Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2359 (15.9.1925)
- Date
- 1925-09-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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gto>iy| IPrcis 20 fl 1 Wi en: ^um Abholen ln der Expedition, Iln Tabor str. 1-L, oder In einet Verschleissteffe (Trafik) monaü. 6 Schilling Strassen verkant in Wien durch die Kolporteure der Firma Qol dschmied, 1., Wotlzeile 11 Mit Postversand für Wien ttnd Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Man. K22. Jugoslawien: Mon.Din.00. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 NachMhliUMten bei P r e I •- erhAhantien rorbehiucn Wiener orgmreilung England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien* Mon. 170 Le?. Bulgarien Mon.lOOLewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr:"21-102, 25-2-82 IX. Universitätsstrassc 6-8 (D uckerei ig. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 Sr. 2330 Wie«. Sienstag, 15. September 1925 7. Sadtgang Berlin, Charlottenbarg. Jooctilmsthaierstr. 41 1 Minute vom Bahnhof Zoo "itt?>Restaiiraitt I. Ranges Unter Aufsicht des Rabbinats der Jüdischen Gemeinde und des Hamburger Vereines Vorzügliche Wiener Küche 11M Mäßige Preise 7 reffmuikt der jüdischen Well Papierene Beschlüsse. — y. Wien, 15. September. , Der Internationale Kongreß für Kindevhilfe, der Ende August in Genf versammelt war, hat in einer Resolution den Wunsch ausgesprochen, daß in allen Ländern eine energische Aktion gegen die Propaganda der antisemitischen Internationale unternommen werde. Dieser Kongreß, der so viele und so erschütternde Berichte Wer die Verelendung und Verwahrlosung der Jugend entgegennehmen mußte, konnte sich der Einsicht nicht verschließen, daß der Haß ein internationales Problem ist, dessen Wirkungen nur durch umfassende und tiefgreifende Aufklärung behoben werden können. Das KiW ist das erste und wehrloseste Objekt, an dem die Verhetzung ihre Künste übt und es ist auffallend, daß es gerade die Parteien der unbedingten Autorität, der starken Hand und des angewandten Patriotismus sind, die sich der Schule und der Jugend bemächtigen wollen, unt von diesen: Punkt aus chr gegen den Frieden und die Demokratie sich richtendes Treiben auch - für die Züknuft zu stützen. Es ging mit dieser Frage bisher genau so, wie uni allen Fragen des internationalen Leides. Seitdem sich Europa des in Versailles proklamierten : Friedenszustandes erfreut, finden ununterbrochen Kongreffe der sozial oder politisch angefaßten Menschenfreundlichkeit statt; warmherzige Personen, denen der Krieg das Ideal der Humanität-nicht ganz rauben konnte, erkennen die Schäden, definieren sie richtig und versuchen ihren Umfang abzustecken. Es ist erfreulich, daß solche Experimente gewagt werden, daß sie immer wieder auftauchen. Zlber irgend welche greifbaren Resultate konnten nieurals erreicht werden. Die Veranstalter und Besucher dieser Kongresse sind sich vor allem nicht darüber im Klaren, daß in der Mehrheit ihrer heimischen Bevölkerung der Willen fehlt, das Wirken der Einzelnen zu unterstützen. Die Abstumpfung der breiten Massen hat einen unheilvollen Grad erreicht, was ja angesichts der furchtbaren Zerstörung aller sittlichen Werte nicht weiter verwunderlich ist. Man hat sich daran gewöhnt, über das Unglück hinwegzusehen. . Vielleicht hat die große Zeit des Krieges mit ihren täglich publizierten Riesenziffern von Toten, Verwundeten und Gefangenen die Psychische Aufnahmsfähigkeit zerbrochen. Was sie noch übrig ließ, das ging in den schweren sozialen Kämpfen der folgenden Jahre verloren. Der Einzelne verschwindet in und hinter der Masse. Diese Apathie ist der Nährboden, auf dem dann die Demagogie lustig gedeiht, die in der Gedankenlosigkeit der Menge eit: empfängliches Terrain findet. Me Parteien .