Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2352 (8.9.1925)
- Date
- 1925-09-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981438--24012-3011513- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Dien. Dienstag Wiener M^raenzeUnnq 8. September 1SSS Nr. SWS Manne, damit er feinen Verdacht schöpft, -nicht unfream-dlich «ntgege-nyetreten, es seien aber -getrennte Sch!aszi-mmer benützt worden. Im schriftlichen Woge erging d.,s Urteil -es Zivillandcsgcrichtcs. wonach die Ehe aus de:n alleinigen -Perschulden -des Mannes für -getrennt erklärt wird. Geg'n dieses Urteil brachte -der Chebandsverteidiger die Beruf-ng an das Obcrlandesgericht ein. welche sich auf die diDergiercndcn Angaben über die 'behauptete Bcrzeibnng stüdte. Der Be- -ruflntgssenat hat das erstrichterliche Urteil bestätigt. Redliche Kauflcute oder Betrüger. Die Lebensmrttelhändler Iran,; Magyarossy und Franz Schwe-ger-le hatten sich seinerzeit vor dein Landesgericht Wien wegen Betrages zu verantworten, begangen dadurch, daß sie gänzlich unbrauchbaren Käse -und Heringe m den Handel brachten rmd unter dein Scheine reeller Kau-flente verschiedenen Lieferanten Waren im Wette von 50 Millionen hcra-nsschwindelten. Ata-gyarossi w".rde zu zweieinhalb .Iah r e n, Lchwegerle zu 15 M onatrn schweren Kerkers verurteilt. Gestern beschäftigte sich der Oberste Gerichtshof mit der gegen diese Urteile erhobenen Nichtigkeitsbeschwerde, in der ansgefnhrt wurde, daß die Verurteilung nur nach dein Lebensmit-telgesehe hätte erfolgen dürfen mnd daß bei der Nichtbezahlung der ausständigen Rechrmngen keine Tänschungsabsicht Vorgelegen sei. Die Angeklagten seien, wie viele ändere, zahluiigsunfähig geworden. Der Oberste Gerichtshof 'unter Borsitz des Senatspräsiden ten Dr. Fi'schböck verwarf die Nicht-iekeitsbefchwerde als unbegr/uchtt und hob hervor, daß in der Handlungsweise der An-gct klagten bezüglich der von ihnen hergestellten «und verkauften Lebensmittel der Tatbestand des Betruges zu erblicken sei. Das allgemeine Strafgesetz gehe den Bcst.nrnnmaen des Spezialgesetzes des Lebensmitte.'ge'etzes vor rrnd werden nach dem Lebens-Mittelgesetze nur jene Fälle der Strafe zugeführt, welche nicht unter die Bestimmungen des Betruges fallen. Bezüglich der den Angeklagten zur Last gelegten Warenen-tlockung.'n liege gleichfalls der betrügerische Tatbestand vor. Eine Irreführung und Schädigung ihrer Lieferanten sei vom Anfang an erwiesen. Sie seien eben keine redlichen Kauifleut-e. sondern hätten -den Schein zahlungsfähiger Kau flaute vovgetäuscht, um sich ihren Verpflichtungen zu entziehen. Auch -der -Umstand, daß sie einzelne Teilzahlungen leisteten, könne an dieser Tatsache nichts ändern. Bollswirt. Re Keife in der Filmbrenche. Zusammenbruch der Dreamland-Film G. m. b. H. Die Schwierigkeiten der österreichischen Filmindustrien bauern an. Nach der Insolvenz der Vita- Film-A.-G. ist die Sascha, die dem Konzern der Oesterreichischen Kreditanstalt angehört, infolge zu hoher Produktionskosten im Jnlande nach Deutschland abgewandert. Gestern haben die Arbeiter und Angestellten der Dreamland-Film G. m. b. H. gegen den Geschäftsführer dieses Unternehmens Ing. Otto Watzl bei der Wirtschaftspolizei die Anzeige wegen fahrlässiger Krida überreicht. Die Anzeiger weisen darauf hin, daß infolge der geringen Geldmittel in letzter Zeit nur wenig gearbeitet wurde. Als die gekündigten Angestellten Anspruch auf ihre rückständigen Löhne seit Juni, beziehungsweise Juli, in der Höhe von 