Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2364 (21.9.1925)
- Date
- 1925-09-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 20. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der internationale Kongreß der Kriegsverstümmelten und Frontkämpferverbände setzte gestern seine Arbeiten fort. In der Vollsitzung von gestern nachmittags wurde unter allgemeinen Beifall eine Resolution angenommen, die durch eine aus e i n e m F r a n z o s e n und einem Deutschen zusammengesetzte Unterkommission überreicht worden war und in der die Vertreter der Kriegsverstümmelten und Frontkämpfer unter anderem fcststellen, daß die Männer, die den Krieg mitgemacht haben, das Recht und die Pflicht haben, aktiv an der Versöhnung der Geister und an der künftigen Organisation der Beziehungen der Völker mitzuarbeiten; daß dann die Kriegsopfer gerechte Wiedergutmachungen erhalten könnten; daß billige Wiedergutmachungen erst in vollem Matze erhalten werden können, wenn die Gefahr neuer Kriege für alle Staaten endgültig beseitigt sein wird und die Staaten ausdrücklich als letztes Ziel ihrer Bemühungen die Schaffung eines dauerhaften Friedens anerkennen, eines Friedens, der augenblicklich ungenügend gesichert ist. Sie erklären sich bereit, alle Bestrebungen zu unterstützen, dies durch friedliches Beilegen der Konflikte das Kommen jenes dauerhaften Friedens garantieren. In' der gleichen Resolution stellt der Kongreß fest, daß die Schaffung des Völkerbundes, des Internationalen Arbeitsamtes und des ständigen Gerichtshofes im Haag einen tzrsten Versuch einer . .. . allgemeinen Organisation des Friedens darstelle. Der Kongreß hält dafür, daß diese Institutionen in Uebereinstimmung mit den demokratischen Prinzipien vervollkommnet werden können und müssen und daß insbeso.ndere der Völkerbund eine internationale Gemeinschaft freier und gleichberechtigter Völker werden müsse. Der Kongreß versichert, daß wahrer Friede nur durch die Anwendung und die Respektierung der fundamentalen Prinzipien der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit, der Sicherheit uub der allgemeinen Abrüstung sowie durch die Einführung eines Wirtschaftsregimes verwirklicht werden kann, das allen Nationen menschliche Produktions- und Lebensbedingungen gewährleistet. Die im Kongreß vertretenen Kriegsverstümmelten und Frontkämpfer beschließen, mit Aufmerksamkeit die Tätigkeit des Völkerbundes und diejenige des Jnternatio nalen Arbeitsamtes zu verfolgen und dahin zu wirken, daß die öffentliche Meinung sich den Ideen des internationalen Friedens und der loyalen Zusammenarbeit des Völkerbundes zuwende. Sodann wurde beschlossen, alljährlich eine internationale Konferenz der Kriegsver stümmelten und Frontkämpfer abzuhalten und m Genf ein öffentliches Sekretariat zu schaffen. Ferner beschloß der Kongreß einen energischen Pressefeldzug zugunsten der österreichischen, der' tschechoslowakischen und der jugoslawischen Kriegsverstümmelten zu unternehmen und sofort die Auf merksamkeit der Regierungen in Wien, Prag und Belgrad aus deren Lage zu lenken.; Am Schlüsse der Tagung begaben sich die Delegierten in das Völkerbundssekretariat wo sie vom Senator Dandurand, dem Präsidenien der 6. VölkeckundversanMlung Paul Boncour, dem Präsidenten des Völkerbundrates und Sir Eric Drumm o n d, dem ■ Generalsekretär : des Völkerbundes, em-p fangen wurden, denen sie die angenommenen Resolu tioncn überreichten. . Dandurand .dankte den Frontkämpfern für ihre Mitarbeit am Werke des Völkerbundes. Paul Boncour stellte fest, >daß eine höhere und zwingende Logik gerade' die Männer, die gegeneinander gekämpft haben, >dazu gebracht habe, mit vereinten Kräften dahin zu• wirken, daß die Kriege für immer u>nmö gl i ch w e r d e