Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2374 (2.10.1925)
- Date
- 1925-10-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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WOfJ. »L... ^»UWW^WWWW!,:.‘ ■" y ,';v Seite 3 Wien, Freitag Wiener WorsenzeituNkZ s. Oktober.5926 -en, da doch ausländische Bankiers in Frage kommen. Wer die ganze. Art der-Behandlung dieser Frage durch Sen Minister zeigt doch, daß sie' über das erste vorbereitende Stadium noch nicht hinausgediehen ist und baß alle Nachrichten und Ziffernangaben, die seit dem Auftauchen der amerikanischen Dollarmillionenjusagen in der jüdischen Presse zu lesen stehen, nur als geschickte Lancierungen der Jewsekzija zu gelten hasten, die den Anschein erwecken sollen, als gäbe es bereits sichere und feste Grundlagen. Man erfährt aber nichts darüber, ob und wie der jüdische Charakter dieser angeblichen MassensiMung gesichert wird, nichts über die Summen, die die Sowjetregierung für das jüdische Werk auswirft, so daß jede Vergleichsmöglichkeit zu den nichtjüdischen Siedlungen fehlt. Die ganze Angelegenheit ist eben nur ein Mittel, um unter einem Deckmantel zu dem hundertprozentigen Kapitalismus Amerikas Verbindungen herzustellen. Herr Tschitscherin kann nicht mehr darüber sagen. Er ist Minister des Aeußern. rschitscheri« in «erlin. Berlin, 1. Oktober. (Wolfs.) Heute mittags fand beim Reichskanzler Dr. Luthe r zu Ehren des russischen Volkskommissars Tschitscherin ein Frühstück statt, zu dem unter anderen der russische Botschafter, die Reichsminister des Aeußern, für Finanzen, des Innern und der Reichswehr, Wüst Büilvw sowie hervorragende Persönlicheüen des wirtschaftlichen und politischen Lebens und Vertreter aller Parteien geladen waren. In der Unterhaltung zwischen Tschitscherin und dem Reichskanzler und dem Reichsaußeimünister nahm der Si cherhe itspakt einen breiten Raum ein, aber auch die noch in Schwebe befindlichen deutsch-russischenWirtschaftsverhandlungen wurden eingehend erörtert. Tschitscherin unterhielt sich auch mit sühreyden Finanzleuten über Kredite für russische Maschinenkäuse. _, Salllaur' Schuldev-erhandlunse». Eil» Einigungsentwurf der Sachverständigen qbgelehnt. Washington, 1. Oktober. (Tel.-Komp.) Die amerikanische Schuldenkommission hat in ihrer heutigen Sitzung den Einigungsentwurf abgelehnh den die amerikanischen und die französischen Unterkommifsionen der Sachverständigen gestern nachmittags ausgearbeitet hatten, da sie die vorgeschlagenen ersten Iahreszqhlungeu für zu gering ansah. Wie verlautet, schlagen die. amerikanischen Unterhändler die Zahlung von Annuitäten im Betrage von 40 Millionen Dollar.durch fünf Jahre vor; nach düsem Zeitraum soll eine Kommission zur Ueberprilfung der Lage zusammentreten. (Dies würde bedeuten, daß die von Frankreich angchreibse "«-gültige Regelung nicht ^u erzielen ist. — Die Red.) Ae «m»Ie in «Motto. Die Franzosen machen halt. Fes, 1. Oktober. Gavas.) Die ftanzösisHm Truppen errichten in den heute vormittags im Norden, von Kisane erreichten Linien starke Sicherungen und werden die Operationen demnächst in größerem Umfang wieder aufnehmen. Bombardement von Ajdir. Melitta, 1. Oktober.. (Havas.) Durch das Bombardement von Ajdir ist auch das Haus Abd el Krims in Brand gesteckt worden. Her Lrusenlrieg. Paris, 1. Oktober. (Tel.