: -. Ju-eMichr Musiker, tie einem M biiwrndrn jüüijschen Jugend-O-chester beirreten wollen, meloen sich schüiliich bei Jugendgruppe Prater, 2. Bez., Jungstraße 8. Mae und Kunst ..per ewige Jüngling." (Burgtheater.) D>is neue Lustspiol Alexander Engels «rächt mit einer stattlichen Familie begannt. Jin Adölsgeischlecht derer von Dollereder wird standesHvmätz, aber pwmpt geheiratet, es werden prompt Kinder gezeugt und man lckbt bange. Unter nicht weniger als fünf Generationen des nämlichen Blaublutes sind die R-ollen des Stückes verteilt. Das Oberhaupt des Hauses, eine Ur-Urgroßumtter von 82 Jahren, iist noch re-sch-untz fesch nennt ihren Schn, einen veritabeln Urgroßvater, ,^öer Bujb" -und horcht an seiner Türe, ob er nicht aus Abeirteuer aüsg> zvgen ist, statt hübsch im Bett zu liegen. Man muß ernstlich aufpassen, um in dieser Novität (die ansonisten den Geist der Theatergäste nicht sonderlich bemüht) die Berwandttschastsgralde richtig auseinander zu hasten. So zum Beispiel ist das jüngste, vierjährige Töchtlerchen des Titckhelden die Großrante ihrer Spielgenossin (die Papqs Urenkel ist), und der Großpapa 'der Dpivlgenossm ist chr Brüder, gleich zeitig der Schn ihrer jugendlichen Mutter. Zum Kchszevbrechen! Wie damals im Falschiug, als man im Burgcheater im Rahmen einer Ibsen-Parodie«die nämlichen verwickolteir Familienvechältn'isse dattegte, wurde auch gestern aus Anlaß dieser Fest stelluugen schr gelacht, um so heftiger, als sich sonst nichlpiel Gelegenheit zu leibhafter Heiterkeit ergab Es geht in den drei glatten, flinken Akten um die Lebenslust eines „ewigen Jünglings", der als Urgrotzvater heimlich nochmals geheiratet hat und zu Rom in einer heyllichen Billa (er kann sich's leisten) seit fünf Jahren ein ungetrübtes Gatten- und Vaterglück genießt. Sein sauertWscher^ ältaster Schn bernsi den Familienrat ein und man beschließt, den alten Herrn zur Raison zu bringen. Der „ewige Isipgling" -aber bleibt Sieger. Seine siibechaarige Prachbmama, .die eüfährt, daß ,)der Bnb" richtig (und standesgemäß!) verheiratet ist, hat ihre Freude daran. Wir hätten sie auch, hätte ber .geischo Autor das Lied von der Jugend, die nimmer aufhört, wenn das Herz nicht altert, etwas weniger konvennonell — nun, heraus damit: ein 'bißchen frischer, eigenartiger, seLbständiger gesungen. „Der Bub" ist Georg Reimers. Er muß im ersten Akt ein recht läppisches, sechzigjähriges Ensam terrib'le! spielen und lebt ordentlich aus, wenn er, in seine römische Billa zurückgelkchrt, die Fäden der Handlung in die Hand kriegj, Über Schn und Schwiegertochter, über die Gattin und ihren jiungen/Berchrer siegt wie er will. Else Wohl ge mu th, die schöne,-junge .Frau des ewigen Jünglings, macht ilhm in der letzten Szene neuerdings eine LieibeseMärung, der sich das Parterre, die Logen und alle Ränge chne Unterschied des Atters und Geschlechtes ansch'lietzen. Die Stammutter derer von' Dollereder wird von ihrer Sippe zutreffend „die Unsterbliche" benamset. In Lustfpiellen mit adeligem Personenvevzeichnis kommt sie.zu verlässig ans die Bretter, war erst jüngst in Molnars ./Schwan" zu begrüßen und wird hier wie dort von Hedwig B lfe'ibt r eu mit der bewährten sein-parodistischm Graiidezza und in neuen wundervollen Toiletten entzückend gespielt. Den entarteten. Schn des ewigen Jünglings stattet Herr Prang er.mit aller nötigen Trockenheit aus, Herr Heim entpuipps sich als ein Komiker von Rang, Frau S ei dl et trägt ihren, sipihen Hnnios m das lmckche SpA üEm^WOMudenj von Albert Heine zu einym prächtigen Gnftmvle vereinigt (Fr«N lein Rasim ist in bezug <mf das Oryan eine DopPÄgängerin Lotte WittS), machen in den schönen, wirbungSvolleir Inte-' rivurs, die Rarnigius G e y il i n g entwarf, durchaus gute Figur. Alexander Engel, ein Könmr ersten Ranges und ein erfolgreicher Stückeschreiber, paßt sich nicht der modernen Fasson an. Er hätte es leicht, auf reißerische Weckte loszugchen. brillant zu kommen und die jetzt übliche scharlf-PAnte Würze beizumengen. Er blaübt bei seiner bchutsamen, bescheidenen, himmMauen Manier. Das spricht für ihn. Dem PtAiSum gefiel daS Stuck ganz außerordentlich. Das spricht gegen unS. Otto AbeleS, Soha»u<ötra«b-SedSchtnis.Ausftelltmg km Rathaole. Die im Rathause zur Jahrhuudertfeier des Geburtstages des Walzerkönigs mit viel Liebe und Sachkenntnis veranstaltetL Johann« Strauß-Ausstellung ist gleichsam ein Wiedererwachen Ali-WienS, eine lebensvolle Erinnerung an die gute alte Zeit, da der Großvater die Großmutter nahm und der Wiener Walzer geboren wurde. Wir sehen hier in