Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2362 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, MM Mene- Morgenzelihns Film und Kino. „Die Pikante Kammerzofe." In LHyä-hliasn tollen Kapriolen nirnm-t Nmiche, das Aeme Abwmchmaoel, Ms der Hotelküche »fernen AuGieg gut Braut des Millionärs, wird zuerst Kammerzofe bei einer Tamerin. gibt sich, als diese verreist, für die sehr mondäne und Ä«qo leichtsinnige Künstlerin aus, erscheint Mt einer Toilette dieser auf einem Ball und macht so die Bekanntschaft des unverstandenen LebejünUlings, den sie aus seiner Blasiertheit herausveitzt. Durch einen nicht endenwollenden Komplex von heitersten Bsrwicklungon gelangen dann die beiden endlich zueinander und dam« findet der Film sein überaus befriedigendes Ende. Nmiche ist Ossi Oswalds. In den veuschredensten Rollen und Situationen kann sie hier ihren sonnigen Humor Luchten lasten, kann ihr liebenswürdiges Exterieur, -ihren annrutreichen Charme und aber auch wirklich großes künstlerisches Können aufs vorteilhafteste Zur Geltung bringen. Dabei hat sie aber die Gabe, nie ms Possenhafte, in Uebertrei- Lungen Zu verfallen und bleibt immer diskret und ganz natürlich. Es soll hier nicht ihr Mer fostgeftellt werden, aber: seit 1919 mindestens beherrscht sie auf diesem Gebiete die Leinwand des Kontinents und heute, nach einer sechsjährigen,' steil auffteigenden Karriere, sicht sie noch immer wie ein.Backfisch aus. Wenn sie auch schon führ früh ein weltbekannter Star wurde (Lubitfch' „Austernprinzc-ssin"), hat sie scheinbar bis jeyi nur an Können, nicht aber an Jcchren zugenomnien, und man glaubt ihr noch immer alles. Kurz und gut: sie ist hier wieder einmal ganz entzückend. In den anderen Teilen der Darstellung ist Bidian Gibson, eine reizende junge Engländern, sehr aut. Livio Pavanelli spielt schr lieoenswürdig den Liebhaber und der Registeurdarsteller Viktor Janson leistet in beiden Teilen seiner Aufgabe Allerbestes. Weiters findet sich hier noch ein jugendlicher KomNer, Gerhard Rirrerband, den wir in Wien in diesem Film erst kennen. lernen. Er spielt einen Liftboy, der in Nmiche verliebt ist, alles darauf avlegt, ihre Liebe zu erringen, sich aber schließlich damit begnügt, ihr zu ihrem Glück zu verhelfen und für seine Person zu verachten. Dieser Äftboy-Toggenburg ohne dramatischem Ende ist eine ganz ausgezeichnete' und äußerst fein geführte Leistimg bester DarstellungÄunst, reich an gutem und gesundem .Humor. Sehr geschmackvoll ist,die reiche Ausstattung, zu. der man auch einige prachtvolle Metten zählen muß, sehr .gut gelungen die, Außenaufnahmen aus Trouville und Paris. Die Photographie, die eine 'künstlerische Beleuchtungstechnik wirksam unterstützt, bringt klare und plastische Bilder. Zwei neue Fox-Filme lgel-ören zu dom Besten intd Interessantesten, das das neue Programm dieser Woche zu bieten vermag. Es sind dies die reizende Sittenkomödie „Die Schule von Paris", die amüsant und spannend in dem Rahmen einer reichen Ausstattung die Rettung einer Che. behandelt und Alma Rubens in der weiblichen Hauptrolle bringt, weiters das packende, an größten Sensationen reiche Schauspiel „Steppcnehre" mit Buck Jones. Henh Porten als Düse. Bor kurzem hat die Künstlerin unter der Regie Karl Froel-ichs in Berlin mit dm Aufnahmen zu dem Film Tragödie" begonium, der den Lebenslauf der Düse bchrndeln wird. Henlty Porten wird die