Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2358 (14.9.1925)
- Date
- 1925-09-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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TA' -» Wien: Zum Abholen ln der Fxpedition, 11., Taborstr. 1-3, oder In einer Verschlelsstelle Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaul in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmied, 1., Wollzeile 11 Mit Postversand tür Wien and Oesterreich monatlich 5 Schilling I' s c h e c h o - S1 ow a k ei: Mon. K 22. J u g o s 1 a vvi e n: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Naehsahlangen bei P r e 1 «- ubShontfeo Vorbehalten Rr. 2158 mm Wiener orgeiyettung IPreis M al England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monat). 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien Mon.lOOLewr, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Di uckerei lg. Steinmann) Wien. Montag. 14. September 1925 Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Ae Kolonialkriege. Ter sranzöstsche Bormarsch in Marokko. Der Parteitag der dentschen Sozialdemokratie Paris, 14. September. Nach einer Meldung ans Fcs l^len die Riflnblen die Belagerung von Jssual aufgegebeu, nachdem das Borrücken der Franzosen sie zum Rückzug gezivttttgen hatte. Ein Kabylenüberfall auf eine jraiizJsilsche Kolonne bei Bab Hoeeine wurde unter schweren Kämpfert abgelviefen. Die Franzosen stehen bereits zehn Kilomeier über Amiot hinaus. Französische Flieger haben drei Dörfer itnd zwei Bergabhänge, wo feindliche Truppenkonzentrationen festgestellt wurden, wirksam bombardiert. Landungskämpfe. Madrid, 14. September. Nach Meldungen aus Ai el i l l a haben zwei spanische Kreuzer und einige TruPPenschisse c:u Landn ngs manöver vorgetäuscht. Die Schiffe näherten sich dem Lande, worauf eine große Abteilung Rifkabylen an der Küste erschien und die Schiffe nuter schweres A r t \ 11 e r i e f e «. e r nahm. Die Schisse antworteten aus schweren Geschützen und warfen die Kabhlen zurück. An der Palästinensisch-sykischeu Grenze. London, 14. September. Ter hartnäckige Widerstand der Trusen gegen die Franzosen hat die Regierung von Palast'na veranlaßt, an der Nordgrenze Sicherheitsmaßnahmen gegen etwaige Einfälle der Drusen zu ergreifen. Nach Telegrammen der I. T. A. bewachen britische Flugzeuge den Grenzhezirk von Metullah. Dort )vurde auch schleunigst eine drahtlose Station errichtet, um die m'.litärischen Borpasten in ständiger Verbindung mit der Regierung und der übrigen Armee zu halten. 8m Haman. London 14. September. Die „Times" melden aus Damaskus, daß die Franzosen vier Dörfer in dem Haurangebiet mit Kontributionen belegt haben. 3000 christliche Flüchtl'nge befinden sich in D e r r a, 900 in P a s l a und 400 in (Sf r<t. Die „Times" behaupten ferner, daß die Dvusen von ehemaligen Offizieren der Armee des K ö n i g s F a i s a l geführt werden und daß sich auch e h e m a l i g e deutsche Offiziere darunter befinden. Dir neue ägyptische Regierung. London, 14. September. Nach Meldungen aus Kairo Ost die Regierungskrise nunmehr gelöst. Der frühere Gesandte in Rom Achmed Zulfikar ist zum Justizminister an Stelle des abgesetzten Fhanh ernannt worden. An die Stelle der beiden zurückgetretenen Minister treten T ewfi k Rifaat als Berkehrsm'nister und Rat ja n M o t e i Pascha als Landwirtschaftsminister. Die Finanzkontrolle über Sefterreich. London, 14. September. Die Entschließung des Völkerbundes über die Finanzkontrolle in Oesterreich hat in hiesigen Finanzkreisen große Beachtung erfahren. „Daily Neivs" knüpft an die Ansicht des Direktors der Anglo- Austrian-Bcmk, Peter Bark, an, der das Aufhören der Konirolle vom finanziellen und kreditpolitifchen Standpunkt aus bedauert und sagt: „Wir können seine Ansicht nur unterstützen, daß es mehr im österreichischen Interesse gelegen hätte, die Unannehmlichkeiten der Kontrolle mit etwas mehr G e d u l d zu ertragen. Jeder» mann gibt zu, daß die Anwesenheit eines Mitgliedes des Bölkerbundkontttees in Oesterreich eine sehr wertvolle Sicherheit für diejenigen bedeutet hat, die Kapital in Oesterreich a n z n l e g e n wünschten. Es kann deshalb.sein, daß als Ergebnis der verminderten Kontrolle die finanziellen Vorbedingungen für österreichische Kreditsuchende