^fallen sich darin, irgend ein Kollektivum verantwortlich zu machen, eine generelle Schuld festzustellen, und das Volk hört's gerne. Das Proletariat beschuldigt das Bürgertum, der Bürger die Arbeiter und alle zusammen haben es sich abgewöhnt, bei der Beurteilung der Dinge die notwendigste Differenzierung vorzunehmen. Am meisten profitiert die antisemitische Hetze von dieser Denkfaulheit. Sie hat es noch leichter als alle anderen und sie nützt diesen Vorteil am raschesten aus. Die Juden sind schuld! Und da die Masse dies leicht und gerne akzeptiert, so dringen die frechen Lügen in die Familie und iu das Bewußtsein der Kinder, die das Gehörte eifrig weitertragen. Auf dem Genfer Kongreß ist über das seelische Elend des jüdischen Schulkindes gesprochen worden und'tatsächlich treten auch auf diesem Gebiete die traurigsten Erscheinungen zutage. Sie Iudenschast von Südafrika in der gewifh Agency. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng") London, 14.' September. Die Jewifh Board of Deputies von Südafrika hat in der in Durban abgehal-tenen Konferenz der Delegierten der jüdischen Gemeinden und Organisationen über den Eintritt in die erweiterte Jewish Agency für Erez Israel beraten. Nach einer langen, lebhaften Debatte wurde der Eintritt der jüdischen Gemeinschaften von Südafrika in die Jewish Agency beschlloffen und das Präsidium beauftragt, wegen der Vertretung in der genannten Körperschaft die weiteren Verhandlungen zu führen. Dar ziooMche Bureau beim Völkerbund. Genf» 14. September. Wie schon angekündigt, wurde hier unter dem Namen Organisation Sioniste Bureau de Geneve nach Abschluß des Zionistenkongreffes ein neues zionistisches Bureau eröffnet. Das Bureau, das unter der Leitung von Dr. Vikwr Jacobson steht, befindet sich: Genf, Chemin du Square, 9., und wird in der Hauptsache die aus den Beziehungen des Zionismus zum Völkerbund hervorgehenden Aufgaben zu erledigen haben. Mitte Oktober beginnt in Genf, eine Konferenz von Vertretern nationaler Minderheiten in verschiedenen Ländern. Der gegenwärtig in Genf wellende Präsident des Komitees der jüdischen Delegationen, Leo Motzkiu, hat mit Vertretern verschiedener nationaler Minderheiten Besprechungen abgehalten. . Br. Leon Reich» Amerilareye. ' Warschau, 14. September. - In einem Gespräch rfttF' dem I. T. A.-Bertreter sagte Dr. Leon Reich, der am 13. September seine Rei.se nach Amerika antrat, er sei unter den polnischen Parlamentariern, die sich zum Kongreß der Jnterparlamentavischett Union - nach Washington begeben, der einzige Jude. Er werde im Einverständnis mit den anderen Mitgliedern der Polnischen Delegation -handeln, lhabe sich jedoch das Recht reserviert, auf dem Kongreß das Problem der nationalen Minder h e it e n anzujschneilden. NegieruugrantisemW mur in Griechenland. Loudon, 18. September. Nach Athener Meldungen, haben die Juden Griechenlands *in jüngster Zeit abermals unter den Wirkungen eines offenkundigen Regierungsantisomitismus sehr viel zu leiden. Trotz ihrer verhältnismäßig geringen Zahl haben sich 'die griechischen Juden in der Armee in besonderem Mäße hervorgetan. Nun hat der Kriegs min ist er durch einen Gehei merlaß an die Kommanden gegen den Sinn der Staatsgrundgesetze die jüdischen Offiziere von jeder Vorrückung in höheren Stellen ausgeschlossen. Ueber die wirtschaftliche Verfolgung der Inden von Saloniki, denen die einstige Blüte dieses wichtigen Handelszentrums zu danken war, wurde wiederholt berichtet. Zufolge dieser systematischen Bedrückung ist bereits ein großer Teil der jüdischen Kaufleute und Handwerker ausgewandert. Jetzt führt die Regierung den letzten Schlag gegen die ohnehin um ihre Existenz kämpfenden jüdischen Kauslente, indem sie jüdischen Geschäftsleuten, die bisher Pächter eines Geschäftsladens in einem staatlichen Gebäude tvaren, kündigt und, das .Lokal an griechische Kaufleute vergibt. Auf diese Weise ivevden die Juden ans ihren letzten HandelspoMonen in Saloniki vertrieben. Die Menschen, die auf diesem Kongreß ihre Resolution gefaßt haben, glauben wohl damit