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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-31 · Heft 2344 (31.8.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2344 (31.8.1925)
Date
1925-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Groschen Redaktion, Administration. Wien Ü.Taborstr.1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr 21-102, 25-2-82 DL Universitätsstrasse 6— 8 (Druckerei lgn. Steinmann) Oesterrelchisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Bezugsbedingungen für Oesterreich monatlich 5 S »t. 2344 KONGBESSAUSGABE Wiener omenxenung LKämtnerstr. 11-15 Perfumery Gloves Gentlemen Outfiffers Fancy üoods ViennasLeadlngHouse Wien, Montag. 31. Anauft 1921 7. Zahrgang Der 14. zionifteulongreß geschloffen. Welrmann, Sololoto «ad das M'oaskomttee mtt der Bildaug der Srrkative betraat. Weizmann abgereift. Heule um 6 Uhr früh ist der 14. Zionistenkongreß, der am 18. August feine Beratungen begonnen hatte, von dem Präsidenten So ko low mit einer herzlichen Abschiedsrede geschlossen worden, in der er eS als den Willen des Kongresses anssprach, die Gebeine Theodor Herzls von Wien nach Palästina zu überführen. Er teilte mit, daß die Exekutive beschlossen habe, zur Feier des 80. Geburtstages des Barons Edmond de Rothschild eine landwirtschaftliche Fakultät der Jerusalemer Universität anzugliedern. S o k o l o w faßte dann die Ergebnisse des Kongresses zusammen und sprach schließlich der österreichischen Bundesregierung, dem Polizeipräsidenten Schober, der Bevölkerung der Stadt Wien und der Presse den Dank aus. Die Versammlung stimmte dann die Hatikwah an. * Der Kongreß war reich an bewegten Szenen und stürmischen Debatten. In siebzehn Sitzungen hat er ein riesenhaftes Programm restlos aufgearbeitet, e i n B u d g e t b e w i l l i g t und eine Reihe wichtiger Reörganisätionsbestimmungeu beschlossen. Die Wahl einer neuen Leitung hat er nicht selbst vorgenommen, sondern den' Präsidenten W e i z m a n n und S o k o l o w übertragen, die .diese Aufgabe gemeinsam mit dem von 40 auf 50 Mitglieder verstärkten. Aktionskomitee binnen drei Monat e n / , zu lösen haben.' In dem Aktionskomitee befinden sich die Herren Oberrabbiner Dr. C h a j e s und Oberbaurat Stricker. Herr Dr. Schallt wurde zum Ersatzmann gewählt. Dr. Weizmann verabschiedete sich gestern nachts in einer längeren Rede von dem Kongreß und erklärte, daß er a u s z w i n g e n d e n G r ü n d e n von Wien abreisen muffe. Der Vertreter der Zionistischen Organisation beim Völkerbund, Herr Dr. Viktor Jakobsohn, begibt sich heute abends nach Genf. Die Zewish-Agenrti'Debatte. Die Erklärungen Weizmanns über die Abänderungsvorschläge. Wie bereits itt unserer gestrigen Nummer berichtet, trat' der Kongreß nach der Annahme des Vertrauensvotums für Weizmann in bie Debatte über die Jewish Agency ein. Der Vorsitzende der politischen Kommission, Morris Rottenberg (Amerika) v begründete die dem Kongreß unterbreiteten Resolutionen be- -treffend die Jewish Agency, toelche wir bereits in der „Wiener Movgenzeitn-ng" vom 38. d. wörtlich wi-edorgoben konnten, in längeren Ausführungen, die u. a. besagen: Auf dem 12. Kongreß wurde in einer Resolution die Zionistische Exekutive ermächtigt, bis zum Zusammentritt eines Mischen Weltkongresses einen jüdischen Council zn bilden, um den verschiedenen Teilen des jüdischen Bo likes eine Mglichkei-t zu gelben, aus der Basis des Mandates und .der Balsour-Deklaration mit der ^Zionistischen Organisation zusammen für den Aufbau P a -l ä st i n a s z u a r b e i t e n. Es lag darin kein Verzicht auf jene Prinzipien und Ideale