Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2394 (22.10.1925)
- Date
- 1925-10-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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[polen: 30 qtoszyl m en.;:Zum Abholen in der Expedition, 11., Tabörstr. 1-3, »der In einer Veischleisstelle HTrafik) monatk 5 Schilling Strassenverkaul in Wien durch die Kolporteure der Firma Q o I d sch mied, 1„ WoJIzeile 11 Mit Postversand lür Wien und Oesterreich, monatlich 5 Schilling Tsch ec ho-Slowakei: Mon. K22. Jugo s 1 a wi e n: Mon.Din.60. Polen:Mon.. 4Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nuhiihliw|eB bei Preis« erhftbantfen rorbehallee »i.!3M lener 1 t jpreis aoTa England: Mon.4 Schilling Italicm: Monatl. 18 Lire Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien Mon.IOOLew«, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborsir. 1 Telephone: 44*0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr :~21-102, 25-2*82 IX.. Universitätsstrasse 6*8 (D,uckerei lg. Steinmann) Wie«. Sonnetstaa, 22. Lliober 192ä Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Ni. 150.693 7. Jahrgang AeSbrief gegen SlschaiM Severing wird morgen Krllärungen abgeben. - Ser lichte vnmmimantei. - Sin Sesvröch mit «bg. Sr. Badt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 21. Oktober. Die dom Abgeordneten, Ministerialrat Dr. Badt, im preußischen 'Landtag eingebrachte Interpellation über die Angelegenheit des Ukrainers O l s ch a n s k i, der mit dem Geständnis, am 6. September 1924 das Attentat ans den polnischen Staatspräsidenten in Lemberg verübt zu haben, Alylrecht in Deutschland in Anspruch nimmt, ist 'bereits verteilt und wird Freitag vom Preußischen Minister des Innern Severing beantwortet werden. Severing hat sofort nach Ueberreichung der Interpellation die Polizei beauftragt, alle auf OI s ch a n s k i und seinen A u f e n t h a l t in Deutschland bezüglichen Daten genauest zu erheben. Die Berliner Polizei hat noch letzten Freitag Olschanski vorgeladen; er hat diese Vorladung persönlich in Empfang genommen und auch unterschrieben,- ihr jedoch nicht Folge geleistet. Die Berliner. Polizei hat Mnmehre einen Steck-, brief hinter Olschanski erlassen. Sie^hat heute Zeinen lichten Gummimantel ' kichergestellt, den Ol sch auski nach Augakben von Mellen/ denen er über das Attentat in Lemberg.Mitteilung gemacht hat, am Tage des Attentats getragen hat. Der MarM Kny im.,gegebenen AugeMick.dem.polnischen..Ge-.. richMehoWn 'zur VerMüng' tzestellfMrben.''''^'''^- "^ Ihr Korrespondent hatte Gelegenheit, mit . Abgeordneten Dr. Badt über den Fall Olschanski zu sprechen. Dr. Badt erklärte u. a., er habe bereits vor einiger Zeit Mitteilungen über das Geständnis des Ukrainers erhalten, jedoch davon nicht Gebrauch gemacht, weil er annahm, daß die polnischen Behörden, denen die Angelegenheit bekannt war, sie verfolgen würden. Als Dr. Badt jedoch zu Beginn des Steiger-Prozesses Ms der in den Blättern publizierten Anklageschrift ersah, daß 62 Zeugen aufgeboten wurden, um die Schuld des Mischen Studenten zu beweisen, ohne daß über Erhebungen bezüglich Olschanskts auch nur ein Wort mitgeteilt wurde, da habe er schon aus juristischen Gründen die Interpellation im preußischen Landtag eingebracht. Auch im Interesse Deutschlands biege es, diese Angelegenheit bekanntzugeben, damit nicht, wie dies seinerzeit bei der Drehfus-Affäre geschah, auf Deutschland der berechtigte Vorwurf .fallen könne, daß eine deutsche Stelle,- der sin Sachverhalt genau bekannt war, welcher die Unschuld Dreysus' unbedingt hätte klarstelleu müssen, geschwiegen habe. Auf die Frage, ob er von der Schuld des Ukrainers Olschanski überzeugt sei, antwortete Dr. Badt, daß