Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2386 (14.10.1925)
- Date
- 1925-10-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Mittwoch 'einer Kanftnannsgattin einen Brief echccken habo, in dom Mgostellt wird, da'; die Pvuscha immer bei GE) gewesen sei. Die Zeugin Hi nt erh-u'ber ist am 8. März nach 7 Uhr -im Haustor, KÄblgasse 26, mit einer Frau Wscumnengestoßen, sie kann aber nicht mit Bestimmtheit behaupten, daß es die Prnscha gewesen sei. Die Zeugin Hintechu'ber verlegt dieses Zusammentreffen im Gegensatz znr ersten Vechandlnng von halb 8 Uhr auf die Zeit uni 7 Uhr herum. Die Zeugin Zatl o u k a l wurde von der Prnscha am Abend des 3. März besucht. Die Prnscha soll um viertel 8 Uhr hingeckommen sein. Die Zeugin sowie ihr Schwager behaupten, daß es nach halb 8 Uhr war. Der Vorsitzende gilbt nun bekannt, daß die vom Verteidiger dorgeischlageimt Leumundszeugen zugelassen werden. Weiters teilt er mit, daß das Gericht den Ernst Meiche, der sich gegenwärtig in E rfurt aufhält, im Requisitions weg zur Verhandlung vorladen ließ. Reiche gab beim Erfurter Amtsgericht die Erklärung ab. daß er nicht nach Men fahren imd als Zeuge sich vernehmen lassen wolle, weil er seinerzeit von der gesamten Wiener Presie in den Kot gezerrt und selbst der Tat beschuldigt wurde. Die Wohnnngsnachbarin der Eberl. Emie Beznaik, sagt aus, am Abend des 3. März nach 7 Uhr einen heftigen, in tschechischer Sprache geführten Streit gehört zu haben, der etwa zehn Minuten dauerte und plötzlich abbrach. Bors: Wieso wissen Sie, daß die Prnscha eine der Streitenden tvar? — Zeugin: Ich glaube schon, ich habe ihre Stimme erkannt. — Der Vorsitzende fragt dann die Zeugin, ob ihr an Meiche am Morgen nach der Tat etwas Besonderes ausgefallen sei. — Zeugin: Jawohl, etwas schr Auffälliges. Kaum war ich mit meinem Mann aus der Wohnung der Eberl draußen, hat er die Schlüssel verlangt, hat ausgesperrt, ist in die Wohnung der Eberl hinein und hat rasch hinter sich zugesperrt. Mir und meinen! Mann ist das sehr ausgefallen, wir haben durch einen Türspalt hineingeblickt und haben gesehen, daß der Meiche sich an der Leiche der Eberl zu schaffen machte. Im weiteren Verlauf ihrer Aussage cMävie die Zeugin, daß ihr von einer Eifersucht zwischen der Eberl und der Prnscha nichts bekannt ist. Der StaatsaMvalt bemerkt, es sei bedauerlich, daß die Zeugen jetzt ihre früheren Aussagen merklich abschwächen. — Verteidiger: Sie bleiben also dabei, daß Sie den Streit gegen 7 Uhr gehört haben? — Zeugin: Ganz bestimmt. Es war nicht mehr. — Die Prnscha (erregt): Wie der Wachmann am nächsten Tag nach Streit gefragt hat, hast du gesagt, es war gegen halb oder dreiviertel 8 Uhr. Da die Zeugin bei ihrer Behauptung verbleibt, schreit die Prnscha: Was ich sage, ist bestimmt wahr. Ich häbe mich meinen Händen die Tote nicht berührt, so wahr ich hier vor Gericht stehe. Ich kann mir nicht Helsen, ich bin unschuldig. Der Verteidiger fragt die Zeugin, ob nicht vielleicht die Mite Stimme jene des Weiche gewesen ist. —Zeug in: Ausgeschlossen. Der Meiche ist ja schon viel früher weggegangen, da habe ich ja mit ihm gesprochen. Bei der Einvernahme des Schneidermeisters Eggert kommt es zu einer erregten Szene, als er erklärt, daß die Angeklagte, die er seit vielen Jahren kennt, männersüchtig war. Die Pruscha springt auf und schreit herum. Dann wendet sie sich zu den Zuhörern: Schaut mich doch alle an, ich bin ja unschuldig. Mit den Worten: Ich bin keine MSrderin, will sie sich auf den Zeugen stürzen. Zwei Justtzwach- ' Copyright 1924 by 35 Fortsetzung. Kurt Wolff Vtrlag A^Q. München Nachdruck verboten. Herr Fettwanst. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. Und seine Augen scheinen wie ertrunken in der ewigen Quelle des Whiskys auf seinem Notenständer. Cr macht den Eindruck eines . unermüdlichen und unantastbaren Automaten. Er ist ein Trunkenbold mit blassem Gesicht, als ob sich auch das Mut in seinen Adern in hochprozentigen Alkohol verwandelt hätte... Seit vielen Jahren ständig betrunken, ist er niemals besoffen. Seine Haltung ist totenähnlich, schauerlich inmitten all des blühenden Lebens. Seine Augen sind wie kleine, in Schnaps eingeweichte Muscheln. Er hat dünne Lippen, die zu einer schmalen, purpurnen Linie zusammengedrückt sind. Seine Haut, die sich über Stirn, Backenknochen und Kinnlade spannt, erscheint mumifiziert. Nur seine Hände sind lebendig und voll Unrast, aber die Hände scheinen dem Piano anzugehören. Für die Welt hat er keine Persönlichkeit, kein Selbst, keine Daseinsberechtigung, außer als Ding am Piano. Deswegen heißt er Piano O'Brien. Seine Geheimniffe scheinen hinter dem glasigen Blick seiner Augen in sicherer Hut. Keiner kennt seine Geschichte. Ein Wort, ein Flüstern da und dort, daß er ehemals Jesuit gewesen sei . . . Aber Davie Solomon erweckte Funken des Menschen, der er einst gewesen sein mag. Er begegnete in Davie. menschlichem Fühlen, und das entsiegelte die Jahre starren Schweigens . . . Einmal sprach er hebräisch, das fehlerfreie Hebräisch des Gelehrten . . . Der immer neugierige Hymie begrüßte ihn lateinisch. Und O'Brien trug uns eine lateinische Parabel vor, klar und knapp wie die neuen Seiten der Klassiker . . . Maxie Freund, der mich manchmal zu Proben begleitete und der Latein als die heilige Zunge des Gesetzes ansah, machte aus den Proben gelegentlich wahre Lateinstunden. O'Brien war ein glänzender Lehrer. Maxie erklärte, er sei besser als tausend Lehrbücher. Und Sam wieder, der bis dahin nur mit zwei schweren Fingern über die Klaviatur zu stolpern verstand, lernte es, _Wiener Morgerrzeitung_ Handlung, die Prnscha wird aus dem Saale geführt. Nach einer kurzen Paufe wird die Prnscha wieder hereingeführt. Aus den Porhalt .des Vorsitzenden, sich zusammenzunchmen, sagt die Angeklagte: Gut, ich werde schon ruhig sein. Die nächste Zeugin ist die WohnnngSnachbarin der Eberl, die Witwe Ludmilla Ma thä. Sie gibt an, daß sie von HM 7 Uhr einen lauten Streit in der Wohnung der Eberl gehört hat. Knapp vor 7 Uhr ist die Zeugin" weggegangen und als sie nach einer Viertelist-Mde zurückkam, war in der Wohnung alles ruhig. — Vors.: Wer hat gestritten? — Zeugin: Die Prnscha, der Meiche und die Eberl. Vors.: Das ist m, der Streit zu dritt. Bors.: Wie halben sie denn gestritten? — Zeugin: Bald deutsch, bald tschechisch. — Vors.: Die Stimme des Miche halben Sie gekannt? — Zeugin: Gewiß. — Bors.: Der Meiche hat Ihnen ja, als er aus Deutschland kam, einen Brief des Bachmaun überbrachl. — Zeugin: Mir? Ich weiß nichts. — Vors.: Also Ihrer Tochter