Gestalt der unvergeßlichen Tragödin verkörpern. Die Filme der Woche. „Im Sündcnpsuhl unseres Jahrhunderts." — „Steppenehre." — „Die Schule von Paris." — Verklungene Wiener Tage." — „Die Liebe Don Juans von Oesterreich." — „Die Brautnacht der Ledigen." — „Das Liebesnest." — „Die pikante Kammerzofe." („Nmiche") — „Der Clown und die Tänzerin." — SCHOTTENRINGKINO — I. SchottenringS Telephon 17-4-25 Von heute bis September Komödianten Ein Film hinter den Kulissen der Buhne mit Lya de PuttiEugen Klöpfer und das übrige Schlagerprogratmu Beginn: Wochentags »/,5. J/*6. 'ß und %9 Uhr, Sonn- und Feiertags 4. 1 ß, '/.f un.i »/4S Unr Die große nnd sp an nen de Sittenkomödie Die In der Hauptrolle A1NA RUBENS Ab heute; Rotentunn-Kfnö, I. Havdn-Kino, VI Eos-Lichtspiele, III. Kino Handl, XV. Kalvarienberg-Kino, XVII. William Fox beehrt sich danubloton r lWWIWWMWWWWWW Das packende Sensations Schauspiel MMlPm StevvMhll In der Hauptrolle BUCK JONES Ab heute: Kreuz-Kino, I Erdberger Lichtspiele, III. Abbazia-Kino. XV FOX-Filme umspannen den Erdball I Das grosse OSSI OSWALDA-Lustspiel der WEST1 Ae pikante Kammerzvfe (N I N I ( H E) mit V1VIAN GIBSON, OSSI OSWALDA, VIKTOR JANSON Ab heute: Atant's-Kino, V. Maria Theresien-Kino, VI. Margaretner Bürger-Kino, V. Kosmos-Kino, VI. Park-Kino, XIII. —.— ■ ii Viktor Hfcheluizl im Westi-Kenzern, Wien, VI!.* ’Prachtvoile Aufnahmen von Paris und den grossen französischen Modebädern Ab Dienstag den 22. kept. Schottenring-Kino, I Busch-Kino, l Sciiwatzcnberg-Kmo, 111. Heimat-Kino, IX Copyright 1924 by 12 Fortsetzung. Kurt Wollt V.rlag A^G. München Nachdruck verboten. Herr Fettwanft. Ente amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. Er blieb stehen, und die Straße wurde stumm. Er sprach irr den Tönen der Bevstuchung, und seine Worte fielen wie die Zerschmetternden Kadenzen biblischer Verwünschungen. ,Hört, ihr Kinder Israels, hört aus die Stimme des .Herrn, und wendet euch ab vom Böse- Kinder Israels, ihr seid in einem neuen Laude, als Fremde unter Fremden, und die schwere Hand des Gerichts vcht stets aus dem Fremden. Und dennoch seid ihr im Laude der Wunder, dem Hände des Lebens und der Freiheit, wo ihr änderten mögt, wo und wann ihr wollt, im gesegneten Lande der freien Wahl. Man nimmt euch nicht euer«. Gott und nimmt euch nicht seinen Tempel. Ihr werdet nicht eingekerkert, noch gehetzt und bedrückt. . Hier findet ihr die Freude des Gerechten, denn hier werdet ihr nicht zum äußersten getrieben, um euern Körper zu erhalten . Im Namen des Allmächtigen frage ich euch, forscht nach in eurer Seele, warum ihr aus den Pfaden des Bösen wandelt. Wendet euch ab vom Bösen, verhüllt eure Scham und flieht den Anblick und das Wort des Verdammten. Hört oder ihr werdet den Fluch Gottes aus euch herabrufen, hier in diesem vierten und letzten Winkel der Welt, der fernsten Ecke eurer Verbannung. Höret aus, den Schild Davids mit Schlamm und Kot Zu beschmutzen. Oeffnet eure Ohren und höret, -oder euer Tag sei verflucht. Verflucht sei eure Stunde, euer Augenblick, eure Sekunde. Eure Augen sollen werden wie feurige Kohlen in euerem Kops. - Eure Zungen sollen werden mic geschmolzenes Blei in euern Mäulern und sollen euch wiirgeu und ersticken, tausendmal und aber tausendmal. Eure Gebeine sollen zerfallen und vermodern — Bemalte Gesichter verschwanden, und Fenster wurden krachend Meschlagen. Die Straße wurde leer, da