Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2395 (23.10.1925)
- Date
- 1925-10-23
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Eelte 8_Wien, Freitag Wiener Morserizeituns Oeviscn Amsterdam •«.*••• S, Belgrad* .. Berlin .. Brüssel ....... Budapest...... Bukarest .. London......... Mailand. New-York. ...... Paria . » .. . » . » Prag «... Levisen« mil» Balutenlukse vom 22. Lktober 1925. Oeld Ware Oeto 285.06 28605 5.1060 12.6625 12.6- 25 Stockholm ...»•• . 18970 168.70 169.20 Warschau ....... 117.10 82.28 82 41 Zürich 186.00 88.20 8.3675 98.50 3.3876 Valuten 34.32 34.42 Atnerikauiache Noten . 708.25 28.08 28.18 belgische Noten , . . . 708.65 711.05 Bulgar. Not. ...... 30.83 30.99 Deutsche Noten .... 188 r 8 20.8875 21.C075 Hnrilache Noten 3^.27 Ware 6 1450 180.30 117.50 187.10 712 25 168 18 34.43 Pratwösiaehe Noten . , 8. Holländische Noten •. Italienische Noten ., logosiawiiche Noten . , Polnische Noten .... Itumflnlacne Noten . . . Russische Noten Roman.). Schweizer. Noten . . . Tschecho-slow. Noten . Türkische Pfund-Noten . * tfiMftvtscnr Note» 0e>-k 3055 284 25. 27.87 12.5360 117.— 138.10 WO. 9 7 SSI42 Ware 31.15 233.25 *8.17 12.5950 118.- 186.97 21.v9 ss!so ling, also auf ein Drittel und nicht wie in Ungarn nur um ein Achtel, zurückgegangen ist und wo dennoch keine Herabsetzung Platz gegriffen hat. Die ungarische Diskontermäßigung wird als ein Puff ins Leere angesehen. Das ungarische Noteninstitut hat schon längst die Zügel des ungarischen Geldmarktes nicht mehr in der Hand. Das beweisen die abnormen privaten Zinssätze, welche sich in der Provinz bis auf 40 Prozent belaufen und deren Ermäßigung trotz aller Drohungen der Nationalbank nicht erzielt werden konnte. Es ist sehr fraglich, ob mit der jetzigen Ermäßigung von 2 Prozent ein facher Erfolg er- Mt werden wird. ES scheint vielmehr, als. ob diese Ermäßigung mehr demonstrative Zwecke gegenüber dem Anslande verfolgen würde. Sie Lerf-iehuhg der Präget Borkriegs- Ichuldenlsnferenz. Kn Ergänzung unserer vor Mi Tagen gebrachten Meldung über die Verschiebung der Prager Borkriegsschuldenronferenz, welche bekanntlich für den 6. November ernibemfen worden ist, wird uns aus Prag von einer der Prager Regierung nahestehenden Seite berichtet, daß auch dort mit einer wahrscheinlichen Verschiebung der Borkriegsschuldenkonferenz auf ein späteres Datum gerechnet werde. An die österreichische Regierung ist vorläufig noch keine Nachricht über die Verschieb ang gelangt. I n g o.sla Wien, wo derzeit Delegierte der Reparationskommission wegen Besprechung der Vorkviegsforderungen weilen, scheint in erster Reihe ein Jteresse an der Verschiebimg zu bekunden. Eiu-r jüdische Landwirtschaftsbank in Rußland. Aus Moskau wird uns gemeldet: Die russische Regierung setzt ihre Propaganda über die jüdischen Kolonisationspläne in Rußland ungeschwächt fort. Um int Ausland mit ihren Plänen mehr Eindruck zu machen, wird nun gemeldet, daß in Kürze eine russische jüdische Landwrrtschastsbänk gegründet werden solle, die ihren Zentralsitz in Moskau haben soll. Diese jüdische Bank soll eine Tbchterbank der sowjetiftischen Zentralbank für Landwirtschaft sein und in erster Reihe den Zweck haben, die kapitalistische Fundierung für die jüdischen Kolonisätionspläne der russischen Regierung zu bieten. Vorläufig hat die große russische landwirtschaftliche Zentralbank noch nicht chre Existenzberechtigung in einem solchen Maße für die russische Landwirtschaft bewiesen, daß daraus schon auch ein gewisses günstiges Progttostikon für die Tochtergesellschaft gestellt werden könnte. Diese Meldung ist als reine Propagandameldung der