Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2369 (26.9.1925)
- Date
- 1925-09-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Helte <8 Men, Samstag Bohnen zahlt Schmerzensgeld. Wir Haiden seinerzeit derichtet, daß der G/ovsäuger der Bolikso-per, -Korber^ gegetl den Kammersänger Bohnen die ElirenbeleidiguttBklage e'^ hüben habe, Werl dieser ihnr während einer Probe in,' Ver lause eines Streites -zwei kräftige Ohrfeigen verseht und dys Hemd zerrissen habe. Außerdem wurde die Anzeige an die Staatsauwattjckaft wegen leichter Körperverletzung erstattet. Mninchr ist die 'Affäre gütlich beigelrql werden. Bohnen er klärte sich derei:, einen nähmhaften M i l I i o n e n b e t r a g Beleidigten arr Schmerzensgeld zu bezahlen. so das; dieser von der Anklage znrncktrat. Auch der tstaatsantoaltschaftliche Funktionär zog die Anklage zurück. Der Markensichtpermerk eine reiir fiskalische Maßnahme. In einer Verhandlung bei dom Strafbozirkoqericht 1 wegen Nebertretung der verbotenen Rnckkehr hatte der in Men geborene, wegen einer Stwshandlung ausgewiesene AngeMagte angegeben, daß er auf seinen Paß den Sichtvermerk der Wiener Polizeidiroktion erhalten hübe, der einer Einreisebewilligung gleichkommc. Der Richter, der den Angoklaaten zu drei Wochen strengen Arrests verurteilte, 'hob m der Urteilsbegründung hervor, daß die Sichtvermerke eine fiskalische Maßnahme sind und im konkreten Falle die Sichivermerkmarke mit einer Aufcnchaltsbowilligr,ng nichts zu tun habe. Talmndisches Recht vor einem deutschen Gericht. Daß em. deutsches Gericht mosaisch-talnmdrsches Reckt kritisch prüft, dürfte gewiß zu den SÄteicheiten golwren. Ein solcher Rechtäsall unterlag kürzlich -- ivie Amtsaerichtsrat JacobN 'Breslau) dem ./Jircwlltischnl Fanrilienblatt" mitteilt — der Entscheidung des Reichsgerichtes. Ein litauisches Brautpaar hatte am I.Mai 1903 in Kowno vor dem Gemei'nderabbnrer die. Ehe geschlossen. In Litauen gilt die Eheschließung als religiöse Handlung und untersteht, wie die Scheidung', den Satzltngen der Religionsgenleinschaft, der das Paar angehört. also vorliegend dem jüdisch-talmudischen Recht. Rach der Heirat wedelten die jungen Eheleute nach Dresden über und erwarben hier. nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Seit Jahren leben sie von einander getrennt. Die Frau klagte gegen chren Mann gemäß § 323 Zivilprozeßordnung o.if Untechaltsrente. Der Mann wendete ein, daß seine Ehe geschieden worden fei. Die Scheidung sei in sollender Weife vollzogen worden: Nachdem die Versuche des Mannes, seine Frau zu einem Din-Thora vor das Dresdener Rabbinats- Kollegium zwecks Entgegenncchme des Scheidungsbrieses zu bringen-,, gescheitert waren, hübe er an ein Berliner Rabbinatskollegium ein ausführliches, mit Belegetr versehenes Ehsscheidungsgosuch .gerichtet. Das Kollegin nt fei zu der Ansicht gelabt, daß die Ehe nach talmudftfchem Rechte aufzulvsen fei. Nachdem noch der Rektor des Berliner Rabbiney'emmars,, PE Dr. H., das ihm vorgelegtc Material geprüft und die Scheidung für zulässig erachtet habe, fei nach jüdischem Ritus ein S ch e i d e 'b x i c f ausgafertigt worlxn. Da der Professor Dr. H. es noch für angebracht gehalten häbc, die Zustimmung von 100 Rabbinern ei'nznholen, sei die Zustimmung von 100 Rabbinern ans Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Rumänien, Poletl dazu, daß der Mann eine andere Fron heirate, erbeten und erteilt worden. Auls Grund dieser 100 Gutachten hat das Kownoer Rabbinat die Scheidung in das dortige Ehescheidungsregrster vermerkt und deal Mann darüber Bescheinigung erteilt. Zu einer Zustellung des Scheidebrieses an die Frau sei es tricht gekommen, da sie dessen Annahme