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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-19 · Heft 2363 (19.9.1925) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2363 (19.9.1925)
Date
1925-09-19
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Wien, Samstag Wiener Mvvgert-eii««s t9. September lö®5 Nr. 0066 iden moftiziellcn Börsen it*m 16 bis 20 Prozent höher bezahlt 'werden Äs mt Clearing -er Banka PotSkie. Reue Usancen an der Warenbörse. Wie -er „Handel" imDeÄt, treten <mr 1. Oktober an der Wiener Warenbörse emie Bestimlnnngen für den Handel in Waren in Kraft, die «nto Mitwürkung a>ou Delogierten aller interejfievten Branchen fostgelogt worden stich. Die neuen Konditionen enthalten zum Teil schr tvejsentliche Aendernngen, ibejsonlders irr -eil Fragen der Nachsristerteilunlg, des Mrediiws, des ZahlnngsiveMges bei ÄukizessMioferungeu und der Exeki.tion. BazMich der Nachfristerteilnng bei einer Lieferung wird festgelegt, daß in allen Fälleil, in denen der Transport ans Gefahr des Käufers erfolgt, der Verkäufer die Erfüllung des Vertrages cifttcf) dann beanspruchen kann, wenn durch Elcnr a n t a r e r e i >g n i f>s e während des See- oder Landtranslpsrtes eine Beschädigung sowie der gänzliche oder teilweise Verlust einer Sendung Eintritt. Wurde Zahlung geigeil Akkreditiv vereinbart, so ist dieses binnen acht Tagen unwiderrlGich für die Dauer des Liejfertemnines pl erstellen. Wenn bei SnTzefsivliefernugen der Käufer mit der Bezahlung der fälligen Kaufpreisstlmme für eitle Lieferung im- Verzüge ist, so ist der Käufer berechtigt, den Vollzug der nächsten Lieferung davon abhängig 51t machen, daß der Käufer die Schulden ans der vollzogenen Liefernilg vorher ^gleicht, .^ftn Falle eines Vertragssbruches ist der Vertragstreue Teil.-verpflichtet, längstens am zweiten denr Vertragsbruch folgenden Werktage eine or dnu -n gsanäß ige Konstatierung des Vertragsbruches vorzunchmen. Hinsichtlich der Exekution iirrrb bestimmt, daß der Auftrag zur Durchifichmug eines exekutiven Kaufes oder Berkauises längstens am dritten Werktage nach Feststellung des Vertragsbruches zu erteilen ist. Ist aber die Exekution im Börsenverkehr nicht nlöglich, so kann die Ware auch öffentlich verkauft werden. Insolvenzen. Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Anna K r i ft c n, mechanische Strickerei, 7. Bez., Lchottenfeldgasse 76; über Kaspar Geza Singer, Kaufmann, 9. Bez., RotenlAvenaasse 5; über Josef Stal, Elektrotechniker, 2. Bez., Novaragasse 49; über Katharina und Josef O p a t, Tischlermeister, 10. Bez, Columbusgasse 15; über Jakob Kan dl. SchreibmaschinenweMätte,-12 Bez., Breitensurterstraße 93, und Heinrich Sonncnfeld, Autotaxmnternchmung, 31. Bez., An der oberen alten Donau 173. Dorotheum - Bankabteilung Wien, I. Dorotheergasse 17 Polnische Einfuhrerleichterungen für Oesterreich. Die ,-Pol-n. Nachrichten" mÄdon: Im Znsam-metchang mit beit letzten Berordmulgen der polnischen Regierung wegen der Einschränkung der Einflchr'bewllligung nach Polen weil: jetzt in Warschau eine österreichische Delegation, bestehend aus dem Vertreter der niederösterreichijschen Handels- und Gewerbekammer, Fffchmckster, sowie dem Vertreter der österreichischen Kaufmannschaft, Bertini. Die österreichische Delegation hat mit dem polnischen Handelsministerium Verhandlungen geführt, die das Ergebis hätten, daß die-polnische Regierung eine Einfuhrbewilligung im Betrage von fünf Millionen Zloty für Waren, die <mf der Wiener Messe gekauft wurden, auf oas außerordentliche Kontingent bestätigt und sich bereit erklärt, den Import von österreichischen Waren nach früheren Tarif- .Handelskammer in Warschau sowie den Vertretern der österreichischen Handels- und Goweweikammer zu. regulieren ist. Wiener Produktenbörse. Die Prelle notierten gestern wie folM Weizen: Inländischer neu 37.50 bis 39.