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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-29 · Heft 2342 (29.8.1925) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2342 (29.8.1925)
Date
1925-08-29
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Wien, SamStag Wiener Morgenzeituna 29. August 1925 Nr. 2342 Leite 10 Volkswirt. Lar Problem de» guduftrlekrrdlter ln PalSftina. Von I. Gelfat (Tel-Awiw). Dir letzten Jahre, die der englischen Okkupation folgten, beweisen es, daß Palästina, wenn auch nicht völlig industrialisiert, doch schon die Ansätze z u einer Jnd u st r i e zeigt, die dem «wirtschaftlichen Charakter und der wirtschaftlichen Struktur des Landes ihren Stenrpel aufzudrücken geeignet sind. Dieses entscheidende Moment erheischt eine umfassende Klärung - der Frage, das Suchen noch Mitteln und Wegen, die in ausreichendem Ällaße einer normalen Entwicklmrg der Industrie förderlich sein könnten. In der Vorkriegszeit hatte die jüdische Industrie (eine arabische Industrie bestand damals nicht und von .einer solche:: kann auch heute kaum die Rede sein) lediglich zwei bis drei Weinkeller und einige Getreidemühlen auszuweisen. Wenn wir zwischen dem einstigen und dem gegenwärtigen Stand der Mischen Industrie den Vergleich ziehen wollen, so erlweist sich, daß wir aus diesem Gebiete mit Riesenschritten vorwärts gegangen sind. Es befinden sich gegenwärtig zirka 60 industrielle Unternehmungen im Lande, deren Grundkapital die Summe von 1,260.000 Pfund übersteigt, darunter auch eine Reihe kooperativer Unternehmungen, die von der Organisation der jüdischen Arbeiter auf dem Gebiete des B a u w e s e n s, der M etaIlindu strie usw. ins Leben gerufen wurden. Biele Privatindustrielle, die die Ursachen zu ergründen suchten, welche einige Unternehmungen zu derartig schweren. Krisen geführt hatten, daß sie ihre Arbeit völlig einzustellen genötigt waren, ließen sich in der Hauptsache durch die hohen Arbeitslöhne zurückhalten. Diesem Borwand fehlte selbstredend jede Unterlage, da der Lohn des Arbeiters (selbst des fachlich geschulten) sich nur innerhalb der Grenzen seines Existenzminimums bewegt. Es hagelt sich hier vielmehr um andere Ursachen, «die in unserer jungen Industrie außerhalb der „übertrielbenen Forderungen" des Arbeiters zu suchen sind, wie die hohen Berwaltungsspesen, die zu dem wirtschaftlichen Standard von Palästina in keinem Verhältnis stehen, der Mangel an einem modernen Hafen, die hohe Währung, die hohen Einfuhrzolls auf Rohmaterialien und Brennstoffe und, was besonders ins Gewicht fällt, der Mangel an einem Jndustriekredit, der, wenn keine Abhilfe geschaffen wird, in katastrophaler -Weise auch diejenigen Jndustrieztveige beeinflussen dünste, für die alle Voraussetzungen zu einer gedeihlichen Entwicklung im Lande, wie auch für die Erwerbung eines Auslandsmarktes vorhanden sind. Der Leiter der A. P. A. C. in 'Palästina riet den jüdischen Industriellen (und das Finanzinstitut scheint dieser Devise treu geblieben zu sein), falls sie nicht über das ganze erforderliche Kapital für die von ihnen beabsichtigte Gründung verfügten, etwas zu unternehmen, was im Bereiche ihrer finanziellen Möglichkeiten liege, oder ganz wegzubleiben.'''