Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2392 (20.10.1925)
- Date
- 1925-10-20
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Wien. Dienstag Wiener Morgenzeitung 20. Oktober 1925 Nr. M2 Volkswirt. Devisen Jevisen- und Balntenlnrse vom 18. Lttober 1925. Üelgrau. . Berlin . . BrUsse . Budapest , Bukarest . London. » Mailand . New-York. Paris Prag . . . Geld War« Gen War- Gele . Ware 285 70 Solls ..L. 6.12 6 18 l’rauzösiactit Noten . . L. 31.20 31.60 12.B8 12.80 Stockholm 189.60 190.10 Holländische Noten .. — .- 188 88 169.18 Warschau ....... 117.06 117.66 italienische Noten . . . 28.12 28.32 32.24 32 38 Zürich . .. 136.60 137.— lagoslawische Noten . . 12.64 12.80 98.14 99.44 Valuten Polnische Noten . . . 116.70 117.80 3.37 3.39 ({uniüni&cne Noten . . . 3 37 3.41 34 31 \ 34.41 Amerikanische ftoten 709.63 713.60 Russische Noten Roman.) 28.18 28.31 delglsche Noten .... Schweizer. Noten . . . 136 20 137.— 708.66 711.06 dulgHr. Not. 6.08 6.18 Tschecho-slow. Noten . 20.9760 21.0960 31.32 ' 31.39 Deutsche Noten .... 188.40 188.— Türkische Pfund-Noten . 20.9060 21.076u -nu'ische Noten 34.24 34.40 in"jinsci'‘ ’Jote 99.45 99.86 Waren heraibgchetzt wir-. Die Gcsmiilsiiinine der Zolle iimahmen im April stellte sich ach 36,2 Millionen Zloty. Bon diesem Monat angchangen weisen die Einnahmen eine schriMvetze Verminderung ach, -und Kva>r so, daß die Zolleinnahmen von 27,5 Millionen Zloty im Mai ach 16,3 Millionen Zloty im Seiptember sanken. Das neue ungarische Geld — Zollzahluugen nur in Goldkronen. Aus Budapest, 19. d., wird telegraphiert: Finanzminister Dr. Bud erklärte, daß, wiewohl die neue Geldeinheit mit 12.500 Papierkronen festgesetzt worden sei, bei der Entrichtung von Zöllen auch weiterhin die Goldkrone in Geltung bleibt. Die 20- und 10-Kronen-Goldmünzen seien im Auslande noch im Verkehr und dies ermöglicht die Bezahlung des Zolles in Gold. Wer nicht mit Goldmünzen zu bezahlen wünscht, könne den Zoll, entsprechend umgerechnet, auch in der neuen Geldeinheit entrichten. Der Minister erklärte schließlich, daß die neue Geldeinheit vom 1. Jänner 1926 an in Geltung treten und die neuen Geldsorten ungefähr Ende dieses Jahres in Verkehr gebracht werden. — Der gestrige Ministerrat beschloß, daß die neue ungarische Geldeinheit den Namen Pengö führen soll. Der Valorisationsentwurf konnte im heutigen Ministerrat noch nicht endgültig verabschiedet werden. Die Situation der Zeutralbodenbauk hat in den letzten Stunden keine Aendemng erfahren. Der geschäftsführende Verwaltungsrat der Banque de privee befindet sich derzeit in Paris, wo im Generalrate der Bank die Frage der Zentralboden eine eingehende Erörterung finden soll. Erst nachher wird über das Schicksal der Zentralbodenkreditbank eine endgültige Entscheidung getroffen werden können. Es wird gerfft, im Interesse einer leichteren Liquidierung die Londoner ritish and North Europaen Bankzu einem Nachlaß von 250.000 S. zu veranlassen. Auch die Beamten sollen zu einer Minderung ihrer Forderungen, welche auf zwei Milliarden geschätzt werden, bis auf 70 Prozent bewogen werden. Endlich soll die Nationalbank gegen ein Giro des Präsidenten Lustig für die Hälfte der Summe 600.000 S. für die Zwecke der Liquidierung zur Verfügung stellen. Dividendenkose Papiere. Die Zen tralhypotiheke nbank ungarischer Sparkassen A.-G., Budapest, die ,I-itan'.a" A.