—, Ungarischer Theiß 79/80 SWbfltantm 43.— bis 44.50, Ungarischer Theiß neu 39.- bis 41.60, Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis —, Jugoslawischer 77/78 Kilogramm —.— bis —. Roggen: Jnländischer neu 29.— bis 30.60 Pester Boden ne« 90.50 bis 31.—. G e r st er Inländische 85.— bis 48.—. böhmische mährische —bi» . M a i »r Ungarischer bis —. Cinauanttn 43.— bis 43.-. Haie rr Inländischer neu 28.— bis 29.—. Reis: Italienischer 90.— bis 92.—, Burma 65.— bis 66.—.M ablpr 0 dulte- Grieß inländischer 76.— bis 78.— Weizenmehl 0 inländisches 72.- bis 75.-. Kochmehl 3 inländisches 66.- bist 68.-. Brütmehl inländisches vrima 53.— bis 65.—. — Tendenz: f r e u n»d l i ch. Wiener Warenbörse» Es uotierten am 18. Sptember. Kolonialwaren: Kaffee: Rew-Iorker 19.80 Dollar, SantoS Prime 620.—. T e e: Peceo Java. Orange 1800.—, Gewürze; Paprika, edelsüß 640—, Pfeffer Stngapore schwarz 575.—, Kümmel, neu, holl. 160.—. Reis: Burnm 65.60, Italienischer 89.—. Zucker: Raffinade-Kristall 230.— tschech. K., Würfel lin Kisten) 240.50 tschech. K. Leqtrar 1924 95.- Pflaumen. boSn.. in Kisten. 70/75 120.—, Kranzfeigen, Calamata —. Barimandeln, supeüor740.-. Ehemikälien: Aetzkali, 88/92 79.— Schweizer Franken. Aetznatro», 128/130 Solvay 68.—. Alaun, in Stücken 94.50, Ameisensäure, 85% 145.-, Borax, krist. 105.-, Chlorkalk. 110/115 31.-. Chrom, vatron 130.—. Eisenvitriol 14.50, Effigsäure, 80%, für Genußzwecke 230.—. Die Preise verstehen sich, wo nichts anderes bestimmt wird, in österreichischen Schillingen pro 100 Kilogramm. Wiener Mrse. ««schäftslor. Die bsvorstehenpe Mittägige Unterbrechung übte ebenso toic das Fchlen jedweder Anregung atrs den: AuÄande auf den Bettchr eine heimneiide Wirkung aus. Dazu kanten noch die Besorgnisse über die innerpolitischen Vorgänge, da die Aufnahme der Genfer Beschlüsse im Nationalrate noch ungewiß ist. Unter diese»: llanständen erüffnettn die meisten in der Kulisse gehandelten Effekten mit, geringen Kttrsabfchwächungen. die bei einzelnen int weiteren Verlaufe des Verkehres zmir Tolle wettgennacht, teils aber hoch Weller verstärkt wurden. Ebenso tvie in der Kulisse herrschte int Schranken GeschDslosigkert, doch übettvogen hier Molge Glattstellungen die Gowinue. Die Börse schloß nicht einheitlich. Die meisten in der Kulisse gehandelten Papiere schlossen abgelchwächt. So waren unter anderem öiterr. Kredit um 2100 K. niedriger, Staatsbahn um 2t60 K, Alpine um 4000 K.. Rima um 2700 K., Salgo um 7000 K., Brunner Maschinen um 6500 Kronen und Karpathen um 2600 K.-Die Gewinne von Juli-Süd, Anglobank. Uttionbank und Lombarden waren unbedeutend. Im Schranken erhöhten sich Pester Kommerzialbank um 25.000 Kronen. Lloyd um 50.000 K., Berg und Hütten um 15.000 K., Lamven um 20.000 K., Timber um 35.000 K. Neusiedler um 18/09 K., Kroatische Zucker um 17.000 K. und Männer um 44.000 st. Schwächer waren Nordbahn um 11.000 K., Union-Bau um 15.000 K., Wienerberger, Gößer Bräu und Mundus um je 10.000 K. Md ung. Zucker um 30.000 K. Auf dem Aula gemarkt waren die meisten Renten abgeichwacht. Von den E x 0t e tt notierten: Effeff 3809 bis 4000 K., Mraznica 34.500 bis 35.000 K., Tepege 6600 bis 6700 K. AuslSvdische Börsen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeit-nng".) - Berlin, 18. September. Infolge der nahenden jüdischen Feiertage drückten Roalisieruttgett die Kurse. Im weiteren Verlaufe des Verkehres trat eine leichte EchÄung ein, daß citt Teil der Kursverluste wieder wotdgemacht wmden^ Es notierten: Oesterr. Kronenrente —. llng. Kronenrente —. Ungarische Goldrente —, Türkenlose 22.