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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-04 · Heft 2348 (4.9.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2348 (4.9.1925)
Date
1925-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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kÄM» Sä- }' ■' *’*!7 - »»>> y»—W D!»»B,-I«m fpoicfi;20 ai o»/v f Wi en: Zum Abholen in der Expedition, II.. Taborstr. 1*3, oder in einer Verschleisstelle 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. 1., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakel: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 13 Wiener Mommrettimg Necluehtmigen bei Preiserhöhungen Vorbehalten Rk. 2348 Me«. Areitag, 4. September 1923 ipreis 2 England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.lOOLewe. Schweiz und das übrige Ausland monatiien Frcs. £ Redaktion, Administration: Wien, II. Taborsir. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei ig. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. gabrgang Jle Frage von Mofful. Ae Beratung des BSYerbundrates. - Heute tritt dar österreichische Komitee zusammen trifft Freitag hier em. Mandat über den Irak ausübe. Die britische Regierung sei bereit, den für vier Jahre abgeschlossenen Freundschaftsvertrag solange zu verlängern, als dies zur Stabilisierung der Verhältnisse des Landes notwendig sei. Großbritannien könne einer Aufteilung des Wilajets Mofful nicht zu st im men. Der türkische Außenminister Tewfik Ruschdi Bei, der in der Nachmittagssitzuug des Völkerbundrates das Wort ergriff, erklärte, daß er sich die Antwort auf die Ausführungen des britischen Kolonialministers A m e r h Vorbehalte, da er die Rede Amerys noch nicht genügend studiert habe. Zu dem Bericht der Mossul-Kommission könne er nur sagen, daß die Feststellungen der Kommission in geographischer, wirtschaftlicher und vor allem in volkspsychologischer Hinsicht klar zeigen, daß das Wilajet M o s s u l zum türkischen Reiche gehöre. Die Türkei habe niemals auf dieses Gebiet verzichtet und sich weder im Vertrag von S e v r e s, noch im Vertrag von Lausanne, noch bei den späteren Verhandlungen mit England jemals zur Abtretung auch nur eines Teiles des Gebietes bereit erklärt. Schließlich wandte sich Tewfik Ruschdi Bei gegen das Mandatssystem überhaupt, das die T ü r k e i n i e m a l s a ne r k a n n t habe. Morgen vormittags wird die Beratung über die Mossulfrage fortgesetzt. Die österreichische Frage. Gens, 3. September. Wie versautet, trifft der tschecho. slowakische Außenminister Dr. B e n e s ch morgen in Genf ein und wird vielleicht schon an der ersten Sitzung des ö st e r r e i ch i s ch e n K o in i t e e s, die für morgen nachmittags anberaumt ist, teilnehmen können. In dieser Sitzung werden die beiden Sachverständigen R i st und Lay ton angehört werden; jedoch wird es nicht möglich sein, den Bericht, der etwa 10.0 Seiten umfaßt und an dessen Schlußredaktion die beiden Sachverständigen noch heute arbeiten, bis zur morgigen Sitzung f e r t i g z u st e l l e n. Der Bericht wird demnach erst übermorgen, Samstag, nachmittags übergeben werden können. Der österreichische Minister, des Aeußern Doktor M a t a j a ist' in Genf eingetroffen, um Oesterdeich vor dem Völkerbundrat bei den Besprechungen der österreichischen Angelegenheiten zu vertreten. Der französische Ministerpräsident P a i n l e v r Sie „Shenaudoah" zerstört. Das amerikanische Zeppelin-Luftschiff. Cumberland (Ohio), 3. September. Das Zeppelin- Luftschiff „Shenandoah" ist während eines Gewi tl e r st u r m e s sechs Meilen östlich von Cumberland zerstört worden. Bott Augenzeugen wird zu dem Unfall der „Shenandoah" noch berichtet: Der Luftkreuzer kreiste etwa dreiviertel Stunden über der Stadt, als sich mit einemmal zeigte, daß die Besatzung die Gewalt über das Luftschiff verlor. Es erhob sich ein Wind, der sich rajch zu einem Sturm steigerte. Plötzlich stürzte das Luftschiff zu Boden. Durch den Anprall des stürzenden Luftschiffes auf die Erde wurde das Fahrzeug in zwei Teile gerissen, von denen der eine vom Sturm wieder aufgetrieben wurde. Wie nachts gemeldet