Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2354 (10.9.1925)
- Date
- 1925-09-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Donnerstag Wiener Mvrgenzeitung 10. September 1925 Nr. 2354 Theater in der I o » e f st ad t. Sonntag findet als erste Nachmittagsvorstellung eine Aufführung von ,K adale und Liebe* statt. Wiener Bürgertheater. Sonntag findet als NachmttagSoorstellung eine Aufführung von „Gräfin Mariza* statt. Lusttpieltheater. Sonntag Uhr nachmittags, gelangt das Schaujp'el ,Die Siebzehn jährigen* von Max Dreher am Erstaufführung. Roland-Bühne. Jnwlge der a,chattenden Zugkraft des dreiaktigen Schwankes .D a s R a d i o b e t t* wurde das Gastsviel Franz G l a w a t s ch' bis Mitte September prolongiert. __ Der Abschiedsabend für Lea Weintranb-Graf, die ausgezeichnete Mische Schauspielerin, tvclche demnächst Wiorr vertäut, um in Paris an der jüdischen Bühne zu wirken, findet he nie im Theater,saal Astoria, 2. Bezirk, Praterstraße 60, statt. Unter den <hervorragen>dcn Kunstkräften, die beiin T>cu«H-* geir Festalbeno mittvirken, sind hervor zulheiben: Konzertsängevm Hilda Dulitzkaja, Fran Maria G >u t t nt -a it it (Raimund-Theater), Oberkantor Gerson M a r g u l i c s, Benzion Sigall (Freie jüdische Volksbühne), Max S t r c n >g (Jüdische Buhne). Beginn 8 Uhr abends. Richard Knbla, der seinerzeit an der Volksopcr als Hebdentenor wirkte, wurde wieder für diese Bühire gewonnen und tritt am 11. d. zum erstell Male in ,Tüsca" auf. »Dill Eulenspiegel" als Pantomime. Max Reinhardts Internationale Pantomnnengasellschafr bealbfichtigt, die symphonische Dichtung „Till Eulonfpiegel" voll 'Richard Strauß für eine Pantomime zu verwenden. Ter Entwurf für die Unterlage der Pantomime stammt von Hugo Hoffman n s t h a t. Fatale Namensgloichheit. Jim Berliner Komödienhaiis ging eine alt-neue Komödie von Georg Kaiser in Szene, die früher einen anderen Namen führte und die jetzt der Autor „Margarine" nennt. Zufällig heißt der Berliner amtliche Sachverständige für Margarine ebenfalls Georg Kaiser. Der in der Berliner Handelskammer vereidigte Margarinefachverständiige erhielt mm anläßlich dieser 'Premiere aus naheliegenden Gründen von verschiedenen Seiten freundliche Wünsche für den guten Erfolg seiner Komödie. Er richtete nun an Georg Kaiser, den Dramatiker, ein Schreiben, m welchem er soirrem Namensvetter mitteilt: „Ich habe die Wünsche mit dem Vorbehalt angenommen, daß ich sie an die richtige Stelle weiter leite, was hierin.it geschieht. Selbstverständlich ist es mir c.iur Pflicht, als gewissenhafter Begutachter der Premiere be i zu woh n e n." Gerichtssaal. Ser HakeukreuzlerAerfall im Stadtpark. „Heute mutz noch Blut fliehen!" Im Zuisammenhange mit dem um 35. Juli s> au gesunkenen HakelEreuzlerübersall im StadtpWk. harte sich gesterik . der Schriftführer des BaterländiDpt Schutzbundes Rudolf Henzel Lei dem Bezirksrichter M Strajsbezirksgcrichles 1, 2r. Narz, wegen Eiumengrtng in eine Amtshandlung zu verantworten. Nach Inhalt einer vom Stadtschutzmann Karl Glase-r erstatteten Anzeige, hatte sich der Beschuldigte anläßlich der Verhaftung mehrerer junger Leute, die sich an dem Ueberfall besonders beteiligt hatten, dadurch bemerkbar,gentacht, daß er wicderhSlt im Tau-tcu Tone ansgernfeii hatte, „Anslassen! Auslassen! Heute muß noch Blut fließen." Der 23jährige AngvklaAe gab an, daß er von Beruf Privatbeamter, derzeit jedoch beschäftigungslos