russischen Regierung zur Heranlockung ausländischen Kapitals anzusehen. Demission des Präsidenten des Postsparkasievamtes, Doktor Linde, in Polen. Wie «den „Polnischen Nachrichten" aus Warschau untovm 22. d. .nfttgetM wird. Hat der Präsident des Wa^chmer Postsparkassenamtes, der frühere FinanzminDer Dr. Hubert Lin d e,' gestern., dem MmOerpräisidenten GrabAi ein Gesuch um'CnMbuntz vom Anüe übevr-eicht. Ms fein Nachfolger wird der jetzige Direktor des PrchHaldLpartem'ents im' MinvstcrMm für Finanzen, Dr- Stanislaw Ka-uzik, geMrirt. Einführung eines österreichischen Holzausfuhrzolles. Wie wir erfahren, besteht bei der österreichischen Regierung der Plan, zur Hebung der heimischen Holzindustrie .und Erschwerung der Ausfuhr »»■»»atoMmMasaMMaMHHMHHaaasaaHWMMMXManaaMMMM«» des Rohmaterials für Rundholz einen Ausfuhrzoll in der Höhe von drei Goldkronen pro Raummeter einzukühren. Der Schutzverband der Rettametreibenden Oesterreichs der. anstaltet im Rahmen seiner am Montag den 26. d., halb 7 Uhr abends, im großen Saale des Gremiums der Wieiter Kaufmannschaft stattMenden ersten diesjährigen Plenarversammlung einen Bortraa Julius Klingers über das Thema „Für und gegen die Reklam e". Dte Veranstaltung ist für alle Interessenten zugänglich. Weitere Abschwächung des französischen Kranken. Im Mittelpunkte des gestrigen DevrsenlhandÄs stand wieder der französische Franken. Auf umfangreiche Abgaben ans Amerika, die dadurch erfolgt sind, daß der ftanzHsifche Ministerrat den amerikanischen Venmittlungsvooschlag nach einer provisorischen Regelung der Schu!!denabsw.ttung abyulchnen beschlossen habe, ermäßigte sich der fanzösische Franken in Zürich aus 22.85. Dieser Kurs hielt sich bis zum Schlüsse des Berkchrs unverändert, da. noch Grüchte ansigetaucht -waren, daß das ftanzosische Finanzamt die Absicht habe, den BMÄnotenuntlla-uf um weitere. 9 Milliarden zu erhöhen. Auch auf allen anderen Devisenmärkten schwächt« sich der französische Franken alb. Die Verflüssigung der europäischen Geldmärkte. — Die Schweizer Diskontrate dreieinhalb Prozent. Bern, 22. Oktober. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die Schweizerische Nationalbank hat eine Ermäßigung des offiziellen Zinsfußes um ein halbes Prozent beschlossen. Der Diskont wurde auf dreieinhalb, der Lombdrdzinsfuß aus viereinhalb Prozent festgesetzt. , Die Finanzierung des russischen Geschäftes. Im Oesterreichischeu Handelsmuseum fand Dienstag oen 20. d. unter dem Vorsitz des Herrn Generaldirektors K 0 p p st e i n eine Vollversammlung der russischen Sektion statt, an der zahlreiche Vertreter aus allen Wirtschaftskrisen teilgenommen haben. Die Frage der Finanzierung des russischen Geschäftes wurde einer eingehenden Erörterung unterzogen und der Antrag des Vorsitzenden, eine eigene Finanzierungsstelle unter Beteiligung der österreichischen Banken und oer russtschen Staatsbank zu schaffen, wurde lebhaft begrüßt. Direktor Dr. Bergler von der Länderbank betonte die Bereitwilligkeit der Mitarbeit der österreichischen Lanken. Generaldirektor Dr. B r a u n e i s sicherte namens der Österreichischen Nationalbank die volle Unterstützung des Noteninstitutes vei. den bezüglichen Arbeiten zu. Generaldirektor Dr. Schlesinger betonte das Gleiche Interesse namens der Industrie. Es wurde dann über Antrag des Vorsitzenden ein Komitee gewählt, welches unverzüglich die notwendigen Vorarbeiten durchführen soll. Im weiteren Verlaufe wurde noch die Frage der Errichtung von Konsignationslagern in Rußland besprochen, wofür ein lebhaftes Inter- ■ esse kuudgab. Der Sekretär der russischen Handelsvertretung in Wien, Dr. Wolski, erklärte