107.000 S. forderten, erklärte ihnen der Geschäftsführer, daß die Dreamland nichts besitze. Die Objekte des Unternehmens wären sein Eigentum. Sie erklärten, daß fahrlässige Krida deswegen vorliege, weil Ing. Watzl als Geschäftsführer weder das Konkursnoch das Ausgleichsverfahren angemeldet hatte, obwohl die Dreamland schon seit 1923 Passiv war, und weil er, obwohl die Gesellschaft kein Betriebskapital hatte, einen kostspieligen Apparat aufbot, der zu den Vermögensverhältnissen des Unternehmens in auffallendem Widerspruche stand. Was die Vermögensverhältnisse des Ing. Watzl betreffe, sei dieser sehr reich, besitze Realitäten in Wien, ein großes Gut in Oesterreich und halte sich drei Autos. Als ihm bei einer Gelegenheit das Kriminelle seiner Handlungsweise vor Augen gehalten wurde, erklärte er, die Ansprüche der Beamtenschaft mit 25.000 S. befriedigen zu wollen. La» deutsche Auswennnsrgesetz. Anmeldung von Jndustricobl'gationen. Bon -der deutschen Gesandtschaft in Wien wird mitgeteilt, daß aus Grund der Bcstlmmnngen des im deutschen ReichSgesctzblatt vom 17. Juli 1925 veröffentlichten Gesetzes über die A lt f m-Ortung v o n H y p o t h e k e n und anderen Ansprüchen (A ufwert-ungsgesetz) vom 16. Juli 1925 I nd u st r ie o b l i g a t i o n e n, für d'e die Vorrechte des Altbcsitzes in Anspruch genommen werden, zur Vermeidung -des Verlustes des Genuß rechtes spätestens inn-erhalb einer Frist von einem Monat seit Aufforderung durch den Schuldner bei diesem oder der von ihm bestimmten Stelle anzumelden sind. Tie erforderlichen B-eweismi-ttel sind der Anmeldung beizufügen oder binnen einer weiteren Frist von einem Monat nachzureichen. Die Aufforderung erfolgt durch Bekanntmachung im „Deutschen Rcichsanzeiger" und in den anderen für die Veröffentlichungen des Schuldners 'besti-nnnrcn Blättern, und zwar spätestens am 30. September 1926. Im Deutschen Reichsan- Zcigcr" von: 29. August 4>. I. ist die Verordmrng über die Aufforderung zur Anmeldung des Altbositzes von JndustrieMigat-iouen vom 29. August 1925 veröffentlicht worden. Diese Verordnung enthält das Schema für die Aufforderung zur Anmeldung. Nur Aufforderungen, die den in der Verordnung gegebenen Vorschriften entsprechen, setzen die in 8 39 Aufwertttngsgesetzes vorgesehene Anmeldungsfrist von einem Monat in Lau-f. Infolgedessen sind sämtliche vor den: 29. August ergangenen Aufforderungen der Obli-garionenschulidner unwirksam. Eine Verlängerung der Arrnvcldefrist kann nicht stattfinden. Camillo Castiglioni verläßt Men. Wie uns gemeldet wird, beabsichtigt Camillo Castiglioni Wien zu verlassen und sich in München dauernd niederzulassen. Bekanntlich ist Castiglioni Hanptcrktionär der bayrischen Motorenwerke. Oesterreichs Getreideernte. Das Einbringen des Getreides hat sich bis nach Monatsmitte hinausgezogen, in höheren Gebirgslagen verzögert sich die Ausreise der Frucht. Infolge der häufigen Regen ist das am Feld liegende Getreide ortswerfe ausgewachsen. Winterweizen schüttet größtenteils sehr ergiebig. Die Frucht ist voll und schwer. Winterroggen har langes und ausgiebiges Stroh. Die Körne«- erträge sind als sehr günstig zu bezeichnen. Sommerweizen reift beuer sehr langsam aus. Sommerroggen ist im Mittelgebirge zumeist geschnitten. Sommergerste ist bis auf höhere Lagen zur Ganze eingeerntet. Die Ernte des Hafers zog sich sehr in die Länge, im Gebirge ist er noch grün. Mais steht ausnehmend saftig und üppig, wenn auch die Stengel nicht besonders hoch wurden. Buchweizen