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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-11 · Heft 2355 (11.9.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2355 (11.9.1925)
Date
1925-09-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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w Wf -kr. SM Wen, HMag *m . ..- .... i n—i. iw.. .... Wiener Morgenzettung Bühne und Kunst. Me «ekme'r-Fe'er de» Stualljeatm. Der Verlauf der Bormrttagsvorfeier. — Die Festschrift. Anläßlich des vierzigjährigen Buvgcheat-er-jnbilLnms Gsavg Reimers' fand gostevn ÄS Vorfeier im Burgkheater eine Vormittagsfeier statt, welche einen wirklich erhobeimen Verlauf nahm. Als der Vorhang hoch ging, bot sich dem dichtgeM-ten Hause ein eindrucksvolles Bild dar. Im Hintergrund der großen, reich geschmückten Burgtheaterbühne befand sich die illuistve Schar der Philharmoniker und des Wiener Minnergesarvgveveins. Auf der Bühne selbst saßen zur rechten Hand die Vertreter der Behörden und Korporationen, zur linken die Künstlerinnen des Burgcheaters, während die männikichen Mitglieder des Ensembles hinter den Damen Ausstellung genommen hatten. Unter Hochrufen wurde Georg Reimers zu seinem Ehrenplatz geleitet. Die Feier begann mit dem «unvergleichlichen Vortrag von Beethovens Eg-lnond-Quvertüre durch das Philharmonische Orchester unter Schalks Leitung, worauf der Wiener Mä nn e rge sangv ere r n, von den Philharmonikern begleitet, Schubert--Lifzts „Die Allmacht" sang (Solo: Frau Msa Elizza, .Orgelspiöl Georg Baller). Damr folgte eine Reihe van Ansprachen, welche Direktor H e rterich evöffnete. Er l>ob die Treiue des Jubilars hervor, welche er auch in -den ischwevsten Zerttn -dem BuvgÜMtor bewahrt halbe, und -erinnerte an August-e Wiildbrandt-Baud i u s und an D e v >r «i e n t, welche gemeinsam mit Georg Reimers die Säulen des BaygLheaterensembles noch aus der Glanzzeit har bilden. Die Nennung dieser beiden Namen löste eine Ovation für die «beiden Künstler aus und Reimers küßte Frau Wildbrandt, die ihren Platz neben chm hatte, die Hand. Die Grüße der Univevsitüt Wien überbrachte Rektor Sperl und die der ,-Concordia" «in einer sehr eindrucksvollen R-ede Herr Dr. Weng ras. Bürgermeister 2-eitz hob hervor, daß nach den Buchstaben des Gesetzes das Burgtheater wohl den: Staate gehöre, -daß man es aber mit Fug und Recht als einen stolzen Besitz von Wien betrachten dürfe. Der Gemeinderat der Stadt Wien werde Georg Renners sofort 'beim Zusammentritt nach den Sommerferien zum Bürger von Wiien ernennen. <Stü-rmischar Beifall.) Es sprachen ferner Dr. Karl Hans Strobl namens der Deutschösterreichischen Schrifi.flellergenossenchaft, Prof. Goltzfür die Genossenschaft der bildenden Künste, Dr. Krükl für -den Wiener Mannergesangverein, Schulrat Soser fiir den Schubert-Bund, Magister N -i ß für die Unwevsitätssängerschast, Gustav Rickelt für die Ge-nossenscha-ft deutscher Bühne-nangehöriger, ein Abgesandter der Bühnenangehövigen der tschechoslowakischen Republik, ein Vertreter -der Gesellschaft der Autoren uud Komponisten, und Prof. Hammer, der Vorstand des deutschen Scheffel-iBuiides, welcher Hern: Reimers ein Festgedicht von Scheffel überreichte, das „per Radio aus dem Jenseits eingelangt fei". Dann folgten zahlreiche Ansprachen von Schauspielerdeputationen. Schr launig war die Rede des Präsidenten des Bühneuveveins, Ludwig Stär'k, der dem Jubilar kostbare Kristallgläser überreichte und eines Davon aus Anlaß des Festtages zerschlug. Er holte also gleich aus feiner Fracktasche ein anderes Glas heraus. Der zerschlagene „Wein-Pokal" gehörte nicht zu der kostbaren