verweigert habe. Der Scheidebrief fei hieraus 'bei dem Dresdener Rabbinatskolleglunt niedrgelegt tvorden. Nach der Ansicht des Reichsgerichtes widersprach die Scheidung den Vorschriften des talmudischen Rechtes, welches die Scheidung von der Austmnnnug der Frau und der Aushändigung des Scheidebrrefes an sie ajbhängrg macht. An diesen borden Vorausfetzurrgen fehlt es. Eine BHmrnrung, mt sie die deutsche ZivilprogeßordMng enthält, daß eine Zustellung als bewirkt anzuschen ist, wenn beieiner Annahmeverweigerung das ausgtchändigende Schriftstück am Ort der Zustellung zurückgelassen oder bei Gericht- (in diesem Falle das Dresdener Rabbinatskollegium) niedergelegt wird, ist dem Talmud fremd. So tauge die-Ehegattin-Litauer' silld, wo Kr drei Juden bei Ehe und Scheidung-das ralmudische Recht geltend ist und die Frau ihre Zustimmung verweigert, können die Ehegatten in Deutschland nicht geschieden werden. Wiener Moraen-ettunz MünderungrvorschlÜgr zum Wbeirat. Wie der „Handel" meldet, bat das Gremium der Wiener stanfinanuschaf! zu dem Entwurf des FinanzministerilinlS über den Zollibcirat eine Reihe von Abänderungsoorschlügen erstattet, tzu denen die Korporationen des Hanplverbändes der Kalftinannschast bereits ihre Zustilnnmng gegeben haben. Der Entwurf des Gremiums tuender sich vor allem gegen den 1, demzufolge der Beirat -nur „erforderlichensalles" einbernfen werden soll, und verlangt seine Mitwirkung bei allen grundsätzlichen Fragen des zollamtlichen Verfahrens und de? Zollbemessung sowie die Abgabe von Gutachten bei der Entscheidung über Tarisanskünste, Berusnngssragen und Zollbeschwevden. Statt der in Aussicht genoinmenen Zahl vor: 30 Mitgiedern verlangt der Gesetzentwurf des Gremiums eine Mitgliederzahl von 00, die sich folgendermaßen verteilen soll: Industrie 20, Handel 12, ü, Landwirtschaft 8 Mitglieder. Für die Regelung der grundsätzlichen Fragen soll ein allgemeiner Ausschuß von 17 Mitgliedern gebildet werdet!, voll denen st zwei vorn Hauptverbaud der Industrie, vom Hanptverbcmd der Kauftnanujchaft, von den Arbeiterkammern und von der ständigen Delegation des Gewerbes, drei von -den Landtvirtschastsikantinern und sechs voil den Handelskammern entsendet werden sollen. Ein Fachbeirat, der auch -Unterausschüsse einsetzen «kamt, soll in allen Spezialsragen seine Gutachten abgeben. In bezug auf grundsätzliche Abänderuiigsvoüichläge ist bereits jetzt eine Einigung mit dem Hauptverband der Industrie, der Lan-dwirtschaftskammer Kr Wien miÄ> Niederösterreich sowie mit der Wiener Avbcilerkainmer erzielt tvorden. Der Zusammenbruch -es Bankhauses Emil Popper. Das Bankhaus Emil Popper, Hohenstaufengasse 3, hat beim Handelsgerichte um die Einleitung des Ausgleichsverfahren s ange-s-ucht. Dies ist aus den finanziellen Zusammenbruch des stillen Teilhabers dieser Banlfirma, Benedikt Arnheim, zurückzuführen, der seit gestern ans seiner Wohnung, Salesianevgasse 3, verschwunden ist und in hinterlassenen Abschiodsbriafen die Absicht allsgesprochen hat, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Benedikt Arnheim hatte feine Laufbahn bei der Berkehrsbank begonnen. Nach den Umsturztagen gründete er die Stock er an er Edelglaswerke, später die Melker Sand- und Quarzstein -A.