-'Komp.) Nach einer Meldung aus Haifa 'haben die französischen Truppen das Dorf U r a im Dschobel Drus einges chlossen in der Hoffnung, den Sultan Atrasch, den man in dem Dorf verborgen glaubt, gefangennehmen zu können. „Daily -Mail" veröffentlicht eine Depesche aus Damaskus, nach der die Festung Sueida, die von den französischen Truppen nach der Entsetzung der Garnison wieder verlassen wurde, von den Drusen in Brand gesteckt worden sei. Die Stadt sei vollkommen uiedergebrannt. Keine Mlnderhettrregierung der Moni Party. Ein Beschluß des Liverpool« Parteitages. Liverpool, 30. September. (Reuter.) Der Parteitag ki Arbeiterpartei hat mit 2,587.000 gegen 512.000 Stimmen eine Entschließung angenommen, wonach sich die Arbeiterpartei an der Regieru ngsgewalt nicht beteiligen solle, solange sie in -der Minderheit ift;- Heute beriet die Konferenz der Arbeiterpartei über eine/ Entschließung zur auAvärtigen Politik, in her die Grundsätze des Genfer Protokolls als alleinige praktische Grundlage eines ständigen Friedens bezeichnet werden und der Garantiepakt abgelehnt wird. Die Entschließung «wendet sich weiters" gegen eine Verlängerung des Irakmandates. * Ein Delegierter brachte sodann im Namen des Vollzugsausschusses eine Entschließung ein, die die N a t i o n alisierung der Banken und des Kredits fordert. Diese Politik wurde mit überwiegender Mehrheit gebilligt. Zum Schluß der Sitzung brachte Oberst Wedgwood eine Entschließung ein, die die Rational-isierung des Landbesitzes fordert. Diese Mntwurde durch Mnheerheben aMNMMg, . Sie iiiterparlomeutarisihe Konferenz in Washington, 1. Oktober. (Wolfs.) Bei der heutigen Eröffnung des Kongresses der i n t e r p a r l a m e n t a r ischen Union begrüßte Staatssekretär Kellogg 400 delegierte von 38 Staaten namens der amerikanischen Regierung. In seiner Begrüßungsrede hob Kellogg die Bedeutung des Parlamentarismus hevvor. Re polnisch-jüdische Verständigung Ein Antrag auf Lösung der Vereinbarung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 1. Oktober. In.der heute stattgefundenen Sitzung des jüdischen Sejnrklubs brachten die Deputierten Hartglas und Körner den Antrag ein, die zwischen der polnischen Regierung und. den parlamentarischen Vertretern der Judenheit Polens getroffene Vereinbarung, den sogenannten polnischjüdischen V e r st ä n d i g u n g s p ä k t, z u l ö s e n, da die Polnische Regierung die in dieser Vereinbarung zur Ausführung übernommenen Bestimmungen n i ch t e i n h a l t e. Der jüdische Sejmtlub beschloß, den Antrag in seiner nächsten Sitzung zu behandeln. Budavester Legenden. Eine neuerliche Erklärung der Wiener Polizei. — Kein Kommuniftenkongrrtz, Bela Kun war iricht in Wien, Rakost in Kärnten. Die Wiener Polizeidirektion -veröffentlicht eine neue Erklärung, in der sie mit allem Nachdruck alle BMPester Methungen über den Kommunistenkongreß in Wien dementiert. Es ist alles erlogen, tva's die Schützer des magyarischen Globus mit bewährtem Bumbum «der Welt zrtr Kenntnis brachten. Ter Kongreß .hat nicht stattgefunden, Btla Kutt «vor nicht da und nicht einmal Matthias Rakosi, über dessen Aussagen so viele und schöne Mitteilungen verfüttert wurden, hat sich in der kritischen Zeit in Wien ausgehalten. Die Erklärung der Wiener Polizeidirektion lautet: „Im Zusammenhang mit der Verhaftung des gewesenen -ungarischen Volkskommissars Matthias R a k o s i in Budapest haben die Budapests Zeitungen in den letzten Tagen aussehenerregende Berichte darüber -verWntlichh daß der Plan Rakosis, die ungarläMsche -komnmnistische Partei neu zu organisieren und die Räieherrschaft in Ungarn wieder aufzurichten sowie die Modalitäten der Ausführung diöses Planes in einer .im August 1026 in Wien, und zwar in den Räumen einer Bibliothek im 2. Bezirk, abgehaltenen Konferenz besprochen worden seien. Die Polizeidirektion hat mit Rücksicht auf die Bedeutsamkeit^ dev Angelegenheit sogleich nach dem Bekanntwerden, dieser Zeitungsmeldungen eingehende Erhebungen in Wien eingoleitet und diese auf Grund einer später eingela.ngten Requisition der Obersstadthauptnmnnschcrft in Budapest mit allem