als Stoppelfrucht gedeiht prächtig und blüht reichlich Bohnen (Fisolen) wachsen recht zufriedenstellend, reifen aber langsam und ungleichmäßig. Erbsen und Wicken sind großenteils schon geschnitten. Mohn hat schöne Köpfe, welche soeben reisen; mit der Ernte wird begonnen, die überschüssige Nässe schadet beträchtlich. Die Kartoffeln beginnen unter der allzu großen Nässe zu leiden. Frühkartoffeln wurden in tieferen Lagen vorwiegend noch vor den starken Gußregrn gegen Monatsende gegraben und worfln zufriedenstellende Ertrage ab. Zuckerrüben gedeihen günstig. Insolvenzen. Das Ausgleichsverfahren wurde gestern eröffnet über die ,Sramar", Industrie und Handels-A - G., 1. Bez., Plankengasse 8. Die Passiven dieser vor vier Jabre.n gegründeten Gesellschaft betragen 400000 Schilling, die Aktiven 160.00Y Schilling. DaS Ausgleichsanbot lautet auf 35 Prozent ln drei gleichen Quartalsraten. Die Tromar-A.-G unterhielt Filialen in Budapest, Temesvar und Zagreb sowie eine Expositur in Belgrad. Das Akitenkapital beträgt 180 Millionen Kronen in 900.000 Aktien zu 200 Kronen. Die G.-sellfchaft beschäftigte sich mit dem Handel mit technischen Produkten, Ehemttalien und Farben. Der Konkurs wurde eröffnet über die seit längerer Zeit im Ausgleichsverfahren sich befindende Hora, Uhrenfadriiks-A.-G., 19. Bez., Grinzingerftraße 6. Passiven gegen eine Milliarde. Ueber Taus z i g u. C o., 2. Bez., Lilienbrunngassc 3. lieber S^inka u Co., 9. Bez., Technikerstraße 5 lieber Moritz W a k t o r, 1. Bez., Wolfengasse 2. lieber Joses Flaschner, Kaufmann, 2. Bez.. Obere Donaustraße 0. lieber Jrmgarde Krpoun, Fuhvwerksbesitzerin, 12. Bez., Wilhelmstraße 34 und über Josef Lindenhofer, Kaufmann in MariaÄafecl. Aufhebung von Einfuhrbeschränkungen in der Schweiz. Das eidgenössffche Vollks-wirtschattsvepartemen» verfügt, daß bis aus weiteres folgende allgemeine Einfuhrbewilligungen Mer alle Grenzen erteilt werden, und zwar für Oberleder, andere als KaMeder, Schmalleder und braunes oder gewichstes Rindsleder, Zeug> und Riomenleder, Bestandteile von Schuhen und Pantoffeln aus Leder, Schuhe und Pantoffeln aus Stramin, Filz ustv., Bau. und Nutzholz, mit der Axt baschlagen, Nadelholz. Schreinerwaren, glatt, roh, Luxus-, Galanterie- und Phantasieartikel aus Holz und sogenannte Kleinm-öbel, fertige Hol-twar m. S1ahldrahchürist"n, Bnriften- Vindevwaren, poliert, lackiert ustv„ Papiere und Kartons, gestrichen. ungmnustert, G-'-ühäftsbüchcr, Agenden und dergleichen. Buchbinder, und Kartonagearbeiten mit Papier ausgerüstet, Seilerarbeiten: Stricke, Taue, und Büffel- Haare, andere als rohe Filze und Bodenteppiche aus Tiechaaren, Korbflechterwaren, rob oder gebeizt Unterlagstoffe aus Kautschuk oder Guttapercha, Strümpfe aus Seide. Kachelöfen, ausgesetzt, Eilen, gezogen oder kalt gewalzt, verbleit, verzinnt, verzinkt usw.. Festen und Raspeln. 16 bis 35 Zentimeter Hiebflächenlänge. Feilen und Raspeln, weniger als 16 Zentimeter Hie'bflächemange, Drahtseile mit weniger als 16 Millimeter Durchmesser, Kochherde und Oeftn, anderals elakirische, Ei'endrahtgeftechtc, Schlosser, und Spenglerwaren, verzinnt, verzinkt usw'., Reiseartikel aus Leder. Diese Verfügung tritt am 7. Septomlber 1925 in Kraft. Der Zuckerrübenanbau in Polen. Aus Warschau 7. d., meldet die Polnische Telegraphen-Agentur: Nach einem Ausweis des statistischen Zentralamtes wurden im heurigen Jahr 171,600.000 Hektar Bodenfläche mit Zuckerrübe bebaut, um fast 5 Prozent mchr als im Jahre 1924. Die Gesamt, ernte an