Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2344 (31.8.1925)
- Date
- 1925-08-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Teile ü Nr. 234 t I zu wissen, daß schon mit wenigem viel geleistet werden I kann, während geringe Leistung bei großen Mitteln auch I einen KrösuS entmutigen muß. I Sache der Arbeiter, der Pioniere des Aufbaus, wäre I es daher in erster Linie, ihren Verstand anzustrengen, I um den gekdgebenden Personen und Instituten Mut zu I machen, ihnen zu sagen, daß sehr viel Arbeit und ein I großes Quantum an Kolonisation ermöglicht werden kann durch ganz geringes Geld. Die- Ist durchführbar, sobald man sich entschließt, wirklich pioniermäßig zu arbeiten, eine Zeitlang Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen und sich zu! behelfen, wie eS bei einem Anfang eben gehe« mutz. In diesem Zusammenhang sei auf eine interessante Aeußerung von Weizmann hingewiesen, die merkwürdigerweise nur sehr geringe Beachtung gefunden zu haben scheint. In seinen „amerikanischen Ansprachen", denen zu Propagandazwecken eine weitgehende Verbreitung in mehreren Sprachen gegeben worden war, sagt er über die Kosten der Ansiedlung arbeitsfähiger und arbeitswilliger Elemente, daß eine Summe von ungefähr fünfzig Pfund für die Ausässigmachung eines Arbeiter- und für die Begründung einer Familie au Sr eichen. Dieser Satz, dessen Richtigkeit ich bestätige und den ich jederzeit bereit bin in die Wirklichkeit umzusetzen, unterscheidet ftdj so fundamental von den Kostenzifsern unserer beamteten Kolonisatoren und ihres Anhanges, daß cs sich lohnen wird, ihn wörtlich zu zitieren. Der englische Originaltext läßt keinen Zweifel darüber, daß nicht etwa ein Druckfehler oder dergleichen vorsiegt. Um so bezeichnender ist eS freilich, daß in den mehr als zwei Jahren seit Verbreitung oieser auffallenden Aeußerung von zionistischer Seite nichtgeschahen ist, um diese billige Form der Kolonisation durchzuführen oder den Irrtum — wenn es einer war — richtigzustellen. Die Weizmannsche Ziffer verhält sich zur palästinensischen „Praxis" ungefähr wie eins zu zwanzig. Der betreffende Passus lautet wörtlich: „Two hunderd an flfty doHars will settle a Chafuz in Palestinc, will estabiish him in such wise thai he can. witfi tfte work of his hands and brain, settle there, bring um a family.“ (American Adresse-, Seite 46). Zn der deutschen Ausgabe (Israel und sein Land, Seite 53) Heißt der Satz: „850 Dollar werden einen LHaluz in Palästina ' ansiedeln, werden ihn solcher Act ansässig machen, daß er durch die Arbeit seiner Hände und seine- Kopfes dort ' leben und seine Kinder aufziehen kann." Hier ist ein grundlegendes Thema für den Kongreß und für die gesamte jüdische Arbeiterschaft Palästinas. Darüber hinaus werden auch die Arbeiter sich die Köpfe zu zerbrechen habe», in welcher Weise sie das Kapital ermutigen können, sich an dem Aufbauwerke zu beteiligen. Die Kapitalisten" ihrerseits haben sich berits die Köpfe zerbrochen und Lösungen des Problems gefunden. In vollem Verständnis der nationalen Interessen und des „Zeitgeistes" haben wohl alle Kapitalisten" sich damit abgefunden. daß das jüdische Palästina kein Felo für ungezügelten Erwerbsinn werden darf. Soweit meine Kenntnis reicht, hegt keiner von denen, die sich mit Kapital in Palästina betätigen möchten — weder einzelne noch Geschäften den Gedanken einer Ausbeutung des Arbeiters. ES wäre auch schlechterdings unmöglich. Aber finden wir auch bei dem Arbeiter Verständnis für die Rolle und oie Funktionen und für die Rechte des Kapitals in einem jüdischen Palästina?... Auch diese Probleme gehören zu der neuen Nationalökonomie, innerhalb deren wir die Fragen zu lösen haben, wie — bei unserem