sei. und die Abbeitsloisenuirtevstützuitg bezichc. Nach Vorhalt der Anzeige 'erklärte der Angeklagte, daß er am kritischen Abend in seiner Eigenschaft als Schriftführer des Vaterländischen Schutzbundes zu einer Versammlung in die Elisabethstraße gehen wollte. Vor dem Stadtpark sei er in den Trubel gekommen und habe feinen Weg nicht fortsetzelt können. Vor der Wachstube habe ihm der Sbadtfchutzmann einen Stoß geyoben und „Wörter gchen!" zuigernfen. Er habe darauf die Bemerkung gemacht: „Da geht es ja sehr lustig her, »da wird es bei dom Zionistischen Kongreß Schlachten gelben." Tann sei er arretiert worden. Im übrigen leugnete der Germane Wenzel nach bewährtem Muster alles ab. Der als Zeuge vernommene Städtisch utzmann Glaser gab an, daß den arretiertest Demonstranten eine Menge von ungefähr fünfzig Personen folgte, die stürmisch die Freilassung der Arretierten verlangte. Der Angeklagte sei gleichsam der Rädelsführer der Menge gewesen, und 'habe laut gerufen: „Auslassen, mir stürmen das Wachzimmer! Honte muß ttoch Blut fließen!" Auf Befragen des staatsanwaltschaftil rchen Fun>kt ion ärs<!), ob nicht ein anderer aus der Monge und nicht der Angeklagte diese Rufe ausgestoßen habe, erwiderte der Zeuge, daß auch andere Personen für die FreiLassung der Arrtierten demonstriert hatteit, daß aber der Angeklagte sich b e f o n d e rs he r v o r g e t a n und ganz bestimmt die erwähnten Rufe ausgestoßen habe. Der Richter beschloß bchufs eventueller Altwendung der bedingten B ctiuc teilung, tcu Scuimmib und die Str af - barte des Beschuldigten einzuholen lind zu diesem Zwecke die Verhandlung zu vertage it. Totschlag aus Uebermut. In bei: cr.ftcit Verhandlung vor den Gefchworrnen des Landesgerichtes 1 .ist der 11jährige angoblih^ Kavismann Stephan Fr ankeub e r g er wegen Verbrechens des Totschlages, Betruges, öffentlicher Gewalttätigkeit und gefährlicher Drohung angeklagt. Ten Vorsitz in der Verhandlung führt Hosrat Dr. Czerny. Die Anklageschrift schildert den Fraltkenbevger als Gewohnheitsverbrecher und Gewailttät-er; er ist siebzehn Mal wegen Diebstahls, Betruges und HaisavWleles äbgestraft. Am 5. März lockte der Angeklagte einem Schweizer Kaufmann namens L u tz, der mit ihm zechte, 1800 Schweizer Franken und 200 Reichsmark 4)eraus. Tags darauf verjubelte Franlenberger das herans- 'golixtte Geld; er besuchte auch das Gasthaus Tachu'lenk aut Mittevsteig. bestellte beim Kellner Franz H i e s l mehrere Glas Bier nnd forderte den Kellner zum Zechen auf. Hiesl zeigte sich unwillig, nahm aber doch einen kleinen Schluck. In diesem Moment stieß ihm Frankeübcrger mit der Zechten Hand fein Taschenmesser in den Unterleib, indem er rief: »So mach' ich es» wenn mir jemand etwas tut." Hiesl wankte Mitteilungen aus Dem Publikum. JLüfSt Wieder cu naben | gm ü u » e a U: Dfli.lrai».~ JvP wiM,immmigisM n/8 : OBERBAURAT IN6. J; ROBERT STRICKER : UND FRAU : * teilen allen Verwandten, F r e u n d e n nnd * . B e k a n n t e n m i 1, d a ß d i e ♦ : rmo *o : * ihres Solil.cs : WILLI : * Samstag den 12 September l. 