Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2345 (1.9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Dienstag dttiitfg MsrAenzeitrtns Nr. 2345 anstrengnng erfordern, die alles bisherige übersteigt. Insofern als eine Erstarkung der Zionistrskl-en Organisation nottvcndigerlveise die Grundlage einer erfolgreichen Arbeit bildet, soll es nicht gering angeschlagen lverden, tvas dieser Kongreß für die Verbesserung der Organisation geleistet hat. Unter den verschiedenen Reformen ist besonders die Einführung eines einheitlichen Schekels tvarm zu begrüßen, die wohl wesentlich zur Reaktivierung deS Zionismus beitragen wird. Auch wird es sich als höchst zweckmäßig enveisen, daß die Kompetenzen des Aktionskomitees vielfach vergrößert werden. Das Aktionskomitee wird mit seiner neuen Stellung innerhalb der Organisation es sehr gut vereinbaren, daß die Exekutive diesmal von ihm ^bildet rverden wird. Wenn dieser Beschluß des Kongresses von einigen Seiten kritisiert wurde, so ist darauf hinzuweisen, daß der Beschluß des P c r m a n e n z a u s s ch u s s e s, in dem ja. Vertreter aller Gruppen anwesend waren, die Bildung der Exekutive dem Aktionskomitee zu übertragen, mit Stimnieneinhelligkeit g efaßt wurde. Erst später scheint eine Gruppe ihren Standpunkt in dieser Frage geändert zu haben. "Um aber die Verhältnisse zu untersuchen, die zu einem derartigen Beschluß geführt haben, soll gesagt werden, daß es einzig und allein die Fraktionen waren, welche sich nicht einigen können, während die Vertreter der alten Exekutive eine Liste vorgelegt haben, in der alle Schattierungen des Kongresses vertreten waren. Infolge dieser scharfen Gegensätze wird es wohl am besten sein, die Lösung dieser Frage, welche jedenfalls der ruhigen Erörterung üdars, dem Aktionskomitee zu überlassen, welches in seiner neuen Zusammensetzung aus fünfzig Mitgliedern ein vollständig genaues Bild des Kongretzplenums darstellt. Nach Schluß des Kongresses stehen wir wiederum vor der Notwendigkeit, durch aktive Arbeit einen weiteren Fortschritt der Bewegung zu fördern. In erster Linie Judeneinwcmderung, in zweiter Judenerziehung — sollen dabei unser Programm bilden. Rach dem Kongreß. —y. W i e n. 1. September. Der vierzehnte Zionistenkongreß gehört nunmehr unserer Geschichte an. Er war reich an leidenschaftlich geführter Polemik, reich an Entladungen kritischer Energie, aber auch erfüllt von dem heißen Willen, Mißverständnisse zu klären, Schwierigkeiten, zu erkennen und die zionistische Kulturarbeit in - ein rafcheres Tempo zu bringen. Es gab im Verlaufe der siebzehn Sitzungen wiederholt die heftigsten Zusammenstöße zwischen den Parteien. Die Debatte stand auf selten hohem. Niveau. Jeder Delegierte kannte seine Verantwortung vor der jüdischen und der nichtjüdischen Oeffentlichkeit, jeder war sich der Schwere seiner Pflicht bewußt. Jeder trug das Seine dazu bei, die Autorität dieser jüdischen Tribüne zu stärken und der ganzen jüdischen Welt zu zeigen, daß ihr hier eine moralische Zentrale ausgerichtet war, von der nur Gedeihliches und Gutes für alle ausströnit. Der Ernst und bte Geschlossenheit des zionistischen Willens trat so deutlich in die Erscheinung, daß sich daraus nur Respekt bei allen ergeben konnte, die Zeugen dieser Verhandlungen waren. Die Beschlüsse, die in gewissenhaftester Erwägung zustande kamen, sind für die nächste Zukunft der zionistischen Arbeit von