— Südd. Lontbarden alte —. Oesterreichische Staatsbahn 28.50, DiMw»? städter Bank 110.25, Deutsche Bank 110.50 Dresdner Bank 100.25. Oesterr. Kredit 7.62 Oesterr. Länderbank —, Retchsbank 188.50 Wiener Bankverein 5.62 Unionbank 7.12, Daimler Motorett 41.50 Dyttamlt Nobel 77.8, Fetten L Gnllkeamne 117.76. Prag, 18. Septvmbet'. Bei ilebhafleut Geschästtz, bas ittfolge größerer Umsätze auf spekulative awtlb DeckmgLkäufe noch gvlvamt, befestigten sich die nteisten Wetten. Es notierten: 6% ifle österr. Staatsanleihe 79.50, Ztv. Banka Attglobank 76.—. Mercttrbank 43.50. Oesterr. Kredit 63.60, Wiener Unionbank 58.—. Wiener Bankvereitt 46:50, FetbitutudS- Nordbahn 3640.— Böhmische Zuckeündnstrie 1015.—, Schoeller 2405.— Nestomiher Zuckerittdttstrie Beremigle Elektrizität Wien 114.-, Aussig Chemische 646.-. Weltbräu Pilsen —. KönigSboser Zement 1330.—. Brünn« Maschinen 603.—. Simmeringer 99.—, Rot-Kosteletzer Textil 378,—. CoSmanoS 535.—, Montan 149.—. Berg nnd Hütten 2330.—. Poldihütte 182.— Prager Elle» 882.—. Skoda 681.— Budapest, 18. September. Nach gefchäftslosotn Beginne blieben die meisten Kurse unverändert. Es. «rotterten: Brtt.-Ung. Bank 35.— Ung. Kredit 335.—. Oesterr. Kredit 128.—, Wiener Bankverein 90.—, Kommerzialbank 950.—. Gran-SzaSzvarer —, lOberungarllche Berg und Hütten —.—, Magnesit , Ungarische Allgemeine Kohlen 2890 Salgo Kahlen 473.—, Urifant) Kob len 1055.— Ungarische Hofherr 138 —. Rima«- murany 110.—, StaatSbahn 385.—, Ungarische Zucker 1930 Oesterreichische GaS 340. Ae Levisenkurse. Jürtch, 18 September. (Devisenkurse von 12 Uhr.)Berlu. 123.80 '123 30). Holland 208.25 (208.35-, Rew-Aork 518.—(518.12'/«). London 25.11'/.. (25.11'/,-. Par,« 24.45 (24.41'/,). Mailand 21.30 (21.10-, Brüssel 22.75 (22.45,. sjtovenbagett 126.— (126.25), Stockholm 139.- (139.--, Oslo 139.- (108.35), Madrid 74.90 ( 74.55), Buenos Aires 210.— Prag 15.35 (15.36-, Budavest 0.007250 (0.007260>, Bukarest 2.45 (2.50), Belgrad 9.20 (9.22'/.-. Sofia 9.75 (3.77»/,). Warschau 86.- (87.-). Wie» 73.- (73.—) für 100 Schilling. Budapest, 18. September. (Devisenkurse — Eigenbericht.) Berlin 16.930, Amsterdam 38.620, Kopenhagen 17.410, Stockholm 19.090, Rew-Aork 71.180. London 346.000, Paris 9366. Brüssel 3132. Prag 2107, Belgrad 1267, Bukarest 343.-. Warschau 11.400. Wien 10.021. Gosia 515. Mailand 2940 Zürich 13.745. Prag, 18. September. (Devisenkurse.) Berlin 804.25. (804.25), Zürich 652.75 (652.75), Parts 159.62 (159.60) London 163.65 (163.65), New-?)ork 33.75 (83.75), Belgrad 60.12 (60.82), Bnkarest 16.95 (16.20), Wien 476.62 bis 479.62 (476.62) für 1.00 Schilling, Warschau 557.— (571.-), Budapest 4.6587 (4.6687-, Juaostawische 59.87 {60.06), Oesterreichische gestempelte Krone 474.50 (474.75-. Polnlfchv 561.50 (562.50-, Ungarische 4.70 (4.7075). Warschau, 18. September. (Devttem) Belgien 2613 bis 86.24. Berlllt —bis . Holland 238.60 bis 289 80 London 28.78 bis 28.92, New-Pork 591.- bis 595.— Paris — bis —, Schweiz 114.57 bis 115.18, Budapest —bis . Prag 17.59 bis 17.67, Wien —.— bis -.- für 100 Schilling, Italien bis Stockholm 169.18 bis 160.10 Bukarest bis Belgrad» 18. September. (Devisenkurse.) London 278.87. Paris 266.25 New-Aork 56.33'/,. Genf 1087.12, Malland 231.37.' Prag 166.82% Berlin 1338.60. Wien 793.- Bukarest 27.