allein schon eine Tat zu vollbringen. Aber der Haß läßt sich durch papierene Beschlüsse nicht abbauen. Er muß aktiv und , offensiv angegangen werden und hier sihlt's. Seit Jahren tobt in den mitteleuropäischen Hochschulen der Numerus clausus; alle Personen, die sich mit internationalen Fragen beschäftigen, kennen diese Angelegenheit. Eine Menge von Kongressen hat bereits Beschlüsse gefaßt, die der Oeffentlichkeit mit einem gewissen verschämten Augenaufschlag mitgeteilt werden. Sie Verschlvinden bald wieder. Die jüdffche Wanderung Sie Palastinasrage auf dem britischen Gewerkschaftskongreß. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 12. September. Der britische G e w e r kschaftskongreß in Searborough nahm die vont linkssozialiftischen Unterhausmitglied P u r c e l l beantragte Resolution, in welcher sich 'der Kongreß gegen die Ausübung der Herrschaft über nicht britische Bolksstämme wendet. Die Resolution spricht sich für das Seilbstbeftimmungsvecht der Böller, selbst auf die Gefahr einer Loslösung einzelner Bolksstämme vonr Reich hin, aus. In feinem Referat besprach Pnrcell auch die P a l ä st i n a s r a g e, auf welche er seine Resolution angewendet wissen will. Der gewesene Kolonialmimster Thomas sprach sich gegen den Resolntionsantrag Pnrcells ans und.meinte, daß es das wichtigste wäre, an der Verständigung zwischen Juden und Arabern mitzuwirken, wodurch die einzigen Schwierigkeiten in Palästina behoben wären. Ae Fullen iu der Tschechoslowakei. Prag, 14. September. Wie die Telegraphen-Uniorr meldet, werden nach einer Entscheidung des Obersten Verwaltuugsgerichtshofes der, Tschechoslowakei die Juden in diesem Lande.als sprachliche Mi n dcryeit im Sinne des Sprachengesetzes aufgesaßt. Ermordung eines Wischen Sowjet-Borsitzeuden Moskau, 14. September. (I. T. A.) Der vor kurzem gewählte Vorsitzende des Dorssowjets der jüdischen Kolonie Nckvo-Poltäwba im Distrikt. Cherson, Kremer, wurde am 9. September' von unbekannten Tätern e r m o r d e t. Eine Untersuchung ist eingesseitet. ' . Furchtbare Ueberschwemmungskataftrovße in Wna. 3000 Menschen ertrunken, mehr akS 10VV Dörfer vernichtet. Nach einer Meldung des Berliner „Tag" aus Tientsin ist in der Provinz Schon tung der H o a u g h o aus den Ufern getreten und hat weite Gebiete der Provinz überschwemmt, lieber 1000 Dörfer sind vernichtet und über 3000 M e n s ch e n ertrunken. Die Fluten dringen bis 15 englische Meilen, zu beiden Seiten des ursprünglichen Flußes vor und reißen alles mit sich. An manchen Stellen steht das Wasser 30 Fuß h o ch. Die Ueberschwemmung ist die Folge u ngeheurer W o l k e n b r ü ch e, die in ganz Mittelchina niedergegangen sind. Die Deiche sind zum Teil durchbrochen. Die Bewohner der am Flusse gelegenen Dörfer haben sich in die höher gelegenen Städte geflüchtet. Da die E r n t e auf weiten Strecken vernichtet ist, befürchtet man wieder den Ausbruch einer Hungersnot und Unruhen unter der Bevölkerung. Der Sachschaden ist unermeßlich. Die Katastrophe bleibt zwar hinter der vom August vorigen Jahres zurück, die über 50.000 Einwohnern das Leben kostete» sie scheint aber doch zu einer der furchtbarsten zu weiden, die die Provinz Schantnng in den letzten Jahren heimgesucht haben. wird immer wieder erwähnt und mit hübschen, sogar richtigen Resolutionen bedacht. Aber irgend eine Tatsache wird nicht gesetzt. Es ist die Feigheit bei; Demokratie, die Judentum und jüdische Forderungen wie ettvas Lichtscheues behandelt, das man gerade nur noch erwähnt. Und so werden auch die neuesten Genfer Beschlüsse eben nur Beschlüsse bleiben. Das Judentum muß seine Fragen, die ja alle doch nur Teile seines großen Lebensproblems sind, selbst behandeln und selbst zu lösen versuchen. Es muß sich national organisieren, und seine Kinder für sich und seine Zukunft erziehen. Mim Borlailon-Preiie Mt! Schiff mann II. Taborstrafie 48 Talaabon 47*1« 7f fi» qwi 6n d«taH •rkAi&kifcJi-U' "K-