Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2356 (12.9.1925)
- Date
- 1925-09-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Lznomra fjPoJen^aOjio»£jJ Wi en: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder M einer Versehleisstelfe rrw«k) monatl. 5 ScWIHng strassenverkaut in W i en durch die Kolporteure der Firma Gold schmied, I.. Wollzeile 11 MK Postversand für Wien trmJ Oesterreich monatlich 5 Schilling Ts checho-Slowakei: Mon, K22. Jugoslawien: Mon.Din.60, Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nacbcaldniiiten bei Preis« erhOboBften Vorbehalten Sir. 2356 orgenseitung Eng I a n d: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 17VLei. Bulgarien Mcm.lOOLewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborsir. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerei lg. Steinmann) Wie». Samstag, 12. September 1925 Oesterreichisches Postspar- Hassen-Konto Nr. 150.693 7. gabrgaug HffUSERVERWALTUNGEN VERWALTUNGSREVISION6N übernimmt 'wl Berliner Bank für Handel u. Grundbesitz AG. Berlin C 2, Kaiser Wilhelmslr. 56 (Ecke Spandauerstr. 9) Tel.: Mercur 233o/6, 2595 6, 1876-7 Bank des organisierten Berliner Hausbesitzes Itiimobilicnnbteilung/Sämtl.Bauktransaktionen / Hypothekenabteilung Berlin, Chnrlottenburg, Joochlmsthoientr. 41 1 Minute vom Bahnhof Zoo ntttt-Restaurant I. Ranges Unter Aufsicht des Rabbinats der Jüdischen Oemeinde und des Hamburger Vereines Vorzügliche Wiener Küche 1106 Mäßige Preise Ireffnunkt der jüdischen Welt Erststeiiige Hypotheken vermittelt ohne Kostenvorsdrau für gnte Mteth&u«er im Deutschen Reich 1114 bullsebalt für firondsUiGks- und Bau-Interessenten ui. b. H. Berlin W 62, Kurtfirsteiutr. 123 / Tel, Kurfürst 0889 n. 5784 Sie Entscheidung über die Wirt« schastssordernnse» Sefteneichs aus Dezember verschoben. '(Ggendienist der „Wiener Morgeuzeituug".) Genf, 11. September. Das österreichische Komitee des Mllerbundrates hat heute unter dem Vorsitz des britischen Außenmiwsters Chamberlain beschlossen, den von Profeffor R i st und Mr. L a y t o u erstatteten Expertenbericht über die »virtschaftkliche Lage Oesterreichs dem ständigen Wirtschaftskomitee zur Begutachtung Zu unterbreiten. Hierzu verlautet, daß insbesondere Scialoja, Dr. B e n e s ch und L o u ch e u r in die Debatte eingrrffen, die sämtlich, und zwar besonders der italienische Delegierte, sich bereit erklärten, den wirtschaftlichen Schwierigkeiten Oesterreichs nach Möglichkeit abzuhelfen. Sie verhehlten jedoch nicht, daß die Nachbarländer Oesterreichs ebenfalls mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten ähnlicher Art zu kämpfen Hattert und daß es infolgedessen nicht leicht sei, einen Weg zur Abhilfe zu finden. In diesern Sinne formulierten alle Redner zahlreiche Bedenken gegen die von Oesterreich gewünschten Zoll- und Berk e h r s e r l e i ch t e r u n g e n. Darauf stellte Loucheur den Antrag, das Wirtschaftskomitee des Völkerbundes mit einer neuerlichen Untersuchung über das Problem zu beaustragen. Chambevlaiu schloß sich dieser Auffassung an. Die Nachbarstaaten Oesterreichs sollen das Problem der Zoll- und Verkehrserleichterungen neuerlich studieren und dem Wirtschastskomitee des Völkerbundes Vorschläge' machen. Das Wirtschastskomitee soll dam: bis zur Dez e m vertag u u g des Rates mit positiven Anträgen an den Völkerbundrat herantreten. (Chamberlain verläßt Genf. Genf, 11. Septewber. (Del.-Komp.) Morgett abends verläßt der englische Außerunmister Chamberlain Genf. Er dürfte während der Völkerbundtagung voraussichtlich nicht mehr zurückkehren. Seme Vertretung in der Führung der englischen Delegation übernimmt Lord Robert Ce eil. Re kinladung Deutschlands. Italien verzögert die Absendung der Not«. Genf, 11. September. (Tel.