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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-24 · Heft 2396 (24.10.1925) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2396 (24.10.1925)
Date
1925-10-24
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Geile 8 Wien, Samstag Wiener Morgerrzettrmg 24. Oktober 1925 Nr. 2396 Die Mängel des VorkriegSschuldengesetzes. — Ein Prozeß 8or dem Versassungsgertchtshoj. Gestern fand im Saale des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft eine.Protestversammlung der Gläubiger von Borkriegsschulden gegen das Vorkriegsschuldengesetz und dessen jüngst erfolgte Novellierung statt. Der Vorsitzende, Kommerzialrat Buchwald, übte an diesem Gesetz, das österreichische Staatsbürger, hauptsächlich Mitglieder des Mittelstandes, um ihre Forderungen, die sie im Auslande haben, fast vollständig bringt, scharfe K ri t i k. Von dem Nominalwert der Forderung in Krollen umgerechnet, erhalten die Gläubiger 60 Prozent in Obligationen, die in 25 Jahren amortisiert werden sollen. Es wurde eine ävprozentige Valorisierung zugestanden, was einer Lächerlichkeit gleichkommt. Im ganzen handelt es sich um 28 Millionen Schilling, die der österreichischen Kaufmannschaft entzogen werden, welche damit produktive Arbeitslosenfürsorge betreiben könnte. Große Schuld trifft das Abrechnungsamt, das in dieser Frage eine Verschleppungstaktik betreibt. An dieses Referat schloß 'sich eine Debatte, an der sich u. a. Direktor Wohlmuth Md Dr. Stecher beteiligten. Es wurde die Anregung gegeben und aufgegriffen, die Frage beim Berfassungsgerichtshos anhängig zu machen, um dort das Recht zu sichern. Zu diesem Zwecke wurde ein Komitee gewählt, das die Klage an dieser Stelle einzureichen hat. An der Spitze dieses Komitees steht Kommerzialrat Bnchwald. Gegen die Reklamesteuern. Wie »Der Handel" meldet, hat gelegentlich der in der voriM Woche abgehaltenen WirtschastsEonsevenz der österreichischen DetaMausmannschast Handelsminister Dr. Schürft von den Gemeindesteuern insbesondere die Jnfertions- und Plnkatierungssteuern berührt und betont, daß diese für die Kaufmannschaft außerordentlich drückend seien. Durch diese Steuern werde ein empfindlicher Einnahmenentgang für die Tageszeitungen verursacht, so daß einzelne derselben einen schweren Existenzkampf führen. Es ist ein erfreuliches Symptom, daß nunmehr auch von seiten der Regieruna anerkannt wird, welche Schäden die von der Gemeinde betriebene Politik der Besteuerung eines unserer wichtigsten Produktionsmittel — der Reklame — mit sich bringt. Selbstverständlich wird der Schutzverband der Reklametreibend?!, Oesterreichs, welcher seit seinem Bestände im Interesse der gesamten österreichischen Geschäftswelt den Kampf gegen die Reklamvbesteueruna führt, alles daransetzen, um den berechtigten Wünschen der Interessenten zum Siege zu verhelfen. In Erkenntnis der Notwendigkeit eines geschlossenen Vorgehens aller kanftnännischen Kreise -hat auch die Wirtschaft skomerenz der österreichischen Detailkauftmnnschaft über Antrag des Referenten, Vizepräsidenten des SHutzverbandes der Reklametreibenden Herrn Hans L a z a r, einstimmig die Resolution angenommen, in welcher die Aushebung der die Wirtschaft gemde im gegenwärtigen Augenblick auf das Empfindlichste belastenden RMamesteuern gefordert wird. Insolvenz. Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Alexander Meyer, Effen- und Bauwerkzeughandluna, 6. Bez..' Brückengasse 8. Passiven 20.901 Schilling. Ausgleichsanbot 35 Prozent in vier Quartalsraten. Zusammenbruch der Tiroler Alpenlandischen Vereiusbauk. Aus Innsbruck, 26. d., wird gemeldet: Der Vorstand der' Alpenländischen Vereinsbank teilt mit: Am 23. d. hat die Bank wegen Zahlungsschwierigkeiten ihre Schalter geschlossen. Sie war gelungen, den Ausgleich anzumelden. Der Vorstand der Hauptanstall in Innsbruck, Prokurist Hans Dörrich, hat seit längerer Zeit gegen die Vorschriften des Bankinstituts und hinter dessen Rücken ans Rechnung des Instituts Devisenoperationen großen Stils gemacht, was ihm durch zum offiziell eingeräumten Kredit in keinem Verhältnis stehend Vorlagen einer ausländischen Bank ermöglicht wurde. Hiebei verstand er es. die Operationen durch geeignete Postmanipulationen geheim zu halten. Infolge dieser unlauteren Vorgangsweise ist die Bank nicht mehr in der Lage, die Geschäfte weiterzwsühren. Sie hat daraus die Konsequenzen gezogen und den Ausgleich beim Harckelsgericht in Innsbruck angemeldet. Der Rückgang d:s französischen Franken. Auf allen internationalen Märkten stand gestern wiederum der französische Franken im Mittelpunkte des Interesses. Der Rück- Devisen , Amsterdam ....... Belgrad. ....... Berlin- . . . .... . Brüssel ....... Budapest ... . . . , Bukarest . .. . . .. London. ... » Mailand ....... New-York........ Paris .. Prag .... LevitenmlvBalutenlurse vom 28. Lttober 1823. Veld Ware Oen War- Oelc Ware 8. 286.— 280 — Sofia.S. 6.1026 6 1426 französische Noten . , L. 12.1)426 12.6825 Stockholm. ....... 189.60 190,10 Holländische Noten . . 203.75. 285.75 188 72 ' 188:22 Warschau , ........ 117.16 117,85 Italienische Noten .... ,27.60 27.gg 32.30 82 42 Zürich . ...... 138.46 136 05 ingoslawiiclte Noten . . 12.63 12.59 99"17 80.47 Valuten Polnldclie \Soten ... 116 80 117-89 3.3876 8.3676 Rumäntacpe .Noten . . , 3 3675 3.8675 34 33 3*43 Anierlkaiusche Noten ■ . 708.— 7l2.— Russische Noten Roman.) 27.72 27.84 Belgische Noten .... -- Schweizer. Noten . . . 136.10 133*90 708 66 711.06 Bulgar. Not. . ..... -~ Tschecho-slow. Noten . 40.97 21*00 20 86 30.11 Deutsche Noten .... ■ 1 60 169 20 Türkische Pfund-Noten . 20.9876 •21/876' •KnpiIsche Noten 34. 7 34.43 ImiMlscnr Noiei 09.32 90.72 gang mach: infolge der Schwierigkeiten des französischen Finanzprogramms unter Caillanx weitere Fortschritte. Man befürchtet überall ein Zahlungsmittelinflation in Frankreich, Iveswegen umfangreiche Frankenabgaben erfolgen. Besonders groß sind die Abgaben in New-Iork. Der französische Franken, ermäßigte sich gestern in Zürich von 32.85 aus 22.06. Im Gegensätze zur schwachen Haltung des französischen Franken zeigte der belgische Franken weiter seine Widerstandskraft. Der übrige Markt zeigte nur wenig Veränderungen. Wiener,, Produktenbörse Tendenz: Infolge der amerikanischen Mchwachungen verlief der gestrige Markt in flauer Haltung. Es notierten: Weizen: Inländischer 38.