Nachdruck fortgesetzt. Irgend welche 'konkrete Anhaltspunkte dafür, daß eine derartige Konferenz . in Wien in der in der Requisition der Obevstadthaupt- MMnschast Budapeist wiodergegebenen Zeit, das ist vo m 24. bis zum 26. August 1925, stattgesunden 'habe, konnten jedoch bisher nicht gewonnen werden. Vielmehr wurde in einwandfreier Weise sestgeistellt, .daß einige der namhaftesten Kommunfstensührer, die mit der anher gelangten Requisition als Teilnehmer und Redner an der vorerwähnten Konferenz genannt tverden, zur Zeit, da diese äbgehalten worden sein soll, überhaupt nicht in Wien weilten. .Dies gilt insbesondere auch von dem in Bu-da'Peist verhafteten gewesenen Volkskommissar Matthias Rakosi selbst, der festgestesttermaßen in der Zeit vom 24. bis 31. August unter dem falschen Namen Wilhelm Braun zwar, obwohl abges.chas.ft, in Oesterreich, aber nicht in Wien, sondern vielmehr i n einer Sommerfrische in Kärnten weilte. Auch daß sich der ehemalige ungarische Volkskommissär B e la Ku n in den letzten Monaten in .Men ausgelhalten hätte, fand durch.die hier gepflogenen Recherchen bisher k e i n e Bestätigun g. Das Ergebnis der Polizeilichen Erhebungen wurde der Ober- . stadthauptmannschäst Budapest mitgeteilt." Die Budapester QberstadtX>auptmannschaft wich diese Mitteilung wohl kaum in das famose Protokoll ausnehmen, .das sie an die auswärtigen Aemter schicken will. Was wird aber nun die Wiener Ritualmovdpresse anfangen, der Herr Schober .da's Lokal in 'der Glockengasse oder in der Blumauergasse wegnimmt? Sie. wich eben eine neue Lüge finden und Budapest wird Helsen. New'Aork, 1. Oktober. (Tel.-Kömp.) Berlin 28.60, London Kabel 4.847«, London Scheck 4.P7,, Amsterdam 40.20, Paris 4.78'/,,. Brüssel 4.83, Rom 4.0b% Madrid 14.36. Zürich 19.80, Stockholm . 26.85, Oslo 20.16. Kopenhagen -24.18, Wien 1474, Budapest tl% Prag 2967*, Helgrad mV2, Athen 1.48'/.. Buenos Aires 40'/,. Rio de Janeiro 141ö. Bukarest 477z ' New-Borü» 1. Oktober. lTel.-Kömo.) Weizen rot Winter IM'/.. Welzen hart Winter 141'/. MaiS 94V«. Hafer 46»/.. Roggen 86. Chikago, 1. Oktober. (Tel.-Komv.) Weizen per Dezember ISS1/., Mat 1877a Juli —; Mais per Dezember 787., Mai 78'/,, Juli 88; Hafer per Dezember 897*. Mai 487,: Sttlt —Roggen per DezeOer 79, Mai öS, Juli —. Sie neue Genfer Resolution. Erste Lesung im Nationalrat. Um dem Bölkerbundrat bei der nächsten Genfer gung miiteilen'zmkönnen, daß das österreichische Parlament sich mit der Möglichkeit der Wiedereinführung der Kontrolle in den nächsterl zehn Jahren.-undder Verlangerung des Mandats des Nationalban kberaters um weitere drei Jahre einpqMnden erklärt 'hat, unterbreitete die Regierung, wie berich!tet, dem Nationalrat einen Resolutionsdntrag, worin dieser erklärt, er nehme den Bericht des Kanzlers'zur Kenntnis und stimme den ertvähnten RalWägen deS Völkerbundes zu unter der Voraussetzung, daß die Kontrolle innerihalb der vereinbarten Termine abgebaut wird. Utbchr. diesen Regierungsantrag ivurde gestern im Nationalrat eine erste Lesung abgehaiten, die Anlaß zu einer westläufigen Debatte darüber gab, ob diese Resolution tatsächlich den Staat und das Parlament binde, gegebenenfalls/ nach der Verabschiedung des Genevatkommlsiärs eine neuerliche Kontrolle zuzulassen, soferne dies vom VAkerbundrat für notwendig befunden werderr sollte. Bundeskanzler Dr. Ramek verwies aulf seinen im Hauptausschuß erstatteten Bericht und führte die wesentlichen Bestiminungen der Resolution des Völkevbundrale* noch einmal an. Die Frage der ' Wiedereinführung der Kontrolle für den Fall, daß die für die Völlerbundanleihe -verpfändeten Einnahmen unzulänglich sein sollten, erscheint dem Kanzler weniger wichtig, da der Jahresertrag der Zölle