sich Männer-, mit schamroten Gesichtern zur Seite drückten, um den furchtbaren Folgen der Verfluchung des Rabbi zu entgehen-. Nur ein paar Jungen mit offenem Munde blieben in der Näle des Row ... Die Augen des Rabbi waren dem Himmel zngelvandt und so saher nicht, wie sich eine.Hand mit einem Totschläger hob und auf seinen Schädel herunterkrachte. Ein wohlgezielter Schlag, und Row Zucker fiel in die Gosse. Ein Wunder Schrei wurde laut, aber nicht der -Rabbi hatte ihn ausgestoßen, sondern die gaffende Menge, als sie sah, wie aus einer tiefen Stirn wunde -das Blut schoß . . . 8. Berl, der Sattler, kommt auf die 'Straße. herauf, um Luft zu. scknappcn. Ich saß auf den Stufen, die zn seinem Keller lsinunterführten. Philipp und seine Freunde aber, die nian die „Distufsionisten" nannte, Vertrieben mich. ,Mell, da ist er wieder. Der gute alte zuverlässige Sommer. Alle Sommer reden die Leute von den gleichen Dingen: es ist heiß. Alle Winter roden die Leute von den gleichen Dingen: es ist kalt. Schlechtes Meter ist ausgegezeichnet. Das ist etwas, worüber die Leute reden können, ohne ärgerlich zu werden." Berl sprach in seiner sanften Weise, lächelnd und wohlwollend. Es war leicht zu erkennen, daß er sich fein _18. Schlomber 19S8 M. 2ggA Volkswirt. r« internationale Finanzmarkt. Der europäische Geldbedarf zur Finanzierung der Hepbst» importe hat zu einer leichton. Befestigung des Gckldmarktes in den meisten Ländern geführt, ohne daß jedoch ’inie allgemeine Tendenz der Geldstüssigleit sich wchMich äbgoschwächt hätte, die so bange andauern muß, bis eine entscheidende Wendung der weltwirtfchalflftchen Koujunkbur ei-follgt. In den Bereinigten Staaten hat die günstige Lage des Geldiuartles, verstärkt durch den lneitcrcu Rückfluß amerikanischer Depositen ans London, die Börsen'lage günstig beeinflußt, besonders gute Nachfrage bestand am Wochenende für Automobil.- und Kupferwerte. Tie steigende europäische Nachfrage nach Dollar hat zu einer leichten Abschwächung der Hauptvaluten in Diew-Aork geführt. Zu ihnen gehört auch das englische Pfund, das von 4,85l/s auf i^U Dollar z-nrückging. Wenn dieser Rückgang nicht noch einen größeren Umfang angenommen hat-, so ist dies den Walteren Goldabgaben der BanL von England zuzuischrei'ben, die insgesamt seit der Rückkehr zur Goldparität nahezu 80 Millionen Franken Gold exportiert hat. Daher 'konnte sich auch das englische Pfund gegenüber den eurv- 'päischon Goliddovisen behaupten. Das Geschäft auf der Londoner EMtcnbörse blieb angesichts der Wirtischaftsdepvession ruhig. Der Zinssatz für Dreimonatswechstl stellte sich ach L'/z Prozent. Leibhafter war das Geschäft auf der Amsterdamer Börse» die immer uiehr in starken Wottibewerlb zum einst dominierenden Lonoonvr Markt tritt und wo besonders die Umisätze in Osl-, Kautschnk- und Ta'bakwerten umfangreich waren. Ruhig blieb auch die Pariser Börse im Zusammenhang mit der Stabilität des französischen Frankens, während der belgische Franken sich etwas abschwächte und in Paris von 96,25 auf 95P2 ging. Dagegen setzte sich im Znfammerchang mit der günstigen Beurteilung der italienischen Wirtschaftslage die Besternng der Lira fori. Sie konnte ihre Züricher Notiz von 30,70 am Z. d. auf 31,66 am 9. c>. erhöhen. Gewinnrealisiernngen der Devisenspekulation sind in der Hauptsache die Ursache für den dann einsetzenden Rückschlag gewesen, der den Kurs wieder