Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2392 (20.10.1925)
- Date
- 1925-10-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Polen: 20 gioszy Wien: 4um Abholen in der Expedition, 11., Taborstr. 1-3, oder in einet Verschleisstelle (Trafik) monatl. b Schilling Strassenverkaui in W i en durch die Kolporteure der Finna G o I d s ch m i ed, 1., Wollzeile 11 Mit Postversand ihr Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutsch!and: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs; 18 Nachzahlungen bei Prell* erhflhungen rorbehaueu 1 teuer IPrau io a England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. l8Xire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien Mpn.IOOlewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. b Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,:43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.695 OK. 2392__fflien, SlenstdBf 20. Dttobei 1925 7. Mrsm« kV fy ,0 NTO a ft* ff+j 2? £ x /ff H //$ *#£ ▼ V'« Der arabische Protest. -V. Wien, 19 Oktober. Auch die palästinensischen Araber wenden sich an den Völkerbund. Eine 40 Köpfe starke Abordnung, die angeblich Vertreter der verschiedenen Organisationen und Barteisn. umfaßt, übergab dem Oberkommissär ein umfangreiches Memorandum, dessen Inhalt der Führer der christlichen Araber vortrug. Es liegt uns im Augen« blick nur ein dürftiger Auszug vor, aber er genügt, um den Ton zu erkennen, der diese Musik macht. Das Memorandum führt heftigste Beschwerde gegen die prozionistische Politik der Regierung, bezichtigt die jüdische Einwanderung der Schuld an der Arbeitslosigkeit und % an dem Eindringen des Bolschewismus, erklärt die Anwendungder hebräischen Sprache im Amtsberkehr als eine Belastung der Finanzen und denunziert schließlich die paar jüdischen Beamten, die noch im Verwaltungsdienst stehen. Aus dieser telegraphischen Inhaltsangabe allein ist schon der negative Charakter dieser Schrift zu ersehen. Der zionistische Bericht/ der hier bereits mitgeteilt wurde, ist positiv gefaßt. Er berichtet. Er stellt dar, was geleistet wurde, und er ist eine ausreichende Grundlage, aus der sich der Leser, die Mandatskommission des Völkerbundes, ein eindeutiges und sehr bestimmtes Urteil darüber bilden kann, ob und in welchem Ausmaße die zionistischen Organe ihre Pflicht erfüllen. Die allgemeinen.wirtschaftlichen Verhältnisse entwickeln sich auf einer nach oben laufenden Linie, der Gesundheitszustand der gesamten Bevölkerung hat sich gehoben, der Verkehr schlägt europäisches Tempo ein. Es könnte sicherlich mehr geschehen, und es war ein sehr umfangreicher Strauß von Forderungen, der auf dem letzten Zionistenkongreß von den Delegierten der jüdischen nationalen Organisation präsentiert wurde. Hinter uns steht als stärkster Antrieb die jüdische Wanderung, die immer auf neue Mauern stößt; und wenn das Mißverhältnis zwischen Hoffnung und Leistung von allen quälend empfunden wird, so kennen wir sehr köohl die Fehlerquellen, die wir durch angespannte Arbeit zu beseitigen haben. Wir kennen die politischen Widerstände, denen nur durch intensivste politische Aufklärung für die Dauer ein Paroli geboten werden kann. Das Judentum kann nur dadurch, daß es immer wieder den friedlichen Inhalt seiner- Tätigkeit betont und' nachweist, sich die moralische Mithilfe der Kulturvölker und aller Menschen reinen Herzens sichern. Es muß seine aufbauenden Energien steigern und durch eine bis ins Haus und Familie getragene organisatorische Arbeit das nationale Bewußtsein wecken und stärken. Nur ein von der Wahrheit seiner Ziele, von der Unwürdigkeit seiner heutigen Existenz überzeugtes jüdisches Volk wird sich sein Heim schaffen. t Nur ein jüdisches Volk, das seine Sache, wo immer sie angefochten wird, selbst führt und seine Interessen selbstbewußt vertritt, wird die Völker, die ihm durch die Anerkennung seines nationalen Seins und seines Rechtes ihr Vertrauen bekunden % wollen, von seiner politischen Reife überzeugen können. Das hat der Zionismus