Olschanski sein Geständnis nicht bloß einmal vor der preußischen Grenzbchörde, sondern mehrfach verschiedenen Personen gegenüber abgelegt habe.. Bezüglich einer eventuellen Auslieferung des Olschanski äußerte sich Dr. Badt über Befragen dahin, daß gegenwärtig die internationalen Verträge, insbesondere die zwischen Deutschland und Polen bestehenden Konventionen so kompliziert seien, daß es schwer sei, Wer diese Frage ein Urteil abzugeben. Es müsse jedoch darauf hingewivsen werden, daß schön jetzt die deutsche Regierung der polnischen 'Regierung alle Einzelheit e n d e s F a l l e s bekanntgegeben habe. Der Prozeß gegen Pankjyszyn vertagt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschaü, 21. Oktober. Der Prozeß gegen den ukrainischen Terroristen P a n e z Y s z Y n wegen' Beteiligung an dem Attentat aus das Warschauer Militärgefäugnis, der, wie bereits gestern berichtet, nach mehrfacher Verschiebung am Montag begonnen hat, ist - nunmehr wieder vertagt worden. Zur Verhandlung .war'nämlich der Hauptbelastungszeuge Kucharski, der im Zusammenhang mit dem'Bombenanschlag auf das Warschauer Militärgefängnis verhaftet worden war und die i Teilnehmer dieses Terroraktes, darunter auch Panczyszhn, I dem Gerichte bekanntgegeben hatte, nicht erschienen. Es wird angenommen,' daß Kucharski sich der Zeugenaussage aus Furcht vor Racheakten ähnlich dem, der! gegen den Polizeiagenten Ciechnowski in Lemberg verübt wurde, entziehen will. Der Staatsanwalt erklärte nun beim Panozyszhn-Prozeß, auf d i e A u s s a g e K ucharskis nicht verzichten zu können, die von großer Wichtigkeit sei, weshalb das Gericht die Vertagung der Vechandlung beschloß. i Es ist nicht unwesentlich, darauf hinzuweisen, daß dieser Zeuge Kucharski bei seinen Angaben über die . Beteiligten an dem Bombenanschlag ans das Warschauer Militärgesängnis neben Panczyszhn, F i d h k, dem nach Rußland geflüchteten C h w o r n i k (der unter dem Namen „Char kiff" bei seinen Genossen bekannt ist und übrigens, wie aus einer vorhandenen Photographie zu ersehen ist, eine frappante Aehnlichkeit mit dem jetzt in Lemberg a»geklagten S t a n isla w S t e i g e r besitzt) auch den Namen des Ukrainers Ols chans k y genannt hat. Die damals : durchgeführten Erhebungen ergaben, daß bis aus Pandie übrigens bereits vorher der Warschauer Polizeiagent- Ciechnowski anläßlich, seiner im Auftrag der Warschauer , politischen Polizei gepflogenen Erhebungen über das Lemberger Attentat vom 5. September 1924 in einer Liste der Verdächtigen genannt hatte, ins Ausland geflüchtet-waren. Ser Steiaer-Pmeb. (Eigendienst der „Wiener Morqenzeitimg".) Lemberg, 21. Oktober. Der neunte Verhandlungslag brachte wieder den Aufmarsch der bom Staatsanwalt geführten Z e u g e n über die Vorgänge zur Zeit des Attentates. Wie es in der Natur der Sache liegt, kann keiner dieser Zeugen präzise Angaben machen, da ja das Attentat vom 5. September 1924 ganz unerwartet kam und daher die kurzen Wahrnehmungen nicht genau sein konnten. Die Zeugen, welche, wie psychologisch begreiflich, vielfach mit den durch nachträgliche Ueberlegung ergänzten lückenhaften Wahrnehmungsurteilen kommen, werden im Kreuzverhör rasch unsicher, und es kommt zu Aussagen, die allgemeine Heiterkeit erwecken, wie die des Wachmannes B i l, der Steiger schon um 11 Uhr vormittags bei der Legionenstraße beobachtet haben will (obwohl n a ch g e w i e s e u ist, daß Steiger von 9 b r s 1 Uhr ununterbrochen in seinem Bureau saß) und ihn schon damals, wie der Zeuge angab, scharf ins Auge faßte. Auf die Frage, warum er dies tat, erklärte der Zeuge: Damit ich den verdächtigen Menschen nach dem A t t e n t a t erkennen kann! Diese heiteren Momente beleben die