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Wiener Morgenzeitung · 1925-10-05 · Heft 2377 (5.10.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2377 (5.10.1925)
Date
1925-10-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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/Polen: 30 fti oazy I Wien: Zum Abholen in der Expedition, Il? Taborstr.' 1-3, oder in efnerVerschlelsstelle 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma 0 o 1 d ach mied, I* Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscjhecho-Slpwakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen:Mon. 42)oty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frca. 18 erh8hooj«a vorbdhtUc» leitet unntim Engl and: Mon.4Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Ru mäni en: Mon. 170 Lei. B u 1 gar i e n! Mon.lOOLewi. Schweif und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr* 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr*721402, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Dmckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 yr.t877 Wim, Montag, 8. Sktiber 1U25 7. Fahrgypg Die Kmordung Bettauers. Sie Auttaze gegen Stto Rothstock. In der Redaktion «der Zeitschrift „Bettauers Wochenschrift", die im Hakbstock des Hauses Langegasse 7 uanigebracht ist, wurde am 10. 'März ein Revolver- Attentat auf den Herausgeber, den Wiener Schriftsteller Hugo Bettauer verübt, dem -er Angeschossene am 26. März erlegen , ist. Der Attentäter, der am 10. April 1904 i n Een.4a.u. in Böhmen geborene, nach Wien zuständige ZahutechnikerZchttse Otto Roth stock, wurde am Tatorte verhaftet uwd gestar a gleich umumwunden zu, daß er die Absicht gcha'bt hat, Hugo Bettauer zu töten . Die Umstände des Mordauschlazes, bic. Persönlichkeit des EvmoOeten und die BcwLMunde der Tat, die der Attentäter von Beginn an anf.'ihrte, haben weit, über die Sicht. Wien hinaus großes Aufsehen hervorgernsen. Heute und morgen wird sich nun Otto Rothstock unter der . . Anklage des Meuchelmordes vor einem Geschworenengericht, ünier dem Vorsitz des Hosrates 'Ir. R a m i auer zu verantworten haben. Die Anklage vertritt der Staatsanwalt Hofrat Dr. Butschek, 'Verteidiger des -Angeklagten ist Dr. R idh l. Die. Anklage beginnt mit einer Darstellung der Gründungsgeschichte von „Bettaucrs 'Wochenschrift". Ihr war eine »dient im Februar 1924 auch von Bettauer hemusgegebene 'Zeitschrift „Er unld Sic" vorWSMangen. Bettauer hatte «übriMs, als er im Jahre IM sich wegen BevgchenS gegen' die öffentliche-Sittlichkeit zu verantworten hatte, aber von'den GoichwarenM am "19/ September sretgesprochen worden Nmr, und -sieunter-. beitt neuen Nanten .„Htttaüers Mocheitschrifk" herauszügeben. Zur Klarstellung des Schauplatzes der Tat sei folgendes skizziert:' Von dem Halbstod des'Hauses Langegasse 7 gelangt mau zumchst aus dem Vorraunt zur linken Hand in deni BuchhattuügLraum, dann durch' eine andere Tür gegenüber' dein. Wohnuirgsein'gaug ins Ädmiuistrationsznnm'er. An dieses schloß sich zur. linken Hand der sogenännte Arbeilsranm Bettauers. Er hat nur ein in/den Lichthof führendes Fenster an.der linken Seitenwand. Nächst diesem Fenster stand an der Wand 'gegenüber dem Eingang' ein Schreibtisch, neben diesem, und Mar sowohl an der Fensterseite wie an der anderen Seite, je ein'Armstnhl. Am 10. Mär; IM sprach gegen 11 Uhr vormittags ein junger Mann — Rothstock—jit der Redaktion vor und sragte nach. Bettauer. Man sagte ihm, ec solle zwischen 3 und 6 Uhr kommen; er kam schon um halb 3 Uhr, wurde wieder weggeschickt und folgte dann, als Bettauer wenige Minuten nach 3 Uhr in der Redaktion, erschien, chm aus dem Fuße. Schon im Administrationszinrnter überreichte er ihm ein Schreiben. Bettauer ließ'ihn in sein Arbeitszimmer eintreteu und ging zum Schreibtisch, um den Brief zu lesen. Rothstock hatte, chne daß es bemerkt worden -war, den im Schlosse steckenden Schlüssel' zweimal umgcdreht. Dann stellte er sich, ungefähr zwei Schritte von Bettauer entfernt, an der Seite des Schreibtisches a.us, zog einen Revolver aus' der Tasche und rief Bettauer zu: „Herr Doktor, passen Sie