auszusprechen und die Nation mit seinem Willen zu durchdringen. Wir sind ein Volk und wir wollen unser volles Recht als Volk. Die: Zionistische Organisation als die führende, bestimmende und regelnde Gemeinschaft muß auf ihrem Programm bleiben und nirgends seine Geschlossenheit durch ideologische ° oder taktische Kompromisse unterbrechen, weder nach innen noch nach außen. Das erklärt auch der Brief Weizmanns -an den Oberkommissär und seine Fest- Weizmann an Sas PaMlnamandat Wie bereits am 17. d. mitgeteilt, hat der President der Zionistischen Exekutive sein für die Mandatskommission des Völkerbundes bestimmtes Memorandum durch den Oberkommissär von Palästina dem Generalsekretariat übermitteln lassen. Dos Begleitschreiben, das wir. zum Teile bereits veröffentlicht haben, liegt nunmehr zur Gänze vor. Seiner Exzellenz, dem High Commissivner für Palästina, Jerusalem, Regierungsgebäude. Euer Exzellenz! Im Namen der Exekutive der Zionistischen Organisation, die im Artikel 4 des Palästinamandates als Jewish Agency anerkannt ist, habe ich die Ehre, darum zu ersuchen, daß das beiliegende Memorandum über die Entwicklung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina in den Jahren 1924/1925 durch die zuständigen Instanzen dem Generalsekretär des Völkerbundes zur Information der Periyanenten Mandatskommission Überreicht wird. . . 2. Das Memorandum will das in einem umfassenderen Memorandum über denselben Gegenstand enthaltene Material, das zur Information der Permanenten Mandatskommission gelegentlich ihrer fünften Session im Oktober 1924 gefertigt und Eurer Exzellenz Vorgänger unter dem.. 23. Rvvembxr^ 4924 .mit dem Ersuchen. überreicht -worden war,-esdemBölkerhlndrat. vorlegen- -zu lassen, 'bis zum heutigen'Tage ergänzen. 3. Die beiden Memoranden sind d a z u b e st i m m t, zusammen gelesen zu werden; cs ist aber einigermaßen zweifelhaft, ab das Memorandum von Oktober 1924 zur formellen Kenntnis der Permanenten Mandatskommission gelangt ist. Infolgedessen habe ich die Ehre, darum zu ersuchen, daß das Memorandum vom Jahre 1924 durch die zuständigen Instanzen ebenfalls der Permanenzen Mandatskommission unterbreitet wird. 4. Es ist mit Bedauern zu vermerken, daß die Permanente Mandatskommission in dem dem Völkcrbundrat im Dezember 1924 erstatteten Bericht gewisse Bemerkungen gemacht hat, die den in der Berichtsperiode in Palästina eingewanderten jüdischen Immigranten wenig Gerechtigkeit widerfahren lassen. Diese Bemerkungen lassen erkennen, daß die Kommisston, die fraglos die Dinge in nn- ParteilichcrWeis e darzustellen sich bemüht hat, über das Maß, in dem die Juden zum Wiederaufbau von Palästina und zur Förderung seines ökonomischen und sozialen Lebens tatsächlich beigetragen haben, nicht völlig unterrichtet war. Aus diesem und noch anderen Gründen enthält das nunmehr überreichte Ergänzungsmemorandum in großem Maße weitere. Informationen über die in Palästina seit Inkrafttreten des Mandates, insbesondere in den letzten zwölf.Monaten, . unter zionistischer Leitung durchgeführte Aufbauarbeit. 6. Bezüglich Artikel 6 des Berichtes, der das Erzieh ün g s w e s e'ü betrifft, ^hält sich die' Exekutive für stellung bezüglich der mangelhaften Durchführung des Artikels 6. Die arabische Aeußerung spricht Beschuldigungen aus. Sie sind von dem gleichen Kaliber wie jene, die im Vorjahre nicht von uns, sondern von seitett der Palästinaregierung als Verleumdungen und Entstellungen erwiesen werden konnten. Die so beklagte prozionistische Politik besteht darin, daß die Regierung nur arabische Schulen unterhält, daß sie den zur Abgabe an die jüdische Siedlung durch das Mandat bestimmten Regrerungs- und Brachboden abgegrenzt hat, daß die jüdischen Beanüen abgebaut werden und daß die jüdische Einwanderung unter die inappellable Instanz des Oberkommissärs gestellt ist. Sie besteht darin, daß der Schutz der heiligen Stätten just vor der Klagemauer der Juden halt macht, daß die am Grab Simons des Gerechten ■ in Liberias betende jüdische