-G. für Haus- und landwirtschalstliche Geräte in Wien und die Reichenberg—Gablonz—Tann-" Wälder Eisenbahn Stammaktien Cit. A und B zahlen für das Jahr 1924 keine Dividende. Rückgang des französische« Franken. Die Feistigkeit des französischen Franken zu Ende der vorigen Woche war nm vorübergehender Natur. Sie basierte auf dem glatten Verlauf der Vechandlungen in Äovarno, nicht aber auf einer energischen Intervention der Banque de France. Von New-Iovk ausgehend ist der Franken gestern auf allen internationalen Valutenplätzen ziemlich stark rückgängig gewesen. Er notierte in pold Karl D o ii n c r c r, kuust-.qeüvieM>iches Atelier, 3. Bez., Ilngargasse 2g. — Ueber Friedrich Plass er, 13. Bez., Zürzerftraße 163. — Ueber Miroslav Ondricek, Gchaildüschaiftsbvamter in KalWurg. — Ueiber Franz Krecny. 16. Bez., Schusclkagasse 9. — Ueber Ludwig Körner, 6. Bez., Äaimgrii'bengasse 2. — Ueber Adalibert Jl kes, Zuckerwarenerzeugung. 2. Bez.. Engerthstraße 2. — Ueber Else Galanter, Z. Bez., .Aeistgasse 22. — Ueber Grete Kramer, Hutmodell« haus, 1. Bez., Dorotheergasse 5. — Der Konkurs wurde eröffnet über W o l l i n a u. H ö ls e l, 19. Be;., Da ileräcker gosst 28. Erste Gläubigertagsatzung am 2. Novomiber. Wiener viehmarkte. Rinder. Der gestrige Auftrieb belief sich am 3116 Stück Schlachtvieh worunter sich 2187 Stück Mast- und 919 Stück Betnlvieb befanden Stiere erlitte» einen Preisrückgang von 10 G und in einzelnen Fallen bis zu 1b G pro Kilogramm.- Es notierten: Ochsen, vrima 170 bis 1.90 S., extrem 2.— bis 2.25 S., sekunda 1.40 bis 1.65 S., tertio 1 20 bis 1.35 S.. Stiere 1.15 bis 1.50 S. (1.60 S.). Kühe 110 bis 1.55 S. (1.75 S.) und Beinlvieh -.60 bis 1.05 S vro Kilogramm Lebendgewicht. Wiener ProduNtenvorse Tendenz: Auf die freundlichen Berichte aus den amerikanischen Handelsplätzen nahm der gestrige Verkehr einen freundlichen Verlanf. Die Preise blieben behauptet. ES notierten: Wetzen: Inländischer 6750 bis 39.- Ungar. Theiß 79/80 Kilogramm 41.50 bis 43.— Ungar. 38 50 bis 40 50 Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis —. Jugoslawischer 77/78 Kilogramm —.— blS —Roggen: Inländischer Marchfelder 29.25 blS 29.50 Bester Boden 28.26 bis 28 75 Gerste Brauware inländische 85.— bis 43.—, böhmische mährische —biS . Mats- Ungarischer —.— bis-. Ein quantin 42.— bis 43,—. Haler Inländischer 29.— bis 31.—. Reis Italienischer 80— bis 82.—, Burma 63.— bis 65.—.Mablvrodutte: Grieß mländllcher 74.— bis 76.— Weizenmehl 0 inländisches 70.- bis 73.-, Kochmehl 2 inländisches 63.- bis 65.-. Brotmehl inländisches vrima 49.— bis 52.—. vention der italienischen Regierung zur Stützung der Lira hat ausgehört und mit ihr die Festigkeit der Lira. Sie ermäßigte sich von 20,90 auf 20,70. Fest dagegen war Devise Warschau, die ihren letzten Kursverlust wieder wettgemacht hatte. Der polnische Zloty besserte sich von 94 auf 85. Insolvenzen. Das Ausgleichsverfahren wuche eröffnet über D. Horowitz, MiederzugeHör- und Fischbeinilager, 1. Bez., Spiegelgasse 21. Passiven 66.000 Schilling. Ausgileichsanbot 35 Prozent in zwei Quartalsraten. — Ueber Leo- Men« Mrse. Ruhig. Der gestrige Berkchr eröiffnete in etwas fremridlicherea. Haltung. Die Evwar.tM.geii, die auf den Wochenlbeginn gefetzt waren, gingen nicht in Erfüllung, da die Lebhaftigkeit des Geischälstes viel zu wünschen übrig ließ. Heanmeüd wirkten die flauen Börsenberichte aus den Nachbaustaaten und die reservierte