Aufbau — das Kapital \iä) der Arbeit, aber auch wie die Arbeit sich dem Kapital anzupassen hat, um für das nationale Ganze e i n H ö ch st e s zu erreichen. Dies sind keinesfalls nur Fragen sür unseren Arbeiter oder nur Fragen für unsere Arbeiter in Palästina. Unter unseren Chaluzim sind solche, die in schiverer Arbeit Ersparnisse gemacht habeit, um ohne Inanspruchnahme fremder Hilfe nach Palästina gehen zu können. tt«b sogar unter jungen Kaufkeuten sind Aktionen im Gange, die den Mitgliedern möglichst rasch die Uehersietllung nach Palästina und eine nutzbringende Tätigkeit ermöglichen soll. Derartige Forme« dürften sich für jede Gruppe ernsthafter Palästina-Zionisten finden lassen. Eigenaktio» und gegen seitige Hilft sind besser als das Warten auf fremde Kapitalisten oder Beihilfen. Hier streifen wir auch einige weitere Grundlagen unseres Ausbaues. Die Ausschließlichkeit der Landwirtschaft muß fallen. Eine Ausschaltung der Berufe. die unseren Einwanderern bekannt und gewöhnt sind, Aufluttfieu von Berufen, die ihnen fremd sind und die noch dazu in ihrer Rückständigkeit gar nicht so empfehlenswert find wie man meistens bei uns glaubt, derlei kann uns nicht dem Zule näher bringen. Industrie urrd Handwerk, Handel und Verkehr haben einen unvergleichlich höheren Wert für die kommende jüdische Volkswirtschaft Palästinas als die bisher allein seliggesprochene Landwirtschaft. Innerhalb dieser letzteren müssen Wissenschaft und Technik diesen Beruf erst der hohen jüdischen Menschenqnalität näher bringen. Die intensivsten Methoden müssen herangezogeu werden. Feld und Garten sollen rieben der Werkstatt die Arbeit unserer Menschen aussüllen und einen Ausgleich schaffen, alle Fähigkeiten zur Geltung kommen lassen. , Das neue Palästina soll kein rückständiges „Agrarland" »verdorr. Es ist zu schade dazu, und dasselbe gilt für unser Mcnschenelement. Die Welt ist voller Länoer, die sich besser für die Produktion landwirtschaftlicher lleberschiisse eigner, als das kleine Sorrrreillaud Palästina. Hier wollen w^r möglichst viele Juden unter bringen. Als Selbstversorger — nicht als Weltversorger! Für die Welt kann ein von Inden dicht besiedeltes Palästina besser solche Güter erzeugen, die auf einer M e nschenfülle beruhen und nicht auf einer Menschenleere. In den fortgeschrittenen Ländern nehmen die landwirtschaftlicheu Berufe einen immer kleineren Prozentsatz der gesamten« Berufstätigkeit ein. In Deutschland etwa 30, in England gar nur etwa 8 Prozent. Wenn wir aber Seinen hohen Prozentsatz von Berufs-- landwirten künstlich züchte« wolle«, so erstreben wir doch Landwirtschaft fitr alle — aber tm Nebenberuf, neben industrieller. landwirtschaftlicher und geistiger Arbeit, etwa wie Kropoikin eS predigt... Was uns not tut, ist die Massenhilfe. Auf kleinen Flächen und mit geringen Kosten. Auf Selbständigkeit und auf Selbstarbeit gestellt. Heimstätten für alle können aus der „Arbeit aller für alle" entstehen. Ei» Arbeitsdienst dürfte die beste Methode zur Erreichung dieses Zieles sein. Er böte auch vielseitige Ausbildung und würde allen freie Berufswahl ermöglichen. Hier winkt auch Selbständ! gkeit aller bereits in jungen Jahren und Land, Brot und Frecheit für alle. „Auf solche»! Wegen werden wir tatsächlich zu derjenigen sozialen Gerechtigkeit gelangen können, die nicht einer bloßen Tagesförderung, sondern den ältesten jüdischen Tendenzen entspricht. Eine soziale Gerechtigkeit, die den überspanntesten Arbeitecforderungen durch das Angebot von etwas viel Weitergehendem wirksam entgegentritt und die gleichzeitig natfj der anderen Seite jede mißbräuchliche Betätigung der Kapitalgewalt ausschließt." Ne ftingBnge beim Neren-Saieffod-Hauptbarem im galt 1925. Vereinigte Staate« von Amerika ...... £ 25.871 y 6 Holland . 