— bis 3V.- Ungar. The»l; 70,80 Kilogramm 42. - bis 44.— Ungar. 39 — bis41.—. Jugoslawischer 76Kilogramm bis Jugoslawischer 77/78 Kilogramm —bis —. Roggen Inländischer Marchfelder 28 25 bis 29.50 Bester Boden 28.25 bis 28.75 Gerste Brcmware inländische 35 - bis 43 - böbmische mährische bis —. Mais Jugoslawischer 29 — bis 30 —. Ct,1 quanttn 42.— bis 43.- Haler Jnländiicher 29.— bis 31.—. Reis Italienische: 80.— bis 83.—, Burma 63.— bis65.—.Mablvrodukte Grieß inländischer 74.- bis 76.—, Weizenmehl 0 inländisches 70.- bis 73.—, Kochmebl 2 inländisches 63.— bis 66.— Brotmehl inländisches vrnno 49.— bis 52 — Wiener Warenbörse. Es notierten am 28. Oktober: Kolonialwaren Kaffee: New-Aorker 18.30 Dollar. SanioS Prime 610.—. Tee: Peeco Java. Orange 1100.— Gewürze: Paprika. edeUüß 650.—. Pfeffer Singavore schwarz 600.—. Kümmel neu, holl. 145.—. Reist Burma 64.— Italienischer 85.—. Zucker: Raffinade-Kristall 182.50 tlchech K. Würfel (in Men) 205.— tschech. K. Lequar 1925 106.— Pflaumen. boSn.. in Kisten 70/75 120.—. Kranzfeigen. Calamata 98 —, Bartmandeln, tupertor.740.- Chemikalien Aetzkali. 88/92 79.— Schweizer Franken. Aednatron. 128/130 Solvay 64.— Alaun, in Stücken 34.—. Ameisensäure, S5% 145.-, Borax,' krist. 110.-, Chlorkalk. 110/115 30-, Chromnatton 130.— Eisenvitriol 14.50 Essigsäure. 80%, für Genußzwecke 230.—. Die Preise verstehen sich, wo nichts anderes bestimmt wird, in österreichischen Schillingen pro 100 Kilogramm Wiener Börse. Ruhig. Der gestrige Verkehr eröffnete in unentschiedener Haltung. Drückend wirkten die umfangreichen Abgaben der Institute, die um neuerliche Bankkonzessionen nicht eingereicht hatten und infolge Liquidierung ihre Aktienpakete dem Verkehr übergaben. Diesen Abgaben standen die festen Prager und Budapester Börsen gegenüber, die einzelnen Arbkragewerten teilweise leichte Kursbefferungen brachten. In der Kulisse blieb der Bankenmarkt und Elektrizitatswerte vernachlässigt. Der Verkehr im Schranken war ebenfalls ruhig. Die Geschäftsstille nahm im weiteren Verlaufe noch zu, um gegen Schluß des Verkehrs einer ziemlichen Lebhaftigkeit zu weichen. Belebend Winten die freundlichen Berichte aus Berlin, Prag und Budapest, wodurch teilweise vorgenommene Deckungskäufe die Kurse festigten. In der Ä u l i s s e gewannen unter anderem Ziv ostenSka 15.000 K. Jult-Süd 7500 K. Krupp 45« Ost, Poldihütte i nd Brünner Maschinen je 3500 K. und Salgo 5300 Kronen. Dagegen blieben Anglo um 1500 K. schwächer. Ung. Kredit um 4000 K.. Länderbank um 5000 K., St atSbahn um 5000 K., Ung. Hofherr um 3600 K. und Karpathen um 1000 K Im S ch r a n k e n überwogeit die K u r 8 g e w i n n e. Höher not erten unter anderem: Berg und Hüt>en und Nordbahn um je 5.000 K, Königshofer um 95J»00 K., Pilsner um 45.000 K., Schöller Zucker um 24.000 K.. Aussig Chemische um 30.000 K. und Heinrichsthaler um 25 000 K. Dagegen gaben Jungbunzlauer 100 000 K ab, Dynamit 20 000 K, Mundus und Brüxer Kohlen je 15.000 K. und Ung. Zucker 30 000 K. Auf dein Anlagemarkt drücken Eutlastungsverkäufe das Kursnieeau. Von den Exoten notierten Mraznica 27.000 st. AuMMsktze Börse». Berlin, 26. Oktober. Nach den gestrigen Mckgängen hewirtten Deckungen und M c in.