Volksmenge durch arabische Polizisten sekkiert 'wird. Und was die Einwirkung der Zionisten aus die soziale Entwicklung be- Lord Plumer. vor der Kommission. verpflichtet,, auf die Tatsache aufmerksam machen zu müssen, daß die jüdischen Schulen in Palästina von der Regierung nur einen geringfügigen Zuschuß erhalten, der im Jahre 1924/1925 3065 ägypi. Pfund oder drei Prozent der aus öffentlichen Mitteln für Erziehung bewilligten Gelder betrug. Die Juden bilden gegenwärtig 13 Prozent der Bevölkerung und haben wiederholt darauf gedrängt, daß sie bei der Verteilung der für Erziehungszwecke bestimmten Gelder einen ihrer Zahl ents p r e ch e n d e n A n t e i l erhalten. Die Exekutive J&at die größte Sympathie für die Bemühungen der palästinensischen Regierung, für die ni ch t j ü d i s ch e Bevölkerung bessere 'Erziehungsmöglichkeiten zu schaffen; es ist aber, wie Wohl gesagt werden darf, ungerecht, das Einkünfte, die aus allgemeinen Steuern stammen, fast ausschließlich für die Errichtung und Erhaltung von Schulen verwendet werden, in denen die Unterrichtssprache arabisch ist, während die Juden die h e b r ä i s ch e n Schulen aus eigenen Mitteln erhalten müssen. Die"Exekutive bedauert, daß ihre diesbezüglichen Vorstellungen bisher ohne praktische Wirkung geblieben .sind'. ■; ■ 6. Die Exekutive möchte ferner die Gelegenheit benützen? um auf dieletzten Sätze des Artikels 6 dessPalöstwamandatos Bezug s zu nehmen, der lle- Wüntt, daß'die Administration „unter der Sicherung, daß dieRechte und die Läge anderer Teile der Bevölkerung nicht beeinträchM werden, jüdische. Einwanderung unter geeigneten Bedingungen erleichtern und. . . eine geschlossene Ansiedlung von Juden auf dem Lande mit Einschluß der nicht für öffentliche Zwecke erforderlichen Staatsländereien und Brachländereien, ermutigen soll". Sie sieht sich gezwungen, darauf hinzuweisen, daß, obgleich das Mandat nunmehr schon beträchtliche Zeit in Kraft ist, Artikel 6 im wesentlichen unwirksam geblieben ist. 7. Die Exekutive bittet um die . Erlaubnis, hinzufügen zu dürfen, daß sie die unverminderten Bemühungen von Seiner Britischen Majestät Regierung und der Negierung Palästinas, die friedliche Entwicklung Palästinas zü sichern und das Wohl aller Gruppen seiner Bewohner zu fördern, vollkommen , und freudig anerkennt. Wenn sie sick verpflichtet fühlte, gewisse Mißstände hervorzuheben, wozu sie sich für berechtigt hielt, so geschieht es in der z u v.e r s i ch t l i ch e n E r w artung auf deren baldige Abstellung. 8. Im Namen der Exekutive habe ich die Ehre, dämm zu ersuchen, diesen Brief dem Generalsekretär deS Völkerbundes zur Information der Permanenten Mandatskommission zusammen mit dem beigefügt en M em o r a n d u m sowie dem Memorandum vom'" -Oktober 1924 zu überreichen. 9. Indem sich die Zionistische Organisation in dieser Angelegenheit an Eure Exzellenz wendet, nimmt.sie sich trifft, so ergeben die zionistischen und die. amtlichen Berichte, daß die Arbeitslosigkeit geschwunden ist, daß die arabischen Einwohner erst durch die Juden von Krankenkassen, geregeltem Kreditwesen, Städtebau und rationeller Landwirtschaft gehört haben. Diese, arabische Majorität — deren Bezifferung nur auf Angaben der Muktars beruht und. deshalb sehr anzuweifeln - ist --- hat keine sanitäre Vorsorge aus eigenem entwickelt, sie Ischafft sich keine Schulen und sie lernt erst bei dm Juden die Anfangsgründe sozialer Gliederung. Diese christlichen und. muslimischen Großgrundbesitzer, die ihr Volk versklaven, beschweren sich über das lebendig wirkende Beispiel der jüdischen Arbeit und nennen es Bolschewismus! Sie schöpfen diese Weisheit nicht aus sich selbst. Während noch die arabische Deputation. dem. Oberkommissär ihre Beschwerden vortrug, predigte in Haifa der katholische Bischof, daß der Zionismus den gottlosen Bolschewismus : ins Land gebracht halle. Die Uebereinstimmnng ist rührend. II. Taborstraße 48 Tdenhon 47*1-7? En gros En detail Am besten «nv billmften ♦ tauft man ftn Waren a-i» £