Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2345 (1.9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Mandatskommission liegt einstweilen nur die Beschwerde der durch den Rabbiner Sonnenfeld vertretenen Agudah über die „Intoleranz der Zionisten" vor. Das Referat hierüber wurde dem holländischen Mitglied van Rieß übertragen. Der Sturm auf Damarlur. Konstantinopel, 31. August. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der letzte Sturm der Drusen aus D a m a skus brachte die Aufständischen bis aus vier Meilen an die Stadt Hera«, in der dar-aushin eine Panik ausbrach. Der Versuch der Aufständischen, die Bahnlinie Tainäskns -—Derat zu unterbinden, scheiterte. Ae Resultate des Kongresses. sw GesprSch mit Trotz der schlaflos verbrachten Nacht, die den Kongreß abschloß, ist der weise Präsident in seiner gewöhnlichen Stimmung einer etwas ironisch angehauchten Gutmütigkeit. Man merkt deutlich die jahrzehntelange Erfahrung, aus der heraus der bewährte Führer die Wortschlachten der letzten zwei Wochen von einer höheren Warte betrachtet; die tragische Zuspitzung der Kampfmomente, die in den Augen Jüngerer zu einer Gesamtvorstellung von einer akuten Krise summiert, zerlegt der erfahrene Politiker und tiefe Menschenkenner in ihre elementaren Bestandteile: Die Unzufriedenheit mit der Kleinheit des Erreichten, das Streben zum schnellen Aufstieg, das Haftenbleiben an Kleinigkeiten, die allzu sehr in die Augen springen. Die langsamen, abgeklärten Sätze folgen aufeinander, lassen ein Bild entstehet vom vierzehnten Gliode in der Kette der Geschichte der jüdischen Volksvertretung: Den hohen Wert der kontinuierlichen Mannigfaltigkeit erhält jedes Bild oben durch seine Eigenart. Es sind andere Konstellationen, die ein jeder Kongreß vorfindet, andere Tagesfragen, die ihn beschäftigen, ein anderer Gesamtcharakter, den er schließlich annimmt. Die Formen, in denen sich der jeweilige Kongreß abspielt, können mehr oder weniger befriedigen, sollen aber nie als Anlaß zu einer übertriebenen Aufregung benützt werden. Die ewigen Ziele der Bewegung ständig im Auge behaltend, müßte demzufolge diejenige Verhanidlungs- und Betätigungsweise Platz greifen, welche den Fragen und Verhältnissen der Gegenwart am meisten entspricht. ' Es ist nicht leicht, mit dem Präsidenten des Kongresses und der Exekutive eine halbe Stunde lang ungestört zu sprechen. Sobald die Tür des Wohnraumes überschritten ist, beginnt der Ansturm. Allein auf den Treppenfluren des großen Ringhotels sind zwei Besucher zu erledigen, und der kurze Weg von der Opernkreuzung zum Schwarzenbergplatz bringt unzählige Begegnungen herbei, deren meiste allerdings, zum Glück für den Fortlauf des Gespräches, sich nur in einer Bewegung der Hand zum Hute äußert, in Erwiderung der von allen Äiten fallenden achtungsvollen Grüße. Doch das Schlimmste steht noch bevor: Die Durchquerung des Kongreßhouses. Kaum ist ein schnelles Gespräch mit einem Aktionskomiteemitglied beendet, wird Herr Sokolow zum Opfer eines großangelegten Manövers: Ein unbekannter Mann tritt heran und mit einem unendlich tiefen Bückling ersucht er den Präsidenten, eine Schnellaufnahme zu gestatten, die so wenig Zeit erfordern wird, daß man den dadurch verursachten Zeitverlust überhaupt in keiner für menschliche Sinne erfaßbaren Einheit wird ausdrücken können... Aus diesem unendlich kleinen wivd ein unendlich großer Zeitverlust, Herr Sokolow muß in den verschiedensten Posen, stehend und sitzend, mit und ohne Kopfbedeckung, vor den Apparat. Im stillen Zimmer der Exekutive findet das Gespräch sein ungestörtes Ende. Im Laufe der Unterredung äußerte sich Herr Sokolow aus die verschiedenen ihm vorgelegten Fragen im wesentlichen wie folgt: Der vierzehnte Kongreß war erfüllt von schweren, ja dramatischen Momenten, doch darf nicht übersehen werden, daß eben das Vorhandensein von schwerwiegenden praktischen Fragen, welches überhaupt die Unterlagen für die erregten Debatten