Garnitur, war violutchr ein richtiger „Theaterpokal", nnd der gelungene Spaß erregte große Heiterkeit. Sie Wug «in Rühen n-g um, als S t ra ß m e i e r, der Mt--Wiener Meister, den: Jubilar sein Bild überreichte und ihn bat, cS änznbbicken, tvonn Straß meier am nächsten Reimcrs- JM-iä'Uin, vielloich«t nicht mehr werde teiln-chmerl können. Buvgschauspieler Z e s k a kanr als Hamburger Junge nnd überbrachte in gereimtem Plattideutsch Georg Reiniers den Festgruß seiner Vaterstadt, Direktor Beer wünschte, Reimers möge cs sich ja nicht einfallen «lassen, Theatevdirvktor zu werden, und llvgeluugen war das Festgedicht, welches Frau Hansi Nies e Vovtrug. Auch Herr D e v r -i e n t, der Oberregisseur des Buvgtherters, beglückwünschte de:: Kollegen in gebundener Sprache. Alle Gratulanten hatten Festgäben überreicht. Reimers dankte «tief gerührt. Als er das erste Mal im alten Burgtheater awf-getvelen fei, habe er die Aufreguing meistern können. Heute sei ihm dies nicht möglich. Er b-i-tte daher, sich mit kurzen Dankesworten zu begnügen. Dann trug «der Mätntevgesangverein als Abschluß der Feier «den Strauß- Walzer .Mein, Weib und Gesang" unter der Leibung Prof. Kchldovfers vor. Als der letzte Ton verklang, er!hob sich das Publikum zu einer langdau-ernden Ovation für Georg Reimers. Die Feier währte drei Stunden. * Aus Anlaß des R->ianers-JMlänms ovschien eine eigenartige Festschrift im Re-inhow»Verlag, Wien-Berlin. Eine große Zahl «von Schriftstellern und Dheaterkritikern hatte «über Einladung der Burgthvaterdirektoveu Beiträge geschrieben, welche handschriftlich in denr schön auSgestatteten Bäuvchen enthalten sind. Der Buvgbheaterrefevent der „Wiener Morgenzeitn-ng" stsuerte folgenden Glücktvunsch bei: In Molnars .Schwan" gostal-tet Georg Reimers einen Priester, der den Erzicher seiner Neffen beobachtet. Der junge Mensch gefällt ihm, er streckt ihm die Hand hin «nnd sagt: „Servus". Niemals hörte ich dieses Wort so freudig, so warm, so scharmant, «so „summarisch" ausfpvochen. Es war -bestimmt Nicht bloß die reitst Knnst, di«e uuvevgloichltche Anmut des Schauspielers, die mir die «Keine Szene unvergeßlich macht«. Ein Herz offenbarte sich, ein Mensch öhne Harni, einer, der die Guten uud (Mi'ch) Tapferen li^bt, in Hoitevkoit die Jahre Pflückt uud herrlich «jung bleibt. Gin glücklicher Tag des Bura-jheaterS, an dem es dl«esen glücklichen Meister feiern darf. OttoAbeles. Die Festschrift, welche reich illustriert ist, dient einem wichtigen Fürsorge-weck. Der volle Reinertrag fließt nämlich dem humanitären Fonds -des Burgcheaters zu. Mitteilungen aus Sem Publikum. Dr. SSdtr in feiner „GeinnShkilsleljre" f Für Kinder, Genesende oder Leute mit schwacher Verdauung gibt \ l es kaum eine nahrhaftere Sveise als das Fleisch der Fische J ffiggflfffio Kabltau), Seelact s grätenlos, zu jeder Tageszeit ' ' 9 buitfrisch, lebende Karpfen täglich frisch aebackener Kabltau. täglich frisch geräucherte neue Heringe, nette ftttlfei*, neue Salzu. Matjesheringe, neue Roliherinae.Oeljardinen. Sardellen- Produkte, Kivveredberinge Makrelenfilet» tn Oel re., nur Qualitätsware, in den Filiale« dar Deutschen DaMtzfflscherei r"lö£U|C" Sent a s Man. XX.. Rordweftbadnktof WiaOtir sw nattan Orig. (ras;. Zlaaretlanpaplsr JOB 0 u r e a u: WIm, füll. Skodafsssn 19/? KALIS SHAMPOON UND RASICRSEIPENPULVER aus Kali-Seite, elmig in Ihre» Ar» Wr.-NeuifÄdfer dient. Induitrie A.