-G., Gesellschaften, deren Wien in der damaligen Spekulationszeit rasch placiert werden konnten. Später gründete er auch eine ukrainische Verlags anstatt, deren Bureau sich in der Alserstraße befand. In der letzten Zeit hätte aber Arnheim zufolge der allgemeinen geschäftlichen Stagnation wie auch infolge namhafter Börseverluste große Einbußen erlitten. Bor zwei Jahren war Arn-Heinl beim Bankhausc Popper als stiller Gesellschafter cingetreten. Um einen Ausweg ans seiner prekären Lage zu finden, unterhandelte er mit einem tschechischen Konsortium, das sich zur Ucbcrnahme bereit erklärte. Arnheim kau-fte nun die Aktien seiner eigenen Unternehmungen ans, um sich so die Majorität zu sichern, mußte sie aber oft weit über chren wirklichen Wert bezahlen. Die Unterhandlungen wegen der Uebernahrne durch das tschechische Konsortium zerschlugen sich und nun konnte Arnheim keine Abnehmer für die von ihnr erworbenen 26. September 1925 Nr. AG “ - -.- , Aknen mehr find.'». Dies führte vollends zu seinem Zusammerchruch. Fahrbegllnftigung für .pandlungsreisendc. Von der Wielier Kanrnrer für Handel, Golverbe urrd Industrie wibd ' mitgeteilt, das; die Erste Donau-Dampfschiffchrisgvsellschaft österreichischen HandinngSreiscichen die Bügiinstigimg eilt« räumt, im lansonven Jahre auf Grund von Ansncheu, die von den Kammern befürwortet und an -die Direktion der Erstl.n Donau-Dmitpfschiffahrtsgesellschalft gerichtet sind, für Einzelfahrten mit den auf der Strecke Wen—Mohaes verkehrenden Post- und Lokalfchiffen eiste 36prozentige Ermäßigung zu beairspruchcn. Verhaftete Kridatare. Der Kreditorenverein von 1670, Wierr, 1. Bez., Zelinkagasse 10, erhält von feister KvaLauer Estpositur die Mitteilung, daß die Inhaber, der Firma Wertheimer u. Dnsowitzitz, Lederware-tst Kvakan. Krakovska 13, verhaftet wurden, Werl sie einen Waggon Leder im Werte von 1100 Dollar herauslockterr und sofort verärrßerten. Die beiden Firmcniuhabcr wurden verhaftet und dein Strafgerichte emgeliofert. Insolvenzen. Das Ausgleichsverf-chren wurde eröffnet über Ferdinand Karpcles, BrrefmavkenhäMer, 4. Beiz., Schlcifmühlgasse 17; über Theresia Rehak, PurLrrsdorf. Saazbevggaste 385; über Zdcnka Kaplan, 2. Bez., Schüttet-- straße 73; über Johann und Barbara Li er, Weinbauer, 19. Bez., Wildgvubgasse 14, irnd über Iosefine Totterer, Hände löst an, 20. Bez., Wallenfteinstraße 93. Warenaustausch zwischen Palästina und Rußland. Ju> genieur Gins-burg von der Hamanchil Eonipanh, der cnn A. d. von einer Rüsstandreise wieder itach Palästina zurückgekehrt ist, teilt der Jüdischen Tclcgraphcn--Llgen-tur mit, er habe mit den russischen Faktoren ein Abkommen betreffend Warenaustausch Alvifchen Rußland imd Palästina getroffen. Es ist die folgende Abmachitng perfekt geüvorden: HauwnchÄ Compatiy kauft von illußland Bauholz für 20.0M Pfund, welches über den Hafen ArchangeiÄ nach Palästina transportrert werden wird. Dafür kauft Rußland palästinensischen Wein, Orangen uftv. für 1600 Pfund. Import von Waren nach Polen. „Polnische Nachrichten" melden unterrn 25 d. aus Warschau: In AusKhrung des Beschlusses der Finanzkommission des Senats hat die Kommission gestern eine Sitzung a!bgchalten. Senator Dr. Rottenstreich hat die Verordnungen der Regierung bezüglich der Einfuhrbawilligungen nach Polen bosprochetl. Nach den Anfklärmrgen der Vertreter der Regierung geht hervor, daß bas Haudclsministerimn sich mit den Erteilungen von Elnfuhrbowilligungett nach Polen nicht mehr befaßt, sondern eine We>;We Einfuh r liomm iss io n, welche olus den Vertretern der polnischen und Danziger Kauftnannswelt bestcht. Außerdem hat die Regierung eine Kontingentkommrffioti, bestchend aus den Vertretern der Ministerien für Handel, Finanzen, Auswärtige Angelegenheiten, Ackerbau ins Leben gerufen, deren Atffgabe es sei. das EiNfuhrkonttnaent für das Jahr 1926 festzusetzen. Nach den Erklärungen der Regierungsvertretcr soll der Import von Wäret: im nächsten Jchre um 40 Prozent vermindert werden. Der Dir-Ätor des allgemeinen Departements im Ministerium für Handel und Industrie teilte mit. -aß die polnische Regierung. Oesterreich eine EistftchrbewillMug für Geweb e rm,Betrage von 2 Millionen Zloty, deren Geschäfte auf der Lenckerger Ostmesse getätigt wurden, erteilte. Wlvuer Produktenbörse. Die Prelle notierten gestern wie folgt: W e i z e n: Inländischer 37.