Haltung des Publikums. Fest laczem einzelne ungarische Arbmagewerte Md der österreichische Monlcrnmarkt, während die tschecholslowakrschvn Effekten ,uind der Bankenmarkt leicht rückgängig waren. Ilm Schranken wurden Zuckerwerte md Petwleuutwerte lebhafter umgöietzt. Auch im weiteren Verlause des Verkehres blieb dieselbe Grundtendenz bchanpret. Die Aenderungen der MfangÄurse waren nicht mchr bedeutend. In der Kulisse erhöhten sich unter anderem Felten nm 4600 K., Woagner um 4000 K., Briivimer Maschinen u>nt 3500 K. unsd Um>g. Hüsherr um 1600 K. Dagegen gaben Anglobank 1600 K. ob, Bankverein 1000 K., Coburg 38.900 K. und Timber 10.000 K., Nicht einheitlich schloß der Schranken. Es gewannen Lennberg-Czermowitzer 10.000 K., Holzverkohlung 35.000 K., Scheidsmandel 140000 Kronen, Kram. Eisen und Urikanyer je 35.000 K., Heinrichs¬ Zürich 32,95 nach 33,30. Auch der belgische Franken lag .Haler 40.000 K., Cosmanos 38.000 K. nnd Fainto 10.000 K. flau. Er emnäßigte sich von 23,76 ans 23,66. Die JnterXj, Dagegen ermäßigten sick) Perlmovstr um 6000 K., Wienerberger nm 10.000 K., Mnndus nm 40.000 K. und Ung. Zucker um 23.000 K. Der An'lagemarkt nahm einen recht l e bhaften Verlaus. Gokdreinten waren fest, Rudolssbahwlprioritäten wurden mit dem Pluszeichen aufgezoaen. Bon den Exoten notierten: Mraznica 38.760 bis 29.000 K-, Universale 14.000 K. Ex-Conpon wnrden gchandelt: Hirten- Uxm 5000 K., Astra 50 Lei 16.900 österr. K., Reichenberg-Gablonzer Prioritäten 8 tschech. K. — 16.000 K. Begugsrecht. Ung. Landes-ZentraWarkasse für fünf alte Mtien drei neue zum Kurs von je 150.000 nn,g. K. aMglich 8 Prozent Zinsen. Ae SerlSttaertttts der österreichischen RationlllbauNoutrolle. Unbestimmter Beginn der LMfzeit der erweiterten dreijährigen Kontrolle. Anfangs November dieses Jahres soll in einer außerordentlichen Generalvechanmilung der Oestcrreichffchen Nalionavbank eine Aenderung der Nationakbankstainten vorige nenmnen werden, in welcher die Verlängerung der BÄkerbundkontrolle Mr die Bank um weitere drei Jahre ausgenommen werden soll. Es verdient nun der Umstand Hervorhebnng, eigentlich nirgends präzise gesagt wird, wann eigentlich die Laufzeit dieser verlängerten Kontrolle beginnt. Der offizielle Beschluß des Finanzbomitees lautet, die Tätigkeit des dauernd in Wien weilenden VÄkeröundberaters der NationaLbank für einen Zeitraum von -drei Jahren nach endgültiger Aufhebung der Kontrolle aufrecht zu echalten. In dem soeben veröffentlichten Protokoll des Bülkerbnndvaies ist alber in der Rede des Komiteeiprüsidenien D ubois von drei Stadien dielser 2lwjhebung die Rede, einer „Erleichterung", die bis zum Ende dieses Jahres andauern büche, einer zweiten Etappe der „vorläufigen Aufhebung der Kontrolle", die nach Ansicht Dubais' bis Juni 1926 twuern buche, worauf erst um die Mdte des nächsten Jahres die „endgültige Aufheibung" vorgenommen werden soll. Nach diesem Protokoll kann die tveitere dreijährige Frist für die dtaÄonalbanNontroA erst im Juni des nächsten^ Jahres zu lausen beginnen. Es ist zu erwarten,' daß in der Generalvevsammlung der Nationalbank hierüber authentische AuMamn-gen erteilt werden düchen. Loramo md die Wiener Börse. Der Abschluß der Verhandlungen in Locarno hat auf vie gestrige Wiener Börse keinen wesentlichen Eindruck ausgeübt. Die Zwangsexekutionen, welche von yuvaien Konti herstammten, drückten das Niveau einzelner Papiere, .