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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-11 · Heft 2355 (11.9.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2355 (11.9.1925)
Date
1925-09-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Wien: Zum Abholen in der Expedition, IL, Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelic (Trafik) raonatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmicd. 1., Wollzeile 11 Mtt Postversand für Wien 'und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho- Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Prell. erhShangen Vorbehalten Wiener iftrals 20 ul England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien Mon.lOOLewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlicn Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D.uckerei lg. Steinmann) Oesterrcichischcs Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 St. 2358 Me«. Freitag. 11. September 1925 7. Jahrgang Sine syrische Nationalregierung? London, 10. September. (Reuter.) „Times" melden; aus Beirut, daß Schabandar, der Führer der Nationalisten und Präsident der Volkspartei, der bei dem UeberfallaufDamaskus verschwand, im Dschebel Drus am 6. d. mit seinem Sekretär und anderen hervorragenden Mitgliedern der Partei cingetroffcn ist, wo er die syrische Nationalregierung proklamierte. Der „Times"-Berichterstatter erinnert dabei an die Unzuverlässigkeit der Berichte aus drusischer Quelle. Uebcvfällc auf die Wüstenposl. London, 10. September. Das Reutersche Bureau ^Meldet aus Bagdad: Vier Kraftwagen, die Wüsteniran sparte ausführten, wurden etwa 8 0 Meilen von Damaskus angegriffen. Die Kraftwagenführer wurden ihrer Kleidung beraubt, aber nicht verletzt. Die Wagen jedoch wurden schwer beschädigt. Sollten sich neue Ueberfälle ereignen, werden die Wüstentransporte über die Amman-Route geleitet werden. Re Konferenz für kinwanbermigsschütz. Genf, 10. September. (Schweig. Dep.-Ag.) Am 8. awtb 0. d. fand in Genf die internationale Konferenz der privaten Organisationen für den Ein- und AuLi-vandeverschutz statt, Der Konferenz wohnten etwa 16 Delegierte bei, die 40 internationale und nationale Organisationen vertraten. Auch jüdische Organisationen toaren vertreten. Zur Behandlung gelangte in erster Linie die Frage der Beziehungen zwischen den privaten E i uu n d A u swandererf.chutzverbäuden und dem internationalen Arbeitsamt. Es wurde ein füufzehiigliedriges Exekutivkomitee ernannt, das beauftragt wird, die nächste Konferenz vorzubereiten, die in etwa drei bis vier Monaten stattfinden soll. Sitz des Exekutivkomitees und dessen Sekretariats werden vorläufig Genf sein. khamberlain für die geistige Abrüstung. Weitere arabische Petitionen an Lord Plumer. Jerusalem, 9. September. (I. T. A.) Der neue Obcr- Lommisiär von Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, wird, seit er in Palästina eingetroffen ist, von Petitionen der Araber überschüttet. (Eine dieser Petitionen, welche die Entfernung der jüdischen Beamten verlangt, haben wir gestern wiedergegebcn. Die Red.) In einer Petition wird der Oberkommissär üufgefordert, einer Anzahl junger Araber, die wegen antrenglischev und antizionistischer Umtriebe teils in Untersuchungshaft, teils bereits verurteilt sind, A m n e st i e zu gewähren. Die Petition ist von den Mitgliedern der palästinensisch-arabischen Exekutive unterzeichnet. V In einer weiteren Petition der arabischen Exekutive wird Lord Plumer gebeten, bei. dem französischen Oberkommissär für Syrien zu intervenieren, daß mehrere Führer der syrischen Araber, die im Zusammenhang .mit dem Druscnaufstand verhaftet worden sind, befreit werden. Der Oberkommissär hat auf keine dieser Petitionen eine Antwort erteilt. 