auf!" Unmittelbar darauf krachte schon ein Schuß, den Rothstock mit den Worten begleitete: , „So, da hast du!" Bettauer fühlte einen Schlag auf der Brust, blickte vom Brief aus und rief: Ja, was treiben Sie denn,"- .Als;.er den schießenden Menschen vor sich sch, ergriff er die Schreibtischlampe, um sich zur Wehre zu setzen, mußte aber, von vier weiteren Schüssen getroffen, die Lampe satten lassen weil er nicht mehr die Kraft hatte. Darauf.stürzte er'sich,, laut nm Hilfe rufend, auf seinen Gegner, der ihm noch mit dem Kolben des Revolvers einen Schlag auf den Kopf versetzte. Schließlich gelang es Bettauer, die Tür zu erreichen, sie auszusperren und zu flüchten. Hinter ihm sperrte Rothstock die Tür wieder ab, worauf er sich au dem Schreibtisch zu schassen machte. 'Cr zerriß die "Briefe, Bilder und Schriftstücke, verbrannte den Brief. , den er Bettauer überreicht hatte, und' versuch.e nach seiner Angabe..auch, ber P.olizei zu telephon'ieren. Wachebeamte,'die'mittlerweile ehtgednmgen waren, verhafteten Rothstock. ' Bettauer war . von allen fünf" S.chüssien .ge-,' t r offen worden, Ein Geschoß' war iu die'Magengrube ein-! getreten, von der Wirbelsäule abgeprallt und in der linken Zwerchfellhälfte liegen geblieben. Diese Schußverletzung hatte den Tod Bettauers zur Folge. Rothstock hat in der Voruntersuchung immer angeführt, baß er den Mord nur aus sittlichen Beweggründen verübt hat. Er habe nämlich die Wahrnchmmvg gemacht, welch verderblichen Einfluß durch Kinovorstellungen und durch gewisse Schriften Ms die Jugend ausgeübt werde. Er habe auch gefunden, baß die Zeitschrift ,$5) und du" und „Bettauers Wochenschrift" nur darauf angelegt seien, die Sinneslust der jungen Leute aufzupeitschen, ■unJb daß diese Art Literatur schädlich sei. Dies habe ihn auf den Gedanken gebracht, gegen die Schmutzliteratur anzukämpfen; er wollte erst die Behörden anrufen, uUd als er diesen Schritt für aussichtslos hielt, sei m chm der Entschluß gereist, zum Schutze seiner Volks- und Altersgenossen eine Person, die sich mit der Verfassung solcher Schriften befasse, aus dem Wege zu räumen und auf diese Weise den Behörden den üblen Einfluß dieser Zeitschriften deutlich vor Augen zu führen. So sei er aus Bettauer verfallen. Bereits zehn Tage vor der Ausführung seines Plaues habe-er sich den Anschlag in allen Einzelheiten zurechtgelegt. Daß Otto Rothstock Mitschuldige oder Mitwisser seiner Tat gcha'bt hatte, stellte der Beschuldigte entschieden in Abrede. Die in dieser Richtung gepflogenen Erhebungen ' haben auch zu keinem Ergebnis geführt. Aus dem Vorleben Ves -Ängeklägten wäre kur; zu er- IvaWy.i'.Er. Ist der .Syhm.LhMrer'-SchlosierchMule, *Uom. Vater her'deutsch, von. der Mittler her tschechischer Abstamtmmg. < ... Nach, seinen Angaben ist Rothstock anfangs 1924 Mitglied der n a t i o n a l s o z i a l i st i sch e n Arbeiterpartei ge- Wochen, ist im Oktober 1924 wieder aus der Partei ansge- . itreton, weil ihm. einzelne ihrer Ziele nicht behagten. Die Unterjnchnng des Geisteszustandes durch die Ge- - richtspsychialer brachte das Ergebnis, daß Otto Rothstock an . Jngendirresem leide, also geisteskrank fei. Eine nochmalige .Ueberprüfung durch die medizinische Fakultät der Universität Wien kam ju dem Schlüsse, daß Rothstock gegenwärtig nur ein jugendlicher Wirrkops .mit abwegigem Gedaukengaug sei, der von einer überwertigen Idee beherrscht werde, das; sich aber derzeit eine Geisteskrankheit nicht erweisen lasse, wenn auch Rochstock an der G r c'n z e d e r G e i st e s k r a n k heit steht und die Möglich-, Feit gegeben ist, daß er bei weiterer Entwicklung der Ucberwertigkeitsidce geisteskrank werde. Rochstock hat lsienach .seine Tat zu verantworten. Die Schuld der Sieglriedier. Paris, 4. Oktober. (Hayas.) Lord Grey hat in seinen Memoriren, die gegenwärtig zur Veröffentlichung gelangen, über einen Friedensversuch Wils ons iw Jahre 1916 berichtet. Oberst House bestätigte dem Washingtoner Vertreter des ,Matin" gegenüber die Darstellung Greys und bemerkte, D e u t s ch l a n d s e i d a m a l s nicht bereit gewesen, Frieden zu schließen. House sei in Deutschland gewesen und habe die betreffenden Eröffnungen gemacht, doch sei ihm damit geantwortet worden, daß man ihm die ftrietzskarte zeigte und die Anne xsi o n e i n e 's: T e i l e s Frankreichs und Belgiens verlangte. Die englische Mitteimeerflotte ausgeboten. . 