« u g 8 k ä is f c Ku r 8 b e! s e r u n g e n um 1 bis 2 Prozent. Es notierten: Lesterreichische Kronenreute Ungarische Kronenreirte —Ung. Goldrente —, Türkenlose 2180 Süd. Lombarden alt. —Ccftert. StaatLbahn 21.50. Dannstädler Bant 106 25. Deutsche Ban! 10750 Dresdner Lan> 10025 Oesterr. Kredit 7.—, Oesterr Länderban! Reichsbank 135.05, Wiener Bankverein 5.12 Unionban! 6 87 Dainiler Motoren 33.—, Dynamit Nabel 76 62 Fellen & Guilleaume 110 — Prag, 23. Oktober. Auch der heutige Verkehr eröffnete n fester Haltung. Einze ne Bankaktien lagen schwach.' Es notierten: 6%tge österreichische Staatsanleihe 79.50. Zivnostenska Banka 380— Angloban» 67.60 Mercurbank 39.50 Oesterreichische Kredit 57.75, Wiener Unionbank 56.-, Wiener Bankverein 4125. Ferd Nordbahn 3610.— Böhmische Zuckerindustrie 085.—. Schoeller 2220.—, Nestomitzer Zuckerindustrie 1575 - Vereinigte Elektrizität Wien 115.—, Aussig Cbemiiche 682— Wellbräu Pillen —.— KönigSbefer ftemeni 1383.- Brünne: Mmchinen 526.— Simmeringer 95 50 Rot-Kosteletzer Textil 395.—, CoSmanos 577.—, Alpine Montan 140.- Berz und Hütten 2330- Voldibütte 506 - Prager Eisen 945 — Skoda 752 -— Budapest, 23. Oktober. Die günstigen Nachrichten aus deu Nachbarbörsen verkästen der Börse zu einem ruhigen Beginne. Die KurSänderung e n waren unbedeutend. ES notierten: Britisch-Ungar. Bank 35.—. Ungar. Kredit 313 — Oesterr Kredit 120— Wiener Bankverein 89.—, Kommerzialbank 950.— Gran-Szaszvarer . Lber-ungar. Berg- und Hütten 215—, Magnesit 1240 -, Ungarische Allgem. Koblen 2845.—.Salgo Koblen 436.— Uri kann Koklen 1030.—.Ungar. Hofherr 119.—, Rimanmrany 110.—, StaatSbahn 355.—. Ungarische »lucker 1720.—. Oesterreichische Gas — Sie Sevisenkurle. Zürich, 23 Oktober. iDevuentnrn von 12 Uhr.) Berlin 123.60 1123.60-, Holland 208.65 < 208.52%), New-Pork 519.20 (519.—). London '25,147s "25.14,. >-arttz 22.05 (22.60), Mailand 20.35 ^2055-, Brüste^ 23.65 '?3 65, Kopenuagen 128.50 127.25), Stockholm 138.95 138.95,. Oslo 107.75 10525, R>adrid 74.25 l 74.40, Buenos Aires 214- (214.-). Prag 15.B71/, ^15.37%,. Budavest 0.007265 (0.007270,, Bukarest 2.46 , 2.47%), 2-e.grad 9.20 (9.20,, Sofia - 3.79 (3.79), Warichan 85- Wien 73.15 (73.15) für 100 Schilling. Budapest, 23. Oktober. Devisenkurie — Eigenbericht.) Berlin 16.960 Amsterdam 28.670, Kopenoagen 17.652, Stockholm 19 090, Rew-Iork 71)320. London 345.500, Paris 3020, Brüste, 3249 Prag 2113. Belgrad 1268, Bukarest 340.-. Warschau 11.840 Wien 10.040. Sofia 519 Mailand 2794 Zürich 13.735 Prag, 23. Oktober. (Deviieuknrse.1 Berlin 804.50 804.10, Zürich vbl 50 (65187,, Paris 142—(147.37), London 163 5250 163.4750, Rew-Bort 83.75 (33.75), Belgrad 600750 ^0.0750. Bntaresi 16.