Zuckerrüben wird auf 3458 Millionen Tonnen geschätzt, um fast 7,4 Prozent mchr als im Vorjahr. Man erwartet, daß die Zuckerproduktion in dickem Jahre 449,7 Millionen Tonnen Kristallzucker und 649 Millionen Tonnen Rohzucker erreichen wird. Der Einlagenzinsfuß ln Ungarn. Aus Budapest, 7. d., meldet Teft-Komp.: Die Bu-dapester Mittel, und Kleinbanken hatten heule mit Vertretern der Großbanken eine Besprechung Wer die Frage des EinlagenzinSsußes. Die Beratung verlief ergebnislos, da sich vor allem die kleineren Banden weigerten, in das Bankenkartell einzutreten und den Einlagenzinsfuß nach dem Vorgang der Großbanken auf 8 Prozent herabzufetzen. Herabsetzung deS dänischen Diskontsatzes. Aus Kopenhagen, 7. d., meldet Wolfs: Die Nationaibank hat den Disronit von S Prozent auf 5,5 Prozent herabgesetzt. fgßttatt Prodatttenlrorfe. Die Breve norterten geller» wie folgtr W e t z e nr Inländischer neu 37.— bis 39.—. Ungarischer Theiß 78/80 Kilogramm 4250 bis 44 50 Ungarischer Tbeiü neu 38 50 bi» 41 — ^naottaivN-Her 7ß Kilo- Leviten- «>U> Batmeuwrle vom 7. Septemder 1925. Devisen Oeld Mar» Oelo Var« Oeld Ware Amsterdam . » . , 236 86 jofla 0. 6.16 6.19 französische Noten . . SL 33.16 39.46 . . 12.61 12.66 Stockholm •••*»• . 139.86 190.1 R lolllndisehe Noten . . —. — Berlin. 163.90 123.76 124.28 italienische Noten ... 28.48 28 68 . . 31.64 31.66 Zürich 136.66 187.06 ingoslawisctie Noten . . 12.33 12.89 Budapest » » . . » . * 90.26 69.66 Polnische Noten ... 122.50 128.60 Bukarest . » » . . . «. 3.6060 8.6260 ttumflntsene Noten . . . — London. « . . « . . . 3» 34 34.44 Amerikaoisdie Notes « 706.80 712.80 Russische Noten Roman.) —.— Mailand ..... 23.46 Belgische Noten ..» » Schweizer. Noten ... 139.20 137- New-YoTk. ■ . . 707.36 710.86 Bulgar. Not. 6.16 628 rschecho-elow. Noten . 20.9525 21.0726 Paris . . « » . . . . 93.10 33.36 Deutsch« Noten .... 167.86 168.86 Türkische Pfund-Noten . — Pra ..... - . . . 20.9726 21.0626 tinKlfeche Noten .... 84.26 84.42 Ungarische Noten . . 99.66 IOC.15 Copyright 1924 bj? 2 Fortsetz Mg. Kurt Wolff V.rl g A.-G. München. Nachdruck öetbotrn. Herr Fettwanst. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. „O nein, ich Hab' kern' Angst. Ich bin gerade vor ein' Policeman davongelaufen", vettraue ich mich ihnr an. Er pfeift und schnalzt mit den Lippen vor Bewunderung über meine Wag'halfigkeit. „Setz dich, setz dich hier auf a Sattel, mein mutiger Freund! Du wirft sein müd'." Ich sehe Berl zu. wie er Riemen näht . . . „Das Zaumzeug, das Ihr heftet, ist wohl für ein Pony?" „Nein, Meyer, für a Zieg'." Eine Ziege! . . . Schon die Erwähnung meiner rächenden Nemesis genügt, mir den ganzen glorreichen Abend zu verderben. „Du verstehst doch viel von Pferden, Bert?" frage ich. „Aes, a bissel." /^Verstehst du auch ebensoviel von Ziegen?" „Yes, wenn ich bin gewesen a kleiner Jung', Hab' kch gehütet Herden von Ziegen." „Tann sag' mir, Berl, was is mit der Zieg', warum kann sie keiner nit leiden und jeder macht sich lustig über sie?" „Erstens, a Zieg' kümmert sich unr nichts, und das ärgert die Menschen. A Zieg' bringt sich durch, wo es komnrt und wo jedes andere Tier wird sterben vor Hunger. A Abfall, a Ziveig, alles is Futter für a Zieg'. Ä Zieg' kann geh'n spazieren aus a schmolen Wog, auf a Zaun, wenn es sein muß. Sie is für sich allein, sie is zu keinem mit a -Freund. Sie is a ekelhafte, miese Sach' mit a unglaublichen Gestank. Ich soll so loben, a Zieg' is die einzige Sach', welche man kann nit umbringen