Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2383 (11.10.1925)
- Date
- 1925-10-11
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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6ei* M W««, Sonntag dessen wurde chm die HDenz erschwert. Die Banken halten sich von Kreditgewährungen an den Kai zum gwßen Teil'ferne. Iw Verlaufe des letzten Jahres wurden die meisten Krchite von den Banken abgebaut. Dadurch wurde die Kredi't- «ot trotz--der VerMffigung des Geldstandes in Oesterreich bei der Mrchnannschaft noch derstürkt. Die Faibrikanten sind bei .der Kreditgewährung giomlich gurückhcktend. Der Absatz ist nur unter bedeutenden Kredftkonzessionen mißlich. Me Mittol für den Zoll, Transport, die Lagerung der Ware, Verzinsung muß der Kaufmann felibst ausbrmgen. Er ist dazu nicht imstande. Kleine Wucherer erwechen chm noch eine Wohltat, trenn sie sein« Akzepte mit 30- und 40progentiger Verzinsung eskomPtieren. Man epMlt sich ans dem Kai von krassen Zusammenbrüchen sonst sehr solventer Firmen, die nur dadurch heworgerufen worden sind, daß manche Bankfilialen ihr Geld stürmisch tzurückzufo^em. Vor dem Knego war es dem lKMrufmam: möglich, durch dir Eskomptierung offener Buchforde rungen die Kredit« an seine Kunden »vieder in Geld umguwmÄeln. Heute wird dieses Geschäft fast gar nicht geübt. Für d?e kreditierten Zoll- und Bahnfrachten wird die Erfüllung so strenger Bedingungen gefordert, daß die meisten Karrfleute von Hrer Inanspruchnahme abfchen nrüssen. Der Warenlombard ist wohl möglich. Doch sind auch hier di« Bedingungen fast unannehmbar. Für di« RMtvffkredite an die Industrie erfüllt die Warentreuhandyesellschaft ihre Ausgabe, indem sie ihr ausländische Kredite mit 11 Prozent zur Verfügung stellt und den Fabriken die Ware zur BeraÄeitung beläßt. Eine solche Form der Warenbelchnung an die Kanfleute wird aber von den Banken perhorreszi-ert, trotzdem keiner der seriösen Kmifleute sich dayu herbsilassen würde, bei suchen lombardierten Waren eine strafbare Handlung zu begehen. Die Steuevforderungen drücken ungcheuer, ohne daß sie in vielen Fällen auch berechtigt wären. Das Mandatsverfahren hat hier gar manches Unheil geschaffen. Der Kaufmann, der mit Vorladungen zu Jnfolvenzvechandlungen, mit Zuschriften ungeduldiger Gläubiger Md säumiger Schuldner mehr als genug zu tun hat, dessen Kaps mit Erledigung unangenehmer Angelegenheiten vollgepfropft ist, müßte Advokat sein, um alle diese Angelegenheiten restlos erledigen zu können. In diesem Wirbel sind die SteuermaWate hin eingeschneit, die oft willkürliche Borschreibungen beinhalten. Es ist. mehr als einmal vorgokormn-en, daß üm Taumel der Ereignisse der einzelne Kaufmann den rechtzeitigen Rekursternrin gegen das Mahnschreiben hat verstreichen lassen und nun die hohen Steuern entrichten muß. Dabei hat die bekannte Praxis der Steuerämter. erst jetzt die Bovschreibung für 1923 gUFustellen und die potenzierte Zahlung von Steuern zu einer Zeit »der ärgsten Krise zu fordern, nicht -wenig zur Verschärfung der Situation beigetragen. '' Das Unangenehme an der ganzen Sitnatron ist, daß sich niemand des Kais annimmt. Weder die Och'entllichkeit noch die Behörden haben bisher ein Wort für seine Krise gefunden. Da werden Maßnahmen gegen die Teuerung beraten und e8 wich nicht bedacht, daß der Großteil der Kcnrfleme mit einer ßehnpvo-entrHen Gewinnquote «bereits Zufrieden P, daß in vielen Fällen seWist mit einem fünifprozentigen Gewinn verkauft wird und daß in gar nicht so seltenen Fällen die Ware seW unter dom Enckaniftpreis gegeben wird, damit der Kaufmann die nolweMgsten