das besondere Interesse an dieser Art des Geschäftes. - Russische Kohle aus d«n europäischen Märkten. Seit Monaten «scheint di« südrusslsche Kohle wieder in zunehmendem Umfang als Konkurrent auf dem europäischen Markt. Nachdem bereits größere russische Lieferungen nach Italien erfolgten, find, wie dem Fachblatt ,Industrie-Kurier" berichtet 'wird, neuerdings auch zwei Dampferladungen von Mariopol im französischen Hafen : Rouen eingetroffen. Die Sendungen gingen nach--Daris weiter, wo ihre Qualität befriedigt Häven soll. Die Kohlenförderung des Donezreviers hat zwar bei weitem noch nicht die VoÄriegsleistung erreicht. Sie wies aber immerhin im Juli d. I. bereits wieder die Hohe von 768.480 Tonnen auf und.stellte sich im -August auf'737.035 Tonnen. Das Förderungsergebnis des Gesamttahres 1913 belief sich auf 25,160.000 Tonnen. . Wiener Biehmiirkte. Rinder. Der gestrige Auftrieb belief sich auf 614 Stück Schlachtvieb. worunter sich 345 Stück Mast- und 269 Stück Beinlvieb befanden Infolge reservierter 23. Oktober 1928 Nr. 2396 Kauflust stockte der Verkehr empfindlich. Prelle gegen Montag rückgängig. — S ch w e t it c. Aufgetrteben wurden 3692 Schwetne, darunter 2993 Fleisch- und 499 Fettschloeine. Letztere blieben sin Preise schwach behauptet, wogegen Fleischschweine bis zu 10 G. pro Kilogramm im Vergleiche zu. Dienstag litt Prelle nachgegeben haben. Es notierten, je nach Dualität: Fettschweine 2.U) bis 2.40 S. und Fleischschweine 1.7b bis 2.25 S. pro Kilogramm Lebendgewicht. — Jungvieh.. Die Gesamtzufuhr belief sich aut 2351 Kälber, darunter 127 lebende, 1152 Weidnerkchweine, 587 Weidnerschafe, 26 . Ziegen undSLämmex. Primasorten erlitten einen Preisrückgang von lv G, alle anderen Qualitäten bis zu 20 G. pro Kilogramm. Fleischschweine haben gleichfalls 10 bis 20 (3. pro Kilogramm in der Notiz eingebüßt. Fettschloeine schwach behauptet. ES notierten se nach Qualität: Lebende Kälber 1.70 btt 2.40 S., Weidner 2.— bis 2.90 S., Fleischschweine 2.20 btt 280 S. Fettschweine 2.60 bis 2.95 S., Weidnerschafe im Fell 1.— btt 1.76 S., ohne Fell 1.20 bis 230 S., Ziegen -.70 bis 1,20 S. und Lämmer 130 bis 1.50 S. vro Kilogramm. Wien« Produtittndörfe Tendenz: Infolge schwache ■ Haltung der amerikanischen Märkte blieben die Kurse behauptet. ES notierten: Wetzen: Inländischer 38.- bis 89.-, Ungar. Theiß 79,80 Kilogramm42.- btt 44.-. Ungar. 89.— bis 4t—, Jugoslawischer 76 Kilogramm-.— btt , Jugoslawischer 77/78 Kilogramm —bis Kogge n: Inländischer Marchfelder 29.25 btt 29.50 Pester Boden 38.25 bis 29.75 Gerste Brauware inländische 35.— bis 48 — böhmische mährische —bis —. Mai S: Jugoslawischer 29.— btt 33—.! E i n q u an tlln 42.— btt 43.—. Hafer Jnlcütdilcher 29.— btt 31.—. R e i S Zia^ienllchrr 80.— btt 83.—, Burma 63,— bis 65.—. Mabtprodul t c: Grieß inländischer 74.— bis 76.—, Weizenmehl 0 inländisches. 70.- btt 73.-, Kochmeh! 2 inländisches 63.- bis 6b.— Brot-' mehl inländisches prima 49.— btt. 52.—.. »lener «Srse. SufilM. Die gestrige Börse eröstnete in unentschiedener Haltung. .Auch die besseren Berichte aus Prag und Budapest konnten keinen entscheidenden Einfluß auf den Verlauf „der Pörse ausüben. Die selten Nachrichten aus den Nachbarbörsen verhelfen einzelnen Ärvitragewerten zu ziemlich starken Kursbeflerungen. So waren ungarische und tschechoslowakische Werte teilwetse gesucht, wogegen österreichische Montanwerte unter Realisierungen ziemlich flau lagen. Auch im Schranken zeigte sich besonderes Interesse nach, einzelnen tschechoslowakischen Metall- und Texlilwerten. Im weiteren Verlaufe des Verkehrs nahm die Geschäftslosigkett noch zu, ein Teil