Ms 31,10 am 13. d. gehen ließ. Auch erscheint eine weitere wesents Uche Steigerung, die auch nicht im Jnteveste des italienischen Exportes liegen würde, zunächst nicht wchnscheiillich, vielmehr wird es das Bestreben in Rom sein, den jetzt erreichten Kurs möglichst zu bchaupten. Auch bei den nordischen Devisen, die sich in den letzten Wochen in einer starken Hausse befanden, ist wieder ein Rückgang erfcklgt. Nachdem die Diskontormäßigunig in Rortvegen und Dänemar-k vom 35. Au-gust ihren Zweck, die Kurscvhohung der beiden Devisen anfzuhalten, verfehlte, halben nun die Notenbanken beider Länder abermals eine Di s ko uterin äßigung vorgenommen. Sie tritt in Ätorwegen aller» Vings evst in dieser Woche in Kraft, wurde jedoch bereits in der vorigen Woche bekannt. Die Ermäßigung der Zinssätze, die , mm innerhalb von drei Wochen um IV- Pr-ozeitt, in DänvnmrL - auf 5Vs und in Norwegen ans 5 Prozent gesunken sind, haben nun doch zu einem Verlauf ausländischer KronenguchalbeN und damit zu einer Senlung der Kurse gefHrt. Die Devise Oslo, die in Zürich am 10. d. ans 114P0 gegangen war, sank wieder auf 109, Devise ätrpenhagen ging von 130 auf 126. Bon den übrigen europäischen Devisen, Hst die neue Ab- 'schwächnng der p o >l n i s ch e n Währung, bemerkenswert, Deren Züricher Kurs von 91 auf 86 zmückgmg, als bekannt 'wurde, daß die polnischen Benrühungen zur Erlangung weiterer Anleihen in Anrerita und EnFand bicher keinen Enfoiltz Späßcheit mit Philipp und feinen -Freunden ritachen ivollte, die soeben wieder ein erhitztes Wortgefecht austrugen. „Weißt du, Meyer, ich Hab' sie. bis in «teilten Keller unten gehört, trotzdem Ltttz geschnarcht hat." Berl nahm seinen Schädel zwischett die .Hände und rief: „Wenn sie nur aufhören wollteit, auf meinem Ge-- hirnlasten hermnzrchämmern." Jetzt tvar's Philipp, der darauf loshämmerte, wahre Fütten von Wortlen — Hohn, Verachtung,^ Haß ..« Die Antworten kamen — schnell, zitternd, beißend, beleidigend, bittend, nberlegend, bettelnd und beruhigend, und dann wurde es -still, und einer sprach, dem die Versammlung die Achtung betvies, die eine Gruppe von Intimen stets für einen Fremden fühlt. . . Der Fremde ist Amerikaner und, was mehr ist, Nichhude, u-nd man enlpfand seine Gesellsckhift als eine ehrende Herablasfulig. Und wie sich Menschen ducken, wenn em-er herablassend ist! Besonders einer wie Philipp, der die ganze Welt zu . verachten vorgibt! Philipp verachtete die ganze Welt, solange sich die Welt nicht tun ihn kümmert. „Wer ift dieser Gof?" fragt Berl. „Er sieht mir aus wie ein Irischer, aber ich glanb's nicht recht. Er ist so ruhig, so anständig — ein gescheiter Acann, so soll ich laben: das kann kein Irischer sein." Berls Bekanntschaft mit' den Iren beschränkte sich auj eine Handvoll Raufbolde, die es als einen, glänzendem Sport und als 'Bürgertugend anfähen, diese ausländischen Neulinge, die schmutzigen „Sheenics" zu verprügelu. Das aber genügte in Berls Augen, um eine ganze Nasse zu ver» dämmen. „Well," sage ich, „das ist wirklich ein Ire. Er heißt Barney Finn, ist fremd in Dew-Vork und konunt aus eine-m amerikatlischeu Staate, der Vermont heißt." „Ach so," meint Berl, „das erklärt ftei'lich alles. Dü Nichtsnutzigen wachsen nur in dieser verdammten Stadt." Barney Finn spricht so beiläufig wie er gshh gAch nrütig und gleichmäßig, bringt aber eine Menge Wec hinter sich.' (Fortsetzung folgt.)