10.861 911 Polen r Warschau . . . £ 7.005 1 5 Westgalizsien. . 155 1 0 Ostgalisien . . 84519 6 Wilna-Gebiet . 98 9 9 7.604 5 8 Rumänien r Bukarest . . . £ 225016 8 Transsilvanien. S4810 0 Bukowina. . . 28812 5 2.8801811 Deutschland. 3.50615 S* Argentinien. 2000 0 0 Palästina.. ....... 1.4801210 Südafrika 1.014 00 0 895 0 0 Tschechoslowakei. 732 7 3 Marokko.. »», » * * » 4 65115 6 Aeghvten ... . i « fl 4 587 1110 Griechenland ...... * fl fl fl fl « « 42015 6 Jugoslawien ....... «»•••»• 385 6 8 Lettland. > ,»,.»»» 1 1 fl « t fl 1 350 7 8 Frankreich: Paris .... £ 28517 0 Straßburg . . 73 2 4 307 19 4 Finnland (HelstngforS). . . . . .... » . 800 7 8** Litauen ......... ........ 300 0 0 Schweiz.. 278 17 8 Brasilien ...... 370 0 0 Estland ......... . . » . 1281311 Oesterreich ........ ........ 10415 8 China (Tientsin) . . . . . » G fl»»,»» 100 0 0 Danr'g ......... 8714 0 Tunis.......... 77 611 Bulgarien.. fl»,*»»fl» 2710 0 Norwegen ........ 14 1011 Dänemark.. » « » , « G», 7 0 0 Einzelbeiträge . . . . ........ 31110 Gesamtsumme. .,£»60.14419 0 Die Gesamteinaänqe der Hauvtburraus des Keren Hajeffod bis -um 81. Juli 1925 betragen £ 97« 4M S JO. Re Settoeabang der Kerra-Sajeffod-Velder ia PaiSftlaa. Bo» «PrU 1SS1 bis IM 1925. £ •/• 1. Landwirtschaftl. Kolonisation (tnlL Versuchsstation £ 40.89218 2) 581.20010 2 29,22 8. Erziehung (ittU. Universität und Nationcttbibliothek . . 29.535 S 0) 851.140 2 4 19,81 3. Einwanderung sinkt. Emigranten» Häuser.9.837 1 9) *18.909 18 3 11,78 4. Investitionen r thvothekenkredite für äuserbau.58.49819 0 f aleftine Electric vrvv ation.50.000 0 0 Palestine Land Development E> mpany Ltd. 20.57818 0 Hiolelboneh.18.410 6 8 Schulgebäude .... 10,lf>& io 7 Handwerkerbank... 2.051 510 Palestine Mining HyUdtegte . . . . . tftOQQO 0 164.1881711 8,48 &. Oeffeutliche Gesundheitspstege.158.881 9 7 8,48 6. Oeffeutliche Arbeiten ........ 142.064 4 0 7,81 7. AdministrationSipesen ........ 88.34516 8 4,86 8- Besondere Ausgabe» ........ 66.85018 2 8,79 9. MiSracht-Organtlation. 50.10411 9 8J6 10. Keren Kaien etb l'Ifrael ....... 26517 8 5 1,46 11. Handel »,d Industrie . 20.18619 1 i,n 12. Technischer Institut i» Haifa. . . . . 18,477 t« 4 101 £ 818.588 6 8 100, O Q *>Davvn £ 700 für da» Technische Institut i« Haifa. **) Mit der Bestimmung für die Hebräische Universität. 31 "August ioi. Sportnachrichten. Sie Meisterschaft.' Ootonfi-ffiadet 5:1 (3:9). Tore: Neufeld (2), Hetz (2), Sisenhofer; Haft!. Macker-Platz. Schiedsrichter Revfchury. 104)00 Zuschauer. Ha ko ah: Fabian; Scheuer, Wegner 1; Fried, Gutmann, Pollak; Neuseid, Häusler, Heß, Eisenhoftr, Schwanz. Wacker: Marefch; Rappan, Jellinek; Brttieck, Reich, Pellet; Machhörndl, Depbl, Haftl, Siklosi, Duvesch. Die ersten Angriffe werden von den Krieauern eingeleitet. Neufeld, durch den verletzten rechten Fuß gehandikapt, schießt iiuks stockhoch übers Tor. Marefch ist bei Flaukoiz Neufelds und Schwarz' gut placiert und klärt wiederholt durch rechtzeitiges Eingreifen. Erft noch ungefähr 10 Minuten kommen die Meidlmger zum ersten Male vor das gegnerische Tor und erzwingen nach einem schönen Lauf Machhörndls die e r st e Ecke. Eine brenzliche Situation in Goalnähe klärt Guttmann. Ml Ausnahme weniger Durchbrüche der Wackcr-FIügel, die aber weitaus zweckmäßiger und un-gekünftelter arbeite« als die Blau-Weißen, beherrscht Hakoah das Spiel, doch gehen die meisten Angriffe vorläufig mehr in die Breite a-ls nach vorne.! Nach einer wetteren Ecke gegn Hakooh verköpft Siklosfy. Trotz ihrer Ueberlegenhett scheint sich Hakoah bereits mit einer torloseil ersten Hälfte abgefunden zu haben, 5a. bricht plötzlich in der 38. Minute