höchster Bedeutung. Sie verlieren nichts an Wert durch die Verzögerung in der Bildung her Exekutive. Der Kongreß hat sich aus seiner Mitte ein Aktionskomitee gewählt, das bis zu dem Zeitpunkt, wo die neue Leitung sich wird präsentieren können, für die Kontinuität der kolonisatorischen und nationalen Tätigkeit zu sorgen hat. Wenn man bedenkt, unter rvelch schweren Erschütterungen andere Parlamente die Regierungsbildung vornehmen, so braucht man um das Gelingen dieser Aufgabe bei uns nicht besorgt;u seirr. Es stehen erprobte Männer am Werk und ihre Pflichttreue wird alle Schwierigkeiten zu überwinden wissen, die sich tvahrlich nicht aus der Frage der Personen ergeben haben. Für die zionistische und weit darüber hinauS^/für die jüdische Welt ist Weizmann der Führer, der dke Balfour-Deklaration bis zum Mandat entwickelt hat, er hat die Beschlüsse, die Universität zu schaffen, in die Tat umgesetzt, und ihn trägt das Vertrauen aller, dre daö Baseler Programm bekennen. Er sieht von seiner Warte aus die Hemmungen, die sich uns in den Weg stellen/ diel l, 1. Sepie »über 1925 CAFE SPLENDIDE—1 L, Mtomfrgoffifouie « 10 Bülard* * 1 Tarnfefbrett Vorsflglfdie Qelrlnke - Kalle« Büfett 336 schärfer und kann sie aus feiltet Kenntnis der Tatsachen sicherlich viel besser beurteilen. Die scharfe und wohlfundicrte Kritik, die nicht nur von der als offene Opposition auftretendeu Gruppe geübt wurde, war nicht gegen die Persott des jüdischen Politikers gerichtet, sondern zielte gegen den Geist, der an unserent anerkannten, öffentlich und feierlich verbrieften Recht Einschränkungen vornehmen will und dem die Stimme der zionistischen Bewegung entgegentreten muß. Kein Mensch, geschweige denn ein zum Bewußtsein seiner Lage erlvachtes freies Volk darf widerstandslos eine Einengung seiner mit i()m geborenen Rechte hinnehmen. . Der Zionismus kennt die Gegenströmungen, die ans aller Well kommen und ihn aushcbcn wollen. Er hat alle Illusionen in; der rauhen Luft der realpolitischen Tatsachen abgestreift und er weiß, daß alles, was ihm groß mtb er-! strebenswert erscheint, in den Augen der anderen, l Mächtigeren au direkter Bedeutung einbüßt. Aus dieser ( Erfahrung ergibt sich naturgemäß die Neigung zu ' nervöser Unruhe, verschärft durch das leider nur allzu : berechtigte jüdische Mißtrauen. Dies äußerte sich auf denk Kongreß in fast allen Reden, vornehmlich jedoch mmmmmmmmmmmmmmmammtammmmmmmmmmmmmmimmmumiammmmmmm in der Behandlung der palästinensisch-politischen Frage und der Erweiterung der jüdischen Vertretung. Wir sind von der Geschichte nicht verwöhnt und auch die zionistische Entwicklung hat wiederholt mtt Enttäuschungen zu tun gehabt. Es ist verständlich, daß wir alles, was mit dem Judentum zusammenhängt, mit doppelter Behutsamkeit betrachten, wenn es an die jüdische Zukunft, an die Errichtung der jüdischen natioualen Heimstätte streift. Dieser vierzehnte Kongreß hat genart zwanzig Jahre nach den» Uganda-Kongreß stattgcfnnden und cs ist sicherlich kein Zufall, daß die Auseinandersetzungen an Tiefe und Temperament den Grad der „Neinsagers-Debatte erreichten. Damals rvie heute hatten wir mit England zu tun. Damals haben wir an daö historische Verständnis uni» an das GerechtigkeitSempfirrdcn des britischen Volkes appelliert und wir sind verstanden worden. England, bessert politische Ent- .Wicklung durch die Jahrhunderte geht, hat begriffen, daß uitfcv Endziel