- Wien 477.87 ri« ^80 87 (477.62; füi 100 Schilling. Warikdau 560- '561—), Budapest 4.7150 47150,. Jugoslaivilctie 59.85 (59.85), 5 esterreichiiche gestempelte 5irone 47562 (475.75,. Volmiche 6050 ( 61.-, Ungariiche 4.7050 (4.7662). Belgrad, 23. Oktober. «Devisenlurie.) London 273.30, ^ariS 239.50 A'ew-Uor' 5632% Gem 1087.—. Mailand 22150, Prag 167.20 Berlin 1344 - Wien 794.—. Bukarest 26 50, Sofia —Budapest 0.0780. Brüste! —Amsterdam Warschau — — Warschau, 23 Oktober. (Devisen.) Belgien —bis — erlitt —.— bis —.—. Holland —dis —, London;9.01 bis 29.15, Reiv-Aor! 596 - bis 600- Paris 25.59 vis 25.71 Schwm 115 34 bis 115 92 Budapest bis —. Prag 17 76 bis 17.84. Asten 84 39 bis 8481 für IOO Schilling, Italien 23.56 bis 23 69 Stockholm bis -Bukarest-Ins ■ Copyright 1924 by 45 Fortsetzung, iurt Wolff Vcrbg A.-G Mlincheii Nachdruck verboten. Herr Fettwanst. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. Am Iom-KiPpur-Moyg-en begleitete ich Miivt-ter in die Schul'. Bor Talkers Cafe sah ich einen Mob viersammelt. Die Zuschauer waren aufs äußerste gereizt und verletzt. Die Freidenker des Ghettos aßen öffentlich am 'heiligsten 'Fasttage! Tie Aberg>läübischen erwarteten, daß die Abtrünnigen aus ider Stelle vom Blitze erschlagen würden. Die Duldsameren beklagten den bewiesenen lMechten Geschmack. Fenster luden große iPlicrkate die Leser ein, sich an einem Jom-Kippur-Picknick in North Beach zu beteiligen. Tasters Case war das einzige Lokal an der Eaftside, das geöffnet war. Die Nachricht von diesem frechen, offenbaren Sakrileg verbreitete sich, und um -die Mittagszeit, als ich die Schul' verließ, um frische Luft zu fchop^en, hatte firfv eine drohende, stets wachsende Menge vor dem Lokal versammelt. Die Entrüstung wuchs, als die Fastenden zusehen mußten, wie opulent die Ungläubigen speisten . . . Bald genug benützte Boolkie und seine Bande den lvurfbereiten Inhalt übervoller Abfalleimer als Wurfgeschosse auf die Ein- und Ausgchenden. Das Bücken und Ausweichen der Freidenker amüsierte die Mnge. Durch den öffentlichen Beifall angestachelt, warf Boolkie einen Pflasterstein, der das Schaufenster zertrümmerte. Das wurde durch einen BeifallHurm belchnt. Dann begann ein Kreuzfeuer von Zieglen, Steinen und allem, was bei der Hand war, und das Cast erwies sich als unhaltbar. Als die Freidenker aus ihrer bonibardierten Stellung retirierten, verfolgte sie die Menge, bis sie-in alle Winde zerstreut waren. Ein paar wurden erwischt und gründlich durchgewalit, und das Cast wurde vollständig demoliert. Als es so weit gekommen war, waren die Raufbolde durch die Anstrengung des Bombardements und der Verfolgung hungrig geworden. Daheim konnten sie nichts zu essen bekommen. Soeben hatten sie Menschen gesteinigt, die es gewagt hatten, an einem Fasttage öffentlich zu essen, und jetzt dachten sie selbst daran, Mittel und Wege zu finden, sich etwas Eßbares zu verschaffen. . . Big Joe erklärte, er wisse, wo man eine Menge guter Sachen finden könnte. Frau Weingrad sei in der Schul, und ihr Eisschrank sei voll guter Happenpappen. Und er leckte sich die Lippen, und allen lief das Wasser im Munde zusammen, als er jede einzelne'Delikatesse