Interesselosigkeit des Zeugenaufmarsches,1 der morgen fortgesetzt wird. Mische BolkszShlung in PMftina. Jerusalem, 20. Oktober. Die Zionistische Palöst'na- Ex-ekutive und der Waad Halenmi bereiten gemeinsam für den 28. d. — drei Jahre nach der letzten offiziellen Zählung der.Regierung — eine Zählung der jüdischen B e v ö l k e r u n g P a l ä st i n a s vor. Man hofft, dadurch wertvolle statistische Daten für die Leitung der jüdischen industriellen Entwicklung zu gewinnen. Die jüdische Bevölkerung betrug nach offiziellen Schätzungen im April d. I. 108.000 , Personen, was eine Steigerung um 25.000 Seelen seit der Zählung im Jahre 1922 bedeutete. Man nimmt an, daß die neue Zählung infolge der Einwanderung und' natürlichen Vermehrung eine Gesamtzahl von fast 140.000 ergeben wird. i? 4f Ä sj? -fr' LIKÖRE U. SCHNÄPSE | WIEN, 1, BABENBEROERSTRASSE 5 I T-LEPHON 45-30 SERIE Die Forderungen der Minder« tz heiten. - y. Wien, 22, Oktober. Der Kongreß der europäischen nationalen Minoritäten in Genf ist am 18. Oktober zu Ende gegangen. Er ..hat ein reiches Material geliefert, aus dem Nnftige MlMrpoliMr diese ärgste 'Scharcke unserer Zeit 1 werden studieren können. Aber ohne erst auf ihr Urteil warten zu müssen, steht es. schon heute fest, daß die Pfuscherei der vereinigten Diplomaten und Generale, denen die Welt die Friedensverträge zur Last legen muß, auf keinem Gebiet so viel Elend und Not zusammengetragen hat, wie aus diesem. 33 Delegationen hat der Genfer Kongreß beisammengesehen, die durch die Tatsache ihrer Tagung allein einen Protest gegen den Ungeist bildeten, der die Welt verheert, gegen die aus dem Krieg übernommene fortdauernde Provokation des Nationalismus. Seine Exzesse' beherrschen die Entwicklung gerade der neuen Staaten, die gegen ihre Minderheiten durch die HaMMung der Gesetzgebung und der Verwaltung genau das Rezept der Staaten befolgen, gegen die sie sich auflchnten und deren' Zertrümmerung, ihnen die nationale Freiheit - .brachte. Alle diese Staaten organisieren sich auf dem Prinzip der kontPakten'Majorität, die sich als Wirtsvolk einrichtet, neben dem die anderen nur Gastvölker sind, die bestenfalls für den Schutz von Leben und Person dankbar sein sollen und ansonsten auf alle Geltendmachung ihrer naturgegebenen Ansprüche auf volle politische Vertretung, auf freie Erziehung ihrer Jugend, auf Gleichwertigkeit vor Gericht und Steueramt verzichten sollen. Gewiß , ist die Macht des Staates, der sich aus den organisierten Willen der Mehrheit stützen kann, eine sehr große und es ist überall für eine Minorität kein leichtes Unterfangen, mit ihr anzubinden. Ist die Mehrheit nationalistisch, so setzt sie auch an alle Knotenpunkte des staatlichen Systems die in ihrem Sinne erzogenen Organe und es erfordert viel Charakterfestigkeit, hier starren Widerstand zu leisten. Die Michael Kohlhaas sind gar dünn gesät. Ein Gegenstreben wird aber vollends zu einer schweren Probe auf die Nerven, wenn sich die Regierungen zur Zermückungstaktik entschließen und zur. beharrlichen Negierung und Negligierung aller Beschwerden übergehen. Wir haben hier in.Oesterreich ein Beispiel in der Art, wie Staat und Behörden die Heimatsrechtspraxis üben und wie die Hochschulen dem finstersten Nationalvadikalismus ausgeliesert wurden. Dieselben Erscheinungen in ähnlicher oder anderer Fortn zeigen sich auch in den anderen Staaten. Diese Taktik hat nebst anderen auch korrupüve Wirkungen. Sie schwächt den Willen und das Rechtsbewußtsein ab und spaltet die in ihrer Existenz bedrohte Minderheit. Es finden sich allzu leicht einzelne ihrer Teile bereit, sich von es « Am tieften uni biHmftett ♦ touft man.in Wa»e«m « II. Taborstraße 4L Telooho« 47-1-7’ En gros En detail