der anfänglichen Kursgewinne ging wieder verloren. Der Schluß gestaltete sich auf gebesserte'Nachrichten aus Prag und Budapest für'Arbitragewerte ungarischer und tschechoslowakischer Provenienz fester. In der K ul t f f c gewaunen unter anderem: Unionvank, Coburg und Siemens je 2500 ft., Skoda 24.000 Ä. und Lombarden und Oesterr. Kredit je 1000 K. Schwächer waren Länderbank um 3000 Kronen, Juli-Süd um 16.060 K., Staatsbahn um 3000 K., Krupp um 6000 K. und Trifailer um 8500 K. — Auch;der Schranken schloß nicht gleichmäßig. Höher notierten Berg und Hütten um 35.000 K.. Nordbabn um 165,000 K, Aussig Chem um 19.000 K., CosmanoS um 13.000 K. und Schalwolle um 9000 K. Dagegen verloren Gösser Brau 28 000 K., Holzverkohlung 28 000 K.. Heinrichsthaler 30000 K., Lampen 30000 K. und Perimooser 6000 st. — Im Gegensätze zu. den letzten Tagen war der Anlag emar kt äei ch aftSlo s. Fast alle Werte waren rückgängig. — Bon den Exoten notierten:' Mrazniea 27.100 K., Tepege 4300 K. bis 4500 K. AuslSMche Börsen. (Eigenbericht der „Wiener Movgenzeitung".) Berlin, 22. Oktober. Infolge der innerpolitischen Schwier rigteiten, die.durch die Haltung der deutschnationalen -. Volkspartei über den Abschluß von Locarno hervorgnufm wurden, eröffnet« die heutige Börse.in lustloser Haltung. Die Kursverluste betrugen 1 btt, 2 Prozent. - ES irotterten: Qejlerreichische Kronenrente —.— Ungarische Kronenrente —, Uug. Goldrente —. Türkenlose 2150 Süd. Lombarden alt, —Oesterr. Staatsbahn 32.—, Darmstädter Bant 106.50. Deutsche Bank 108.—, Dresdner Bank 100.— Oesterr. Kredit 7.12, Oesterr. Länderbant —. RetchSbank 135.—, .Wiener Bankverein 5.12 Untonbank 7.37. Daimler Motoren 33.—, Dvnamit Nobel 7650 Felten & Guilleaume 110.75, - Copyright 1924. by 44. Fortsetzung. Kurt Wolff Vtrlag A^O. München Nachdruck öerbotrn. Herr Fettwanst. Eine tmerikamsche Autobiographie von Samuel Ornitz. , R«b Zucker sprcch also: „Ich ,habe viele Erwachsene sagen hören, bearäbt den toten jungen Mann nicht, er ist mit einer Schrkse verheiratet. Aber keiner von den Erwachsenen hat uns gesagt, woher sie wisien, daß der junge Dia nn verheiratet war. Ich habe einen.Jüngling erklären hören, daß er unverheiratet war. Kann ihm jemand widersprechen, ihn mit Beweisen widerlegen?" ".Die Aeltesten beschlossen, Davie - zu beerdigen. Unterdessen aber hatte Awrum den Leitern des Hospitals Davies letzten Wunsch mrtgeteilt, daß sein Leichnam dem Hospital zum Sezieren überlassen werden solle. Aber Mendel G^rditzkl. der wortreiche Kirchendiener, stürmte und tobte dermaßen in der Kanzlei des Spitals, daß Davies sterbliche Ueberveste, hie und da «in wenig zerschnitten, ihm ausgeliefert wurden. Das Leichenbegängnis war interessant. Der Streit um sein Gegrabni's lockte Tausende von Neugierigen an. Die Ludlow Streeters waren zu Ehren ihres toten Freundes wie em Mann zur Stell«. Äe sahen ihn als ihren Freund au, seit er damals in dem ordinärsten Lokale der Stadt solchen Erfolg gehabt hatte. Die Esiex Street Guerillas kamen mit Kutschen, die Schimschin unter Drohungen von einem Droschkenbesitzer herausgepreßt hatte. O'Brien wurde von seiner chinesischen Frau heveingeführt, um einen letzten Blick auf das Gesicht des Toten werfen zu können. Frenchie Lavelle kam unglückseligerweise mit einem Kranze,, den ich unter der Treppe versteckte. Bartender, Einbrecher, Zuhälter, Davies Eich Eollege, Prosesioven und Schullehrer und Viele andere, die den seltsamen Jungen gekannt und geliebt hatten, drückten sich in das kleine Zimmer, um ihn zum letztenmal zu sehen. Bald war Ludchw Street unpassierbar. Mit der wachsenden Meng« drängten sich aus den