Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2372 (30.9.1925)
- Date
- 1925-09-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JPoleD;20aio&zy| Wien: ZumAbhoIpo in der Expedition, 1L Tabörstr, 1-3. oder in einer verscfileisstelle fTraflk) monatl. ü Schilling Straasenverkäut in Wien durch die Kolporteure der Firma Gold schmied, 1.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich .monetllph 5 Schilling Tech ec ho •■Slowakei: Mon* K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. DeutscHl and: Mort. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 MadunMoii|a bet f ir e i »• «rMbungen vorbehalien IPreis 20 all England: Mon.‘4 Schilling. Italien: Monatl: 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei." Bulgarien Mon.lOOLewr. Schweiz und das übrige , Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborsir. 1 Telephone: 44-0?38,43-3-19 Ab 6 Uhr:, 21-102, 25-2-82; IX.. Universitätsstrasse6-8 (D uckerei ig. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2972 Wien, MMwoch. 20. September 1922 7. Fllbrgmg Sunt Schutz her Muberheits echte. (Ggendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Rew-Nork, 29. September. In der unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Stephen S. W i s e abgehaltenen letzten Sitzung der Exekutive des amerikanist-jüdischen Kongreffes wurde (wie von der „Wiener Morgerizeitrmg" bereits kmz berichtet) aus Antrag des Vorsitzenden beschlossen, die erforderlichen Schritte wetzen Schaffung einer ständigen Vertretung der amerikanischen Judenschafi beim Völkerbund zu unternehmen. AufGrunddeZ Referats von Dr. Wise werden jetzt mit sämtlichen in Betracht kommenden jüdischen Organisationen Amerikas Berhmtdlungen gepflogen, um eine Einigung in der Personensrage herbeizuführen, da Gewicht darauf gelegt wird, daß der Vertreter beim Völkerbnnd im Namen der gesamten Judenschast Amerikas vnstrete. Bezüglich der Richtlinien für die politische Haltung des zu entsendenden Delegierten besteht insoserne schon jetzt in allen amerikanisch-jüdischen Kreisen eine einmütige Auffassung, daß es dem Vertreter zur Pflicht gemacht wird, für die strikte und uneingeschränkte Einhaltung der im Versailler Vertrag festgesetzten Bestimmungen über die Rechte der nationalen unh konfessionellen Minderheiten zu wirken. Anltta MMer-Sohen in Rew-Vork. (Eigendienst der „Wiener Awrgeiizeitirng".) New-Aork, 29. September. In der Eröffnungssitzung des amerikanisch.jüdtschen 'Kongresses wird Frau Anitta Müller-Cohen cm Referat über die Lage der Juden in Europa erstatten. Wie scheu berichtet, tritt der Kongreß am 25. Oktober zusammen. (Im Vorjahr hielt Israel Zangwill das europäische Referat.) Die öicherheitskonferem. / Am Oktober mLoearno. - Bern, 39. September. (Schweiz. Dep.-L^g.) A nt tlich wird aus Paris gemeldet, daß 'die M in ist e rkonsexcnz über den Sicherheits p akt am 5. Ortobe r in Locarno evölffnet werden wird. . ' DerGemeinderat.von Locarno stellt für die Minister- Loafferenz den großen Saal de's G e richtsgebäudes zur Verfügung. Im-früheren RegiernngsgebÄde, wo sich der kaufmännische Bereut befindet, werden Räil-nGchkeiten für die zahlreich-angemeldeten Jourmlisten hergevichted Die Tessiner Regiermtg übernimmt die Ordnung >der Sichecherts- und Polizeimaßnahtmu. Verschiedene Delegationen haben bereits in den Hotels Zimmer reservieren lassen. Keitte deutschen Vorbehalte. Berlin, 26. September.. (Del.