— bis 39.—, Ungarischer Theiß 79/80 Kilogramm 42,50 bis 44.—, Ungarischer Theiß 39.- bis 41.-. Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis Jugoslawischer 77/78 Kilogranm bis —. Roggen: Inländischer 28.— bis 3V.— Pester Boden 30.- bis 30.50 Gerste: Inländische 38.- bis 43.—, böhmische mährische - bis —. Mais: Ungarischer —bis —. Cinauantin 42.— bis 43.—. Hafer; Inländischer 29.— bis 30.—. Reis: Italienischer 86.— bis 88.—. Burnra 65.— bis 66.—. M a d l p r o d u t t e: Grieß inländischer 76.— bis 76.—, Weizenmehl 0 inländisches 73.- viS 75.—, Äochmehl 2 inländisches 66.— bis 68 — Brot- Copyright 192/by 18 Fortsetzung. Kurt Wolff Verlag A^G. München . Kachdruck »erboten. Herr Fettwanst. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. ,/Tu mir -den Gefallen und schau, daß du zur .Hölle gchft", brüllte er. „Ms, -Sir", antwortete ich und anavschierte ab, nur, mn ein paar Minuten später wieder aus der Bildftäche zu erscheinen. ,/Warst du schon dort'?" fragte er mich. ^Jawohl", sagte ich, „schön 'war^s dovt." Das aiwüfierte ihn, und wahrend er noch lachte, schlüpfte ich an ihm vorbei in den Gerichtssaal -und drückte mich zwischen zwei Weiber ans eine Bank. Mein Sitz ist nicht sehr günstig. Ich werde von zwei .Ellenbogen bedrä-ngt, Ellenbogen, die Aber mein unerwartetes Eindringen entrüstet zu sein scheinen. Meine Aussicht beschränkt sich auf große, rundliche Gestalten, die langsam sich bewegenden, schwer atmenden Körper der Polizisten, Anwälte, Detektivs und „Bondsmen". Ich wallte, sie wären nicht so wohlgenährt... Mein erster Eindruck ist ein wüstes Durcheinander von Stimmen, barschen und . schrillen, harten und leisen; draußen im Hofe des Polizeigefängnisfts schreit in kurzen Zwischenräumen eine ärgerliche Glocke; eine heisere Stimme verbucht stampfende Pferde, ibeschlagene, Räder . explodieren auf unebenen Pflastersteinen; ein scharfes Klirren, ein großer eiserner Schlüssel schließt in einem rostigen Schlosse, rostige Türangeln stöhnen... schleppende, schlürfende, -mühselige Schritte... Krach, Bunt, Klick, Scharren, Stöhnen: die Tür aus cifern-cu Stäben wird wieder ins Schloß geschmettert,' und der Schlüssel dreht sich....Und Häftlinge und Ankläger, Menschenjäger und Verteidiger und Staatsanwalt stehen vor de-m Richter, flennen und heulen, plädieren und . bitten, beschuldigen, verteidigen, verneinen und übertreiben in allen Tonarten vom Wüstern bis zum Schreien, lind aus dem Gekreisch und Geschwätz heraus dringt eine .gleichmütige, -starke Stimme an mein Osbr. d-- .sich über das wüste Durcheinander von Stimmen erhebt wie der Wind über idas gleichmäßige Geräusch des fallenden Regens. Ich sehe nichts als ewig wechselnde Rücken. .Die dominierende Stimme muß die des Richters sein. Er verlattgt den nächsten Fall. Eine ratthe Stimme ruft die Namen aus. Der Gerichtsdiener, der die schmale Schlagtür in der Barriere vor dem Richtertisch -betreut, n-mrmt den. Namen auf. Als ob er belle, schreit er hinüber nach den Zellen, von wo aus die Nanren eimn Korridor hinunter eilen; und ein eingeschüchterter Gefangener quiekt: „Hier — hier — mein Name"... Eine «ttmnldli-che Vorlesung voll legaler Phrasen und Wiederholungen... Diebstahl... isintemalen... Dieibstahl..'