schlechter werden. Andererseits läßt sich die günstige Seite der Bölkerbnndentschließung nicht leugnen. Die Zeit, da Oesterreich wieder auf eigenen Füßen stehen kann, rückt heran, was beweist, daß es aufhört, eine künstliche Treibhauspflanze zu sein. Sin Sbert-GeMkffein. Saarbrücken, 13. September. (Wolfs.) Heute wurde im Stadtwalde bei Herrensohr ein Ebert-Gedenkst ein eingeweihi. Reichtagsprüstdent 8 o e>b e hielt die Weiherede, in der er Eberl als Arbeiterführer und Staatsuiann würdigte. Heidelberg, 13. September. (Wolfs.) Der diesjährige sozialdemokratische Parteitag wurde heute eröffnet. Die Verhandlungen werden d i's ganze Woche in Anspruch nehmen. Die Beratung des Entwurfes eines neuen Parteiprogramms dürfte sich interessant gestalten. Aus dem Bericht des Parteivorstandes ist zu erwähnen, daß der gesamte Mitgliederbestand der Partei am 31. März 1925 mit 844.495, darunter 153.693 Frauen, angegeben wird. Im übrigen beschäftigt sich der Bericht insbesondere mit dein Magdeburger Rothart-Prozeß und der Garmat-Kutisker-Affare. ßhamberlain nach London znrllckgekehrt. London, 14. September. Chamberlain ist gestern abends in London eingetroffen und erklärte unter anderem: Ich bin sehr befriedigt über die Ergebnisse meiner Mission und hatte das Vergnügen, festzuftellen, daß sich I t a l i e n >den anderen direkt interessierten Mächten angeschlossen hat, um Deutschland zu ersuchen, sich den künftigen Besprechungen über den Sicherheils Pakt anzufchließen. Bkiand in Paris. Paris, 13. September. (Wolfs.) Außenminister Briand ist heute 'früh in Paris eingetroffen und hatte noch im Laufe des Vormittags eine Besprechung mit dem Ministerpräsidenten Pai nleve und dem . Finanzmimster Car-l'laux. . Amerikanische Kriegsschiffe in Nikaragua. Paris, 13. September. (Wolfs.) ,-New-Iork Herald" schreibt zur Entsendung der amerikanischen Kanonenboote nach Nicaragua: Die Entsendung erfolgte auf ein Telegramm des Präsidenten von Nioaragua, der die Regierung der Bereinigten Staaten verständigte, daß er einen Aufstand befürchte, wenn nicht sofort Truppen entsandt würden. Der Innsbrucker Kriminalistenkongreß. Innsbruck, 12. September. Auf der Kriminalistentagung wurde nach Beendigung der Beratungen zur Abstimmung über die gestellten Anträge geschritten. Es wurden folgende Anträge mit großer Mehrheit beschlossen: Prof. Dr. Kohl rausch und Genossen: Die in Innsbruck versammelten kriminalistischen Vereinigungen sehen in der kriminalpolitischen Teilgefetzgebung der letzten Jghre (bedingter Straferlaß, Straftilgungsgeisetz, Jugendgerichtsgesetz, Geldstrafengesetz) die Verwirklichung ihrer aus beweglichere Gestaltung des Strafzwanges gerichteten Forderungen. Sie erachten ater einen wirksamen Schutz der Gesellschaft gegen das Verbrechertum nur auf dem Wege d e 's Strafrechtes für erreichbar und fordern, daß diese Reformen in kürzester Frist dnrchgeführt werden. Antrag, Pros. Dr. Gold s ch m i d t und Genossen: - Die Erweiterung des richterlichen Ermessens, wie sie der Entwurf vorsieht, darf nicht erfolgen, ohne daß gleichzeitig gesetzgeberische Maßnahmen auf dem Gebiete des Strafprozesses getroffen werden, die den Rechtsschutz des Angeklagten genügend sicherstellen. Antrag Prof. Merkt und Genossen: Der Schutz der Gesellschaft gegen Gemeingefährliche und der Schutz des Verbrechers gegen Willkür 'haben tut Entwurf eine Regelung erfahren, der die Versammlung im allgemeinen' zustimmt. Antrag Prof. Dr. Radbruch und Genossen: Die notwendige Freiheit des richterlichen Ermessens bedingt Vertrauen in die Rechtspflege. Deshalb wünscht die Versammlung, 'daß die Fragen, ob dieses Vertrauen erschüttert sei, ob eine solche Erschütterung berechtigt sei, und was zur Wiederherstellung des Vertrauens geschehen sei, auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung gesetzt werden, daß auch die Frage der richterlichen Strafbemessung auf dieser Tagung besprochen werde und daß diese Tagung im Lause der nächsten Jahre stattsinde. Probleme der ländlichen Siedlung ln Srez Israel. Von Ingenieur Hugo Zaloscer, Tel-Mokw. Mit Recht verlangt Herr Mols Bö Ihm, daß die landwirtschaftliche Kolonisation die Basis des Palästinawerkes sein muß. Dies kann nur unter einer Voraussetzung geschehen daß die Landwirtschaft als Erwerbswivtischast