- Sofia Budapest 0.00791. BMel —.— Amsterdam —- Warschau-. Devisen Lrvisrn- und «alntenknrse vom 18. September 1925« Geld Amsterdam ...... .S. 386.— Belgrad.. 12.5860 Berlin . . .. 18808 Brüssel ......... 30.1a Budapest........ 98.35 Bukarest. 3.4t London. ....... 34.37/6 Mailand ........ 28.12 New-York....... 709.06 Paris ....... .. 88.44 Prag . .. 21.0160 War* 286.— 12^260 188.28 31.26 98.76 3.43 34.4775 28.24 711.66 33.60 21.0860 Sofia .......... Stockhohn ....... Warschau . Zürich ........ Valuten Amerikanische Noten - Belgische Noten Bblgar. Not. ..«•*<• Deutsche Noten . . ». Eneüsche Noten . . . . Geld 8. 6.1260 169.90 116.— 196.83 Ware 6.1660 190.60 116.60 1Ä7.3S 168.05 169.06 Französische Noten . . < Holländische Noten .. Italienische Noten . . . Jugoslawische Noten . Polnische Noten .... Rumänische Noten . *. Russische Noten (Roman*) Schweizer. Noten . . . Tschecho-slow. Noten . Türkische PfundUNoten . Ungarische Noten 29.08 12.6760 116.26 3.87 130.10 20.9850 99.36 29.29 12.6360 116.26 8.41 186.80 21,1050 9^86 Copyright 1924 by Kurt'Wo» Verlag A.-G. München 13. Fortsetzung. Nachdruck verdvten. Hm mm», Ei«« amerikanische Autobiographie von Samuel Ornih. könnt wir glauben, Leute, worüber ihr hier geredet habt, ift sicherlich wichtig und interessant: Tolstoi Marx, Krapotkm, Engel, Ba>kuuin; ihre Lelhren, Formeln, Theorien, Programme, mit denen sie die Welt verbessern wollen. Aber hier muß ich etwas sagen. Ich bin einer, der den Dingen gern aus den Grund gcht. Meine Füße schlagen gckwissevmLßen in dem Fleck Wurzeln, auf dem ich gerade stehe. And was ist mit dem Flecken Land, aus dom ich ftche? Ich muß ausroden und ihn beba>uen, bevor ich beginne, die Mllion anderer Aecker zu bebauen, die es aus der Wo'lt gibt. Ihr Leute üvollt kein Problem anorkMiren, das auch nur ein winziges bißchen kleiner ist als die ganze Welt... Hier ist unser kleiner Fleck Erde voll Unkraut . . . Leute, ich rode von dem Unkraut dieser stinkenden Schande — Allen Street. Und ich sage euch, und das kommt mir aus dem Herzen, Allen Street wird so lange da^s sein, was es ist, solange ihr es euch anschaut nnd es euch gefallen läßt... Ich habe mit den Politikern gesprochen. Die machen gar kein Hohl daraus. Sie geben zu, daß es faul, oberfaul ist. Darum kümmern sie sich aber nicht, denn ldie Leute, die sie dadurch verletzen und >beleidigen, sind keine Wähler. Sie machen sich nichts daraus, solange die Mehrzahl der Bewohner der Eastside eben nur Immigranten sind, gehorsame,' nicht stimmberechtigte Grünhörner. Was kümmert es sie, wie schr sie auch 'beleidigen — solange ihr nicht Mhten könnt. Sie geben sich Mühe, die Regulären zufriedenzustelten und ihnen zu schmeicheln, und die Regulären sind die, die am Wahltage das Stimmvieh zusammentveiben und die Stimmen nach Hause bringen. Und wer sind die Regulären? Die Kneipenwirte, die Bovdellbesitzer, Winkeladvokaten, .prölsessionelle Falschspieler, Diebe, Bandensührer und Zuhälter, und denen wieder läuft die ganze Bande mch — Leute, die es ans kleinliche GchälligkMn abgesehen haben, Das ift eine üble Gesellschaft, und ein Mensch mit einiger Selbstachtung mischt sich nicht gerne in die Gesellschaft der Politiker: deswegen Aeibt Politik faul ... Die Politiker kennen nur ein Gesetz: Wenn du ein Regulärer bist, bist du im Recht. Allen Street? Die Regulären wollen es so — also ist's richtig! Rabibi Zuckers Protest und sein zerschlagener Schädel haben nichts zu bedeuten. Der kontrolliert keine Stimmen . .. Wollt ihr eine anständige Gemeinde? Die Politiker sind nicht schuld, daß es anders ist. Sie sind bereitwillig genug. Sobald die Mehrzahl der Stimmen anständig sein wird, ^werden auch sie anstädig sein. Denn schließlich und eMich sind sie gewohnt, ihre Posten zu (Habens eine Gewohnheit, die bequem ist und die sie nicht gerne ausgeben möchten." Ich übersetze Berl die Rede Fi uns und er lobt chn; ,ßt drischt mir nicht aus dem Schädel ihevum." 