Steffi. Oberlandesgerichtsrat Dr. Os io, bei dem die Pruscha vott 1911 bis 1916 als Bedienerin angeftellt tvar, bezeichnet sie als ehrliche Person, die sich stets anständig aufgeführt hat. Es werden dann mehrere Kriminalbeamte einvernvurmen, die mit der Aufklärung des Falles beschäftigt warett. Nach den Aussagen des Kriminalbeamten Friedrich Feldkirchner haben Erhebungen Wer Miche im Cqse Neuling nur ergeben, daß er mit Mitgliedern der national-sozialistischen Partei Zusammenkünfte hatte, wo stark politisiert wurde. Der Sohn der Angeklagten, der 28jährrge Wevtzengschlosser Karl Jirku, sagt aus, seine Mutter habe ihn, als er aus der russischen Kriegsgefangenschaft im Jahre 1921 heimkchrte, öfter mit Geld unterstützt, er Wiste auch, daß sie immer über Geldmittel verfügt habe. Aus Befragen des Verteidigers erzählt der Zeuge, er sei nach seiner Aussage im ersten Pruscha- Prozeß in der Spitalgaste nächst der Anatomie von drei Männern cmgchalten worden und einer habe ihn bedroht. — Dr. Preßburger: Es wird behauptet, daß das der Hubert Nit sch gewesen sei. — Zeuge: Nein, das ist nicht wahr. — Staatsanwalt: Es würbe damals auch behauptet, die drei Männer feien Hakenkreuzler gewesen. — Zeuge: Das kann ich nicht sagen. Der Zeuge stellt am Schlüsse seines Verhörs folgende Frage an den Staatsanwalt: Ich möchte gerne Wiste», warum Meiche nicht als Zeuge hier ist, wahrend meine Mutter noch immer als Mörderin angeklagt ist. — Staatsanwalt: Meiche kann nicht mit Gewalt hieher gebracht werden. — Der Zeuge will noch etwas fragen, der Vorsitzende bemerkt aber: Sie können abtveten. Nach dem Verhör des Zeugen Krejci, der die Zeugin Dunst als verlogen bezeichnet, wurde die Verhandlung auf heute vertagt. Die Aaffenschiewmgen des Julius Brück. Der Prozeß, den die Erben des Waffenschtelbers Julius B r ü.ck gegen dw Finanzprokuratur auf 67 Milliarden Kronen Schadenersatz für die von der Interalliierten Waffenstillständskommistion beschlagnahmten Waffen und Munition, welche Brück nach Polen und in die Tschechoslowakei schmuggeln wollte, angestrengt hatten, wurde gestern vertagt. Es wird eine Anfrage an das Finamministerium gerichtet, ob Md wieviel vom Gegenwert der beschlagnahmten Waren auf das österreichische Reparat-ionskonto gutgöschrieben wurde. alle Finger zu gebrauchen. Auch das brachte ihm O'Brien bei. Die Welt kommt zu Lavelles — eine Welt der Männer. Die Ostseite und die Westseite, Uptown und Downiown, schwirrt herein, einzeln und in fröhlichen Klumpen . . . neugierige Bürschchen, die sich reiß für Abenteuer glauben . . . junge Männer, die Zigarette in den Mundwin-kel geklemmt, nonchalant, verzweifelt bemüht, weltweife auszusehen . . . kleine Cliquen verheirateter Männer, aufgekitzelt und verderbt, froh. dem Joch des Ehestandes auf eine Nacht entronnen zu sein . . . alte Männer, die die Jugend suchen am Brunnen der Narretei . . . milchwangige Studentchen, wütend und eigensinnig auf der Suche nach dem Leben . .. Verbrecher, Zuhälter, lichtscheues Gesindel, die dem Lokal einen eigenen Hautgout verleihen . . . freundschaftlich einander zugetane Gruppen von Matrosen und Marinesoldalen, eben zurückgekehrt von großer Fahrt, mit Gesichtern so frei und frisch wie das offene Meer, bewußt aus der Höllenfahrt des Landurlaubes . . . Rennplatzhabitues