vor, denen die Zionistische Organisation und ihre Führer sich' feit dem Anfang der Bewegung gewidntet haben, sondern vielmehr ein Versuch, diese Prinzipien -und Ideale auch ans jene Kreise auszudehnen, welche bisher ans irgend einem Grunde der Zionistischen Organisation nicht angehört haben. Nach Annahme dieser Resolution vom 12. Kongreß kam Präsident Weizmann im Dezember 1923 nach Amerika. Es. ist seinen außerordentlichen Gaben und seinen Bemühungen zu verdanken, daß eine Konferenz hervorragender Inden Amerikas zustande kam, nnter denen besonders Louis Marshall zu nennen ist. An dieser Konferenz dom Februar 1924 nahmen viele führende Männer teil, die bisher passiv, ja sogar Gegner der Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte gewesen waren. Nach Anhörung der Reden von Weizmann und Dr. Ru pp in hat die Konferenz ihren Wunsch zur Mitarbeit am Aufbau ausgesprochen, die Errichtung einer Pcckestine Economic Corporation beschlossen ' und ein Komitee zur Verhandlung bezüglich des Eintrittes in die Jewish Agency ernannt. Es folgten weitere Verhandlungen von Präsidenten Weizmann und den von ihm designierten Vertretern der Zionistischen Organisation mit diesen Elementen. Eine neuerliche Konferenz im März 1925, die den Bericht dieses Komitees entgvgermahm, fand wieder , in Anwesenheit von Doktor Weizmann statt, und wurde beschlossen, Verhandlungen mit der Zionistischen Organisation bezüglich des Eintrittes in die Agency zu beginnen -und eine Konstitution der Agency zu schaffen. Diese Resolutionen sind aus der Presse bökannt. Zur selben Zeit wurden von der Zionistischen Orgimisatwn Dechandlungeu..rmt.vMaßgsbenden - - MW« Körperschaften' europäischer Länder gepflogen mit dem Resultat, daß auch eine Anzahl solcher für den Eintritt m bte Agency: gewonnen wurde. In der politischen,Kommission. gab es in der prinzipiellen Frage der Notwendigkeit der Erwe -iterung der Jewish Agency/ keine .Unstimmigkeit. Meinungsverschiedenheiten gab: es nur in bezug auf die Bedingungen der Erweiterung und der Konstitution. Die vorgelegten Resolutionen verkörpern die Meinung der Mchcheit der politischen Kommission, die nach zweitägigen Beratungen und nach Arbeiten eines Subkomitees zustande gekommen , sind. Sie enthalten auch die Meinung des Wtionsikomitees nnd stellen so die Basis vor, auf der wir bereit sind, in die Jewish Agency emzutreten. Es gibt aber auch Amendements, welche von einer kleinen Minorität Vorgöschlagen wurden, die sie auch hier zum Ausdruck bringen wird. Die Resolutionen enthalten gewiß nicht alle Bestimmungen, die das Verhältnis der Parteien gegenüber der Agency regulieren werden. Die Regeln dieser Beziehungen, Wahlmethode irsw. sind in der Kommission erörtert worden und werden in der Verfassung enthalten sein, die von der erweiterten Jewish Agency anzunehmen sein wird. Jetzt sollen nur die Hauptbedingungen festgelegt sein, die der Kongreß als wesentlich betrachtet, für die Aufrechterhaltung der JntegvUA der Zionistsichen Organisation in der Jewish Agency. und zur Sicherung unserer Palästinaarbeit. Die Kommission hat anerkannt, daß die Beziehungen zwischen der Zionistischen Organisation und den neu emtretenden Elementen in weitem Maße auf gegenseitigem Vertrauen basieren müssen und auf dem GlEen. daß diejenigen, die bereit sind, mit der Zionistischen. Organisation zusammenzuarbeiten, den guten Willen haben, alle Vorurteile und Mißverständnisse beiseite zu lasten, und im Einvernehmen mit der Zionistischen Organisation an einer Ausgabe mitzuavbeiten, die so viele Hoffnungen für die Zuknnft unseres Volkes in sich birgt. Vonsetten des M i Sr'a ch i wurde ein Amendement eirrgebvacht, nach welchem die Verfassung die ausdrückliche Erklärung enthalten solle, daß, Möbelfabrik J. Spira WIEN, VII. Siebensterngasse 1—2 :: (Ecke!