Wort, Bild und Ton Johann Strauß Bater und seinen Bruder in Apoll Josef Lanner, die Stätten ihrer künstlerischen Tätigkeit wie den „Roten Igel" und den „Grünen Baum", ferner ihre Instrumente, darunter Lanners „Giraffenklavier" und die Gitarre von Stauß' Mutter, auf welcher Johann den ersten Musikunterricht erhalten haben soll. Auch das Bild des Straußschen Stamnihauses in der Floßgasse in der Leopoldstadt, ursprünglich eines Kastells, das nach der Sage von Dr. Faust erbaut wurde und darum auch im Volksmund das „Faust-Haus" hieß, hängt an der Wand, ferner das Geburtshaus des Walzerkönigs in der Lerchenfelderstraße, und das Salmannsdorserhaus, in dem er seinen ersten Walzer komponiert haben soll. Deu Eifer des jungen Strauß beweisen ebenso die ausgestellten „General? baßübungeu" wie ein Zeugnis seines musikalischen Lehrmeisters Drechsler, welches den Fleiß und das angeborene Talent des Schülers in gleicher Weise lobt. Schon mit 19 Jahren erhielt er von der Polizej die Erlaubnis, mit einer 15 Mann starken Kapelle beim Domayer in Hietzing zu konzertieren. Die Ausstellung zeigt nicht nur dieses und viele andere für Strauß' Jugendzeit wichtige Tanzlokale, sondern ireben manchen anderen Erinnerungen auch den alten Luster des Domayerschen-Kasinos. Auf einen Konflikt, den Johann Strauß im Revolutionsjahr 1848 mit der Polizei hatte, der er beim „Grünen -Tor" auf Wunsch des Publikums die Marseillaise spielen ließ, deutet daS darüber aufgenommene Polizeiprotokoll. Ueberaus reich ist die Auswahl an Partituren und Auszügen der früheren wie der späteren Zeit von Tänzen und Operetten in Handschriften oder Erstdrucken, von Bildern und Photographien, Büsten und Scherenschnitten, von Jnstrunkenten, Taktstöcken, Widmungen und Kundgebungen, von Theaierprogrammm, Figurinnen und Dekorationscntwürfen. Und neben Johann Strauß sind auch feine Brüder weitgehend berücksichtigt, Eduard Strauß und der hochbegabte, ja geniale, viel zu früh infolge seelischer Aus-, regungen dahingegangene Josef Strauß, der sich auch mitunter als Zeichner und als Schriftsteller versuchte, so in dem rusge-- stellten Entwurf zu einem Drama „Rober", in welchem n seiner adeligen spanischen Ahnen müttorlicherseits gedachte. So erfüllt die Ausstellung durchaus ihren Zweck, den äußeren und inneren Werdegang der Straußschen Dynastie und insbesondere des Walzerkönigs, der ja jedem Wiener etwas bedeutet, zu veranschaulichen, wofür der Leitung der städtischen Sammlungen der Dank aller Kunststeundx gebührt. flb. * Die Iohann-Shrauß-Gedächtnisausstellung der Stadt Wien wurde geistern mittags durch den Büvgevnwiister S e i tz im Bvilsein der W i t w e Johann Strauß', violer Vettvandter und der Spitzen der Behörden seiovlich eröGnet. Die Ausstellung kann mit Msnchme von Montag täglich (auch Sonntag) von 9 Uhr früh bis 1 Uhr mittags und Samstag auch von 3 bis 7 Uhr abends unentigMich beisiichttgt, werden. Eingang Lichtenfeilsgasse, Felststiege 2. Zu dem gestern nachnrittags vor dem Rathaus von der Gemeinde verawstallteten I o h a n n - S t r a.u ß - K o n z e r t hatten sich viele tausende Menschen eingasundm. Die SäwW der freien Typographia" unter der Leitung des Ehormeiisters Pros. Schoos mußten insibchondere den „Donau- Walzer" mehrmals wiodecholen. Am Hache Prater st raße 34, wo Stranß den Woltzer ,Mn der schönen, blauen Donau" schuß wurde nachmittags eine Gedenktafel enthüllt. An der Feier, der auch Frau Adele. Strauß und ihre Tochter, Frau Epstein, beöwoihnten, nahm zahlreiches PubMum teil. Bilzelbüpgermeitster Emmerling übernahm die Tafel in die Obhut der Gemeinde. * Die Wiener Werckellmänner haben belschlossen, zu Ehren Jchann Strauß' den Walzer „An. der schönen, blauen Donau" wieder in ilhr Repertoire auisizunchMN. WievemWuns der Bollsoher. Mittwoch den 28. d. wird die BMsoper wieder eröffnet. Das gch'amte Perlsonal der Dollksoper, die-jetzt von eineni f r ei gewählten Direktorium geleitet wird, wendet sich in einem Aufruf an die Kunst- und MuMreunde Wiens um Unterstützung. Das Repertoire soll von den abgetspielten Opem freigemacht und unbekannte oder wenig, bekannte Werke alter Meiister sowie interessante Opern zsitgMäßer Koutponiften zur Achsühmng gelangen. Mit dem System der hohen Preiisr wird gebrochen. Die normalen Preise der Platze werden sich, zwischen einem und acht Schilling beiwogen, .die. Garderobe wird einheitllich auf 80 Groschen, der Preis des Theaterzettels auf A! Gröischen ermäßigt werden. Dich PxeW werden auch für jene Borstellungeit gelten, bei denen pr-chinente Künstler Mitwirken, % m . ...