Regieausgaben -bestreiten kann. Allerdmgs scheinen die Kaufleute selbst durch den Sturm der Er«gnisse so verschüchtert zu fein, daß sie s«Wst nicht einmal _Wiener Morgenzeitung das Wortechebeu wagen. Die zu chrer Vertretung bc- .ruifeneu Körperschaften befassen sich wcht mit den Proöl euren. der Bchchulig der allgemeinen Produktionskrise, denken aber nicht ausfl'chrilich an die Lösung der Kaufnl-aunslrisi. Diese hat Ebenso ein Recht, ein vovläujsiges Moratorimn der Stenern zu verlangen, wie der Staat für sich das Recht in Anspruch ge- -iiwmnen hat, die Bestimmung dn Steinern so spät vorzn- -nehmen. Man erleichtert den Kanslenten durch ein Ätoratorinm der öffentlichen Abgaben chne BerzugsZinjen die Existenz. Wenn!inr Vorjahre die Banken für Ms-anmrmbrcchende Börseirfirlneu einen SlutzunMoM ^schaffen Huben, so kann-der Kai auch verlangen, daß zur Be-chütnng weiterer Zusammonbrüche, zur Erhaltung seriöser, solvonter aber illiquid gowordener. Finnen ein größeres Kroditt^pot Mchaffen werde, das ihnen die notwendigen Kredite;u leichteren Bedingungen zur Verfügung stellt. Wenn eine einstige Großbank cs doch der Mühe tvert gefundon hat, das Kr cdirge,schüft mir den Kausieuetn in einem allerdings beschränkten Umfange tveiter zu pflegen, trotz des Ris-ikos eines Verlustes boi eirrgeluen Konti, weil sie der Ansicht ist, daß die Krise nicht immer andauern kann und ein guter Kundcnstock auch.für die Zukunft von Vorteil sein kann, so müßten auch die anderen Banken dieses Beispiel bes-öl-gen. Die ädaufmannschaft hat ein Recht zu fordern, daß in dieser Hinsicht dorr den maßgebenden WirffchaftsMoren eine solche Mion den Banken n-ahegelcgt werde. Die Not des Kais ist nicht derart, daß sie nicht erheblich gemildert werden könnte. Was nur fchlt, ist das ernste Be- . streben der maßgebenden Faktoren. AchAfe zu schaßen. Der Kai war der historische Anfang und das Zentrum des Wirtschaftsyerkchres Wiens. Das Ende des Kais, der City Wiens, Knute nicht ohne ftnchk^are Folgen für Wiens Ztvknnft sein. Privatverkehr n«d Geldmarkt. Im gestrigen privaten Effektenhandel von Geschäft zu Geschäft herrschte Mit Rücksicht auf die leichte Entspannung im Streik bei der Alpinen eine etwas freundlichere Tendenz. Das Deckungsbvdürfnis der Kontermine machte sich in einer festeren .Haltung der Südbahn- und einzelner tschechoslowakischer Aribitrageeflekten besonders bemerkbar. Ae Umsätze aber blieben gering. — Bei unbedeutendem Geldbedarf war -die Versorgung leicht. Der Geldsatz stellte sich auf 10 bis US Prozent. Die Handelskammerwahlen. In der gestern abends stattgefundenen Wählewersammlung des Zenträlwahlkomitees der vereinigten unpolitischen Wirtischaftsgruppen des Zemralverbandes der Gewerbe- und Handelstreibenden Oesterreichs führte Herr Franz Stasi ny ein ausführliches Referat über die bisherige Untätigkeit dn HandslÄaMmer in der abgelaufenen Session ab. Als nächster Redner Kr die Handelstreibenden sprach ListenMrer Herr A. M. Ehrlich, wacher in sachlicher Weise die schädigende Tätigkeit der bisherigen Kammer, speziell für den Exporthandel, treffend chamklerifferte, da gerade die Kammer jede ausländische Verbindung unterbindet und lcchmlegt. Zum Schlüsse sprach für das Gewerbe Astervführcr .Herr Alois Po kor ny, Vorsteher der SchuHmachergenossenschast, Wer die eminente Bedeutung der Handelskammer für den Gewerbestand, ferner über die Kompromißwirtschast mit den Sozia>ldemokraten. Insolvenzen. Der Konkurs wurde über Richard Tarn a sch ka, 19. Bez., Sölbergasse 40, registriert unter der Firma Erste-Wiener Film-Kopieranstalt Rida-Fkl-m, eröffnet. Das Aus gl-ei chsver fahren wurde eröffnet über Johann Pomey, Bäckermeister, 10. Bq;., Guilmgasse 13, und Wer Karl Mich'l, Stickerei-orMger, -1. Bez.. Starhemberggasse 44. 