ausführlich beschrieb und uns zu verstehen gab, daß seine Beschreibungen aus gewisse verspeiste Proben zurückzusühren seien. Das war zuviel für Boolkie. Er ordnete ein Detachement jüngerer Miiglieder seiner Bande ab, den Eisschrank auszurauben und die Eßwaren nach einem versteckten Hof an der Canal Street zu bringen. In kurzer Zeit kamen sie mit einer großen gebratenen Ente, mit „gefülltem Fisch", weißem Feiertagsbrot, mit dem leichten und schmackhaften „Callah", einer Art Brot, einer Menge von Früchten und einem großen Honigkuchen zurück. Alle schrien: „Happenpappen, Jungens, all right!" Dergestalt schniausten die Verteidiger des Fastens aus dem Mingradschen Eisschrank, der für ein Nachfastenessen gespickt worden war. Was mich daran erinnerte, >paß ich selbst einen Wolfshunger hatte und daß es daheim nichts zu essen gab. Ich traf Lillie und fragte sie, ob auch sie hungrig sei. Sie lachte nur. Lillie tat niemals etwas aus eigenem Antrieb. Sie war von der Sorte, die man inmier dazu veranlassen muß, etwas zu tun. Ich instruierte sie, die Stufen der Hochbahn hinaufzuschleichen, wo ich auf sie warten würde. Sie lachte nur, als ob sie sagen wollte: „Na ja, ich begehe die Sünde ja rucht, die begehst du, du veranlaßt mich ja dazu," Wir stiegen an der 14. Straße aus, )vo es eine ganze Reche christlicher Restaurants gab. Wir konnten aber in genossen überfüllt waren. Die Kellner erzählten mir, daß Jom Kippur ihr bester Geschäftstag sei. Wir mußten bis keines hinein, da sie alle mit meinen hungrigen Glaubenszur 28. Straße hinausgeheu, wo wir endlich ein Restaurant fanden, in dem ein Tisch frei war. Wie es uns aber dann schmeckte! Ein. Fasttag wirkt stets appetitanregend. Und Lillie lachte nur, als ich sie wieder nach dem Hotel Gavui führte . . . Ich eilte nach der Synagoge zurück und kam rechtzeitig, um dem feierlicheu Schlußgottesdienst beizuwolhnen. Alles in allem — es war ein interessanter Tag gewesen! 2. Es kamen frische Oksoberabende, und die Wahlpro- Pagan-da kam mit ihrem karneval ist eschen Durcheinander. Blasorchester; Feuerwerk; rote, spukende Fackeln; brennende Holzstöße; tönende Phrasen; Jns-Knopsloch-Fasien; Zigarrenverischenken und Whiskytrinieu; Paraden; Koufttti; Knöpfe mit Photographien; Schilder; Mauern, Fenster, Zäun-e, Abfalleinler und Kisten vollgeklebt mit Plakaten, die Phrasen droschen und edle Posen der Kandidaten in Lebensgröße vorDhrteu. Und der Wind bläst die vieffarbenen Kampaguezettel hoch in die Lust wie Konfetti.. An den Ecken versammeln sich Leute, um einem aus einem Wagen stehenden Redner zuzuhören. Ihre Gesichter sind wie glühendes Kupsrr im Widerschein der slackerndev Petroleumsackeln. Die Redner blöken, wie gewöhnlich das alljährliche Eselsolo, den Blödsinn und den Schwindel der für die Ohren der zuhörenden Idioten süße Musik bedeutet. Und die Umstehenden lauschen in der stets gleichen ofsenmäuligen, naiv bezanberten Art und Weise, klatschen Beifall und. brüllen in der bereitwilligen Weise der Gernehinters-LichdGesührten. (Fortsetzung folgt.)

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