immer und unter allen Umständen das gleiche bleiben muß. England hat uns auch jetzt wie vor zwanzig Jahren gezeigt, welche Achtung cs vor diesen jüdischen Tendenzen besitzt. Es hat damit begönnert, das älteste Unrecht der Geschichte gutzumacherr, mrd drrrch die Ueberrrahrne des Mandates zu erkennen gegeben, daß es die Berpflichturrgen e.inlösen will. Es wird auch die Stellnngrrahme dieses Kongresses ehren müssen, und die neue Exekutive, deren Konstituierung in Bälde erfolgen muß, wenn kein Bakuunr eintreten soll, wird ein sorgsamer Interpret der Politischen und I Uürtschastlichen Beschlüsse sein müssen. Der Kongreßschluß. Ne Beschlüsse. - Die Wahlen. - Matzklns und Sokolow« Schlußreden. - Konstituierung des Attiouskomltees. Nach der Rede, mit welcher Präsident W e i z rn a n u, der unaufschiebbarer Geschäfte. wegen noch Sonntag abends abreisen. mußte, sich vorn Kongreß verabschiedet hatte, wurde die Sitzung unr halb v Uhr abends unterbrochen und erst um 10 Uhr 45 Minuten nachts unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Rabbi Meier Berlin wieder ausgenommen. Es wurden zunächst die weiteren Vorschläge der Einwänderungskommission (Referent Dr. Martin. R o s e n b l ü! h) behandelt. Gemäß diesen Anträgen beschloß der Kongreß die Schaffung einer ... . ' , zetttraltzri TranSportabteilung beim Einwanderungsamt in Palästina mit Zweigstellen ../bei den Palästinaämtern. Diese Transportabteilung sott gemäß dem Beschlüsse des Kongresses alle Transpvrtangelegenheiten zentWlisieren und alle notwendigen Schritte unternehmen, um die Interessen der jüdischen Wanderer bei der Uebersührurrg ihres Bernlögens nach Palästina zu schützen. Ferner wurde vom Kongreß zum Zwecke der Förderung und Organisierung der jüdischen Touristik nach Palästina die Schaffung einer zentralen Touristenabteilung beim Einwanderungsamte in Palästina mit Zweigstellen bei den Palästinaämtern beschlossen. Im Hinblick daraus, daß das Tätigkeitsgebiet der Palästinakommission angesichts der E i n w a n d e r n n g von bemittelten Elementen vergrößert werden muß, beschloß der Kongreß, daß alle Palästinaänlter zwecks Informierung von Einwanderern Jnformationsbureaus zu eröffnen und in denjenigen Städten, wo ein regeres zionistisches Loberl herrscht, Bertraucnsmällner einzusetzen haben, die für solche Informationen geeignet sind. Die die Organisation der Palästinaänlter betreffenden Refolutioilen, welche der Kongreß hierauf nach längerer Debatte annahm, beinhalten vornehmlich Beschlüsse bezüglich der Machlakoth Awodah (Qualifitationskommissionen). Der Kongreß beschloß, daß in den Machlakoth Awodah der Polästinaämter die durch den Kongreß anerkannterl zionistischen Landesverbände und Föderationen in der gleicherr Weise v e r t r e t e n sein sollen tvie in den Palästinakomruissionen. Ferner wurde die dringende Notwendigkeit konstatiert, den Beschluß des 13. Kongresses zu verwirklichen, daß bei den Machlakoth Awodah in Palästina ein Alijah rat (Einwanderungsamt) geschaffen werde, in welchem der palästinensische I i s ch u w nach Vereinbarung zwischen der Zionistischeil Exekutive und dem Waad Leumi vertreten sein soll. Ueber die Ehaluzim und ihre Vorbereitung für die Alijah faßte der Kongreß einige wichtige Beschlüsse. Es wurde zunächst eine Resolution angenommell, welche den Kongreßbeschluß zum Ausdruck brillgt, daß unbeschadet des Rechtes des Wellverbandes derHechaluz