über Wacker das Verhängnis herein Marefch, der wiederholt m schwierigen Situationen verblüffende Arbeit gezeigt hat, läßt eine» schwachen Flachschuß Neufelds aus den Händen ins Tor gleiten. Durch diesen unverhofften Erfolg aufgepulvert, greifen die Blau-Weißen auch weiterhin mächtig an und schon nach zwei Minuten übernimimt Heß einen Freistoß Frieds und placiert das Leder wieder mit haltbarem Schuß in die Ecke. Bald darauf geht Häusler am Flügel durch, feinen Schuß wehrt. Marefch zwar ab, doch Neufeld ist sofort zur Grelle, und Punkt drei ist fertig. Knapp vor der Pause Eckstoß gegen Hakoah, Resch übernimmt de» Ball mit dem Kopf, verfehlt aber, das Ziel. Nach Wiederbeginn bcherrfcht wieder Hakoah längere Zeit das Feld, Eiscnhoffer verschießt zweimal in äußerst günstiger Stellung. Aus der Gegenseite widerfährr Haftl und Sr- Kossh das gleiche Mißgeschick. In der 16. Minute bringt Schwarz einen scheinbar verlorenen Ball zur Mitte, Eisenhofer spielt das Leder dem besser placierten Heß zu, der neben Marefch mit scharfem Schuß einscndet. Die nächste Viertelstunde steht im Zeichen heftiger Angriffe der Wäcker-Leute, Machhörndl gibt einige Maile vorbildlich zur Mttte, doch Fabian kann vorläufig zählbare Erfolge des Gegners verhindern. Erst in der 38. Minute gelingt Haftl, der einen Freistoß Brinecks übernimmt, mit scharfem Kopfstoß der Ehventreffer für seine Farben. Während der letzten Minuten läßt sich der Spielverlauf nur äußerst schwer verfolgen, da es bereits ziemlich dunkel ist und auch die Spieler verschlen wiederholt den Ball. In der 38. Minute gelangt auch noch Eisenhofftr zu Tresftrchren, der aus nächster Nähe rin Zuspiel Heß' zum fünften Treffer Verwerter. Wacker ist bemüht, das Resultat günstiger zu gestatten, doch die Krieauer ziehen den > größten Teil ihrer StreitEräste in die Verteidigung zurück und halten das Resultat bis zum Schluß. Kornerverbältnis 8:3 für Wacker. Sportklub Simmering 3 : 1 (2:0). Spovtklub-Platz. Schiedsrichter Plhak. 4000 Zuschauer. Sportklub: ©bi; Beer, Teufel; Dwor-ak, Wiedelnann, Lowak; Bauer, Butzm, Hößs Neumann, Pammer. Simmering: Aigner; Musil, Jra; Baumgartner, Duuvser, Ehrlich; Urban Horvach, Danis, Hauswirch, Viertel, Das Spiel beginnt in scharfem Tempo, der erste Angriff der Dornbacher endet durch einen knapp neben dein Tor vovbeigchenden Schuß Bauers. Gleich daraus erhält Höß den Ball, er brennt durch und sendet ein. (1. Minute.) Pun ist das Spvrtklubt-or längere Zelt in Gefahr, Halbes und Verteidiger blöden eine Mauer, durch die nicht durchzukommen ist. Simmering bedrängt fast. unausgesetzt bis zur 20. Minute. Höß hott sich von rückwärts den Ball, gibt zu Bauer, der Budin „serviert", Mit unhaltbarem Schuß erzielt dieser das zweite Tor. Die Siusmeringer sind sichtlich nervös geworden, > ihr Spiel läßt einheitliche ZusammenaÄelt vermissen. Dem noch muß ©di oft genug eingreisen, er ersüM seine Aufga^l vn glänzender Manier. In der 44. Minute schießt Bauer ein dritte- Goal, das aber wogen off sitze nicht anerkannt wird. Zu Beginn der zweiten Hälfte hat Svrmnering mehr vom Spiel. Ein Elfer wird von Dumser verschossen, eine Minute (26.) später kann Urban «ine schöne Vorlage Horvaths verwandeln. Nun wird das Spiel ausgeglichen, das Tempo ist »roch immtet ein äußerst scharfes. Bauer, der in der zwetten Hälfte fast gar nicht beschäftigt wurde — er stand immer abseits —, stellt in der 34. Minute das Endresultat her. Schiedsrichter Plhak leitete den hochinteressanten Kamstf zur Zufriedenheit beider Parteien. DaS Spiel der Reserven ett&ete 6:3 für Simmering. A m a t e u r A d m l r a 4 r 2 (1 r 3). F. A. E.- R a p t d 3:1 (1:1). S l o v a «-H e r t & a 1: 0 (0:0). Bienn a-W. A. C. Sr 0 (2 r 0>.