betrieben wird. Damit will ich kurz sagen: N a ch Abschluß des o r d e n t* lichen Wirtschaftsjahres mu ß sich in jedem Betriebe, nach Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben, ein Mehr er trag ergeben. Nur in diesem Falle wird die Landwirtschaft den wichtigen Posten in der Aufbauarbeit einnchmen können, und nur unter dieser Voraussetzung — als Erwerbswirtschaft — kann die Landwirtschaft als Stärkung unserer Positionen im Lande gelten. Der landwirtschaftliche Betrieb als Zufchußwirtschaft (Defizi Wirtschaft) ist vom volkswirtschaftlichen Standpunkt ein Absurdum. Der Zustand der Rentabilität der Landwirtschaft ist wohl nicht im ersten Siedlungsjahr zu erreichen, doch ist es ein ganz unglaublicher und für die Dauer unhaltbarer Zustand, daß Siedlungen mchr als 10 Jahre Zuschüsse erfordern. Dadurch droht uns große Gefahr. Erstens, daß das Vertrauen zur Landwirtschaft erschüttert wird, und eine Flucht vom Laude in die Stadt erfolgt, zweitens ist es unmöglich für die Landwirtschaft Kredite zu erhalten. Um aus diesem Zustand herauszukommen, wird mit Recht eine Konsolidierungsarbeit verlangt, die wieder große Summen erfordert. Doch fürchte ich, daß mit Geld allein die Landwirtschaft nicht gesund gemacht wird, denn das Materielle ist nur ein Faktor von mehreren. Zum.besseren Verständnis des Gesagten will ich ein Beispiel anführen: Wie kann die Kwuzah von Merchavja konsolidiert tverden, wenn sie in sich noch nicht konsolidiert ist? Ich weiß ans ganz sicherer Quelle, daß eine große Anzahl Mitglieder dieser Kwuzah Mitiqljeder des Moschaw Nahalal Beth sind, und nur den Moment abwarten, die Kwuzah zu verlassen. -Es werden dann wieder neue Mitglieder kommen, die dann natürlicherweise nicht für die Arbeit ihrer Vorgänger verantwortlich sind. In einem großen Teil der Siedlungen hängt die Konsolidierung hauptsächlich von der Bodenfrage ab. Im allgemeinen ist dieser Zustand der Siedlungen dadurch entstanden, daß in den letzten Jahren eine ländliche Kolonisation getrieben wurde, die ich als eine wilde bezeichnen möchte. Ohne reis durchdachte Pläne wurde gesiedelt, und die Siedler waren sich nicht klar, tvo und wie sie ihren Betrieb fundieren werden. Es gab deshalb einen ununterbrochenen Wechsel der Kräfte. So entsteht plötzlich ein Plan, in Beth Mfa eine Zuchtstation für Rassevieh zu errichten, der aberglaube ich, noch rechtzeitig gefallen ist: so erfolgt die Teilung in En Charod und Tel -Josef, die ursprünglich ein Betrieb waren, ans rein persönlichen und politischen Motiven. Hiezu kommen noch natürliche Ursachen von außen; Geldmangel, Wassermangel, Malaria usw., und die jungen Wirtschaften werden schon im Anfang ganz aus der ordnungsgemäßen Entwicklung gebracht. Und während sich in den Moschaw, loiie Nahalal, Kfar Jecheskiel, Ben Schemen, wo doch irgend ein Plan vorhanden war, der Kolonist mit seinen 70 bis 100 Dunam schließlich zurechtfindet und seine Wirtschaft in Ordnung bringt, so sehen wir besonders in den großen Ktvuzoch noch ein zielloses Arbeiten. Sie halben noch nach vier Jahren keine Einteilung der Felder, käme Fruchtfolge. Es wird Getreide ans Getreide gebaut. In En Charod wurde zum Beispiel ans 30g Dunam 32 bis 35 Kilogramm Weizen pro Dunam geerntet, also 350 Kilogramm Weizen pro Hektar. Die Fundierung ^Konsolidierung) der bestehenden Betriebe ist notwendig und muß erfolgen, damit endlich im Lande Erwerb swivtschaften entstehen, aber das ist nicht nur von der Geldfrage abhängig. Mit Geld allein ohne andere durchgroifeude Maßnahmen kann eine Gesundung lder Be-- triebe nicht erzielt werben. Es muß eine gründliche fachliche Revision der Arbeit vorgenommen werden, und es kann nicht das Postulat als gültig betrachtet werden, daß alles Vorhandene in unveränderter Form weiterbestehen muß. EM totgeborenes Kind kann kein Arzt wieder znm Leben erwecken', noch weniger die ^Umst des Pfuschers. Es wurde in >den 36 vergangenen Jahren zu den verschiedensten Zwecken kolonisiert. Aus Philanthropie, um der Weit zu zeigen, daß auch Juden den Boden bearbeiten, um soziale Fragen zu lösen, aus A g i r a t i o n s g rü n d e u usiv. Leider schein: es, daß zum Zwecke der Schaffung gut fundieuer Existenzen bis jetzt nicht kolonisiert wurde. Der Kolonist erhielt meistennur das Minimum cm Mitteln und