6itt Sperialbureau des amerikanisch-jüdischen Kongreffe» in Sens. New-Aork, 9. September. Das Exekutivkomitee des Amerikanisch-jüdischen Kongresses hat den Beschluß gefaßt, in Genf, dem Sitze des Völkerbundes, ein ständiges Spezialbureau zu errichten und so lange zu unterhalten, als die ständigen Bureaus des Völkerbundes in Genf bleiben werden. Dieses Bureau wird bezüglich aller die M i n o r i t ä t s r e ch t e oder andere die Rechte der Juden berührenden Fragen mit den in Betracht kommenden Aemtern und Referenten des Völkerbundes ständig Fühlung halten und deren Arbeiten durch Beistcllung authentischer Informationen und Beweismatcrials erleichtern. Dieses amerikanisch-jüdische Bureau, das binnen kürzester Frist eröffnet werden soll, wird mit denr Komitee der jüdischen Delegationen in Paris kooperierend Die Vorarbeiten für die Errichtung dieser wichtigen jüdischen Informationsstelle hat der Präsident des amerikanisch-jüdischen Kongresses, Dr. Stephen Wise, nach eingehenden Konferenzen mit den maßgebenden Stellen in Gens, persönlich durchgeführt. Präsident Dr. Wise wird in der ant 18. Oktober beginnenden Tagung der Delegierten des amerikanisch-jüdischen Kongresses sowohl über diese Angelegenheit wie auch über die Lage der Juden in den verschiedenen europäischen Ländern eingehenden Bericht erstatten. Iie Unentwegten. Budapest, 10. September. (Tel.-Komp.) Die Landesitonfevenz der jüdischen Kultusgememde beschloß, die Frage des Z ionismit 3 von der Tagesordnung zu streichen, da tot Ungarn ke in Boden für den Z ion is mus sei. Der Zionismus sei ein politisches Problem und fetze ein nationales Bekenntnis voraus. Das ungarische Judentum aber 'bekenne sich zürn Ungar tum und könne ein MtionMekomttn'is für den Zionismus nicht ablsgen. Ein Nachruf des britischen Außenministers für das Genfer Protokoll. Genf, 10. September. -(Schweizer. Dep.-Ag.) In der heutigen Vollversammlung, welche die Generaldebatte über den Tätigkeitsbericht fortsetzte, ergriff, nachdem der Delegierte von Paraguay gesprochen hatte, unter großer Spannung, von stürmischen Beifall begrüßt, der britische Außenminister Eyamberlain das Wort, um dem G e nfer Protokoll auch im Schoße der Versammlung einen Nachruf zu halten, wie es seinerzeit im Rate der Fall war. Er legte die Gründe dar, die England zur Ablehnung des Genfer Prot o ko lies bewogen haben. Unser Ziel, sagte er, muß weniger sein, den Verbrecher zu bestrafen als ein V crbreche u zu vorhin d e r n. Es ist unmöglich, einen Pakt zu schaffen, der den Ideen aller Völker gerecht wird, so wenig es einem Schneider möglich ist, ein Kleid zu machen, das allen Leuten paßt. Es wirb schwer halten, für die Zukunft Konventionen aufzustellen, die alle Möglichkeiten erschöpfen, und man muß immer jene Lösungen treffen, die dem Frieden der Welt jeweils am besten entsprechen. Wir unterstützen den Geist, der aus dem Protokoll spricht. Wir wollen den Krieg, wenn vielleicht nicht.unmöglich, so doch schwierig machen. Die moralische Verurteilung eines Angreifers kann in ihren Folgen härter sein als die materielle. F a st noch wichtiger als die technische Abrüstung ist die geistige. Sie ist eine Hanptbedingnng für die Sicherheit. In Besprechung dcö R h e i u p a k t e s betonte Chamberlaiu, daß es sich nicht darum handle, neue Sonderbündnisse zu schließen, sondern durch Verträge zwischen einigen besonders interessierten Staaten zur Festigung des Friedens in Europa und damit in der Welt beizutragen. Der schwedische Außenminister Unden, der sodann das Wort ergriff, schlug der Versammlung folgende Entschließung vor: „Da es von großer Bedeutung wäre, wenn alle Staaten das P r i n z i p d e r obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit für die Regelung der internationalen Konflikte annehmen, so bittet die Versammlung den Rat, die bezüglichen Bestimmungen des von der jüngsten Völkerbundversammlung angenommenen Protokolles einer Sachverständigenkommission zur erneuten Prüfung zu überweisen, um die Verwirklichung dieses Zieles zu erleichtern." (Beifall.) Die Versammlung wird in einer der nächsten Sitzung Über diese Entschließung Beschluß fassen. Die Sicherheitskonferenz. Genf, 10. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Wie die Schweizerische Depesche nagentnr erfährt, wird der französische Minister des Aentzern Br iand in den nächsten Tagen der deutschen Regierung eine Note über den Sicherheitspakt zngehen lassen, welche die Geneigtheit der alliierten Regierungen darlegen wird, an einer Konsc re nz nt it de nts chen Vertreter u zur Besprechung des SicherheitSProblenies teilnehmen. Diese Konferenz wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des Monats Oktober in der Schweiz stattfinden. Die Teilnahme Italiens an der Konferenz scheint gesichert zu sein, wenn auch sein Beitritt zu denr abzuschlie ßendeu Sicherheitspakt ernstlich bezweifelt wird. Staatsnatton und Fremdenrecht. — y. W i e », 11. September. Die Wiener „Reichspoft" läßt sich aus akademischen Kreisen eine Erklärung für das Interesse der Juden an dem möglichst raschen Beitritt Deutschlands zum Völkerbund ins Haus stellen. Die Juden — sagt der Brief — sind zweifellos gemäß der letzten Definition des Palästinamaudates durch die Bölkerbundko rmnission eine Staatsnation im vollen Sitme des Wortes- Es sei daher nm so mehr zu begreifen, warum dem Judentum au dem möglichst raschen Beitritt Deutschlands zum Völkerbund so außerordentlich viel gelegen ist. Das ist die ganze Erklärung. Wir bedauern, nicht mit mehr dienen zu können. Einem gewöhnlich, geradlinig denkenden Gehirn scheint es, als ob zwischen der Tatsache der jüdischen Staatsnation und der Stellung Deutschlands zum Völkerbund nicht der geringste Zusammenhang besteht. Es ist unbestreitbar richtig, daß der Eintritt Deutschlands in die Völkerliga eine unbedingte Voraussetzung für jeden Versuch ist, die politischen und wirtschaftlichen Weltkrisen tu friedlicher Weise zu lösen. Es ist unbestreitbar richtig, daß die Schaffung eines jüdischen autoiwmen Gemeinwesens in Palästina auch für Europa und für die ganze Welt von größter Bedeutung im Sinne der Pazifizierung der Menschheit wäre und daß hiedurch das Verhältnis des jüdischen Volkes zu den anderen Völkern entgiftet werden muß. Beide Fragen aber stehen miteinander in keiner Verbindung. . Die „akademische" Seite, die der „Reichspost" diese Entdeckung berichtet, begreift scheinbar den Zusammenhang auch nicht. Sie schreibt ihn hin, um ihre Konklusionen auf dem Relief der jüdischen Staatsnation deutlicher hevvortreten zu lassen. Sie gehen dahin, daß den Angehörigen der jüdischen Nation im Deutschen Reich logischevweise in Zukunft eine andere Rechtsstellung zuzuweisen sei. Das ist des Pudels Kern. Eine neue Judenordnung von dem Kaliber wie es den Rechtsbolschewiten seit eh . und je vorschwebt, so wie cs in dem famosen Gesetzentwurf vorgesehen ist, den Läe völkischen Judeuenteigner im Vorjahr im preußischen Landtag eingebracht haben. Der Antisemitismus verfolgt seine Ziele aus allen Wegen. Heute mit Pogrom und Boykott, morgen mit Anwendung demokratischer Prinzipien. Wenn die Juden — so geht die Argumentation — sich ein nationalpolitisches Zentrum schaffen wollen, so sind sie damit eine fremde Nation in ihren Wohuländern und können nichts dawider haben, daß sie unter Fremdenrecht gestellt werden. Fremdenrecht heißt in dieser Mentalität das Recht, die Inden auszuweisen, rechtlos zu machen und zu expropriieren. Wenn etwas AehulicheS bezüglich der Deutschen und ihrer Minoritäten in uichtdeutschem Land vorgeschlagen würde, so wäre .das ein Grund, von der Weltberschwörung wider das Deutschtum zu reden. Wie würden Akademiker und Nichtakademiker in der „Reichspost" schreien, wenn die Italiener aus der Tatsache der deutschen nattonalen Bestrebungen in Südtirol den Schluß ziehen würden, den Deutschen sei eine „andere" Rechtsstellung zuzuweisen! Es leben Deutsche in den Vereinigten Staaten, in Südamerika, nicht etwa in Zerstreuung, sondern in großen, vielfach sogar geschlossenen Siedlungen. Sie schließen sich, entsprechend dem in jedem gesunden Volk lebenden Kristallisationsbcdürfnis zusammen. Kann dies jemals den Anlaß bilden, ihre Rechtsstellung einer reformatto in pejus zu unterziehen? Was aber diese Deutschen bei sich als höchstes Unrecht empfinden würden, das soll unbedenklich von Deutschen gegen Juden ängolvendet tverden und das bewußte Mißverständnis bezüglich des Mandates soll den Rechtsgrund liefern. Der Zionismus ist das Streben nach einenr Zentrum. Er ist aber kein Verzicht auf irgend ein Recht. Wir sind Bürger 'der Staates,>-»ln denen wir wohnen, wir tragen alle Pflichten, und wir legen nichts zurück, was wir in. mehr als tausendjährigem Zusammenleben an Bürgerrecht erworben haben. Das ist ein integrierender Bestandteil unseres zionistischen Bekenntnisses. Es ist aber auch im Text der Balsour-Deklaration und im Mandat ausdrücklich gesagt, ,daß aus der Gxistenz einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina U ■QF

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