und Lümmel und Jockeys in grellgemusterten Anzügen . . . Seeleute aller Nationen der Welt, glühend, weil die Taschen voll Geld und die Gier am Platzen ist. . . Zuhälter, mit Juwelen bedeckt und übereleganten Kleidern . . . aufgeblasene, winzige Politiker . . . billige Spieler, Würfelkünftler und Kartenmischer . . . Spitzel . . Taschendiebe, Leichenfledderer und Straßenräuber... Einbrecher . .. Schnorrer... Schlepper für Spielhöllen und Bordells . . . herumflitzende, temperamentvolle Puppenjungen . . . Neugierige der vornehmen Welt, die sich durch ihre fulminanten Abendtoiletten auszeichnen . . . eine Welt der Männer. Die Hauptattraktion sind natürlich die kleinen Mädchen, die sich zwischen den Tischen hindurchwinden wie eine seltsame Girlande merkwürdig geflochtener, bunter Blumen. Die Girlande ist durch den Schmutz vieler Straßen gezerrt worden . . . Doch Blumen bleiben Blumen... auch wenn sie zerdrückt sind und verwelkt, beschmutzt und kopfhängerisch vom Hand-zu-Hand-Gehen . -.noch ist doch die Ahnung des Dustes in ihnen und des Charmes ünd 14. Oktober 1925 < . 8h. Volkswirt 3Mche Beamte in der Wiener Biirfekammet. Wie wir erfahren, kam in der letzten Sitzung der Börsenfammei' die Frage jüdischer Angestellter bei der Wiener Bürsenkammer znr Diskussion. Börsenrat Leopold Langer stellte die Anfrage, tvaruin in der Börsenkaminer nicht auch jüdische Beamte angestellt feien. Tatsächlich ist seit beni Tode des Börsensekretärs Schattig kein Jude Beamter de'' Bövserckamvter. Es liegen hier zweifellos Fehler der früheren Bövsen-- kaminevvevwaltungen vor, die nicht daraus gesehen haben, daß Inden als Konzeptsbeamte und sonstige Börsenbeamte an der Börse angestellt wevdeit. Es muß heworgeho'ben werden, daß gerade Kommerzialrat Leopold Langer endlich einmal diese Frage angeschnitten hat. Wchl kann gegen die in jeder Hinsicht korrekte Haltung der Beamten der Börfenkammer nichts eingcwendet werden. Es sind Fälle bekannt, wo sich Börsenbeamte verarmter jüdischer Börsenbcsucher in aufopferungsvoller Weise angenommen haben. Trotzdem geht es nicht an, daß die Inden als Beamte irr einer solche,r wirtschaftlichen Körperschaft förmlich boykottiert tverden. Polnische Wirtschastswoche. Die Arileiheverhandlungen im Auslande. — Die allgemeine Wirtschaftslage. — Freundliche Börsenstimmung. (Bon unserem polnischen - M.S.-Korrüspoudenten.) Die Bemühungen der polnischen Regierung, der Wirt» schuft neue M.tte: zuzuführon. dürsten aller WchrscheiMchke'it nach von Erfolg gekrönt sein. Die diesibeMichen Verhandlungen werden zwar, um die Oeffentlichkvit vor falschen Nachrichten zu verschonen, geheim geführt, trotzdem erführt Ihr Korrespondent, daß die Realisierung einer gvoßeit Anleihe auf gutem Wege ist und schon in der allernächsten Zeit perfekt werden oiirftc. Das größte Interesse bekundet derzeit für Polen England und auch der frühere Finanzjbevater Hiiton Ioung soll neuerlich auf eine kurze Zeit nach Warschau kommen. Dr. Grabski verhandelt außerdem mit den Vertretern der englischen Gesellschaften Engbijh Electric Comp., British Assuranee Conip. und Power arid Traction bezüglich der Durchftchrung wie auch der Finanzierung wottever Arbeiten an der EleArMerung des Landes. Mer auch die ausländischen Privadkreise betrachten die jetzigen