-) Es ist hier von der ökonomischen Wahrheit abgewichen worden, daß die moderne Industrie nicht ohne Kredit gedeihen kann, und vielmehr das Geheimnis ihrer Existenz und ihres Gelingens in der rationellen Anlage -der Kredite zu suchen ist, welche den industriellen Unternehmungen von seiten der Kreditanstalten bewilligt werden. Es ist hier mit Stillschweigen die Tatsache' übergangen worden, daß jedes Industrieunternehmen beim Absatz der aus den Rohstoffen verfertigten Halbfabrikate den Abnehmern durch Gewährung eines Kredites entgegeukommen müsse. Es wurden ferner die wirtschaftliche Konjunktur und die der eindringenden ausländischen Industrie zu leistende Konkurrenz außer Acht gelassen, die in bedeutendem Maße von «der Gewährung lokaler Industriekredite abhängen werden. Wir müssen uns jedoch vor allen Dingen darüber klar sein, daß unsere Industrie von den Budgets zu emanzipieren ist, die ihr von den verschiedenen nationalen Fonds bewilligt werden. Diese Jndustrieibudgets werden im wirtschaftlichen Sinne me'hr Verluste als Gewinne zeitigen, da in der Industrie sich ein fatales Verhältnis zu ihrem eigenen Schicksal festwurzeln kann, welches von dem irreführenden Sicherheilsgefühl getragen wird, daß das Nationalvermögen die nicht konsolidierten Industrien unterstützen könne und müsse, wobei die Ursachen für ihren mangelnden Erfolg weniger :n den ungünstigen objektiven Verhältnissen zu suchen sind, vielmehr tn der Hauptsache von dem Mangel an Initiative und an wirtschaftlicher Kampf- und Schasfenstraft bedingt sind, welche der Ausfluß des oben erwähnten Quietismus sind. Die Finanzierung der Industrie, ganz gleich, ob es sich um kooperative oder private Unternehmungen handelt, darf keine Frage von Budgets fein, sondern eines auf geschäftlicher Grundlage zu schaffenden Jndnstriekredites. Die Bedeutuirg eines solchen Jndnstriekredites für die Volkswirtschaft (vorausgesetzt natürlich, daß die Industrie einen wichtigen Bestandteil von ihr bildet) ist unermeßlich. Er erfüllt die Aufgabe eines Kapitals, welches im produktiven Prozeß zirkuliert und zur Erwerbung und Herbeischassung der in der Wirtschaft nlangelnden Güter dient oder zur Reproduktion und Erneuerung solcher Teile, die vernichtet wurden oder ihren einstigen Wert verloren. Diese Aufgabe des Kredites in der Industrie führt von Vorneherein zu der Notwendigkeit, *) „Bulletin of che Palestine Economic Society*, Nr. 1, Seite 11, . Neujahrsgratulationen In dar „Wiener Morgenxaltung“ Gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden, Oästen, Kunden in der der „wiener Morgeiueltung“ Sie sparen Geld, Zeit u.MUhe! Die Neujahrsgratulationen der „Wiener Morgenzeilung* haben sich seit Jahren beim jüdischen Publikum bestens eingetührt. 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TEXT (deutlich aus füllen) fHarne.- Sldrtsse ...» .» den.-.1925 die jüdische Industrie in Palästina mit dieser bewegenden Kraft auszustatten, wofern sie noch nicht vorhanden ist. Es ist kern Geheimnis, daß einige von unseren industriellen Unternehmungen sich trotz der hinreichenden Absatzmöglichkeit und der unter günstigen Bedingungen bezogenen Rohstoffe in einer schweren Krise befinden, einzig und allein aus Mangel an Krediten, während zu gleicher Zeit in unserer Nationalbank eine Akkumulation von Kapitalien zu beobachten ist, wie sie seit Bestehen der zionistischen Banken nicht dagewesen ist. Diese Aktunmlation erreichte in der Bank die Höhe eines Kapitales von 1600 bis 1750 Tausend Pfund, und die Bankdirektoren sahen und sehen sich auch noch gegenwärtig auße-r'halib