-Komp.) Die Abfendnng der Einladung zur Sicherheitskonferenz, die gestern abends bereits von Briand unterzeichnet war, ist im letzten Augenblick durch italienischen Eius P r u ch verhindert worden. Der italienische Delegierte Grand: ist mit der Note nach Ron: gereist, u<m sie dem italienischen Mnisterpräsidenten Mussolini vorzulegen. Nach der Gonehlniguug durch Mussolini soll die Rote dann sofort nach Berlin gesendet werdest. Lord Plumer an Sir Herbert Samuel (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 10. September. Der Oberkommissär von Palästina, Lord Plumer, richtete an seinen Vorgänger, Sir Herbert Samuel, anläßlich deffen Ernennung zum Präsidenten der englischen Kohlenkommission ein herzlich gehaltenes Glückwunschtelegramm, in welchem es unter anderem heißt: Diese Ehrung Sir Samuels werde als ein Kompliment für Palästina betrachtet, wo Sir Herbert Samuel so erfolgreich gewirkt habe. Dev Oberkommissär in Transjovdariicn. London, 11. Septentber. (Tel.-Komp.) Der englische Obevkommiffär in Palästina, Lord Plumer, ist im Flugzeug nach Trausjordanien abgereist. Dar Werk der Völkerbundes. Genf, 11. September. (Tel.-Komp.) In her heutigen Vollversammlung des Völkerbundes gestaltete der französische Delegierte Paul Boncour seine Rede zu einer glänzenden Verteidigung des Werkes der letzten VölkerbuudvevsantmlmlH, des Genfer Protokolls, und führte aus, daß auch das jetzt eingeschlagene Verfahren, durch Sichevheitsverträge mit den hauptsächlich int>eressierten Völkern zum Frieden zu gelangen, -auf dent Grundgedanken des Genfer Protokolls basiere. Aber die Universalität der. Gefahr, die uns bedroht, «wird früher oder später auch zu einer Universalität der Abwehrmittel führen. Und wenn wir nicht eines Tages in diesem kleinen Europa den Kanonendonner von fernher widerhal.len hören wollen, so loerden wir an die Universalität des Genfer Friedensprotokolls noch zurückdenken uvMn.« .... -- Man müsse, schloß Boncour, mit den Vorder e itu n g e n zur Abrüstung aber schon jetzt beginnen, nicht nur weil die öffentliche Meinung der Welt diese erlvarbe, sondern auch, weil die Frage überaus kompliziert sei und es n i ch t genüge, nur das Zauberwort „Abrüstung" auszufpre chen. Im weiteren Verlauf der Sitzung sprachen dann M o t t a (Schweiz), S k r z y n s k i (Polen), T s ch a it= Hasin-Tschi (China) und Mobrinkel (Norwegen). _ Die Kolonialkriege. Die Offensive in Marokko. tEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 11. September. Mch 24stündiger Artillerievorbereitung an der ganzen Westfront in der Breite von Njara bis Ain Ai sch a begann heute der französische Angriff auf beide Flügel der Uergha-Front, um die alten Linien wieder zu erlangen. Die Rifkabylen fetzen ihre Angriffe auf Tetuan fort. Alle Versuche der Spanier, gegen Ajdir vorzumarschieren, sind gescheitert, da die Kabylen die Höhenzjüge zioischen Alhuoemas und A-jdir stark befestigt halben. Der KnmPf der Drusen. Paris, 11. September. (Havas.) Wie Chicago Tribüne" aus Esra meldet, ist Sucjda von .den Eingeborenen vollständig geräumt worden. Lange Kamelkarawanen, die Frauen und Kinder transportieren, ziehen nach dem Süden und Westen. Die Druse-rrkrieger setzen aber noch den Angriff gegen die in der Zitadelle eingefchlosseuen 700 französischetr Soldaten fort. El Atrach 'hat von Damaskus die pauislaut itische Hilfe angefordevt. Der Sultan erklärte: Wir sind uns darüber klar, daß wir im Gebirge bis auf den letzten Mann zu kämpfen haben. Die Stinner-Kredlle. Berlin, 11. September. (Teil.-Komp.) Jur Hauptausschuß des preußischen Landtages gab heute der preußische Finanzntinister Aufschlüsse über die S t i >nne s - Kred it e. Der Minister erklärte, die von der Preußischen Staatsbank an die StinnesMnternehmnitgeu gegebenett Kredite seien nicht etwa zur Verfügung gestellt worden, um der Familie Stinnes zu helfen, sondern sie wurden int vollen Einvernehmen mit dent gesamten Staatsministerimn gewährt, »ui: 'bei der Liquidierung des Stittues-Konzerns u nnötige Erschütterungen in der Wirtschaft zu vermeiden. HoustonStewaltChümberlain. — y. SB i e n, 12. September. Houston Stewart Chaln/berlain, einer der gefftigen Begründer des völkisch-germattisch-arischen Rassendfchuugels, ist 70 Jahre alt geworden. Vmt seinen „Grundlagen des neunzchnten Jahrhunderts" »veiß die wissenschaftliche Welt