-Konrp.) An unterrich-- eeter Stelle - werden die Nachrichten über deutsche Vorbehalte als i r r i.g bezeichnet und - hinzugefügt, daß die deutsche Regierung die Einladung zur Kr uferenz ohne Vorbehalt angenommen habe. Richtig sei bloß, daß von den deutschen Botschafterit, bezw. Gesandten in den, MieMt Hauptstädten Erttärungen abgegeben wurden, die sich :ausdie K riegs s chul dfragebezogen. Auf die 'Erklärungen, die der deutsche' Botschafter v. H o e sch : dem frairzösischen Außenminister B r i a n d anläßlich der Ueberreichung der deutschen Antwort abgab, hat Briand in einem Memorandum geantwortet, das' er heute dem deutschen -Botschafter - bei einer Unterredung über die beduristohende MütistevzusanmtenVnnst überreicht'hat. ' ■ ’ In diesem Memorandum Briands. wahrt die ftanzösische Regierung gegenüber, den deutschen EvWrungen in 'bezug auf die S ch u ld frage und die Räumung der K o l n e r Z o n e in', der Schuldfrage ausdrücklich ihren im Versailler Vertrag eingenommeneu Standpunkt. Bezüglich der Räumung, der Kölner Zone wird erklärt, und zwar französischer- ,wie.auch englischerseits ziemlich gleichlautend, daß diese Frage mil den bei der Konferenz in Locarno zur Debatte stehenden Memen nicht in -unmittelbarem Zusammenhang stehe. ' ' Mit der.Veröffentlichung, dieses Notenwechsels betrachtet die deutsche Negierung diese E p i s o d e a l s a b- > geschloffen'? '> : - : Ser zlottz. - (Eigenöienst. der '„Wiener Morgenzcitung") WarschM, 29/.September. Heute ' ist eine Befestig üng des Z l o t.hku.rf es eingetreten. Me ans gut irfförmierter Stelle' verlautet, verhandelt die polnische Regierung.mit einer am er ikanischen iFim ä-'nzg r u p pe - wegen Ue be r n a hm e b e r Bank V yl s k i dnvch dieses Konsortium..'.i! KWellüng Der frai tt Paris, 29t Septentber. (Tel.-Koutp.) Nach einer Meldung des Sonderbevichterstatters des „Intrausigean't" in.Ca sa b l a n ca ist das Gebiet von Ta z a und Fes durch an haltende Regengüsse völlig'un.ter Wasser gesetzt worden. Infolgedessen sÄen die m i l i t ä.r isch e n O p e r a tio n e.n a u'f nt ehr er c M o n a t e .h i n a u's nn nrö'g l i ch und . öie^ d u g e n b l i ckl i ch e n S t e l'l itn g e it würden voraussichtlich den ganzen Winter ge- . halten »werden, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse ' P o l i t ische B e r-ü n d e r tut g e n zugunsten Frankreichs beivirken sollten. Don Quichotte mutz sich selbst dementieren. : Paris, 29. September. (Tel.-Komp.) Die spanische Botschaft erklärt die vorgestern verbreitete Mchricht von der 'Einnahme A j d i r s für tut richtig. Die Agenoe Havas meldet aus Fes: Die bevorstehertde g r o ß e O f f e nsive zur E im n a h m e v o n A j di r^ ist'nur mehr eine Frage von-Stunden. . Die Demission Lyantheys angenommen« - Paris, 26. September. (Tel.-Komp.) Im deur heute im. Elhsee aibgehaltenen Kabinettsrat wurde das Rücktrittsges'uch des Marschalls L y a u t h e h bekannt gegeben und der Rücktritt angenommen. Nach Schluß des Kabinettsrates erklärte Painleve, daß über die Nachftolge Lhanthehs kein Beschllnß gefaßt flmtrbe und «daß. diese .Frage auchu i ch t d r i u g e.n d' -sei. 8«eMakrieg i« Stzrle». Sueida endgültig aufgegeben? Beirut, 29. September. Die F e st u n g s w e r k e von S u e i d a sind von den Franzosen geschleift worden. Die französische Kolonne hat nach dem A b- .zuge aus Suetda in der.Gegend von Mussifreh, das mit Wasser versehen ist,, Stellung bezogen. General Gamelin zieht seine Truppen an verschiedenen Plätzen zusammen undbereitet eine neue Osfensive in anderer Richtung vor. ' Französische'Artillerie hat den Sitz des religiösen Oberhauptes der Drusen, N a u a t, und den Palast des Sultans Atrasch unter Feuer, genommen. Sultan Atrasch schreitet nunmehr an die Organisation eines Guerillakrieges.' , . Die Witwe Wilsons in Senf. Au's Genf'wird uns berichtet: Die Witwe Wil-- sous wird zN'sammeu mit Geueral Kerr au der zwölften interuationalett K o n s e nt e.n z des R o te n Kr e utze.s^MtwhÄien/>die anfangs- Oktober in Gens beginnt, Bisher^ haben - L äu d e t ‘ ihre Vertretung zu dieser Konsereitz^^ äWündigt.