wird, sind bei der Zerstörung des Luftschiffes 10 Personen getötet und 1.5 verletzt worden. Unter den Toten befindet sich auch der Kommandant des Lttftschiffes, Leutnant L a n s d o w n. Ci« A schreckungsurteil. Kr. W i e n, 4. September. Das strenge Urteil, das der unrühmlich bekannte Töreky-Senat in BudaMt vorgestern gegen den gewesenen königl. ungarischen Atinister des Innern Edmund Beniczky gefällt hat, richtet sich nicht gegen den Verurteilten allein. Es ist ein wahres Abschreckungsurteil, durch das allen denen, die etwa noch im Besitz von Beiveisen gegen die Mörder des sozialistischen Redakteurs Somogyi oder gegen die an den gleichfalls noch ungesühnten Judenmorden beteiligten hochmögenden PersönlichkeitenMjtzpd, die Lust und der Mut genommen werden soll, mit diesen Beweisen herauszurücken und den Arm der Gerechtigkeit gegen die Schuldigen in Bewegung zu setzen. In Zukunft wird sich jedermann wohlweislich hüten, der ungarischen Rechtsordnung in die Falle zu gehen, wie der vielwissende Minister a. D. Edmund Beniczky. Seit mehr als zwei Jahren sprach Beniczky offen davon, daß die allgemein bekannten, aber noch immer auf freiem Fuß befindlichen Mörder Somogyis sich nur deshalb ihrer Freiheit erfreuen dürfen, weil sic nur die Vollstrecker höherer Mordbefehle waren. Er sprach von Beweisen, die er in Händen habe und die er den Strafbehörden zur Verfügung stellen wolle, wenn er von der Pflicht der Wahrung des Amtsgeheimnisses entbunden würde. Die von Beniczky gezeichneten Mordanstrfter wurden nervös und fühlten den Boden unter ihren Füßen schwanken. So legten sie dem Wissenden und zum Sprechen Entschlossenen eine Falle. Sie provozierten ihn von der Regierungsbank und der Tribüne des Parlamentes herab und munterten ihn aus, zu sagen, was er wisse. Als Beniczky diesen Lockungen auf dem Leim ging und bloß die Vorsichtsmaßregel gebrauchte, seine Kenntnis der Oesfentlichkeit zu vermitteln, bevor er sie dem Untersuchungsrichter anvertraut und er von diesem zu dauerndem Stillschweigen verurteilt würde, warfen die Angeklagten den Ankläger in den Kerker und verurteilten ihn schließlich zu dreijährigem Gefängnis, zu Amtsverlust und zur Aufhebung seiner politischen Rechte. Und nahmen ihn gleich abermals in Haft. Angeblich wegen erhöhter Gefahr der Flucht ins Ausland, in Wahrheit aber wegen der begründeten Gefahr seiner neuerlichen Flucht in die Oesfentlichkeit. Konnte es Edmund Beniczky, einem um sein Vaterland immerhin verdienten Staatsmann, dem intimen Freund mächtiger Persönlichkeiten in Ungarn so schlimm ergehen, wer wird es in diesem Lande nunmehr wagen, Sühne für vergossenes unschuldiges Judenblut zu fordern und die wirklichen Schuldigen vor den Richterstuhl zu rufen? Wie sollen dann die jüdischen Familien, deren Mitglieder um dieselbe Zeit, wie Somogyi, verschleppt, gefoltert und ermordet wurden, den Mut aufbringen, von den gleichfalls hochstehenden Mordoffizieren wenigstens die Herausgabe der Leichen der Ermordeten zu fordern? Beniczky ist einer der Führer der Legitimisten, die Grafen Andrassy, Apponyi, Pallavicini und hohe katholische Kirchenfürsten sind seine engeren Gesinnungsgenossen. Zwischen ihnen und der ungarischen Negierung sind jetzt bereits weitgediehene politische Berstättdigungsverhandlungen im Zuge, und die Gerüchte, daß es sich dabei auch um eine Milderung des Loses Beniczkhs handeln soll, haben viel Wahrscheinlichkeit für sich. Aber wer würde sich der Juden in Ungarn annehmen, wenn unter ihnen ein Waghalsiger sich fände, der den Mut aufbringt, die Mörder, Erpresser und Folterer der Juden mit Namen zu nennen und ihre Bestrafung im Namen der Gerechtigkeit zu verlangen? Es ist für uns im Falle Beniczky ganz gleichgültig, daß er seinen Vorstoß gegen die hochgestellten Mordanstister aus politisch-legitimistischen und nicht aus Gerechtigkeitsmotiven unternommen hat. Wichtig für uns ist bloß, daß in Ungarn noch immer der Rechtsterror herrscht, der die Arbeiter und Inden nicht nur in Ungarn bedroht. Wichtig für uns ist, daß die Nutznießer der Straffreiheit für an unschuldigen Menschen begangene Morde sich für Pogromzwecke auch ins Ausland verdingen und erst in den jüngsten Tagen das an sich schwache Kontingent der Wiener Haken- Genf, 3. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) In Anwesenheit vieler Diplomaten und Vertreter der Presse der ganzen Welt eröffnete heute vormittags der französische Minister des Aeußern Briand die öffentliche Sitzung des Völkerbundrates mit der Mitteilung, daß die Frage von M o s s u l auf der Tagesordnung stehe. Der türkische Minister Ruchdi Bei protestierte gegen die Grenzverletzungen seitens der britischen Behörden und Flugzeuge im Norden von Irak sowie gegen die Vorstöße der britischen Flotte im Aegäischen Meer. Er verlangte vom Völkerbund die notwendigen Maßnahmen für die Unmöglichmachung dieser Uebergriffe. Unter dieser Bedingung könnten die Verhandlungen zwischen der Türkei und Irak fortgeführt werden. Vor allem wolle er Garantien gegen eine Wiederholung derartiger Zwischenfälle. Nach dem türkischen Vertreter ergriff der britische Kolonialminister Amery das Wort und erklärte, die türkischen Behauptungen seien unbegründet. Die Demarkationslinie sei respektiert worden. Britische Flugzeuge hätten die Grenze nicht überflogen, im Gegenteil hätten türkische Abteilungen Dörfer südlich der Grenzlinie besetzt. Auch seien Unruhen von türkischer Seite angestiftet worden. Int Aegäischen Meere hätten nur einmal Marinemanöver stattgefunden. Der Berichterstatter des Völkerbundrates, der schwedische Außenminister Unden, erinnerte daran, daß die streitenden Parteien im letzten Jahre die Verpflichtung übernommen hätten, den Entscheid des Völkerbund rat es in dieser Grenzfrage anz u e r k e n n e n. Er berichtete weiters, daß eine U n t c r s u ch u n g s k o m m i s s i o n nach M o s s u l geschickt worden sei, die Mitte Juli ihren Bericht erstattet habe, der sofort veröffentlicht worden sei. Hierauf vertrat der britische Kolonialminister Amery in einem längeren Expose den britischen Standpunkt. Er verwies darauf, daß die Untersuchungs- > kommission des Völkerbundes festgestellt habe, daß eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit von Mossul zur Türkei oder zum Irak unmöglich sei. Nach Ansicht der Kommission sei die Bevölkerung dem Anschlüße an den Irak günstig gesinnt. Die Kommission habe für den Anschluß von Mossul an den Irak als Hauptbedingung vorgeschlagen, daß Großbritannien für ungefähr 25 Jahre das Der zweite Prozeß gegen Benirz?y. Heute Urtcilsverkündigung. Budapest. 3. September. (Tel. der „Wiener Morgenzeituug".) Bor dem Staatsgerichtshof wurde heute die Verhandlung, gegen den früheren Minister Edmund Beniczky und den Redakteur des „Az Ujsag" K o b o r wegen verbotener Publikation durchgeführt. Der Staatsanwalt verlangte den Ausschluß der Oesfentlichkeit, doch lehnte der Gerichtshof dies ab. Beniczky erklärte, daß er sich nicht v e r t e i d i g e n wolle. Redakteur K o b o r erklärte, er habe gutgläubig die Aussagen Beniczkys veröffentlicht, da die Behörden wiederholt erklärt hatten, doch sie in der Mordaffäre Somogyi-Baeso nichts zu verhehlen haben. Nach den Plaidoyers zog sich der. Gerichtshof zur Beratung zurück. Nach kurzer Beratung wurde mitgeteilt, daß das Urteil morgen vormittags um 11 Uhr verkündet werden )vird. kreuzler wesentlich verstärkt haben und durch diese Kooperation ständig die Ruhe auch in Oesterreich gefährden. Die bloßgestellten, aber von den ungarischen Regierungsbehörden geschützten Kommanden der ungarischen Nassenschützlerbrigaden entsenden ihre mordgeübten Stoßtruppen überall hin, wo die Reaktion ihr Haupt erhebt und zu Pogromen und Straßenunruhen ausholt. Deshalb ist auch das gegen Beniczky gefällte ungeheuerliche Urteil, sind die geheimnisvollen Begleitumstände, unter denen Beniczky vorläufig mundtot gemacht wurde, durchaus keine ausschließlich innere Angelegenheit. Deshalb darf die Forderung nach der Sühne für die Ermordung des Redakteurs Somogyi und der vielen anderen, unschuldigen Arbeiter und Juden nicht mit dem Blnturteil gegen Beniczky ihre Erledigung finden. Billige Borsaison-Prei'e ■"■"Mas Hei Schiff mann II. Taborstraße 48 Telenhon 47«1«7P in gros En tfatQll

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