die für die Hachscharah (Vorbereitung) ausgeworfenen Gelder auf die einzelnen Länder zu verteilen, in den einzelnen Ländern bet den Palästinaamtern Hachscharahtommissionen einzusetzen sind, welche die Budgets der verschiedenen Hachscharahgruppen zu prüfen, die Hachfcharahgelder proportioncll muev den Gruppen laut ihren Bedürfnissen zu verteilen und alle Hachscharahgruppen zu kontrollieren haben. Ferner wurden vom Kongreß folgende Chäluzorgallisationell b e st ä t i g t und ihnen die dem Weltverband Hechaluz vom 13. Kongreß verliehenen Rechte gegeben: Allwcltlicher Hechaluz Misrachi, Hechaluz Hamerkäsi der allgemeinen Zionistischen Organisation, die Organisation der Ehalnz Misrachi (die sich von Misrachi abgetreuui hat), die Chaluzorganisation Haschomer Hazair, Haschomer Trumpeldor, Brith Hanoar sowie die selbständige Ehaluzvrganisation irr Lettland. Au diese Bestätigung als Chaluzorganlsationen für Hachscharah und Alijah schloß der Kongreß die Forderung, daß sich alle Chaluzorganisationen zu einer allgemeine rt überparteilichen E h a l uz o r g a n i s a t i o n z us a m m enschließe n. Der Ehalnz Hainisrachi, welcher sich von Misrachi abgetrennt hat, ist burdf) Entscheidung des Kongreßgcrichtcs verhalten, künftighin durch einen Zusatz zu seinem Rainen oder in anderer Weise deutlich zu machen, daß er mit den in' der Misrachi verbliebenen Hechaluz nicht ibentifcf) ist. Hierauf legte der Vorsitzende der politischen Kommission, Morris Rothenberg (New-S)ork), folgende fünfzehn Politische Resolutionen vor, die en bloc angenommen wurden. 1. Der Kongreß stellt fest, daß entsprechend dem Wortlaut und Geist des Mandats die Ver w altung Palästinas in der Weise zu führen ist, daß der Aufbau deS jüdischen Nationalheimes durch Schaffung politischer, administrativer und ökonomischer Bedingungen aktiv unterstützt wird, insbesondere daß durch Artikel 6 des Mandats die jüdische Einwanderung erleichtert und die Schaffung geschlossener jüdischer Siedlungen ans staatlichen und brach liegenden Ländereien gefördert wird. 2. Der Kongreß stellt fest, daß die bisherige Berücksichtigung des j ü d i s ch e n S ch n l w e r k e s im B u d g e t der Regierung in keiner Weise den gerechten Ansprüchen der jüdischen Bevölkerung entspricht und beauftragt die Exekutive, die rascheste Beseitigung dieses Zustandeherbeizuführen. 3. Der 14. Kongreß wiederholt den Beschluß des 13. Kongresses wegen der L e g a l i s i e r u n g d e s W a a d Leumi und des j ü d i s ch e n Gcmeinde statuts und verpflichtet die neue Exekutive, sich für die raschere Erfüllung der Forderungen des organisierten jüdischen Jlschuw bej. der Mandatarmacht und der Palästinaregierung einzusetzen. 4. Dex Kongreß betrachtet die O r g a n i s a t i o n d e S jüdischen Jischuw in Palästina als eine der Borbebindungen für eine gesunde und organische Entwicklung des jüdischen Gemeinwesens in Palästina. Der Kongreß betrachtet die Affefath Han iwcharim (Nationalversammlung) und den Waad Leumi (Nationalrat) als die legalen Vertretung-» o rgan e des jüdischen Jischuw. Der Kongreß erwartet, daß sämtliche Juden Palästinas ausnahmslos an den Wahlen zur Assefath Haniwcharim teilnehmen rinzur Stärkung und Ausige- Ste können Ihr Nette- und Hnnögepäck lvährettd des tkongrettes und dir txZmr't n “ä Europäischen vor»r ‘ “ " ‘ Q»l(h«rung8>Akilenges«llsch« ntl. 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