n, und daß eine solche Tätigkeit' für diejenigen, die da's Gefchi .des' Völkerbundes leiten,'ein wertvoller Ansporn ist. Sie Luzerner Konferenz. Rom, 21. Septem'ber. Falls die Sicherheitskonferenz zwischen der Entente und Deutschland endgültig ans den 5. Oktober in Luzern Mgesetzt ist, gilt die Teilnahme Mussoli ui's für ausgeschlossen, da am gleichen Tage in Rom der große Faszistenrat zusammentritt. „Messaggero" betont, daß auf der Luzerner Konseveuz von den am meisten interessierten . Negierungen eine ausdrückliche Erklärung gegen den Anschluß O e st e r r e i ch s a n Den ts chla nd a bg egeben werden wird, der für Italien wegen der Brenner grenze von besonderer Bedeutung sei. Die Außenminister Polens und der Tschechoslowakei haben das'Ersuchen gestellt, zur Konferenz zugelassen zu werden. An deutsch-tschechischer Schtedsvertrag. Berlin, 20. September. (Wolfs.) Der hiesige tschechoslowakische Gesandte Krofta hat heute im Namen seiner Regierung dem Minister des Aeußern Dr. S tresemann unter Bezugnahme auf die in der letzten Ze't zwischen Deutschland und den Alliierten ausgetauschten Noten mitgeteilt, daß die tschechoslowakische Negierung bereit sei, in Verhandlungen über den Abschluß eines deutsch-tfchechoslowak'schen Schiedsvertrages einzutreten. DieAventin-Dppofition. : Rom,21. September. Die RückkehrderAventin- Opposi t ion ins. Parlament anläßlich der ^vorstehenden Wiedereröffnung scheint beschlossene Sache, badie bisherige Taktik der Absenz als überlebt und abgetan gilt. 3m Mosfulgebtet. Genf, 20. SePtember.(Schwch. Dep.-Agentur.) Die britische Bölkerbundde>legation teiit mit: Der britische Oberkommissär in Bagdad benachrichtigte die Regierung in London davon, daß türkische Streitlkrüste neuerdings die Brüsseler Demarkationslinie überschritten und die E i n w o h n e r v o n 12 D ö rfern der schleppt.haben; andererseits wird gemeldet, die Türken hätten, eine gewisse Anzahl von Kindern und Greisen massakriert. Verstimmung in kuglaud. London, 21. September. Die Absicht des Völkerbund r a t e s, in der Mossul-Frage das Haager Schiedsgericht anzurusen, wird in der Presse .unfreundlich ausgenommen, da zweiMos hiedurch die Lage nur schwieriger gestaltet werde. Die „Times" erklären, daß diese Frage nunmehr schon über ein Jahr in den Händen des Völker- IbiU'nbeS liege. Man könne .deshalb seine jetzige Entscheidung als ein Zeichen von Unfähigkeit ansehen. Eng land könne in jedem Augenblick zu Maßnahmen ge, zwungen werden, um das Mandatsgebiet zu schützen oder aber es Nlüßte vor den Völkern des Ostens eingestehen, daß es seine Verpflichtungen nicht mehr halten wolle oder halten könne. Für die innere Ruhe. Die Forderung der Botschafterkonferenz. Die Botschafterkonserenz hat, wie berichtet, von der österreichischen Negierung die Ablieferung von 7000 Maschinen gefordert, die zur Waffenerzeugung dienen. Die bezügliche Note der Botschasterkonferenz verweist ausdrücklich auf den Bestand von nichtstaatlichen militärischen Organisationen in Oesterreich, welche ihre Mitglieder unter Waffen halten und kriegsntäßige Uebungen vornehmm. Die Forderung der Botschafterkonserenz wird zur gleichen Zeit erhoben, wo die österreichische Kommission des Völkerbundes ihre bekannten Beschlüsse gefaßt hat. Es ist zweifellos, daß hier ein Zusammenhang besteht und daß die beiden Vorfälle aus ein tiefgehendes Mißtrauen schließen lassen, welches im Ausland gegenüber der Republik besteht. Anlässe für eine solche ungünstige Stimmung sind genügend vorhanden. Es ist niemandem ein Geheimnis — dem Ausland schon gar nicht —, daß tatsächlich ' in Oesterreich bewaffnete Organisationen bestehen, die sich anmaßen, Staat zu spielen, und daß die Existenz solcher Verbände an sich schon eine gewisse