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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-18 · Heft 2390 (18.10.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2390 (18.10.1925)
Date
1925-10-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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AufueMsfrsien erteilt koiienlos Auskunft bei Bankhaus M. Münzer / Wien I., Hessgasse Nr. 7 TSglich von 9 bis 12 Uhr. vormittags und 654 von 3 bis 7 Uhr nachmittags. / 143 JAHRE BACZEWSKI LIKÖRE U.SCHNKPSE WIEN, I., BABENBERGERSTRASSE 5 TdLEPHON 45-30 SERIE , vorm. MALOWAN & FRANZ Telephon 72-84 Opernring 23 Infolge äusserst günstigen Abschlusses bringen'wir aus allerfeinsten engl. Double-Stoffen, auf Seide gearbeitet, in den neuesten Fassons zum Preise von 195 Schilling und Seidenbliider in allerschwerster S Reinseide und neuesten' Dessins zum Preise von 9 9.50 Schilling sne j Masjenverhastungen in Wilna. Berlin, 17. Oktober. Wie das ,Berliner TageMatt" ans Willna meldet, hat im Wilnaer Gebiet 'die Polizei nach längerer Ermittlung 117 Personen verhaftet, die beschuldigt seien, lontmun istis che Propaganda und Spionage zuguus'.en Sowjetruß l a n d s betrieben zu haben.- . Es handle sich hauptsächlich um Juden. Unter den Verhafteten befinden sich der Direktor des. Wilnaer hchräischen Lehrerseminars Ire>und, der indische Literat Erik (?), zahlreiche Lehrer und Schüller jüdischer Schulen. Außerdem seien gegen fünfzig Hausdurchsuchung e n Tvorgenommen. worden, darunter beim Wilnaer Korrespondenten des Warschauer Mischen Tagblattes Moment". In einem Mischen Mendkursus' soll zahlreiches Material b e s chl a g n a h m t worden sein. . Franziska Prnfiha fteigeivrochen. Nach sechstägiger Dauer wurde gestern die neuerliche Verhandlung gegen Franziska Pruscha wegen Ermordung der Marie Eberl zu Ende geführt. Die Geschwornen haben die Hauptfrage auf Mord mit zwölf S t i m m e n v e r n e i n t. Die Cventualfrage auf T o tfchlag wurde mit elf Stimme« verneint. Auf Grund dieses Wahrspruches wurde Franziska Pruscha, die in erster Instanz zu 15 Jahren schweren Kexkers verurteilt worden war, freigesprochen. Wer hat das Lemberger Attentat veröbt? Ae AtteMter in Berlin und Wien? — Das Berliner Ml des Ukrainers Aichanski — AnMenenegende Enthüllungen im Lemberger Prozeß. — Das SMndnir der Ukrainers Bändern in Wien. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) entspricht, mit wenig bestimmten Details ausgeschmückt. Berlin, 17. Oktober. Aus den Kreisen des Berliner Polizeipräsidiums wurde Ihrem Korrespondenten von matzgebender Seite eine Mitteilung gemacht, die im Hinblick auf den jetzt in Lemberg stattfindenden Prozetz gegen Stanislaus Steige r wegen des am 5. September 1924 verübten Attentats aus den polnischen Staatspräsidenten geradezu sensationelle Bedeutung erhält. Die Mitteilung besagt: Am 2. Oktober 1924 überschritt der Ukrainer Teofim Olschanski, von Kattowitz kommend, in Beuchen die polnisch-deutsche Grenze; er wurde von der deutschen Grenzbehörde angehalten und sollte nach Polen zurückgeschickt werden. Olschanski gab damals an, datz er am 5. September 1924 ein Bombenattentat gegen den polnischen Staatspräsidenten verübt habe und verlangte a l s p o l i t i s ch e r B e r b r e ch e r auf Grund des A s y l r echtes Ausenthaltsbewilligung in Deutschland. in--Gewahrsam und setzte sich mit dem R e i ch s.a «tz e tönt i niste ri um in Verbindung. Der Schriftwechsel Wer diese Angelegenheit währte bis zum 15. Oktober 1924 und hatte das Ergebnis, datz das Reichsautzenministerium den Auftrag gab, Olschanski frei zulassen und ihmdasAsylrechtzu gewähren. Olschanski wurde die Einreise nach Deutschland gestattet, er wurde an der Grenze wegen der formalen Patzvergehen, die seine Anhaltung verursacht hatten, zu einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt. Seit dem 15. Oktober 1924 befindet sich Olschanski beiseinemParteigenossenNowakin Berlin. Sein Aufenthalt dortselbst war bisher nur einigen Wenigen Personen bekannt. Als vor einigen Tagen der Steiger-Prozetz begann, hat ein Reichstagsabgeordneter, dem die oben angeführten Tatsachen bekannt wurden, sich an die R eichsregier u n g mit dem Verlangen gewendet, Olschanski in Hast zu nehmen und den ganzen Tatbest a n d z