11. Oktober 1025 Nr. 2383 Zusammenbruch einer Vudapester Textilsirma. Aus Budapest, 10. ü., wird gemeldet: Gegen die Budw bester Herrmkleider-firma Jakob' Nothberg er L Nachfolger W-olsgang Färber wurde -das ZwangsauWeichSvcffahren e-ingeleilet. Die Passiven betragell 130o Millionen, dm Aktiven '100 Millionen Llronen. Die Firrna bietet ihren Gläubigern, die Mieist Wiener GroßhäMer sind, einen löprozentlgen Ausgleich an. zahlbar in L Monatsraten. Ein« neue Bank in Palästina. In das pailästinensische Vereinsregister wurde eine neue Ban-l eingetragen, genannt P a l ä st >i n a - P o!l e n - B a n fDas GründtMgskapitail beträgt 10.000 Pfund Sterling. Auf der am 9. September stattgesttndelnrt Gründnugsvevsammlnug tvnrde die Leitung gewählt. Vorsitzmder rnw Managing Director -ist Iosu.a Lnb- 4ing in Tel-Awiw. Die Bank soll in einigen Wochen ihre Tätigkeit anfnehnlen, nachdem fast alle Anwilischeinc berei-ts äbgesctzt sind. Die Zentrale ist in Tel-Aiwiw. Es sollet! attch Wicken in Haifa tlnd Jerusalem wie auch eine Zweigstelle in Poletr eröffnet werden. Der Ausweis der Bank von Pole«. Der letzte Ausüveis der Bank Polski mit Idem Stande vom 30 September zeigt eine Vermehrung des Barschätzes mnt 10,535250 Zloty und beträgt sitzt MP38297 Zloty. Dieser .Höhe des Barschatzes stcht der uru 1^44.916 Zloty veniugerte Noienunllanf von 396M.325 Zloty gegeirüber. Der Notenumlauf ist somit mit 54 Prozent gedeckt. Das Wechselpovteseu-ille hat ebenfalls einen leichten Rückgang um 29.757 Zloty crschren und beträgt jetzt 292,300.050 Zloty. Die staatlichen Naphthaanstalten Polens zahlen die Bruttoanteile. Wie den „Polni-scheu' Nachrichten" aus Warschau, 10. d., rmtgeteilt wich, habe-n die staatlichen Nap'hthaanstckten den Bmttoinhabern bereits ihren Gewinn pro Juni aus-bc zahlt. Die Ausphlungen für die Monate Juli und Anglist lverden im Läuse dieses Monats erfolgen. Für die ZuPunst ist eine pünkbliche Auszählung vorgesehen. Die ruwün'ktlichen Au?' schüttungen sind durch di« jetzige Krise in der Naphkhaindnstrir entstanden. Wiener Produsttenbörle. Auf die bessere Haltung der omerikanscheu Märkte lagen Weften und Geoste behauptet. Die Notierungeu blieben mit Ausnahme von Mais, der auf 29.50 bis 3050 herabgesetzt wurde, unverändert. Berliner Dörle. Berlin. 9. Oktober. Die f r e u n dl i ch e Haltung des Vortages nahm infolge lebhafter Geschäftstätigkeit noch zu, so daß weitere Kursgewinne, um 2 bis 3 Prozent zu verzeichnen waren. Er notierten: Oesterr. Kronenrente —. Ungar. Kronenrente . Ungar. Goldrenre —. Türkenlose 2025 Süd. Lombarden alt, —Oesterr. Staatsbahn 22.50 Darmstädter Bank M.ö0. Deutsche Bant 105.50. Dresdner Bank' 10050 . Oesterr. Kredit 7.87, Oesterr. LändeÄant —, Reichsbank 135.2, Wiener Bankverein 5.25 Unionbank 7.12 Daimler Motoren 34.12 Dynamit Nobel 78.50, Fetten & Guilleaume 109.—. Sie Sefeifettftafe. Zürich» lo Oktober. (Devisenkurse von 12 UhrJ BorA 123.40 l 12345/. Holland 208.40 208.22V,), Rew-Nork 518.75 (518.62), London 25.10»/, (25.11V,). Barts 23.92(2404), Mailand 20.77 (20.76/. Brüstet 23.50 (23.55). Kopenhagen 125.50 '125.50), Stockholm 139.12 (139.12V«/, Oslo 103.75 f104.75), Madrid 74 60 (74.65-, Buenos Aires 210— (-.-), Prag 15.37 (15.37'/,). Budapest 0.007260 (0.007260), Bukarest 2.50 (2.48'/,), Belgrad 9.23 (9.18), Sosia 3.79 (3.77*/,), Warschau 87.