Gefahr bedeutet. Die Integrität Oesterreichs wird von niemandem bedroht, seine Unabhängigkeit steht unter der Garantie des Völkerbundes, und wenn es aus diesem Grunde schon fast unverständlich wird, wozu die Republik eine Armee braucht, so ist es vollends ein Unsinn, daß sich zivile Verbände angeblich mit dem Schutz der Gesetze und der Versammlungsfreiheit befassen. Insbesondere sind die nationalistischen Organisationen eine ständige Bedrohung der inneren Ordnung. Sie sind schwer bewaffnet, und wenngleich ihre zwiffernmäßige Stärke mit Hilfe einer Barnum-Reklame weitaus überschätzt w'rd, so wircken sic doch provozierend. Im vergangenen Mottat ist bei .Gelegenheit des Z ionisienkong r esis e s d'e besondere' Wirkung dieser Radauverbände zu konstatieren gewesen. Die gesamte internationale Presse mußte sich mit Oesterreich bechästigen und' förmlich vor einem Besuch der Hauptstadt warnen. Die Hakonkreuzler hatten sich damals in den Dienst einer Weltverschwörung gegen das Judentum gestellt, Es erwies sich sofort, daß sich dieser Anschlag durch seine Bedrohung der öffentlichen Ruhe auch gegen den Frieden im allgeme'nen richtete. Dies hat dazu geführt, daß dem Ansehen Oesterreichs ein schwerer, kaum zu heilender Schaden zugefügt wurde, und dies trat denn auch sofort 'bei den Genfer Beratungen und u n m i t t e l b a r d a r a u s bet den Verhandlungen der Botschafterkonserenz zutage. Allerdings ist die Ablieferung von 7000 Masch'nen nicht geeignet, den Schaden zu beheben. Dadurch werden in Oesterreich eventuell Arbeiter brotlos gemacht, während die Waffenerzeugung im Auslande ruh'g fortgesetzt werden kann. Es muß eben die Fabrikation der Mordmittel zumindest in Europa unterbunden werden. Damit hat es freilich noch gute Wege, solange m der politischen Welt der Geist des Krieges noch fortbesteht. Für den Augenblick aber wäre schon viel' erreicht, wenn man die Mörderverbände in Mitteleuropa, in Deutschland, Oesterreich und in Ungarn, entwaffnen würde. Das allein kann für geraume Zeit eine Beruhigung und ein Abklingen des Mißtrauens herbeiführen. Die Kämpfe im Rif. 21. September.. Die Risleute haben in der Nacht vom 17. aus den 18. September versucht, den sran Mischen Posten Bab Taza zu erstürmen. Nach einem vorbereitenden heftigen Gewehrfeuer eröffnten sie einen Bajonettangriff, der aber zurügewiesen wurde. Die Flieger haben die Stellungen der Risleute hinter der Front von neuem mit Bomben belegt. Im Abschnitt des 9. Armeekorps hat A b d e l K r i m 16 Häuptlinge eines Stammes verhaften und als Geiseln abführen lassen. Die Flieger haben die frühere Residenz Abd el Krims, A id ir, neuerlich bombardiert. Nachdem schon Abd el Krim die Stadt verlassen hat, soll nun auch se n Bruder S i - M o ha m e d sich nach >T a z r u a zurückgezogen haben. , An der spanischen Front wurden, ne ue rl i ch, : spani siche T r ü p p e n in Moro nuevo ausgeschlffi. Abd el Krim verwundet? Paris, 20. September. (Havas.) Wie das „Journal" aus Madrid meldet, soll Ab el Kr im bei den Kämpfen uw den B i b a n e - B e r g am Beine ernstlich verwundet worden sein. Amerilanische Flieger in Marotto. Washington, 20. September. (Wolfs.) Das Staatsdepartement hat den amerikanischen diplomatischen Vertreter in Tanger beauftragt, die amerikanischen Flieger, die zusammen' mit den. Franzosen ge ge n d i e Risleute kämpfen, zu verständigen, daß sie hierdurch die Gesetze >der Vereinigten Staaten verletzen. Das Staatsdepartement sagt indessen nicht, ob weitere Schritte Auge gefaßt werden. _, Riesenbrand in Mo. Tokio, 20. September. (Reuter.) Die Residenz des Fürsten T okügawa ist heute vormittags durch eine F e u e r 8 b r u n st vollständig zerstört worden. Der Schaden wird aus eine Million Kn geschätzt.