u v e r ö s s e n t l i ch e n. Die Angelegenheit wird demnächst den Kabinettsrat der Reichsregierung beschästigen. Wie Ihrem Korrespondenten übrigens mitgeteilt wird, soll der ganze Tatbestand noch im Vorjahr aus Kattowitz nach L e m b e r g berichtet worden sein. . Steiger vor den Geschwornen. Die Detailschilderungen der Pasternak. — Verhaftung einer Zeugin im Gerichtssaal. — Verteidiger Dr. Landau über die Attentatsgeständnisse in Berlin und Wien. (Von unserem Lemberger H-Korrespondenten.) - Lemberg, 17. Oktober. Die Zeugenaussagen des fünften Berhandlungstages (eine Leitungsstörung hat die telephonische Uebermittlung des Berichtes überden fünften Ber'handlungstag durch unseren Korrespondenten gestern unmöglich gemacht, weshalb der Bericht erst heute nachgetragen wird. —Die Red.) unterscheiden sich wesentlich von denen der Kronzeugin Paste r na k. Sie sind, wie es - der Wiedergabe von kurzen Geisichtswahrnehmungen Diese detaillierte Schilderungsweise wurde übrigens der 'Pasternak mehrmals zum Berhänignis. Unter anderem hatte sie'in ihrer Aussage genau geschildert, wie Steiger langsam aus der linken inneren Brusttasche seines Regenmantels das Paket zog, welches die Bombe enthielt, und dann dieses Paket gegen den Wagen des Staatspräsidenten schleuderte. Der fatale Regenm a n t e { befindet sich neben verschiedenen anderen Gegenständen, die dem Steiger bei seiner Verhaftung , abgenommen wurden, auf dem Gerichtstisch. Steigers Verteidiger Dr. G r e k bat nun, das Gericht möge konstatieren, ob Steigers Regenmantel, den er bei der Konfrontation mit der Pasternak auch anziehen mußte, an der Innenseite Bmsttaschen habe. Zum allgemeinen Erstaunen stellte sieb heraus, daß es Innentaschen in dem Mantel überhaupt nicht gibt und daß somit dieses Detail in der Zeugenaussage . der Pasternak, zumindest ein Phantasieprodukt, ist. Aehnlich erging es ihr: bei den,Kreuz- und^Querfragen mit anderer Schilderungen, ihrer furchtbaren Phantasie. '; ’ Mx nach der Pasternak vernommene . > - Zeuge, Gerichltzadjunkt Lewitzki, wurde, -nachdem er die Schilderung seiner Wahrnehmungen am Tage des Attentats,, über die wir bereits berichtet haben, vorgebracht hatte, ins Kreuzverhör genommen. Der Tenor seiner Aussagen ist, daß er dem Steiger, als dieser zu lausen begann, nachlief, in der Annahme, Steiger könnte der Atteutäter - sein. Jedoch kann der Zeuge nicht behaupten, gesehen zu 'haben, daß Steiger die Bombe geworfen habe. Während des Verhöres Lewitzkis kam es zu einer lebhaften Polemik zwischen ihm und den Verteidigern. Lewitzki hatte nämlich während der Untersuchung angegeben, er habe, nachdem die Bombe geworfen worden war, außer Steiger noch einen zweiten rasch davoneilenden jungen Mann gesehen Lewitzki machte diesmal bei seiner Vernehmung die Angabe nicht. Heber Befragen der Verteidiger wußte er dann z u g e b e n, daß seine e r st e n A u s s a g e n g en a u e r gewesen sein können als die diesmaligen, da er sich nach so langer Zeit an manche Details nicht mehr erinnern könne. Als nächster Zeuge wurde der Lemberger Architekt Michael Ulam einvernommen, der zur Zeit des Attentates sich auf dem im er st en Stockwerk gelegenen Malkon des Cafe de lä Paix befand, von wo der P lä tz, M sich die Vorgänge abspielten, ziemlich g e n a u ü b e r seh e n' werden konnte. Nach Ulams Wahrnehmungen ist die Bombe nicht vom Gehsteig aus an der Stelle, wo sich Steiger befand, geschleudert worden, sondern etwas weiter rechts von d e r F a h rstratze aus. In: Kaffeehaus selbst entstand — wie der Zeuge weiter .angibt — eine lebhafte Diskussion darüber, wer der Attentäter gewesen sein kann, und damals haben einige Kaffeehausgäste auf Grund ihrer Wahrnehmungen verschiedene Vermutungen ausgestellt. So behauptete Frau Annette Franzos aus Wien, die sich damals im Kaffeehaus befand (Frau Franzos wird noch als Zeugin vernommen werden. — Die Red.), die Bombe sei ungefähr an der Stelle, die Ulam angibt, von einem Mann in braunem Mantel Mb schwarzem Hut geworfen worden. Ein anderer Kafseehausgast habe, in den Gesprächen, die danrals stattsanden, als den vermutlichen Sonniger HerDstaufenthalt reinste Küche Sonniger Herbstaufenthalt reinste Küche Generaldlrektlont Hans HOboer

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