und des Tabakmonopols den Dienst der Völkerbundanleihe mehrfach deckt. Die Fortdauer der Funktionen des Beraters der Notenbank sei nicht bedenklich,' weil sich diese Tätigkeit bisher reibungslos vollzog. Der ganz ' unerwartete Fall der ernstlichen. Gefährdung des Gleichgewichtes des Budgets als Bora-ussetzung einer WiedereinsÄhrüng der Kontrolle könne nur dann als gegeben angelsehen' wechen, wenn es sich üm eine schwere Störung des budgetären Gleichgewichtes handle, durch die die Gefahr einer Zerrüttung der finanziellen und wirtschaftlichen Situation unseres Staates herbeigesührt würde. Der Kanzler glaubt, das Eingehen aüs die Winsche des Völkerbundes m i t gutem Gewissen ompschlen zu können. . Abg. Dr. E l l e n b o g e n (Soz.) hielt es für angebracht, sich am Bölkevbrmd zu reiben. Er meinte, wer es bisher noch nicht gewußt habe, könne es nun: mit: aller Deutlichkeit sehen/ daß es nicht die Staatsmänüer^ sind,;^ in Genf diktieren, sondern die internationaike Hochfinanz. Die Herren in Genf setzen sich über chre eigenen Abmachungen hinweg, weil sie zur Uebe^euguny. gelangt sind, daß man den Mchrheitsparteien dieses Hauses alles bieten könne. Dep -Völkerbund sei nichts anderes'Mi ein gefügiges Werkz.eug für die MachtpMtA'gewisser militärisch außerordentlich gerüsteter Staaten. Er habe in der Saarfrage und bei der Abstimmung in Oberschlesiev eine würdelose Haltung eingenommen und geträue sich jetzi aus Furcht vor der Großmacht England in der Mossul a n g e l e g e n h e i t keine Entscheidung zu tveifseu. Zstr K o rsu cffä r e habe er sich sogar vor dem amseligen Mussolini gefürchtet. Präsident Miklas gab dem Redner W -bedenken, baß das Haus über internationale Dinge vechandle und. bat ihn, auswärtige Angelegenheiten mit jener Reserve zu behandeln, die der Würde des Parlaments und den internationalen Gepflogenheiten entspricht. Dr. Ellenbogen erklärt , schließlich, ...wenn .die Mehrheit für die vorliegende Resolution sttmme, iso sei eben nur die Mehrheit durch die Resolution ge-., buuden. Seine Partei behalte sich die volle Mheit des Handelns vor. ' t . . Der Großdeutsche Dr. Dinghofer gab der'Opposition zu bedenken, daß eine Mchnung der Resolution .für Oesterreich die ungeheure Gefahrmit sich brachte, daß der GeneraWommissär nicht verschwindet und die Kontrolle nicht gelockert >wivd. Mg. Dr. Bauer (Soz.) warf dem Völkerbund Vertragsbruch vor und eMrte, die vorliegende Resolution kann politische und moralische Bedeutung haben, aber Rechtswirkungen habe sie keine. . ' Mg. Dr. Seipel stellte seist, daß für die Resolution b ereits eine parlamentarische Mehrheit vorhanden sei-. Er müsse jedenfalls die Ausführungen der Opposition bedauern, weil sie im Ausland merkwürdige Auffassungen'über den österreichischen Parlamentarisrmus entstcherr lassen könnten. Ein Mehcheitsbeschluß-bindet das ganze Parlament, nicht nur jene, die fiir ihn gestimmt haben. Ein jedes ^Parlament und eine jede Mchrheit. Wird. 'Rücksicht nehmen-auf das Wohl des Staates, Md. kestw Partamenismehrheit kann das tun, was hiev und da die Minderheit tut: nur für die Straße reden. Diese Worte Dr. Seipels entfesseln stüvm.isch en Widerspruch auf der linken Seite des Hmses. M Sozialdemokraten überschütten Seipel mit Zwiischentufen. Abg. Leu th ner rief: Der allergemeinste DenMge sind Sie! Präsident Dinghofer erteilt hierauf Mgeovdneten Leuthner den Ochnüngsvuf. Dr. Seipel gab der Ueberzeugung Ausdrüch.daß die Opposition, wenn sie wirklich einmal zur Regierung kommen sollte, es sich sehr überlegen würde',- an tzinem solchen Beschluß des Parlaments zu rühren. Jetzt könne niemand mehr sagen, man wolle die Völkerbundkontrolle inS ßtofa loje tzinantzietzen,. jetzt kann map jgM '