durch a Gelächter." Wahrhaftig, ein wunderschönes Bild meines Namensvetters; ich werde schwermütig . . . Lutz, der fertig ist mit seiner Flickerei, starrt sttr-mpsiunig in die.Lampe, Berl ist mit einer Ahle beschästigt. Plötzlich schreit Aoschke im Schlafe ein stehendes, mitlerderregendes Wort: Mammale." Ich beobachte Aoschke in erschrecktem Erstaunen; hier ist ein bärtiger Mann, der im Traume um seine Mutter weint. „Armer Aoschke!" sagt Berl seufzend. „Aoschke ist heut' za kaletschet (verprügelt) geworden. Aoschke ist so fromm und weich wie a Lämmele. A Policeman hat ihn geschlagen." „A Policeman? ,Ja? Wofür? „Löschte hat sich weggestellt mit seinem Schiebkar^n in 'bet Hefter Street, kommt der Policeman und will «4m* nehmen sein' Grast, a Quarter von jedem Hausierer. Noschke hat geibeten, daß der Polioeman soll warten a Weil', bis er werd ein nehmen a bissel Geld von seine Käufer, weil er hat ausgegeben sein ganz' Geld für Kartoffel. Und der Policeman hat geantwort' mit 'sein' Club (Knüppel)." Aoschte wirft .sich unrulhig herum. „Aoschke, er hat nit keine Neschome von a Menschen, er is wie a Lämmele, und ich beginn zu glauben, daß es is nit »kein -Welt für a Lämmele." Berl lächelt mir traurig, weise zu: „Ich glaub', Meyer, daß a Zieg hat a bessere Chance in der Welt." 3. Onkel Philipp schläist auf dem Sofa in der Küche und Mutter schlummert am Ofen, bis ich zurückkomme. „Afoj spät, Meyevl, asoj Wt, und morgen muistu früh aufsteh'n für Schul." „Aw, it ain't so late", versetzte ich mit dem Gleichnmt eitles zwölften Führers. In dem rauchigen Scheine der verlöschenden Lampe werden Muiters ausgestreckte Arme zu monlstvösen Schatten auf der weiß getünchten Wand. Ich beobachte die Schatten und frage mich, ob sie sich wieder in Ziegen verwandeln werden... Mutter «flüstert: ,-Kimm, kttmn zu mir, Kind, ftmm un setz dich her", und zieht mich auf ihren Schoß; ich aber wehre mich dagegen, denn es evscheiut mir durchaus unpassend für mein Alter und mit meiner Stellung im Loben keineswegs im Eingang. Ich reiße mich los und protestiere: „Aber, Mame, ich bin doch kein kleines Baby mehr..Lächerlich... Was würbe Boolkie davon denken? Sein zwölfter Führer — ein Baby. Mutter lächelt... ein hustenartiges Schluchzen in der Kehle... und Tränm glanzen an ihren feinen, seidigen Wimpern. ,Mei BenqIochid (einziger Sohn), immer wrvste sein mei Baby, immer..." Ich fühle mich sanft an ihre Brust gezogen und ihr Gesicht drückt sich zärtlich an meine Mange. Ich fühle mich belästigt; ihr Haar kitzelt mich aus der Stirn... Mein teier Zigele..." Ich werde steif vor Abscheu. ,Mame, ich will nicht, daß du mich im-rnet Zigele nennst. Ich Hab' doch einen richtigen Siamen, nicht?" Millst du das nit wollen für dein Zunamen?" „Nein. Alle machen Witze drüber. Nenn' mich nicht mehr so." „Nor heint, heint nacht", sWert sie beruhigend. ,/Heint will ich'dir noch Zigele ruf'n: heint uacht, wenn du bist geboren geworn un uit mehr." Und sie weint, tvas mich überrascht; sie umarmt mich und bedeckt mein Gesicht mit Küssen. So viel Theater für nichts und wieder nichts! denke ich, und: ein schöner Abschluß zu einem helderchaften Tage. ,/D mein Deirer, du dersft die Zieg nit verachten die Zieg hat dir dein Leben gevatöwet." „Mein Leben?" „Du sogst es, mei .Herz, dein Leben. A Ziog is gewesen dein Amm'." Welche Schmach!... Das darf die Bande niemals erfahren!... Und Mutter mutz schwören, das Geheimnis zu ^wahren. Aber ich bettle um die GeWchte. (Fortsetzung fvSgt.)