9. Philipp achtet darauf, daß meine „Bar Mtzwah" eindrucksvoll wird. Er und Melamed Mordechai bereiten eine gelehrte Ansprache in Hebräisch vor, eine komplizierte These, von der ich nicht das geringste verstehe, die aber verworren. und pedantisch genug ist, um auch die Kritischesten zu .befriedigen. Ich lerne sie auswendig. Philipp überhört mich jeden Morgen, ibevor er zur Arbeit geht. Er weckt mich auf, und bevor ich noch Zeit ,'habe, mir die Spinnweben >des Schlafes aus den Augen zu wischen, zwickt er mich mit komplizierten Fragen. Ich ilvevde perfekt. Der Tag meiner Konifirmation fällt auf den Neuijahrstag, ein Dag, der noch heiliger dadurch wird, ldaß er mit 'dem Sabbat zusammenfällt. Die Synagoge ist überfüllt und unter allgemeiner Bewunderung entledige ich mich meiner schwierigen Aufgabe, ohne zu zögern und ohne einen Fehler zu machen. Meine Mutter ist stolz und glücklich. Philipp: beschwert sich nicht, und t>as ist wirtlich Lobes genug. Vater spielt den verblüfften Zuschauer und murmelt als. Antwort auf die Gratülationen um etwas in seinen Bart. , Ich selbst fühle mich erhaben. Ich bin wichtig, ich. bin Mittelpunkt des Interesses , *. Ich bin wichtig, Im Hintergründe aber herrscht rn mir eine größere. Freude: ich bin mit dem Cheder fertig. Es ist wie ein Ade der Popanzreligion; die Religion, die immer donnert — Furcht, hüte dich, fei gewarnt, fürchte den Gott der Rache: ein Gott, der ewig ^Gerichtstag Mt. Ein Nlysteriüses, unsichtbares, blin^des, unbekanntes Mid schreckliches Ding — Gott. Kein Wunder, daß diese Religion unangenchm fft und wir sie nicht glauben können,' wir Heiden aus den Wildnissen der Stadt. Kein Wunder, daß wir gegen unsere tagelangen Studien der biblischen Geschichte rebellierten, die den Nachdmck aus die rohen Flüche und Strafen, die geheimni'svolle apokrhphale Vergrößerung des Bildnisses des Gottes der Rache legte; die endlosen rabbinffchen -Regeln und Riten und Fasten und Klagen, um das unersMiche Monstrum zu versöhnen — den Gott -der Rache. Keine Schönheit. Kein Geist. Einen Heiden ittagman mit Schönheit vernichten oder verführen; Furcht aber — -der Heide lacht darüber. So deute ich heute meine Gefühle gegen meine Religion; am Tage meiner Konfirmation aber fühlte ich — ich kann de MD -nicht hinnntetschlucken; ich speie ihn einfach lwieder au Dritte Periode. Schöne und stmkene Perlen. t Mädchen wie ver- Koran. M gibt Mädchen. Oder, »besser, -ich »bin soeben ihre Existenz gewahr geworden. Bislang D es eine Welt der Jungen gewesen, in der ich gelebt habe. Duftende Blumen blühten rings um wich, aber ich habe sie zertreten. Der gute Ton dieser Knabenwelt verlangte, daß man diese merkwürdigen Dinger, die man Mädchen' nennt, neckt, beleidigt und -belästigt. Nm verweichlichte Jungen hatten Mädchen als Freundinnen. Wa's die Weiber anbelangt^ die wir in der Allen Street besuchten — nun, das Ivaven keine Mädchen, das war eine besondere Mart, die für einen besonderen Zweck gezüchtet wurde. Anfangs gingen wir aus Neugierde dorthin, und weil wir glaubten, daß uns dies männlicher machte. Gin einziger Besuch machte beinahe einen Mun aus einem. Oochetzumg fMh *

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