^te Wiener Börse verhielt sich abwartend, weil sie die Stellungnahme der anderen mitteleuropäischen Börsen sondieren wollte. Da aber weder aus Prag noch aus Budapest oder aus Berlin Berichte einlangten, die auf eine Belebung dieser Börsen infolge des Abschlusses der Verhandlungen in Locarno hätten schließen lasten, verblieb auch die Wiener Börse in cuhiger Haltung. Vielbesprochen wurde der Umstand, daß die Berliner Börse eine ausgesprochen abgeschwächte Haltung an )en Tag legte. Es scheint, daß die Berliner Finanz nicht die optimistischen Ansichten der führenden Politiker teilt. Sie glaubt, daß eine Reihe von Problemen ungelöst geblieben ist, die noch manche Komplikationen Hervorrufen könnten. Ae polnische Handelsbilanz. Warschau, 19.Oklöber. (P.T.A.) DieHandelsbilanü für die ersten acht Monate des laufenden Jahres weift eine Einfuhr von 1.343,417.000 Zloty, eine Ausfuhr van 821,389.000 Zloty, somit ein Defizit von 522,0-28.000 Zloty auf. Das Defizit würde noch größer sein, wenn die Regierung die Wavenemschr aus dem Auslande nicht gedwssell hätte. Mit Rüch'icht darauf, daß es mehr als unwahrfchernllich ist, daß Palen innerhalb kurzer Frist seine Ausfuhr wesentlich steigern könnte, Reibt nur ein Ausweg übrig: Die Einfuhr beträchtlich einzuschränken. Die Zolleingänge bezeugen die Tendenz, die pcknische Handelsbilanz auszugleichen, indem die Einfuhr von ftemden Copyright 1924 by 41 Fortsetzung. Kort Wolff Vcrhg A^G. München Nachdruck verboten. Herr Fettwanst. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. Ein Hausknecht rumort zwischen den Tischen herum und steckt die Lichter an. Orloff spielt mit einem schmalen Glase, aus dem Billie ihren letzten Absinth getrunken hat. Mit ruffifchem Gleichmute denkt er: Eine Frau wird in dem Augenblick das Objekt vieler Wünsche, in dem sie einer heiratet . . . Jetzt versteht er, warum Billie nichts mit ihm zu tun haben wollte ... Er spricht von sich selber als ein Bettelmusikant auf den Bergnügungsmärkten der Welt . . . Wie bei vielen kultivierten Russen ist es auch bei ihm eine Art Manie, Emotionen zu zergliedern. Er bemerkt mit einer Mischung von Vergnügen und Verachtung, daß es keine treuere Frau gibt als eine Kurtisane, die wahrhaft geliebt wird. Denn sie ist jensets der nur fleischlichen Versuchungen. Satte haben es leicht, dem Fleische abzuschwören. Für sie hat die einfache Kost der Tugend einen besonderen, exotischen Geschmack. Ueb?rsättigte R^ues werden gute Ehemänner. Für den Mann, der vor oer Hochzeit keusch war, beginnt das Geschlechts- Problem erst hinterher. Nach der Hochznt gehen seine Gedanken und Wünsche anziehenden Frauen nach. 'Und wenn man sich nicht vor der Hochzeit ausgstobt hat, tut man es wahrscheinlich hinterher. Deswegen glaubt er, daß Billie schweren Zeiten entgegengeht. Davie ist hübsch und Billie wird ihn mit 'ihrer Eifersucht quälen. Die Menschen glauben von ihren Mitmenschen, daß sie mindestens so schlecht seien wie sie selbst. Man frage nur eine Prostituierte. Diese wird behaupten, daß es nicht eine einzige tugendhafte Frau in der ganzen Welt gebe. Sie weiß es ja — sie ist sich selbst der Maßstab . , , Kurz und gut, Orloff ist der Ansicht, Billie wäre besser ohne Davie drangewesen. Orloff hat recht. Die Welt leidet darunter, daß die Menschen glauben, sich immer rechtfertigen müssen. Der Sommer geht seinem Ende entgegen. Ich habe