-Cl, Wien,!., Parkring 4 Vertrotar im tn. und Auslände gesucht» 102b Macha Kauner Verl n Adolf Weininger Wien, II. Verlobte Aus Anlaß des Reiuiers^ubiläums fand gestern eine F est a u ff ü h rung von„D er Richter von Z-ala m e a" statt. Das Haus war dicht gefüllt und bereitete Reimers, der die Titelrolle spielte, st ü r m i -s ch e O v a 1 i o n e n. Nach Schluß der sehr gelungenen Vorstellung hielt Reimers eine kurze, schlichte Ansprache, in welcher er sagte: „Ich habe das Ge-ffchl, daß ich noch einige Jahre leben werde. Bewahren Sie -mir, verehrtes Publikum, Ihre Liebe und Wertschätzung." Tos Publikmn blieb auf den Sitzen, bis «der eiserne Vorhang fiel. Aus den Theatern. Burgtheater: Morgen, halb 8 Uhr, „Ein idealer Gatte". A k a d e m i -e i h.e a t er: Morgen „Der Ze-rrissene". -Opcrn-thea ter: Morgen, halb 8 Uhr, „Manon". R-edouienf-aa l: Morgen, halb 6 Uhr, „Die Ent- -führnug ai'.'s -donl Serail". B o l -k s o p e r: Morgen „Bettelstudent". Theater in der Josef-stadt: In Vorbervitung «steht „Herr Brotenncan", Ko-mödie «von Robert De Flers und G. A. de Caillavet, deutsch von Julius El«ias, mit Richard Romanowsky in der Titelrolle. R a «i m lt nd - T h e -a t e r: Mittwoch -den 1-0. ,d. findet die Erftanffnhru-n-g des chinesischen Spieles „Der Ä-reidekreis" von Klaibnnd statt. Re n-ais-sa nc cb-üh ne: Das neueste Merk von Lnigi Pirandello ,/Der Ma-nn, das Tier und die Tu-gsnÄ" gelangt Dionsl-ag -den 15. d. zur ErstaNffii-hru-ng. Johann-Strautz-Feier im Theater an der Wien. Als Ei-n-ieit.nng zn den Fe-stlichkoiten, -die -anläßlich des Geburts- -t-ages Johann S-trauß' geplant -siud, ^findet im Theater an der -Wien Atttt-woch den 23. d. eine Festvorstellnn-g -statt. Zur Anfsühvn-ng gelaugt die Operette „Wiener Blut". In dieser Vorstellung itucrbcu nach längerer Pause Luise Kartousch und Ernst T -a -u t -e n h a y n gemeinsam nvit Betty F i s ch «e r und Hu-ber-t Marisch-ka auftrelen. Im zweiten Mt -werden in oi-ner K«onzerteinlagc prominenre Wiener Künstler «Slra-nß-sche Werke zu Gchör «bringen. Sezession. Den Bemühungen der Se-zefsivn ist es gelungen, eine Berlängevung der Abcl-Pann-Aus.stellun-g bis 27. d. zu ermügl-icheu. Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 6 Uhr geöffnet. Als letzter E i ns-eude t er m t n für die Her bstausstellu-ng mit allgemeiner Beteiligung wurde -der 21. d. sestgesetzt. Renaissauee-Bühne. Haust Niese feierie gesteru wieder in Armin Friedttl-anus -Konrödie „M e l -n M a u n, der große Kü«nstier" -große Triumphe. Das Stück wil-rde >mt vollem Erfolg in den -diesjährigen Spiel-plan der R-euaissa-uee-Btthne wieder aufgenonunen und die Erstansführung erfreute sich zehr starkes -Besuches. Kunstausstellungen. Bei der B-uk-u m.A.-G. (Hugo Heller u. Co. -auf dem Bauernmarkt) Mar Lieber mann, Graphik und Handzeich»rnu«gen — Im Änmstsalon W -u «r t h t e («Welyb«u-rgggsse 9) Bilder «und Han-dzoichtumften von Jo-es Gaßler; imi Graphischni Kabinett K -a r i k a t u r e -n aus dein -Jahre 1M8. Eine Orgel aus Konservenbüchsen hat vor Engländer Thomas D-i xou in «den Mußestunden von 20 langen Jahren geibaut. Die Londoner Blätter beischäfti-geu sich mit dudler Wunder-leiftttng rlNd rühnteu der mevkfvürdi-geu Orgel seltenen Wohlklang tt-ach. Serichtrsaal. Der Fall Pruscha. Dem Verteidiger der Franziska Prnfcha. Dr. Richard Preßbnr-ger, wurde die neuerliche Ankla-ae gegen seine Klientin eingolstindigt. die neuerlich ans Vorsatziicheu Mord lautet. Die Bechaitdlung dürste m «der zweiten Hälfte Oktober stattfinden. Der Gatttn di« Kehle durchgeschnitten. Bor -dem SMvurgertcht mtter Vorsitz «des Hosr-ates Dr. R amsau er fiiwot heute die Verhandlurrg -geigen den 56-jähri-geir Holzarbeiter Franz Hutterer statt, der in der Deuisgasse im 20. Bezirk seine um 29 Jahre lungere Frau ermordet hat. Der Angeklagte lebte mtt seiner Gattin, die vor der Ehe unter