Palästinas — und wenn es auch nicht unter den allergünstigsten Bedingungen ist — nach Berwertungsmöglichkeiten für diese Kapitalien um. Die Funktion einer Kreditanstalt besteht in der Hauptsache darin, verschiedenen Wirtschaftszweigen und Privaten das überschüssige Kapital zu entziehen (und dies hat die A. P. A. C. freilich mit :nehr oder tveniger Erfolg getan), um es solchen Unternehnmngen zuzuführen, die zwecks Fortführung und Erweiterung des produktive:: Prozesses einer Geldzufuhr bedürfen. Man könnte wohl oinwenden, daß die Finanzierung von Industrien nicht in den Wirkungskreis der A. P. A. C. falle. Solange aber noch keine Bank für Industrie vorhanden ist, i st es Sache der A. P. A. C., den Bedürfnissen der Industrie Rechnung zu tragen. Als Vorbild in dieser, Richtung kann die Arboiierbank gelten, die trotz ihres (im Vergleich mit den der A. P. A. C. zur Verfügung stehenden Mitteln) 'beschränkten Kapitals sämtlichen von der jüdischen Arbeiterschaft vertretenen Wirtschaftszweigen Kredite bewilligt, wie auf dem Gebiete des Handels (Hamaschbir), der Landwirtschqft (die landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen), der Industrie (die industriellen Kooperativen in den Städten), dem Unternehmertum (Solei Boneh). Trotz oder dank dieser Vielseitigkeit hat die Arbeiterbank nicht mit Verlusten gearbeitet, ihre diesjährig? Bilanz hat vielmehr GewiNM aufzuwessen gehabt. Nachden: wir in groben Strichen den Stand der palästinensischen Industrie und ihre Bediirfnisse dargelegt haben, läßt sich nunmehr ein schemalisch's Programm für die Lösung des Jndustriekreditproblems anfstellen. Die Lage auf den: Geldmarkt ist jetzt günstig und gestattet, öffentliche und Private Mpitalien zwecks Unterstützung derjenigen Industriezweige zu ziehen, die Aussicht aus Erfolg haben. Es ist hiebei nicht unbedingt notwendig, daß eine besondere Bank für I n d u st r i e geschaffen wird. Diese Funktion könnte auch der A. P. A. C. übertragen I werden (gesetzt den Fall, daß sie sich bereit erklärt, ihre gegenwärtigen Grundsätze zr: ändern), cs müßte dann eine besondere Abteilung für Jndnstriekredite eingerichtet werden, deren Verwaltung Vertretern der. kooperativen und privaten Industrie anvertraut würde. Diese Abtei-» lnng hätte darauf hinznarbeitcn, daß der hohe Zinsfuß herabgesetzt und die Fristen für Industriekredite von drei bis vier Monaten aus neun bis zehn Monate verlängert werden. Bei Festsetzung der Kreditfrist müßte ferner der Charakter mtiT&tc Geschäftslage der in Frage kommenden Industrie berücksichtigt werden.' So sollte beispielsweise der Kredit für Lederindustrien, bei welchen Produktion und Absatz der Waren einen größeren Zeitramn erfordert, langfristiger sein als der der Silikatindustrie bewilligte Kredit, bei welcher der Erzeugungsprozeß sehr kurz ist und die Ware sofort abgesetzt werden kann. Die Abteilung für Industriekvedite wird ferner föffc» stellen müssen, welche Industriezweige tatsächlich für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes reellen Wert haben und in welcher Weise denin Frage kommenden jungen Industrien geholfen werden Müsse. Erst dünn wird man an die Ausführung der oben angeführten Einzelheiten heran» treten können. In der Gegenwart können der palästinensischen Industrie nur Rechte zugestauden werden, in der Zukunft sollen ihr aber auch Pflichten auferlegt werden; sobald sie auf ein