70 Kriegsschiffe in PeriyoU. London, 5. Oktober. Im Golf von P e r i y o l i sind gegen 7 0 englische Kriegsschiffe konzentriert. Man erwartet in Kürze die Ankunft der größten Kriegsschiffe vor Volo. Der Konzentrierung der enAischeu MiltelmeeMotte kommt im Anstrmmmhang mit der Zuspitzung der englisch-türkischen Beziehungen in der Mossulfrage erhöhte-Bedeutung zu. . . - - ' Der SeeleuteWl in SMüla beendet. London,' 6. Oktober. Der Seeleutestreik . in Kapi[i a d t ist beeitbct. Auch in A u st r alien ist er in fein letztes Stadium getreten. Bier neue Bombengeschwader in kngland. London, 5. Oktober. Das britische Luftschisfahrtsministerium gibt bekannt, daß in diesem Jahr di e erste n vier Flugzeugbombengeschtvaber aufgestellt werden. Sie werden in L o n d o n, G l a s g o w und E d i n b u r g stationiert werden. Die englische Schutzzollpolitik. London, 5. Oktober.' Die Bestrebungen Englands, seine Schutzzölle weiter auszubauen, haben sich nunmehr auchauf Aluminium ausgedehnt. Das Handelsministerium hat eine Kommission eingesetzt, die den entsprechenden Antrag der britischen Aluminiumsäbriken untersuchen soll. Sie wird am 12. Oktober ihre erste Sitzung abhalten. . Der svanische Sieg hei Wir. Madrid, 5. Oktober. Die spanische Truppen» ^haben gestern die Besetzung der U-mgebung von Afdrr erweitert. Sie sind bis zum Nek-ortal' vorgedrungen, ohne auf nennenswerten Widerstand zu »stoßen. Bier Kanonen und Zahlreiche Mnnitton wurden erbeutet. Die ganzeBuchtvonAlhucemas befindet »sich praktisch in den Händen der Spanier. Liauthttzs Nachfolger. Pavis, 5, Oktober. Es M.als feststehend, daß an Stelle, hes nbgesetzten Mavschalls Li au t h e y'der derzeitige JustWinister §;tteg Generalgouverneur von MaroAo -werden wir^.Ast" dessen'Stelle soll be Mo nz Hals Iu« sttzminister treten, der, wieder im Unterrichtsministerium durch'Da lädier ersetzt wüvtze. Es ist auch die Rede ■ davon, daß Paillleve seinen Posten.afs.Kriegslnimster an den Sozialisten Paul Bor c o u r abtreten will. Die Mmpfe in Syrien. Paris, 5. Oktober. General Mich.aud, der bekanntlich in Syrien im Kampse mit den Drusen eine blutige Niederlage erlitten hat, ist in Paris angekommen und von Päinleve angehört worden. Er hat die Schuld an der Niederlage, die Frankreich 800 Tote gekostet hat, seinen unmittellbaren Vorgesetzten zugeschoben,- die die Kolonne schlecht ausgerüstet hätten. .Michaud soll ' verlangt haben, vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Die iranMchm Schuldea a« Amerika. Paris,. 6. Oktober. Der „Eclair" verDentlicht' einen Brios des früheren Mnanzministers Klotz, der erklärt, -daß die Regierung das provisoriische Schuldenabkommen von WaGmgton dem Parlament nicht unterbreiten soll. Würde die Regierung diesen Fchler ibegchen, st müßte die Kammer den Entwurf ablehneü. Rußland mb Japan. London, 5. Oktober. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" berichtet, daß sich die Beziehungen zwischen Rußland und.Japan verschärft haben. Die japanischen Forderungen nach Petroleum und Bergwerkskonzessionen in Sachalin und Sibirien sind in Moskau auf großen Widerstand gestoßen. Die ruMe» kmigrmten. Moskau, 4. Oktober. (Tklogr.-Ag.-der Sowjetunion.) 'Laut Beschluß des Rates der Volkskomurissäre werden die im Ausland befindlichen ehemals kriegsgefangenen und internierten Angehörigen dvr zaristischen und der Roten Armee ebenso Me die amnestierten Teilnehmer der weißgardistrschen Armeen und Aufstände ihres Staatsbürgerrechtes in der Sowjetunion v e r l u st i g erklärt, soweit sie von den Bestimmungen der bisherigen' Aufrufe nicht Gebrauch gemachj haben. - ' Der Beschluß erstteckt sich nicht auf Pevfomu, dir ta Staatsbürgerschaft' infolge MchtvorhandenseinS dom Gow, siewertretungen' in dem Lande - ihres Ausenchaltes mchi wieder erlangen konnten.

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