sittenpolizeilicher Kontrolle sdand, unld auch dann noch Beziehungen mit anderett Männern untechalton hat. in stetem Unfrieden. Am 2. April tau es am Morgen zwischen den Eheleuten wieder zu einem heftigen Zank, worauf Hutterer seiner Frau die Kehle durchschnitt und ihr dann mit einer Hacke Schläge ans den Kopf versetzte. Er stellte sich dann selibst der Polizei. Die Anklage in dem Prozeß vertritt Staatsanwalt Dr. Nickerl, Berteldiger ist Dr. Kurt R o «fe n f e t i>. . Wen» geschieden« Ehegatten gemeinsam wohnen. Der Fabrikant Karl W. nnd dessen Frau Marie waren beim Stoas- Bezirksgericht 1 vor dem Bozirksrichter-Dr. N a r; wegen aegen- 11. September 1926 Seite 5 iseitittz'r krasser Mißhandlung ange-klagt. Zwifchcu den. Ehe» gatten, die -seit inchrcren Monaten g es ch jeden, jedoch infolge der Wohnungsnot gezwun-gen sind, in ihrer früheren Wohnung q e m eins a m; u w ohne n, w<:r es nach der Scheidung wiederholt zu Zwistigketteir gekommen, die a-ewöhn -■ ilich in Tätlichkeiten aiiSarleten. Eine kürzlich zwischen ixn Ehegat!en in später Nachtstunde erfolgte Auseinanderisetznng artete beiderseits abermals in Tätlichkeiten aus. Es «gab beiderseits leichte Verletzungen. Wie W. vorgestern vor Gericht erklärte, habe er seit der Scheidung die H ä! l e im Haus, da seine Frau nicht eine Dame, sondern eine wahre Furie sei. Er werde in seiner eigenen Wohnung sehr häufig durch das Vorgehen eine» Zim-m-er-herrn ferner Frau in der Nachtruhe gestört. Als er in der kritischen Nacht den Zimmerherrn, der einen lärmenden B-clsuch hatte, zur R-edc stellte, se: .er von seiner Frau be'schimpit und mißhaltdelt worden. Seine Frau habe ihn erst mit Schlägen ins Gesicht, dann mit Fnß-!tritten regaliert, worauf er zur Abwchr seine Frau gestoßen haben dürfte. Die angeiklagte Ehegattin erllärt«, daß sie seit der Scheidung «in wahres Martyrium durchzumachen habe, daß ihr Mann sie wiederholt beschimpfe und sich tätlich an rhr vergreiife. Nach durchgefnjhrtem Beweisv-er-sahren sprach der lRichter beide Angeklagte frei, da nicht nachgawiescu erschein:, daß die Ehegatten bei der gegenseitigen Mißhandlung auch ,Schäden an 'ihrem 5dörper genommen hätten. Der Prozeß gegen die Wohltätigkeitsschwindler. Die anfangs August vertagte Verhandlung ae-geit die Wöhltärigkeitsfchwindler wurde gösterir vor einem Schöfsenfenat unter dem Vorsitz des Hofmt'es Dr. Wüstinger zu Ende geführt. An der Spitze des Schwindelkonsortiums steht der Filmre-gissenr Alfred Wollek. seine Helfer waren die Filmregisseure Franz Bruckmüliler und Ferdinan-d Mezulianik, der Inhaber eines Versicherungsbureaus Karl K o s i k und der Agent 'Karl Schmidt. Die Betrüger erschlichen bei der steiermärkischen Landesregierung itt Graz die Sammelbewrllignng zugunftelt der Deutschlandhilfe, gründeten einen Landesverband «Sieiermark nnd hatten bald neunzig Millionen Kronen gcfammÄt; davon erhielt der deutsche Gesandte in Wieit nur fünf Millionen, den Rest teilten sie untereinander auf. Im Sommer 19?4 gründeten sic einen neuen Verein unter dem Mamen „Charitas", der angeblich die Errichtung eines Dulber- Mosenheimes in ZcWmauer beziveckte. Dabei verkauften sic Plaketten mit dem Bildnis des Bundeskanzlers Seipel, Leven 'Erlös sie für sich verwendeten. Insbesondere prellten sic so Gemeindevorsteher kleinerer Orte in der Provinz. Die Angelklagten ivaren des Tatsächlichen geständig,.wollten a-ber glauben machen, daß ihre Bestrebungen wegen Errichtung des Tuber- -knlcsenheimes ernst gemeint waren. Das Urteil lautete gegen Karl Schmidt wegen Betruges un-d Bernntreuung.auf z w e -i -Jahre schweren Kerkers, gegen Franz Bruckmüliler auf -Io Monate einfachen Kerkers, gegen Ferdinan-d Mezulianik auf ein Jahr einfachen Kerkers, gegen Alfred Wolle!? auf vier Monate einfachen Kerkers. Karl Kosik wurde freig e i'p r o ch e n, wogegen der Staatsanwalt die Nichtigke'^ bcschwerde ergriff. Volkswirt. Polnische Mrtschßftrwoche. (Bon unserem polnischen M.