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Soeben erschienen: Reich illustriert, in neuer künstle, isciier Ausstattung IRMA SINGER | Das verschlossene Buch Mit einem Nacl wort von Max B r o d Preis 8 7- Unter jüdischen Kindern, vor leuchtenden Kinderauto» entstanden, werden diese phantasievollen, künstlerisch dar^estelltcu Märchen jedes Kinderherz erfreuen »WWII»»»»W« -- S. Löwit Verlag, (Vien, l. Heisrhmorkt Nr. 1 in die .Küche, wo er znsainmenbrach. Einige Tage darauf starb er. Frantenberger sagte .zur Wirlr», sein öffenos Taschenmesser izeigeud: „Schan'u S', Iran Wirtin, das habe ich jetzt dem Dinkel cinig'rennl, um so oinen Vinkel ist nicht scheid'. Ich geh' ihm noch ein oaar!" Bei seiner Verhaftung bedrohte er -den -Qberwachmmm Joses Hei tu er und mußte auf der Wachstube wegen Widerbtzlichkeit geschlossen werde». Dabei drohte er dem Wachmann: „Senn ich heranskomme, kommst du dran!" Der Angeklagte bcham-ptcl, .zur Zeit der Tat feiner Sinne nichi mächtig gewesen E sein. Die Psychiater bezeichnen ihn als S i m «laute it. Demgegenüber blieb aber der Angeklagte bei feiner Verantwortung, sich an nichts erinnern zn können, weil er völlig bera u sch t gewesen sei. Die Verhandhing wurde erst in später Nachtstunde au Ende geführt. Die Geschwornen erkannten den Angeklagten des Verbrechens des Totschlages und des Betruges einstimmig, der öffentlichen Gewaltätigkeil mir W gegen" 2 Stimmen schnldig, verneinten dagegen die Zusatzuage auf das Verbrechen der gefährlichen Drohung mit 0 St minien. Die Znsatzsrage ans Volltrunkenheit zur Zeii der Tat wmde mit \ 2 öl ein beantwortet. Das Urteil lautete auf fünfe-iuhalb Jahr« schweren Kerkers. SaiutnluuK prclsgrekrttutcr Märchen und Sagen Meraiisj,'cj.;ebcii von der Juijeiidschrdlenkomin.desUO 8'nal B’rith Preis 8 6 — Mit Sorgfalt, Geschmack und tiefem Verständnis aus dein reichen Schatz jüdischer Sagenwelt ausgewählte Märchen und Sagen Die schönste Gabe für jedes jüdische Kind! Volkswirt. Ae mitteleuropäische Mrtfchaftrtagmtg. Tie gestrige Sitzung wurde mit einer Rede des Beraters der Nationalbank Dr. v. Gyn über den ,-Freihandel" eröffnet. Er führte unter anderem aus: Alle Länder möchten gern Freihandel haben, aber keines will einseitig damit beginnen. Für die llnmöglichkeit solchen einseitigen Freihandels wird gern der Vergleich mit der Cnttvafsmmg angeführt. Er ist ^bestechend, aber ganz falsch, denn im Handel bedingt Leistniig eine Gegenleistung. Die Entwaffnung des einen aber erzwingt keineswegs die Entwaffnung des anderen, sondern ist absolut einseitig. Der Prote.klion'ist denk! n»»r an die Geldselte der Frage. Seine Mitbürger im Inlonde und das Ausland sollen seinen Gewinn zahlen. Der Freihändler dagegen begreift, daß Handel ein Austausch von Waren und Diensten, Geld nur ein Zeichen dafür ist. Auf die 'Dauer niüssen sich Einfuhr ttitb Ausfuhr eines Staates die Wage halten, sonst entstehen Schulden. Versperrt jenland durch hol)cn Zoll die Einfuhr fremder Waren, so kann er selbst in anderen Artikeln um so weniger ansführen. Der Protektionismus kann also immer nur zeitweilige Abhilfe ans einem bestiininten Warengebiete bringen. Im Schlußrcsultat verschlechtert er die Zahlungsbilanzen in Waren. Auf Absperrun-gsmaßnahmeu mit Retorsionen antworten, heißt also den Warenaustausch weiter einengen mid sich selbst ins Fleisch schneiden. "Andererseits wirkt and) die Freigabe des Handels durch ein Land ztveiseitig, denn läßt es Waren einiführen, so muß cs zur Zahlung derselben andere aussühren. Es gibt also keinen einseitigen Freihandel, denn die Erlaubnis zur Einfuhr erztoiltgt die Erlaubnis zur Ausfuhr, sonst wäre ja das Eingeführte geschenkt. 