nichts mehr. Die Sensation, die dieses zweibändige Buch, das als Anfang eines großen kulturpolitischen Werkes gedacht war, vor zirka 30 Iahrett erregte, ist längst Vovbei. Mer es läßt sich nicht leugnen, daß es seinen Zweck erfüllt hat. Die deutsche bürgerliche Jugend ist in dert Lehre»: Chamberlains an den deutschen Hochschulen erzogen worden und die galtze geistige Entwicklung, die die politische so unheilvoll beeinflußt hat, ist durch dieses Werk eingeleitet und auch bis zu einem sehr großen Teil fundiert wordert. Die völkischen Kreise des deutschen Volkes haben allen Grund, Chamberlains Geburtstag zu feiern und in öffentlichen Aufrufen zu einer verschleierte»: Sammlung für den Schriftsteller aufzufordern, der, von Paralyse befallen, als menschliches Wrack seine Tage in Bayreuth verbringe»: rnuß. Chamberlair: hat die Lehre von der Ueberwertigkeit der blonden, germanischen Rasse gepredigt. Diese Doktrin war auch zu seiner Zeit nicht neu, und was er zu sagen »vußte, hatte lange vor ihm der Franzose Graf Gobinoau genau so falsch, aber doch rnit gallischem Schwung vorgetragen. Chamberlain, ein Engländer von Geburt, hat sich um die Verbreiterung und Vertiefung der arisch-germanischen Rassenideen bemüht. Dieser Sohn eines englischen Adntivals ist überdeutsch, der Typus des eifrigen Assimilanten. Er hat dem Germanentum, .das schlechthin mit allen Tugenden, allen »mr erdenklichen Vorzügen und Kräften ausgestattet ist, als Kontrast die semitische Rasse gegenübergestellt, die er »nit allen Fehlern und Lastern behängt. Die Vertreter dieser von Chatnbevlain geächteten Menschengruppe sind die Juden, semitische Nomadenborden, die von Palästina a»:s in die Welt vorgedrungen sind und als Träger alles Schlechten zu gelten haben. Sie sirrd phantasielos und innner mtr auf das Materielle eingestellt. Ideale Vorstellungen, Ehrfurcht vor geistiger Leistu»rg, vor Autorität und staatlicher Organffaüon sind ihnen fre»nd und ihr Eintritt in die Geschichte des AbeMandes ist »tach Chamberlain ein sehr unheilvolles Ereignis geivesen. Charriberlain sagt.das alles freilich nicht aus sich selbst heraus, wie denn in seinen „Grundlagen" überhaupt nur wenig Eigenes, Selbstgedachtes zu finden ist. Er fft ein Dilettant — er selbst nennt sich so —, der mit viel Gründlichkeit, Fleiß und Eifer den Inhalt einer riesigen Zitatensarnmlung durch Sätze in deutscher Sprache zu einem Buch verbindet. Was er der jüdischen Bibel und dem übrigen jüdischen Schrifttum e»rtnim»nt, ist willkürlich aus den: Zusammenhcutg gerissen, entstellt, falsch übersetzt, da ja der Mann von der hebräischen Drache keine Ahnung hat. Die antisemitische Literatur ist ja auf die Weise entstanden, daß irgend jernand eine faustdicke Lüge erfindet, die der nächste Abschreiber aus seiner eigenen Phantasie vermehrt. Ein Glied reiht sich an das andere und so ergibt sich das schöne Bild von heute, daß Idioten, die »ücht einntal ihre deutsche VLuttersprache beherrschen, mit Tallnud und Schulchan Aruch treMch Bescheid zu wissen Vorgebvn. Das Buch Chamberlains wurde von der vorurteilsfreien Wissenschaft abgelehnt. Die Kritik war ein scharfes Urteil gege»: den allzu bedenkenlosen Dilettant«»:, und so wäre auch das Buch nach kurzer Zeit entschluntmert, wenn es »ücht durch eine Hunderttausendrnarkspende eines ungenannt sein Wollenden namens Kaiser Wilhelm der Äveite in die Bollsbibliotheken .des gesamte»: deutschen Sprachbereiches gelangt wäre. Ob er das Geld aus seiner Kasse gegeben hat, ist unbekannt. Es wäre ein hlübscher Zug der Ironie der Geschichte, lven»: ein Ballin oder Cassel oder Mertdelssohn, einer der Mischen „Freunde" Wilheltns angezapft wovden lväre. Den hochgeschraubten Hoffmtngen des Kaisers, der .der Zar aller Gerntaneit iverden wollte, uv: dann das Weltimperium an sich zu bringen, gaben Cha»»»berlains Doktrinen Farbe und Gerüst. Lohengrm u»:d Gral »var da in einem beisamme»t, Walhall schitn- »»»erte d»trch den Nebel der WeltPolitck, Thors Hamnter lag wurfbereit. Es war nur nötig, den Massen die Ase« . .**.:*■ ä-»m/ MNNW