Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2384 (12.10.1925)
- Date
- 1925-10-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Polen: 20 gi ouy 1 Wien: ZumAbholen inder Expedition, 11., Taborstr.l-3, oder in ein« Verschl eisstelle fTtaflk) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in W i en;■ durdi die Kolporteure, der Firma Go I d sch mied, 1., Wollxeile 11* Mit postversand' ,ftii Wien und Oesterreich monatlich . 5 Schilling. Tschecho-Slov/akei; Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. ÖO. Polen: Mon.- 4 Zloty. D e.u t s c h 1 a n d:; Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Fircs. 18 teuer ftwhialilangea bei Frei«- erhObuagea leAüilin England: Mon. 4 Schilling, Italien:- Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon.lOOLewi, Schweiz und das übrige Ausland, monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II.Taborstr. 1 Telephone: 44-0*38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D: uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.698 St 2384 Wien. Montag. 12. Lttoier 1923 7. gahrgaus kine Warnung an die SesterreichMe Aationaldanl. Wegen der Montierung Von Sowjetwechseln. Sowosad wird sreigegebenr Wie der ,I^Wn" bevichtet, wird der Sljächrige Mörder Rudolf No wosad, der im Juni 1023 seinen kurzem eine Pensionsnachzahlung von 4,6 Millivnon erhalten London, 12. Oktober. .Me ,-Financial News" zn berichten weiß, .Hai die Absicht bev ö st e r rcichischenNationa lb a n k, mit' anderen. .Banken in Verbindung zu treten, um . . . ' den österreichischen Export nach Rußland durch die Skontierung von Sowjetwechseln zu f i n a n z i er c n, in der Londoner City einen u n g ü n st igen Eindruck gemacht. Die Zeitung.schreibt, es seien hier britische Interessenten, deren Politik' es .bisher gewesen sei, an Rußland keine Kredite zu geben, um es zur Erfüllung seiner Verpflichtungen zu zwingen. Das englische Kapital könnte durch den Zusammenbruch österreichischer Banken stark in Mitleidenschaft gezogen. Iverden. Wenn das Borh«ben anspe'üihrl würde, könnte, es einen ernsten Einfluß aus die Kredite haben,.die Oesterreich bisher-so leicht,zu einem Zinsfuß von 6 bis 7 Prozent in London erhalten konnte. Re fraujSsischeu Schulden au Amerika. Ministerrat m Paris. Paris, 11. Oktober, Mpas.) Im heutigen Ministerrat, hat Präsident Ä oiz stier gue die Dekrete unterzoichncL.Mit dönen ß-t-r^«residenten inWkavoAo, d4zum Iustizustilister,. D epb o s zum Minister-für Unterricht und Be naze t zum Unterstaatske^retär.für Unterricht eryannt^ werden. Finanzmimster Caillaux legte den Gang der Perhandin ngen/nnt den Bereinigten Staaten, und. die e r- F e i ch t e n E r ^eb n i ff e dar. Die Regierung Hai der französischen. Delegation und den: Minister e i n m n t i g b e n D a n! ausgesprochen. In späteren Sitzungen des Mklnsterrates'wird die Prüfung der bezüglich der iuter- - alliierten Schulden gestellten Fragen fortgesetzt werden. Nach dem. Ministerrat . erklärte Call l a u x. das Sihuldenproblcul bleibe n o ch weiter G,e g e n st a n d der Prüfung. Der Entwurf'eines provisorischen Abkommens mit ben Vereinigten Staaten insbesondere habe nicht den Gegenständ irgendeiner Entscheidung gebi'det. Nach den Mitteilungen verschiedener Minister habe Caillaux auf die Vor- und Nachteile des Entwurfes hingewiesen. beiten eine solche Bedeutung zukäme, daß die Folgen seiner Annahme oder Ablehnung reiflich errooght iverden müßten. Ter Ministerrat werde demnach seinen Einschluß frühestens am 20. d. fassen. Re Mkerbuuvfrage iu Locarno. London, 12. Oktober. In England hat die Erklärung Scialojas. daß Italien dem Si cherheits.p.akt 'beitreten werde, nach Ansicht, des diplomatischen Mitavbciters des „Daily Telegraph" lebhafte Befriedigung ausgelöst. Hinsichtlich der Schwierigkeiten, die der Artikel 16 noch immer bereitet, hört der Korrespondent, daß sich in diesem Artikel, eine Lücke befindet, die jetzt benützt werden könnte. Der Völkerbund könnte bei der Stellung von Slreitkrä'sten einem-Staat nur empfehle n, sich zu beteiligen, so daß die einzelnen Staaten noch immer das Recht haben, sich über ihre endgültigen Absichten zu entscheiden. Das Interessanteste sei die Theorie, daß. keine Sankiionen oh ne Zuisti m muug der Parlamente ergriffen werden dürfen. ÜRnffolinl in Locarno. . Paris, 12. Oktober. M n s s o l i n i s A n k u n f t in Locarna zur Unterzeichnung des Rheinlandspaktes wird für Mittwoch erwartet. Die faszistischen Gruppen sind angewiesen «worden, sich jeder Kundgebung zu enthalten. Es werden unrfa ngr ei che : Maßnahmen getroffen werden. . .' ■ Re AM aad der Mlkrrbund. Konstmttinopel, 12. Oktober.