'Nachher sprach der Delegierte des Veribandes j>ugoslawischer Sparkassen, Lübomir Kozier, über das „mitteleuropäische Kredit Problem". Er vertritt die Ansicht, daß nur ein int er n ation ales Kred itsystem, von gegenfeiliger Solidarität der Völker d»rchdru>ngen, der Weltwirtschaft helfen kann. Ein deutscher Seltmst. tEigenöicnft der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 0. September. In den gestern abgehaltenen Sitzungen der Aufsichtsrätc der Deutschen Petroleum- A.-G./der Rütgcrswerkc A.-G. und der Deutschen E r s ö l A.-G. wurde einem von den Vorständen vorbereiteten Abkommen zugestmunt, durch das die Erdöliuteressenten des Deutschen Erdöl A.-G.-Konzerus mit denen des Teutschelt Petroleum Zl.-G.-Hiülgerswerke Ll.--G.->Konzerns vereinigt werden sollen. Trägerin der gesamten Petrolenmpolitik der genannten Gruppen soll die Deutsche Petroleum A.-G. werden. Irr zutammenbruch des Sichelkonzerns. Berlin, 9. September Die. Verbindlichkeiten des Sichelkonzerns sind bei weitem größer, als angenommen wurde. Der Aktivsaldo beträgt nur 1,55 Millionen Mavk, dem gegenüber der völlige Verlust des gesamten Aktienkapitals mm 20 Millionen Mark steht, die auch den gesamten Schnldenstand barstellcn. Zu den Gläubigern gehören fast sämtliche deutsch e n G r o ß b a u k e n und einige ö f f e n 1 l i ch c I u st i tute, die alle übereingelommen sind, nicht einzeln, sondern nur geschlossen nach vorheriger Abrede an die Vertvertuug der Pfänder herawzutreten. Bon den Glänbigern wurde der Antrag eingebracht, das Unternehmen unter Geschästsaufsicht zu stellen. _ Die Handelsverhandlungen mit Ungarn. Die Bechandlnngen über eilten definitioen Handelsvertrag mit Ungarn haben gestern nachntittags im Bnndeslaitzlcranlt begonnen. Nach Feststellung des Avbeitsiprogrammeü wurde In die Eching des Tariftoilcs eingegangen. Stürmische Steigerung der Lira, ^lus die Ätachricht, daß die italienische Regierung eine V a loris i e r u u g der L'.ra dnrchzuführelt beabsichtige, erfuhr di>e Lira ans allen internalionälen DMsenplätzen eine nanchafte Steigerung. In Zürich stieg sie von (30.70 aus 33, das ist um mchr als 4 Progcitt. Diese hausseartige Steigeruug ist auf >das rasche Deckungsbedürfnis der Lirokontermme zurüchuführen. Der Zollbeirat und die Kauftnannschast. In der letzte,c unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Dr. Lothar Weiß abgchalteneu Sitzung des Verkchrsausschltsses des Gremiums der Wiener KalWnanufchaft, erstattete Sekretär Dr. Müller ein 9te.ferat über den Entwurf der Verordnnug, auf Gmnd welcher das Jinan.znünisterium den Zollüeirat ei-ngübernfen beabsichtigt. 9!ach einer außerordentlich lebhastelt Debatte, die sich al, den Vortrag -knüpfte, wurde schließlich der Beischluß gefaßt, sowohl bei der Regierung als auch 'bei den Aiitgliedern der Älatioualversaminluug entsprechende Vürstellungen zu erheben und zu erwirken, daß der Zollbeirat im Einklang mit den Wünschen der Kaufmannschaft zusammengesetzt und mit solchen Vollmachten ansgestaitet werde, daß seine Tätigkeit eine klaglos AAvicklnug des Zollver-tehrS ermögliche^ Der Kassenverkehr des Postsparkassenamtes am 10. September 1925. Infolge der Tenwnstrationsversanunluug der Vndesangestellten tveweu die Kässeirschaltor des Posisparkassenamtes Donnerstag den 10. d. erst -m 1 Uihr geöffnet. Der Einlaß zu den Kassen wird wie sonst um halb 3 Uhr geschlossen. Insolvenzen. Das Ausgleichsverfahren lv-nrde eröffnet über AL >riel u. Co., 7. Bez., Halbgassö 18: über Kamilla Rode, Rahvtentilschlereiirchabevin, 4- Bvz., MW° 22995492