Seitenstraßen immer mehr heran, um zu sehen, was Ws sei. Und nur mit großen Schwierigkeiten konnte sich der Leichenwagen nach der Grand-Street-FLHre in Bewegung setzen, von wo aus er nach dem Friedhof in Brooklyn überfuhrt wurde. Aber unter all den vselen Menschen war Billi« nicht zu finden. Davie ward« mit all dem Pomp bestattet, den er so verachtete, und mit seiner Beerdigung verschwand die Frau seiner Erfüllung, als ob auch sie vom Erdboden verschluckt worden wäre. 10. ,Mhst du nicht.in die Schul'?" fragt« Mutter. Sie 'war eben mit dem Segnen und Anzünden der Kerzen fertig geworden. Eine ,/Ja>hrzeit"Kerzenflamm«, brannte auf dem Brett über dem Ofen, zur Erinnerung an den verstorbenen Vater. Es war der Bombend des heiligen Jom Kippur. . »Ich hörte ihre Frage kaum, so vertieft war ich in ein Buch über Kriminalgesetzgebung. Die Mr tat sich auf, und Maxie Freund schlich sich in die Küche. Er hatte sein Examen oben mit bestem Erfolg abgelegt — nachdem er einem der Examinatoren fünfunidzwanzig Dollar bezahlt und sich so ein weiteres Jahr Borisindien erspart hatte. Big Alm Hallochan hatte mich mit dem Examinator in Verbindung gebracht, und ich hatte die Kleinigkeit für Maxie erölodigt. Maxie begrüßte Onkel Philipp, der pfeiferauchend auf dem Sofa ausgestreckt lag. Philipp rauchte jetzt Pfeife, weil -das billiger war als Zigaretten. Es schien, daß er um so ■ anspruchsloser wurde, j>e mehr Geld er verdiente...,Muten Mend, Herr Kapitalist, möge .Ihnen das Fasten leicht fallen..." „Oft sollst du fasten, und lange!" erwiderte &. Maxie Wünschte Mutter ein gutes Jahr und Fasten und begrüßte dann mich mit: ,Mten Abend, Herr Richter/... Philipp sog verzweifelt an seiner Pfeife und blies große Rauchwolken über seinen Kopf zurück. Viutter plädierte! mit ihm: ,Mas 'werden die Nachbarn sagen, /wenn sie dich an Jom Kippur rauchen sehen?" Worauf Philipp versetzte: „Sie sollen die Augen zumachen, die verdammten'Feiglinge." Mutter bettelt wieder: ,Meyer, bitte, geh doch in die Schul'. Es ist doch Jmn Kippur. Jeder Jud', was immer er für ein P)vkojres . ist im ganzen Jahr, geht am Jour Kippur in .die Schul'. Bitte, tu'L mir Meb und geh zur Schul'"... Ich erzählte, ihr, daß ich vovhabe, dm ganzen Dag zu studieren, da die Kurse nächsten Montag begännen. Worauf mich Maxie im Singsang der Dalmudstnnden unterbricht: „Im übrigen glanbe ich, Euer Gnaden, daß man den Besuch der Synagoge mit Fug'und Recht als einen Teil Ihrer Vorbereitung zum Stu'dium der Rechte ansprechen könnte."... „Wie meinst du das?" erkundigt sich Philipp, ter übrigens Maxie für scharfsinnig M., Und Maxie erklärt: Erstens führt ihn das einer'ganzen Masse Leute vor A-ugen. Es stempelt ihn zu einem anständigen, soliden Bürger und einer Stütze der Gesellschaft. Es bietet ihm die Gelegenheit, au>f eine Reihe von Leuten euren guten Eindruck zu machen. Jeder braucht einmal einen Advokaten, und der, an dm sie zuerst denken, wenn es darauf ankommt, ist der, den sie immer vor Augen gehabt haben." So sagt Philipp:.-Schau,-daß du zur Schn? ktzmmst, Meyer! Von jetzt ab wich du regelmäßig, gehen, verstanden? Maxie hat recht. Stelle dich vor sie hin.' Sie werden dich für den halten, der du vorgibst zu sein. Mache Eindruck! Mach dich zu ihrem Advpkaten, zu dem einzigen Advokaten, an den sie denken werden. -Misch dich in ihre kirchlichen Angelegenheiten. Preise dich an! Fang damit an, daß. du ihnen Rat -umsonst gi>bst. Sie werden dich später schon anständig bezahlen. Gewöhne sie 'daran,. daß du gewisse Sachen Gr sie «rMasi."... Woraufhin wir, Maxie-und ich, regelmäßig« Besucher der Schul' wurden. (Fortsetzung folgt.)