<arl-Schweighoter-Gasse) t to Grosses Lager?rttWre die Jewish Agency auf dem Standpunkt des orthodoxen Judentums stehe. Jedoch wurde der Hinweis darauf, daß auf früheren Kongressen festgestellt worden ist, daß die Zionistische Organisation niemals in Palästina was unternehmen würde, was den Prinzipien des orthodoxen Judentums entgegenstehen könnte, auch vom Misrachi als hinreichend anerkannt. Ich glaube nicht, daß nach Annahme dieser Beschlüsse sofort alle Außenstehenden in die Age ncy ein treten werden. Es ist aber mit der Annahme dieser Beschlüsse die Basis dafür gegeben, und sie werden allmählich kommen. Die politische Kommission legt Ihnen dieses historische Dokument zur Bewilligung vor, wobei bemerkt sei, daß das Wort „Einleitung" in den hier verteilten Kopien der Resolution inzwischen gestrichen wurde, so daß auch die Einleitung als T e i l d e r Resolution anzuschen ist. Dr. Solowettschik % unterbreitet den Minoritätsantrag der r ad i k a l e n Z i on i st e n und der Revisiöniften, wonach die Organisierung der erweiterten Jewish Agency aus der Basis demo- . k r a t i scher Wahlen und des Prinzips der gemeinfame n-B e ra n two r t nng der Mitgliedersämtlicher ge-? wählter - Körperschaften övfolgen soll. Cs soll damit die Zerreißung deS jüdischen. Volkes in zwei Teile, in Zionisten und Nichtzionisten, vermieden werden. Soloweitschik weist unter anderem darauf hin, daß die Frage der Agency seit Jahres auf der Tagesordnung stehe und den Mittelpunkt einer Spaltung der zionistischen Reihen bilde. Nach unserem Empfinden, erklärt der Redner, ist die Begeisterung jener Zeit, als der Gedanke zmn ersten Male auftauchte, heute nicht mehr vorhanden. Auf diesem langen Wege ist nach unserer Uöberzeugnng die Zionistische Organisation zu Tode gehetzt worden, und zu Tode gehetzt gehen Sie zur Abstimmung. Wir werden euch aus diesem Wege nicht folgen und halten es für unsere Pflicht, in letzter Stunde ein Wort der Warnung an euch zu richten. Groß ist die Gefahr, die ihr dadurch heraufbeschwört, daß ihr bereit seid, unsere politischen Geschäfte einer Körperschaft zu übertragen, zu der wir als Träger der nationalen Idee alle kein Vertrauen haben können. Es ist gefährlich, die Juden in einem nichtzionistifchen Gremium zu vereinigen. Keine geringere Gefahr sehen wir auch für die soziale Gestaltung des Aufbauwerkes. Es steht ein Geist der Administration zu erwarten, gegen den wir schon einmal kämpfen mußten. Wir wollen in Palästina nicht nur eine Majorität werden, sondern eine soziale Erneuerung und eine Aenderung des ganzen jüdischen Lebens herbeiführen. Ebenso groß ist die Gefahr, die wir für den Bestand der Zionistischen Organisation voransschen. Wir sind uns darüber Aar, daß jede Erweiterung der Agency eine Gefahr für die Zionistische Organisation in sich birgt —. auch der jüdsche Weltkongreß. Wenn Sie die ganze Leitu n g .d e r Geschäfte in die Hand der Agency geben werden, und das hat Weizmann in Palästina erklärt, wird der Kongreß mit Erez Israel nichts zu schaffen haben. Er wird eine leerlaufende Maschine sein. Wir stehen heute an einem Scheidewege. Wir sind sicher, daß wir einander begegnen werden. Schon einmal stand in unserer Bewegung unser Kongreß vor einer ähnlichen Situation. Mit Gottes Hilfe jedoch kam nach dem sechsten Kongreß HÜBNER'S KURSALON DER STADT WIENk BESTE JAZZ-BAND WIENS EINTRITT FREI

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