normales Niveau gebracht ist, wird die palästinensische Industrie den Ucberschuß ihrer Kapitalien der Bank für Industrie zuführen müssen, der dazu dienen wird, neue industrielle Unternehmungen zu finanzieren. Einstweilen wird allerdings die Bank für Industrie außerindustrielle Kapitalien benützen müssen, die durch -den Handel, durch Renten, Volksanleihen ufw. ihr znfließen werden. Wenn unsere zionistischen Führer die Wirtschafts- und Finanzpolitik in dieser Richtung fortfühven, so darf man auf eine gesunde Industrie hoffen, die einen wichtigen organischen, wenn auch nicht überwiegenden Bestandteil'der Mischen Volkswirtschaft bilde:: wird. Ein amerikanischer Kredit Me Polen. Warschau, 28. August. (P. T. A.) Zu den im Aus-, land verbreiteten Gerüchten über die Gewährung einer Dollaranleihe durch die amerikanische Federal-Reserve- Bank an die Bank von Polen erfährt die Polnische Telegraphenagentnr, daß tatsächlich ein großes amerikanisches Bankinstitut eine Kredithilfe gewährte, die ausschließlich zum Schutze des Zloty-Kurses verwendet wird. Um diesen Kredit teilweise zu realisieren hat die Bank von Polen in den letzten Tagen auf dem Londoner Markt eine größere Menge Gold gekauft und in der Bank von England deponiert. Dieses Gold bleibt, obgleich es die Sicherstellung des Kredites davstellt, im Besitz der Bank von Polen. Paris, 28. August. (Wolfs.) Nach einer Agentur-! Meldung aus New Hör k hat die Bundesbank Polen einen Vorschuß von zehn Millionen Dollar bewilligt. Dorotheum - Bankabteilung Wien, I. Dorotheergasse 17 Steilgerung des Barschatzes der Oesterreichischen Nationalbank. Der' Ausweis der Oesterreichischen Nationalbank -mit dem Stande vom 23. d. zeigt eine Zunahme des Barschatzes um 11,5 Millionen Schilling und beträgt jetzt 601 Millionen Schilling. Diesem Barschatz steht eine um 24 Mililiouen Schilling verringerter Notenumlauf in der Höhe vor: 761 Millionen Schilling gegenüber. Auch das Wechselporteseuil le hat sich um 4,5 Millionen Schilling verringert und beträgt jetzt 73,291.000 Schilling. Im Anschluß an den verringerte»: Notenumlauf sind die Bevbindlich- >keiten ans den: Giroverkehr gestiegen und betragen jetzt 107,657.000 Schillinge Bei der fortschreitende :: Besserung des Status der Oesterreichischen NationaVbank ist mit einer weiteren Herabsetzung des Zinsfußes in allernächster Zeit zu rechnen, um so mehr, als der Privatzinsftlß den offiziellen Diskontsatz schon jetzt unterbieteL. Eine Entscheidung über den Firmentitel. In den letzten Tage»: hat der Oberste Gtzrichitshos in Angelegeicheit der Umwandlung einer Gesellschaft in. b. H. in eine offem Handelsgesellschaft die intoresfante Entscheidung getroffen, wonach die neue offene Gesellschaft den früheren Firmentitel eurer G. m. b. H. beibchalton kann. Es ist sogar nicht un/bedlngt notwerttng, daß der vmwcuMung der G. nt. b- H. tu eine Handelsgesellschaft ein Name hiuzu-gefügt werde. Es ha»»dM sich um folgendes: Die „Mitteleuropäische Handelsgesellschaft :::. b. H. Donau" hat ihre Auflösung zwecks ForOetriebes ihres Uuternehmiens als eine offene Handelsgesellschaft beschlösse»». Zu diesem Zwecke wurde die Gesellschaft m. b. H. llignidiert nnd die Gint-ragnng und Registrierung der Firma als o-ffeitc Handelsgesellschaft unter dem Titel Mitteleuropäische Handelsgesellschaft Donau" beMtvagt. Das ^70984395^3982

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