bildete, allein schon einen großen Fortschritt in unserer Bewegung bezeichnet. Im Mittelpunkte des Interesses stand die Frage der Einwanderung und der Methoden, die ihr gegenüber angewendet werden sollen. Das bloße Vorhandensein dieser breiten Aliiahbewegung bildet schon eine Garantie des Erfolges unserer Bestrebungen. In der Eröffnungsrede betonte ich, daß dieser Kongreß vollständig unter dem Zeichen der verstärkten A l i j a h zu tagen hat und diese soll auch die Grundlage unserer Beurteilung der gesamten politischen Situation bilden. Zu meinem Bedauern wurde das letztere, die grundlegende Wichtigkeit Rahm» Sokolow. der Immigration in der zionistischen Politik, n i ch t g e n ü g e n d von den verschiedenen Seiten gewüÄngt. Man hat so viel über Politik, politische Tätigkeit und politische Mißerfolge gesprochen, daß man sich eigentlich darüber im klaren befinden sollte, daß die Hauptrichtung unserer Politik einzig und allein in der Ermöglichung der verstärkten Einwanderung von Juden nach Erez Israel liegen kann. Gewiß entbehren die Fragen der alltäglichen administrativen Praxis nicht einer bestimmten Bedeutung Nach wie vor werden wir bestrebt sein, die berechtigten Interessen der jüdischen Bevölkerung als Ganzes oder der einzelnen Juden in ihrem Verkehre mit den Organen der palästinensischen Regierung zu schützen. Doch kann das bessere oder schlechtere Gelingen solcher Aktionen auf dem Gebiete der Verwaltung nie zum Kriterium unserer Politik oder etwa unserer außenpolitischen Lage genommen werden. Was das Wesen unserer Politik im eigentlichen Sinne dieses Wortes, ausmacht, ist die Frage der tatsächlichen Erschließung Erez Israels für die jüdischen Einwanderer. In dieser Beziehung muß hervorgehoben werden, daß unsere Lage sich wesentlich gebessert hat, daß gegenwärtig. viel größere Möglichkeiten für eine verstärkte Einwanderung und Besiedlung bestehen als je zuvor. Es ist aber auch klar, daß die Regierung eines Landes immer die Möglichkeit hat, eine unerwünschte Einwanderung auf verschiedenste Art und Weise zu hemmen. Daß dies nicht der Fall ist, darin liegt ein deutlicher Beweis e i n e r g ü n st i g e n politischen Situation, der gegenüber die einzelnen Fragen der Verwaltungspraxis, wie gesagt, nicht schwer ins Gewicht fallen. Die öffentliche Meinung des Judentums in der Diaspora sowie in Erez Israel war tief durch die Demission Sir Herbert Samuels betrübt. Es wäre unser allgemeiner Wunsch, daß der erste High Commissioner, der so viel zu der Verwirklichung des Mandats beigetragen hat, auch fernerhin an der Spitze der Landesverwaltung bleiben könnte. Doch war Sir Herbert Samuel nur für den Zeitraum von fünf Jahren ernannt und .es widerspricht der Praxis der englischen Kolonialpolitik, dieselben verantwortlichen Beamten allzu lange Zeit an der Spitze der Gebietsverwaltung zu belassen. Selbstverständlich kann aus einer solchen Taffache, wie einem Wechsel in der Person des leitenden Beamten, am allerwenigsten ein Beweis einer ungünstigen politischen Lage erbracht werden. Worauf es allein ankommt, die tatsächliche Ermöglichung der Einwanderung haben wir, wie gesagt, in viel höherem Maße errungen, als es früher der Fall war. Angesichts der vergrößerten Einwanderung mußte der Kongreß sich darüber im klaren befinden, daß die Aufbringung finanzieller Mittel, die nur in mühseliger Arbeit erreicht werden können, die Hauptaufgabe des gegenwätigen Momentes bedeutet. AM die Tätigkeit der Exekutive, die in allernäHster Zuku nft vom Aktionskomiteegebildel werden wird, wird dahin gehen müssen. In der vergangenen Kongreßperiode waren die Mitglieder der Exekutive gezwungen, auf ausgedehnten Reisen dies selbst zu besorgen. Wir werden uns alle freuen, wenn wir in Zukunft von diesen Reisen befreit Iverden und uns anderen Aufgaben zuwenden können. Jedenfalls stellt der anfzubringende Betrag von fast einer Million Pfund eine ungeheure Leistung dar und wird eine Kvaft- %Lh:U'*! jf .v,*L yr»«..