-S.-Korrespondentetr.) Die Berichtswoche brachte eine weitere Befestigung des Zlotykurses, sie stand jedoch im Zeichen einer Preissteigerung für die wichtigsten Waren und Artikeln, die zum Lebenserhalt notwendig sind. Schon vor dem Zlotyfall war Polen eines der teuersten Länder, der Index betrug gegen 1914 170,9 Prozent, jetzt ist das Verhältnis noch ärger und die letzten Preissteigerungen deuten auf die Verminderung der Kaufkraft des Zloch im Jnlande. Die aus dom Auslande bezogenen Waren weisen natürlich, infolge der Importverbote, die größten Steigerungen auf, jedoch auch die im Laude erzeugte Ware ist bedeutend teuerer geworden. Textilwaren stiegen im Preise um 10 Prozent, Leder um 15 Prozent, der Preis der Kolonialwaren bewegt sich um 20 bis 30 Prozent höher. Etwas schwächer war die Tendenz für Getreide, trotzdem der Export bereits eingesetzt hat und große Mengen ins Ausland befördert werdeik. Die größten Kontingente von Getreide gehen jetzt nach England und Oesterreich, wogegen der Absatz in Deutschland fast zur Gänze ausbleibt. Man hofft jedoch, daß die am 16. d. beginnenden Verhandlungen mit Deutschland eine Klärung der jetzigen Lage bringen werden, da Polen tatsächlich bereit ist, einen Agrar- und Handelsvertrag abzuschließen. Sollte jedoch Deutschland den Handelsvertragsverhandlungen eine politische Note aufdrängen wollen, so wird Polen dagegen entschieden protestieren und von den Verhandlungen abireten. Nur auf einer rein wirtschaftlichen Basis kann heute ein Handelsvertrag durch Polen abgeschlossen werden.- Dies ist auch zweifellos der richtigste Standpunkt, beide Länder sind im kleineren oder größeren Aiatze auf sich angewiesen. und nach dem jetzigen Stand der Dinge haben es beide nötig, einander Konzessionen zu machen. Am 4. d. hielt der Aufsichtsrat der Bank Polski eine Sitzung ab. Die Lage wurde als viel günstiger geschildert, und man ist unentwegt der Hoffnung, daß bereits in der kürzesten Zeit der Zloty seinen früheren Paritätskurs wieder erreichen wird. Die Bank kann zwar heute noch die diversen Krediteinschränkungeu nicht abschaffen, sie sieht jedoch die Not der Industrie und wird bestrebt sein, in einzelnen Fällen schon jetzt eine Erleichterung zuzübilligen. Auch der Bankwelt soll zum ersten Male mit größeren Krediten geholfen werden, damit die Bankwelt ihren Verpflichtungen Nachkommen kann. Außerdem wurde festgestellt, daß vorderhand kein Grund vorliege, um die Absicht, die B a n k r a t c neuerlich zu erhöhen, zu realisieren, dagegen wurde der Zinsfltß bei den achtprozeutigen Schatzscheinen von neun auf zehn Prozent erhöht. Trotzdem gewöhnlich nach dem Ersten eine stärkere Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln zu verzeichnen ist, konnte diesmal der entgegengesetzte Fall verzeichnet werden. Seit einigen Tagen übersteigt das Anbot die Nachfrage und die Notierungen für ausländische Valuten gehen langsam zurück. Ter Dollar erreichte vorübergehend den Tiefstand von 6,40, um sich dann langsam auf 6,58 Zloty zu erhöhen. Aeutzerst lähmend wirkt jedoch auf das Wirtschaftäleben der ungeheure Geldmangel, der dazu führt, daß zum Beispiel in Lodz die Arbeiter ibre Löhne in Ware ansbezahlt bekommen Der andauernde Geldmarigel ist auch der Hanprprund. warum

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