wenig von Esther gesehen. Harry Wotin hat sie für eine Milchstation für kränkliche Kinder interessiert, wo sie als Dolmetsch und Assistentin der Aerzte tätig ist. Diese Mlchstation war.Harrys Idee. Barney Finn veranlaßte seine unverheiratete alte Tante, die Gründung zu fimnzieren. Esther, Barney und Harry sind glücklich, wie eben nur Menschen glücklich sein können, die überzeugt sind, einer sterbenden Welt zu helfen. Eines Tages überredete ich Esther, sich einen Tag frei zu nehmen. Wir machten ihn zu einem Galatage auf Coneh Island. Ich protzte wie ein Schuljunge, zeigte ihr alle meine Wasserkünste, die ich während meiner Laufbahn als Piratte am East River gelernt hatte, und Esther, die furchtsam am Rande des Wassers blieb, bewundu.'e meine Kraft und meine Geschicklichkeit. Wir verbrachten fast den ganzen Tag im Wasser. Die einzige Gelegenheit zum Reden, die wir hatten, kam, als wir unter dem Brettersteg am Strande unser Frühstück verzehrten. Sie sprach von Davie. Das. war wie eine schwarze Wolke am heiteren Himmel . . . „Ist er glücklich? Ist er bei seiner Poesie gedlieben? Er muß sie sehr geliebt haben, daß er sie geheiratet hat." ... Ich erklärte, daß ich von nichts sprechen wollte als von Esther. Und sie antwortete: „Dann haben wir nichts zu reden."... Ich spielte den Beleidigten . . . „Meyer, bitte, laß uns gute Freunde sein. Ich will keine Liebelei. Ich will nicht, daß mich irgend etwas von dem Ziele ablenkt, das ich mir' gesteckt habe." . . . Nun wußte ich's. Esther war unglücklich wegen Davie und suchte Vergessen und Trost darin^ daß sie ihr Leben den Kindern der Eastside widmet«. Esther starrte auf das Meer hinaus und mein Mut sank, als ich die stille Ueberlegenheit in ihrem Gesicht erkannte und die Freude, die ihr über die Schönheit des Meeres und des Himmels in die Augen sMng. Und sie ward mir rätselhafter als je zuvor. Am späten Nachmittage kehrten wir in die Ludlow Street zurück. Zu meiner größten Ueberraschung fand ich Billie auf den Stufen sitzend. Ihr' Gesicht war von verhaltenen Tränen verzerrt. Ihre Augen waren Mb vor Furcht und sie sprach mit hohler Stimme: „Meyer, sie haben ihn in einer Ambulanz abgeholt." Esthers Antlitz wurde kreidebleich und sie stieß heraus: ,/O Davie — was ist denn paffiert?" ... Die beiden Mädchen starrten sich an. Ich schickte einen kleinen Jungen nach Awriinr . . . Billie drehte Esther den Rücken zu. Mir schliefen heute morgens, ich wie1 eilt Kätzchen unter seinen Arm geschmiegt. Und Davie begann sich herilmzuwerfen und fing an, sich an mir festzuklammern, wie einer, der sich vor dem Untergchen retten will, und ich hörte seinen Atem krampfhaft gehen. Als ich mich auf« setzte, sah ich, wie Blut aus seinem Munde kant und wie Brandwunden seinen Nacken hinunterrann. Und ich schrie. Leute kamen und auch ein Polizist. Der bestellte eine Ambulanz, und der Doktor meinte, es stehe sehr schlimm um ihn, und sie haben ihn über den Fluß hinüber in dieses Pvsthaus auf Blackwells Island gebracht, das man das City Hospital nennt. Ich bin hingegangen und man hat mich nicht zu ihm gelassen! Besuchstag sei nur zweimal in der Woche und der nächste ist erst in zwei Tagen. Nur gesagt haben sie mir, daß er sehr krank ist. Krämpfe und noch etwas. Das wollten sie mir nicht sagen. Was soll ich bloß tun? Meyer, was soll ich bloß tun? Ich muß ihn sehen! Ich muß ihn sehen!" (Fortsetzung folgt.)