- (86-). Wien 73.15 (78.10) für 100 Schilling. Du-apest, 10. Oktober. (Devisenkurse — Eigenbericht.) Berlin 16.980, Amsterdam 38.665, Kopenhagen 17.270 Stockholm 19.145. New-York 71.330. London 345.500, Paris 3287, Brüstet 3^34 Prag 2113, Belgrad 1267, Bukarest 345.-, Warschau 11.825 Wien 10.048. Sofia 521. Mrtlcmd 2855. Zürich 13760 6epyr%fct 1SS4 by Kort Wolff V<rfag A^O. Ayoedeo 32 Fortsetzung. Nachdruck verboten. -m Mraxft. Eme a»«rir«ische Autobiographie von Samuel Ormtz. . „Meine Damen und Herren, ich werde nur auf ein paar Mnutcn Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch neh- NM" ... „Thai's all right, so lange du uns unsere Uhren nicht nimmst." . . . „Das kann er auch." . . . ^Hoffentlich gibt ihm der Richter zehn Jahre Zuchthaus" . . . „Im Namen der Direktion habe ich die Ehre, eine neue Attraktion sur den heutigen Abend anzuzeigen, eine Sensation, welche die Direktion mit größten Kosten engagiert hat und die man heute zum ersten Male überhaupt zu sehen bekommt. Ich habe die Ehre, die „East Side Fours" zu'präsentieren, ein Quartett, Tänzer und Komiker mit vielen Neuheiten unter der persönlichen Direktion von Al Wolfs, Wohlgeboren. Meine Damen und Herren, die ,,Eaft Side Fours" — Freudenbringer der Vierhundert —, ich'rufe sie jetzt herbei, Ihnen ihr Programm darzubrrngen" . . . Wir traten einzeln auf das Podium und wurden einzeln mit unseren Bühnennamen vorgestellt... Der Applaus begann sofort, selbstverständlich von unserer Clägue veranlaßt, verteilte sich aber bald über das ganze Lokal. Alles schien in glänzender Laune. ' Äl setzte sich ans Piano und spielte die einleitenden Takte zu Sams Potpourri und Tanz. Zum großen Gaudium der Zuschauer machte sich Sam direkt vor ihren Augen zurecht. Während er sich den Bart umhing, den Schniepelsrack anzog und den harten Hut aufs Ohr drückte, ließ er ein Schuellseuer bekannter irisch-jüdischer Witze los, in eine Art zusammenhängender Geschichte gefaßt, die Al aus dem Klavier klimpernd begleitete. Dann begann Sam seinen Tanz und sagte: „Nu aber ausgepaßt. Mw-Iorks Nationaltanz — irisch-jüdisch." . . . Lauter Applaus ... Der schwierige Tanz mit. seiner merkwürdigen Mischung von irischem Jig und jüdischem Gesatzke begeisterte das Publikum geradezu, und lange Rufe „Da capo", bewiesen den Erfolg . ... Das Urteil lautete, im«, alltzemeinen: „Hot ftüfs!" ... Um Sam eine Gelegenheit zu geben, Atem zu schöpfen, sang der Chor „Paddy Reilly ^oes the Jewish Wedding Dance", Musik von Sam Rawivsky- Worte von Al Wolss. . . Donnernder Applaus. Unser Quartett war wirklich glänzend eingearbeitet und gut abgetönt, und der Effekt von Glocken niachte einen tiefen Eindruck auf unsere Zuhörer, denn New-Hork war damals verrückt uadj Quartetten. . . Ter Trommler und' Geiger nahmen die leichte Melodie auf, die tatsächlich aus nichts bestand als aus dem bekannten irischen Reel und jüdischer Hochzeitsmusik, geschickt arrangiert und zusammengepaßt. Sam tanzte noch einmal, und als er seinen rückenbrecherischcn Fersentanz ausführtc, brach das Publikum in enthusiastischen Beifall aus..Dann spielte Al eine Introduktion, die dem Auftreten Davies vorausging. Er war gar nicht geschminkt, aber seine zarte Schönheit und der ätherische Ausdruck auf feinem Gesicht verursachten Zwischenrufe, wie: „O Schwesterchen, weiß Mama, daß du heute ansgegangen bist?" . . . „Oh lala" . . . „Süßes Baby" . . . „Ruhe" . . . „Laßt ihn doch zu Worte kommen" . . . Davie begann zu singen. Seine. reine, volle und weitreichende Stimme brachte das Publikum förmlich zum Schweigen. Er sang eine senti-' mentale Ballade, ein Mutterlied, voll der Floskeln, die in Musikhalls so