^- ' ' " > RuMes Liebeswerbeu. t -y. Wien, 30 September Tschiffcherin und Skrzhnsky haben vorgestern abends Trinksprüche ausgetauscht; ist schon der Besuch des russischen Außenministers in Warschau an sich ein wahrhaft sensationelles Ereignis, so sind es diese Toaste noch mehr. Zum ersten Male tritt ein aktives Mitglied der russischen Regierung außerhalb des Staates hervor, zum ersten Male in der Hauptstadt Polens und zum ersten Male nicht mit glatt gedrechselten -diplomatischen Floskeln, sondern mit einer politischen Rede voll des aktuellsten und verständlichsten Inhaltes. Zum.ersten Male kann der polnische Außenminister sich in sehr vorsichtiger, aber doch direkter Rede an Rußland wenden und eine friedliche, vertrauensvolle Verständigung ankündigen, die. sein Gegenbesuch in Moskau befestigen soll. Die Wendung in den Beziehungen der beiden Staaten, -die sich vor allein aus dem Gebiete der gegenseitigen wirtschaftlichen Verhältnisse ergeben soll, will, dies betonen beide Minister irt besonders solennen Worten, dem allgemeinen Frieden dienen und, wie der russische -Minister hinzufügt, zur Entwicklung einer pazifistischen konstruktiven Politik beitragen. Mit anderen Worten: Rußlands spricht die Annäherung an einen Staat des VölteMndes aus,'Rußland erklärt, daß es in Europa nur Frieden und geordnete Handelsbeztehungen anstrebt. Däs wäre' eine Aenderung in Rußlands Politik, zu schön, um wahr zu sein. : \ . ..In Wahrheit steckt' hinter Tschitscherms Rede, die . bittere Erkenntnis, daß der rusiische Kommunismus Europa, doch nicht niederrennen konnte, daß sich vielmehr die wirtschastliche Umsormung Rrtßlands wieder, . Wohl oder übel, mit dem europäischen System aussöhnen muß. Der Bolschewismus kann die Weltrevolution nicht erzwingen. Er gibt ja die Hoffnung nicht auf, daß-ihm dies einmal doch gelingen wird. Bis dahin mag.sich der Bauernstand erholen, möge das europäische Kapital und die europäische Intelligenz den industriellen Apparat wieder einrichten und die rote Armee, ivie dies Generalissimus Funse gerade vor einer Woche ausgedrückt hat, warten. Rußlandwird von einer Minderheit beherrscht, die nur -mit härtestem Terror ihre Macht nach innen sichern kann. Nach außen mit Versprechungen, Anerbietungen, Konzessionszusagen, mit Zuckersüßen Ködern. Genau so tat es der Zarismus, und Tschitscherin, der einstige russisch-kaiserliche Diplomat, hat viel gelernt und. nichts vergessen. Er kann in Europa nur stören und verwirren, aber keinen aktiven Schritt unternehmen. Wie ehedem, als noch Nikolaus in den finnischen Schären mit Wilhelm dem Eroberer über England sich unterhielt, gilt heute noch aller Haß der russischen Politik der englischen Weltmacht,, die in Europa unangreifbar ist. Sie kann nur ans dem Boden ihrer asiatischen Position angegangen werden.. Dieses ewige Ziel'des russischen Strebens muß' militärisch, diplomatisch, politisch vorbereitet werdeu. Die ganze Kraft der russischen Expansionstendenzen muß diesein Idol dienen. .Darum muß die Westgrenze entlastet werden, das Fenster nach Europa — diesmal ist es Warschau — wird aufgetan. Frieden mit dem Westen, um in Asien Sturm gegen England vobbereiten.zu können. Ausgleich mit dem Vatikan, Bindung Frattkreichs durch die iimner wiederholten Hinweise auf die verlorenen Schuldenmilliariden des Zaren, liebe und freundschaftliche Worte an Polen — nur die Hände frei bekommen! Rußland ist ein asiatischer Staat, in Asien liegt seine. Zukunft,- sein Einfluß, und seine.Geltung, in Asien kann es eine Bewegung schaffen, die. sich vielleicht gegen Englanddirigieren läßt. Kann - im Westen Unruhe und . Nervosität erregt werden, kann die von .den Mächten verfolgte Aussprache mit Deutschland-durch die geschickte Antithese: Polens . Oftgrenze, Polens Westgrenze kont-erminiert werden, so absorbiert auch dies Englands politische Kraft. Paris ist-eine Messe lyert. Tschitscherin kann in Warschau von Poliük der Harmonie, des konstruktiven Pazifismus flöten. Wo ist diese; Harmonie, dieser Pazifismus in Ruß- , land zu merken? Die Gefängnisse sind voll, in den Jn- .. ternierungslagern'versaulen die „Feinde des Systems". Ein riesenhaftes.Ungarn zwingt den Völkern die Glückseligkeit mit Knute und Kerker auf. Und genau jo. wie Ungarns Vertreter außerhalb ihres Staates von Pazi- 1 fismus, Demokratie und Minderheitsschntz übersließen,