Verhältnisse in Polen alls vorübergehend und belkunden großes Interesse für finanzielle Engagements. So WM derzeit in Polen der Direktor der Banea Comeaziale Jtaliana, Rossi, und führt mit der Lodzer Aktiengesellschaft Widzeüvsßa M-anusaktiura und mt der Warschauer Handelsbcnnk liegen größeren Krediten, die italienische Finanzkreise vergeben wollen, Verhandlungen. Die Notierung des Dollar blieb in der Berichtswoche ohne wesentliche Änderungen. In Warschau konnte die Bank Polski allen an sie gestellten Forderungen gerecht, worden. Im Einverständnis mit dem Fina,Ministerium reaktivierte die Bank Polski die Vorschrift über die Ablliefevung der aus dem Export stammenden Valuten, Die Differenz von 4 bis 5 Prozent bei der Notierung von Devise und Valuten ist verschwunden. Die Ban! Polski hat ans Amerika, tote verlautet,- gegen eine Million effektiver Dollar bezogen und sättigt mit diesen den Markt, infolgedessen ging auch der Kurs für Dollar von 6,lö aus 6,06 bis 6,05 Zloty zurück. Die Lage der Industrie ist andauernd' schlecht und die diesbezügll'ichen Klagen nchmen kein Ende. Schr schwierig gestaltet sich letztens die Lage der P e t r o l e u m t n d u st r i e. der Schönheit . . . auch wenn sie nicht mehr blühen wie dereinst. Jetzt sind es heruntergekommene Downwwnblumen . . . die herunter nach Chinatown kamen, als man sie in -der vornehmen Uptown wegwarf . . . Das Tenderloin bekommt die frischen Blumen . . . später wäscht sie das Abwasser im Rinnstein nach der 14. Straße und dann wirft sie das wechselnde Spiel der Ebbe auf die Schlammbänke an der Bowery und in Lavelles Lokal, wo sie bleiben, bis sie in die Abfallkannen von Five Points, Mulberry Bend und der Hinterzimmer an der Wafferfront geraten. . . Die Grube auf Potters Fiel'd ist die letzte Station . . . Lavelles Lokal ist immer noch besser als der Strich. Die hellen Lichter, die Musik, die Getränke und die Lustigkeit der vergnügungssüchtigen Menge hilft ihnen vergessen, daß sie auf dem Wege nach dem Abfallhaufen sind . . . Und dann nimmt dieses Leben die Eintönigkeit der Fabrikarbeit und des Warenhauses an, die sie aufgaben, weil sie stumpf und grau und ewig gleichniäßig waren. . . diese unendliche, unentrinnbare Gleichmäßigkeit wird ihr Entsetzen, dem sie nur durch Rauschgift und viel Schnaps entrinnen können. Verzweifelte verstehen es, lustig zu sein, extravagant lustig. Und das ganze Lokal erschallt von ihrer lauten, verzweifelten Lustigkeit. Sie kreischen über unsere zweideutigen Lieder, unsere schmutzigen Witze: flennen über unsere sentimentalen Balladen; trinken tief, schwitzen und rauchen unaufhörlich; tanzen bacchantisch und ziehen mit ihrem aufgezwickten „Herrn" nach einem schmutzigen Zimmerhause ab, fröhlich wie Schulmädel, die zu einem Picknick gehen. . . Ihr immerwährendes Lächeln, ihr Gekreisch, ihre Laune, ihre blitzenden Augen, was sind sie als die Gewohnheit ihres arbeitsamen Daseins? . . . Davie aber behauptet, das seien Funken aus ihren Seelen, die die Welt erleuchten ... Sterne des dunklen Lebens . . . „Was immer das heißen mag," apostrophierte ich ihn höhnisch. „Ich will dir sagen, was ich meine," beharrte Davie. „Ich meine, dciß es die Seelenkraft ist, die stets bestrebt ist, das menschliche Löben zu verschönen . . ." (Fortsetzung folgt.)