beliebt waren, und legte Zartheit und Gefühl hinein, so daß das Pilblikuin förmlich wild wurde, als schließlich seine Stimme schluchzend abbrach — ein Einfall Als. Das Quartett nahm den Refraiit auf, versuchte verschiedene von Als Abstufungen, mtb das Klopfen auf den Tischen und das Füßetrampeln bewies unseren Erfolg... Hi Rübe versetzte die Leute beinahe in hysterische Zuckungen, als er in einem Frauenhute und Röcken, unter denen seine Hosenbeine hervorschauten, auf das Podium trat. Er trug eine Markttasche. Seine trippelnden Schritte und die quietschige Stimme waren ausgezeichnet. Er sang ein speziell für die Gelegenheit zurechtgeschneidertes Lied, das auch in einem of-enherzigen Buche nicht wiederholt werden kann. Ich war Verfasser des-Textes, den ich einer damals populären Melodie angepaßt hatte. Das. Lied hieß: „Die Stimme sagt's: wenn, ’ einmal es geschah, wird's wiederum geschehen." Und Hymie brachte es so jänrmerlich zum Vortrage, daß der Eindrtick . .nneydlich „, komisch. war.;., Unter.. Als. Leitung: ging er vom' Pod'iüm hinünter' zwischen das Publikum' Und sagte' ucker"'Müfikbchleltung.:E „Woll'n- Sie mir/sagen, bitte, ich 'bin' vom 'Läüo 'ein. Mädchen, in einer großen Stadt, — wenn einmal es geschah, wird's wiederum gescheh'n?" . . . Daß er das Publikum dergestalt gewissermaßen ins Vertrauen zog, tvar ein Meisterskreich Als. Es war das erstemal, daß dies in New-Nork versucht wurde. . . Ich selbst hatte kein Solo. Meine'Stimme wurde nur als des Basses Grundgewalt in den Quartettstücken verwendet. Man betete rrns förmlich an. Münzen klirrten auf denl Boden vor unseren Füßen, besonders während des zweiter: Liedes, das Davie sang und das „Mutters gebrochenes Herz" hieß . . . Wir wurden zum Mittrinken aufgefordert, und schließlich brachte uns Midie frohe Botschaft von Frenchie. Wir sprangen, vor.lauter Freude: von Montag ab waren wir als reguläre singende Kellner engagiert. Während die regulärer: „Coon"-Sänger ans, dem Podium standen, mischten wir r:ns unter das Publikum und „arbeiteten für das Haus". „Für das Haus arbeiten" bedeutete, daß wir teure- Getränke bestellten, wo inur:er wir zun: Trinken arffgefordert lvurder:. Sam und Hymie wnvder: ziernlich besoffer:, und als der Morgen graute, nlußten wir sie hinter das Piano packen, damit sie ihren Rausch arlsschlaser: konnten. Al blieb beim Bier und bliel' nüchtern. Jetzt kannten wir ar:ch das Geheimrns, das es ihrn ermöglicht hatte, diese Probe für uns zu arrangieren. Mazie Lou, die erste „Cooift^Sängerin, war verliebt in ijm. Und es ist die Regel in dieser, kleinen rücksichtslosen Welt, daß es ein solches Weib unbekümmert zeigt, wenn sie es wirklich ist. Wir halten es für übertrieben. Es ist jetzoch kaum mehr als das Metier ihrer Moral. Mazie Lou, die schon ein bißchen betrunken war, fragte jeden immer und imnter wieder, während sie ekstatisch auf den feiten, feuchten und schweißbedeckten Al schaute: „Ist er nicht kolossal? Ist er nicht kolossal? Hat/ ev nicht den kolossalsten Akt?" . . . Im Lokal auf und ab wanderte auch ein Mädchen,, das mich an Esther erinnerte. Das war um so eindrucksvoller, qls. ich bemerkte, /daß, sie'sich in Davie verliebt hatte/ Sie hieß Billie/'Sie hotte schön ein paar Einladungen für die ganze Nacht abgewiesen und drückte sich um Davis herum. Ihre Aehnlichkeit mit Esther stachelte-meine wütende Eisersucht nuf^ Davie an. Davie aber war vollständig verwirrt in dieser Umgebung, und eine Flasche Wein, die er getrunken hatte, machte seine Augen glasig und ihn selbst' unzufrieden. Er' bemerkte Billie lkäuw. (Fortsetzung folgt.)