- In einem Interview '«klärt der türkischen Innenminister, die Türkei N'erde üln Aüfnahinc in den Völkerbund ansuchen, sobald die Mos s ü l s ra g e in einer für sie befriedigenden Weise gelöst M werde. Freund Konrad Karger im Schlafe ermordet . hat und seither als irchnuig in Steinhof inteMert war, in der nächsten Zeit emtlassen werden,M.soll in einer ausländischen Kolonie als Arbeiter uniergchracht werden. Sarrall bleibt i« Wie«. Paris, 10. Okiober. (Havas.) Die Regierung dementiert'die Nachricht, daß sie die Abberufung «des Generals S a r r a i l aus Syrien beschlossen hatte. Der kommnniftische ProteWeik in Paris miblmgen. Paris, 12. .Oktober. Trotz -der energischen Aufrufe zum Proteststreik gegen den M a r p k f o k r i e g konnten die Straßenbahnen und die Autobusse in Paris'gestern in Betrieb gehalten werden. ,Hnmanite" veröffentlicht heute einen neuerlichen Aufruf. Aurfchlietzung der Kommunisten ans der Labonr Parih. London, 12. Oktober. Der. Vorstand der A r beit e rpav.be1hatdurch'Zwlulare. alle' Lokalperbände ange-., Iviafen, geuiäß deu KongKßbefchlüssen a lle Ko m münisteu aus der Parteiliste zu streichen., Der Gemeinderat. von G l a s g o ch, hat beschlossen, daß an S o n n tag e n keine politischen Bersammlungen stattflnden Wsen. Die Arbeiterpartei und die - Gewcrkschaften haben dagegen protestiert. Re Baumwollintereffen im Irak. London, 12. Oktober. Wie Exchange Telegraph berichtet, hat der englische Botschafter in der Türkei eine Unterredung mit einem AUtgliede der. türkischen Mossuldelegation gehabt. Man' hält dies für den Anfang direkter Verhandlungen in der Mossulfrage. Daß das Baumwollzentrum von Lancasters h i r e im Irak ein großes Interesse ' hat, geht daraus hervor, daß in der vergangenen Woche Lord C h e l m s h u r st Verhandlungen mit der I r a k r e g i erung über die Genehmigung eines Projektes zur Anlage großer Baumwollplantagen hatte. Ser Fall Pruscha. Heute Beginn des zweiten Prozesses. Zum zweiten Male erscheint heute Franziska Pruscha unier der Anklage des Mordes an der Witwe Marie Eeerl vor den Gaschwornen. Ir: der ersten Anklage war die Büschnldignng wegen Raubmordes enthallten, während sie diesmal gemeinen Mordes angöklagt ist. Die neue Ankilage flautet: Marie Eberl teilte ihre aus Zimmer und Kü-che bestehende Wühttung seit langem mit einem Untermieter. Seit Dezember 1933 war es der Idjährige M i t t c l s ch ü ll e r -a n s T h ü r i n g >e n Ernst Meiche. Uoberdics venkchrte bei ihr hie 54jährige Bedienerin Fmngiska Pruscha, mit der sie seit 1988 enger befreundet war. Diese kam häufig zu ihr, übernachtete auch in ihrem Wchnznpne-r, .in dem drei Beiten standen. Die zlvei Frauen waren trotz ihres vorgerückten Alters bestrebt, die Gunst des jungen Miche zu erringen. Aus diesem Grunde war es in der letzten Zeit häufig zu Eifersuchtsszenen gekommen. Die Entdeckung der Tat ist noch erinnerlich: Wie Meiche am 4..März, gegen? 4 Uhr früh, von einer Tanzun-terhalt u ng heimkchrte und die Eberl tot santd, wie er die HaustbesorgerAlentePerständigst' und wie mau ans den vor dem Bett stehenden -Pantchseln der Verstorbenen einen SchlAffelbimd fand, von dem man «nnahm, er gchöre zur Wchn-nug ' der Eberl. Der Hausarzt der Eberl, der herbeigeholt wurde, stellte dei ihr He rzschlag fest. Als am Vormitt-ast die Nichte kam. fiel es'Äch aus, daß'sich nicht der geringste Geldbetrag iu der Wohnung vovjand, Oibwoht die Taute erst vor hatte. Uich der Nchse, der Hiljfsarbeiter T«aschner, entdeckte dann um 4 Uhr nachmittags den Lampendocht um den Hals der Toten, der srüher unbvmevkt gMieiben war. Der Verdacht der Täterischaift richtete