. weitere Phrasen >mit sintemalen... Kleider... Juwelen... vertraute Worte... endlich... und das verursacht eine gelinde Aufreg-ung und ein Suminen aitf -den Bänken des Zuischau-erraumes... Eine Frau steht' auf... ,Hes, Sir, mir gehört das... er hat meine Juwelen gchohlen..Ein 'Hammer kracht aus den Tisch... Der Gerichtsdiener schreit: „Ruhe im -Gerichtssaäl! H'nrsetzett!" Eine monotone Rede... währscheiulich eilt'Advokat ..l wiederholt sich immer und im-mer wieder und,schließt mit dem Ersuchen um Aufschub... Der Richter schließt den -Fall ab... Unruhe im Saal.., Proteste gegen den Auffchub von seiten der Mager und der Zeugen... Durcheinander im Saal... „Vorivärts, vorwärts, Hüte erst draußen aufsetzen" ... Proteste und Entschuldigungen, und der Gang ist frei gemacht. Aber inzwischen ist ein anderer Fall ausgerusen worden... Zwei Weiber hatten sich in den Haaren gelegen. Jetzt spielen sie abwechselnd die Rolle des Klägers und des Beklagten, de schuldigen sich gegenselt-ig . . . sie kreuzen gewissermaßen die Mingen, und.ihre Kinder flennen, und die jeweiiligen Ehegatten saugen unalbhängig von ihnen Krach an. Beide glanben gesiegt zu l-abcn und gerechtfertigt zu sein: beide sind unter Bürgschaft gestellt worden, müssen versprechen, fortab Frieden zu halten . . . Eine ganze Prozession von Fällen, die alle in Worten ersticken . . . -das Interesse erlischt, bis eMich tvi-e ein e-lÄtvischer Funke ein Murmeln durch den Saal geht — ah — ein Mord! Der schwierigste Fall ist am schn-ellsten erledigt . . . ohn-e Bürgschaft — für die Großgeschworemn . . . Und wieder beginnt die lange Prozession von Beirnukenen, Lonten di-e. wegen ungchörigen Betragens verhatftet sind, SiraßenMndlevn, Schlägereien, DiebstWen, Einbrüchen. . . Es wird dunkel. Die Bänke leeren sich. Endlich kann ich mir -den Richter ansehm. Er machte einen besseren Eindruck, als ich ihn nicht sehen konnte. Jhvo Gnaden, waren ein kleiner Mann mit einem Schnapsgesichte, einom vollko-rmnen -kahlen Schädel nnd einer komischen Stupsnäse. Seine Intimen nannten ihn ,/Pugseh Kelly" vom vierten Bezirk. Maxie Fve-mtd wartet auf mich. Er staunt chr-fürchttg, daß es nur geilun-gen ist, in den Gerichtssaal zu gelangen und so lange davin zu bl-eibe-n. „Ich >habe eben Einfluß," evkläre ich lakonisch. Ein paar ^age später hiett mich eine weinende Frau ans .der Straße an und erzählte mir, -daß ihr Mann unter der B-eschuldig-ung, einer Frau die Handtasche mit 71 Cents ans der Hand gerissen zu halben, verhaftet worden sei. Sie erklärte, die Beschuldigung sei lächerlich; ihr Mann sei ein nüchterner, fleihiger Knopflochmacher, und sie könne es nicht verstehen, wavum man gerade ihm Schwierigkeiten mache. Unschuldig oder nicht, sührte sie woi-ter aus, jetzt sei er üben im Loch und sie wisse nicht, was sie machen solle. Wix stehen in der M-He des Gerichtes, und ein -paar Schle-pper, die einen Fall wittern, kommetr herangeWchen. Einer versucht die Frau auf die Seite zu ziehen, aber ich stelle mich ihm in den Weg und flüstere ihm ins Ohr:,/Schau, daß du wei-ter kommst, ich apbeit-e für Black Riley . . Er schaut mich verdutzt an und ich wen-de ihm verächtlich den Rücken zu. Dann «warne ich die Frau, mit irgend jemand zu reden, warne sie vor den Leuten um das Gerichtsgebäude, die nur Polizeispitzel feien. Sie habe sich Mcklicherweise an den Richtigen geivandt-, als sie zu mir kam, versicherte ich ihr -bescheiden, denn ich habe Einfluß Ibei Gericht. Ich postierte sie auf den Stufen des Gsbäudes und befehle chr, mich zu beosbachten. Ich trete zu Black Riley und -murnrele: ,Mnneu Sie nur einen Anwalt empfehlen? -Ich habe einen Fäll, einen Taschendieb . . Riley klopft mich aus die Schütter: „Du bist an die richtige Quelle gekommen ... bring' deinen Fall zu Moe Levenson, du findest ihn über der Straße drüben im Silv-er Dollar Salon. 'Sag ihm, -daß es mein Fall ist und daß ich „Kippe" evw-arte... (Fortsetzung folgt.)