sich gegen Ernst Meiche und gegen Franziska Pruscha. Bei dem ersteren konnte dieser nicht lange aufrecht echatte-n bleiben, bei' der Pruscha verdichteten sich jedoch die Vevdachtsmomentc, utid als solche werden in der AMageschrist folgende angeführt: Pruscha war mit der Eberl allein als Meiche zur Tanzüntevhaltung ging. Kurz darauf entispann sich zwischen beidetl ein 'Streit, der gegen hallb 8 Uhr plötzlich abgebrochen lmtcke.' Die Pruscha bestreitet dies und bchauptet auch, die Wohnung schon um dreiviertel 7 Uhr verlassen zu halben, ofbwoihl sie nach Augenzeuigen noch um halb 8 Uhr im Hausflur in der KAAgasse gesehen wurde. Schließlich der Lampendocht, der von der Nichte einmal vocher in der Blechschachtel gesehen wurde, die'auch der Pruscha bekannt sein mußte. Ms schwerwiegendes Moment bezeichnet die AtMageschrift jedoch das Verhalten der Pruscha nach der Tat. Zunächst ihre Geldausgaben am 4. März: Sie hat dem Meiche eine halbe Million geschenkt. Sie hat der Marie Düntst die gleiche Summe geliehen und außerdem hatte sie bei ihrer Festnahme auch einen Betrag von 3P Millionen Kronen bei sich. Die Pruscha erklärt, das seien ihre Ersparnisse gewesen, was d'ie Anklage beyweifelt, weil die Pvufcha längere Zeit von der Arbeitslosenunterstützung gelebt hat und bei ihrem Scheiden aus dem RudoHsisPital (Dezember 1922) nur eine Mfertiguug von 1,6 Millionen echälten hat.' Jedenfalls lassen sich die Echparnisie bei der Merl Viel leichter erklären als bei der Pvulscha. Alle Datsachen und ' Feststellungen musien d'ie . Ueber- ^zeugung schafstn, sagt die Auklage, daß die Eberl von der Pvuscha getötet und ihres Bargeldes beraubt wurde, wobei die' Eifersucht die hauptsächliche Triebfeder ihrer Tat gewesen ist. An dieser Ueberzeugumg vermag auch nicht zu andern, daß die Zugehörigkeit des SchküssoBundeS, der aus dem Tatort gefunden wurde, . MMfgeklSrt blieb. Die Aniklage nimmt an, daß sich am Abend des 3. März stn Verlaufe eines Streites zwischen den beiden Frauen, dessen Anlaß wieder der ihres beiderseitigen Interesses für Meiche gewesen, die Pvulscha sich auf die schon im Bette liegende Eberl gestürzt und in einem plötzlich übernrächtig gewordenen Haß- und Rachegefühl den Vors>atz gefaßt , halbe, dielst Nebenbuhlerin zu töten. Es entspricht dies der CharaLteranlage der Pruscha, die allgemein als eine erotisch veranlagte, leicht aufbrausende, selbstsüchtige und plötzlichen Eiugebunigen folgende Person geschildert wird. Die AugMagte wurde am 29. November vorigen Jahres ‘ zwar nicht wegen Raubmordes, aber wegen gemeinen Mordes ' und wegen des Veribrechens des Diobiftahls schuldig gesprochen. Die Beschuldigte hatte während der ganzen Verihandlung-allen Feststellungen gegenüber ein beharrliches Nein entgegengesetzt. Nach der vom Obersten Gerichtshof verworfenen N i cht i gk ei t s!b es chw erde hat die Pruscha ein Wieder« usnahmsgesuch oingebracht, dem Folge gegeben wurde, weil möglicherweilse die Tötung der Eberl durch die Pruscha nicht als Mord, soudern als Toeschlag ausgefaßt werden konnte. Nur der eine Umstand schien dem Gericht von Bedeutung, daß eine neue Zmgin, Marie Wilfer, eine Gmphologiin, bestätigt, sie habe der Eberl den Rat gegeben, sich wegen ihres Halsleidens brennheiße Umschläge um den Hals , zu machen, und die Eberl habe chr auch mitgeteilt, das; sie diesen Rat befolge. Nun könnie der Docht eventuell bei den erwähnten Umschlägen oder als Befestsgungsmittel über dem Umschlagtuch eine Rolle gespielt haben. Als es: nun zitvischen der Pruscha und der Eberl am 3. März zum Streite kam, konnte vielleicht ein Griff an dem um den Hals der Eberl gewickelten Docht oder das Zuhalten des Mundes den tödlichen Erfolg herbeigeführt haben, ohne daß die Pruscha eine Tötungsabsicht hatte. Den Vorsitz führt diesmal Hofrat Dr. Schaupp, die Anklage vertritt wieder Staatsa-uwalt Dr. Wagner, Ver. teidiger ist Dr. Preßburger. Zm Vechandlung sind -7v Ze u gen geladen. Der Prozeß dürste acht Tage in Anfpluch nchmen. Bnboneupeft kn öaloM. «lom, 11. Oktober. Nach einer Blättermekdung aü> B e l grab sind in Saloniki drei weitere Falle von Bubonenpest vorge-iommw, i 88