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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-29 · Heft 2342 (29.8.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2342 (29.8.1925)
Date
1925-08-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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GRABEN Nb. 16 (EINQANQ HA0SBURQERSASSE 2)' Hausverwaltungen Hypoihekenbejchaffung, Aufwertungsberatung ohne Kostenvorsdum An- und Verkauf von Grundstücken jeder Art iiuMalt für firiindslflcks- und Bau-Interessenten m. b. H. Berlin W 62. Kurtürsienitr. US / Tel. KurfOrat 0889 u. 573« Wicdncr Wechselhaus Robert Reitl er IV., Wicdncr Hauptstrasse Nr. ZO Gegründet 1853 332 Nur Paulanerhof kauft und verkauft alle Valuten, Devisen, Schecks und Wertpapiere zu den besten Tageskursen Sie Tagesordnung des Kongresses. Heute Samstag. 8 Uhr abends: Plenarsitzung. Berichte der Kommission._ Bor der Losung der Krise. Gftt nettes Berttanensvotnm für Weirmann. — Sie Bildung der Exekutive. — Die IewM Agenctz. (Der zehnte Lag des 14. zloniftenkongreffes.) Die Formel für die Lösung der Krise der E xe kutive ist gefunden. Der Permanenzausschutz -es Kongresses kam gestern nachmittags zu dem Beschlutz, eine sünsgliedrige SpezialkomMission einzusetzen, welche eine neue Resolution auszuarbeiten hat, -ie-erheutigen Nachtsitzung vorgelegt werden soll. In dieser Resolution wird dem Präsidenten Weizmann das Vertrauen des Kongresses ausgesprochen und erklärt, -atz es -er allgemeine Wunsch aller Parteien sei, -atz er an -er Spitze -er Exekutive bleibe. Schlietzlich wird dem Präsidenten Weizmann und Herrn Sokolow als dem Präsidenten des Kongresses der Auftrag erteilt, e i n e n e u e E x e k u t i v e zu bilden. Dieser Kommission, deren Vorsitz -er Delegierte Dr. Leon Reich innehat, gehört als Vertreter des M i s r a ch i auck der Delegierte F a r b st e i n an. In den Kreisen des Permanenzausschusses wird erklärt, es bestehe die begründete Hoffnung, datz Präsident Weiz mann-iei hm gewordene Betrauung annehmen wird. .—y. W? sn, 29 August. Der Ziomstenkongreß nähert sich seinem Abschluß und er macht in diesem Stadium die traditionelle Lei- , tungskrise durch. Der Kongreß hat es nicht, so gut wie i irgend ein anderes Parlament, das auf dem Boden , eines fett organisierten Staates steht und seine Legislaturperiodeausmehrere Jahre ausdehnl, so daß eine Session unmittelbar an die nächste anschließt. Der Kongreß ist eine Versammlung, deren Delegierte aus der ganzen Welt zusammenkommen. Sie können ihren' privaten Beruf nur für kurze Frist ausschalten und die Kosten, die mit der Veranstaltung für jeden Teilnehmer verbunden sind, machen es unmöglich, daß die Beratungen längere Zeit andauern. Sie können nur alle zwei Jahre erfolgen und in dieser Zeit sammelt sich naturgemäß das Material für Bericht und Kritik zu großen Dimensionen. Den Delegierten sind von ihren Wählern umfangreiche Instruktionen erteilt worden und wenn es auch ein imperatives Mandat nicht geben kann, so muß doch jeder trachten, die Aufträge im Rahmen der Möglichkeit zu erfüllen. Die Zionistische Organisation besteht aus Anhängern, die die Dinge mit sehr aufmerksamen Augen beobachten und die von ihren Führern und Vertretern sehr genaue Rechenschaft verlangen. Die Delegierten müssen sich, abgesehen von ihrer Parteizugehörigkeit, zu den Fragen des Zionismus und des Ausbauwerkes in der verschiedensten Art einstellen. Sie leben nicht'in der gleichen Sphäre und tragen aus der Gewohnheit ihres Tages und Herkunftslandes die verschiedensten Rechtsanschauungen unwillkürlich in den Kongreßsaal. Daraus entstehen naturgegeben Komplikationen für die rasche Abwicklung des Progrannnes, die sich, noch vermehrt durch das heftige jüdische Temperament, in den letzten Tagen des Kongresses zusammendrängen. Sie kulminieren in der Frage der Exekutive, deren Zusammensetzung die Arbeiten der nächsten zwei Jahre beherrschen wird. Alle Probleme des Aufbaues, seiner politischen, sozialen und ökonomischen Grundlagen, laufen in der Personalsrage zusammen, die iminer sich krisenhaft gestaltet. Die uns mißgünstige Presse, die sich mit Behagen. und Zeilenhunger auf jedes Ereignis stürzt, weitet diese selbstverständliche Schwierigkeit zur Krise des Zionismus aus. Sie glaubt, daß eine solche Krise schon besteht, wenn sie auf das geduldige Papier hingeschrieben wird. Das ist falsch, grundfalsch. Die Pflichttreue und die Arbeitsfreudigkeit der Zionistischen Organisation und ihrer Angehörigen, in welchem Lager immer sie stehen und zu welcher Weltanschauung immer sie sich bekennen, setzt keinen Augenblick aus und der Apparat dieser Bewegung mit ihren Vereinen, Ortsgruppen, Landesverbänden und Föderationen läuft weiter. Es gibt keine Krise und keine Stockung. . „ Es wäre sicherlich unrichtig, leugnen zu wollen, daß die Verhältnisse diesmal zu' einer sehr ernsten Situation sich verdichtet haben. Aber sie ist doch nicht erst jetzt entstanden und sie findet sich in jeder Bewegung, die aus dem Stadium des idealen Wunsches.in das der realen Arbeit eintritt.^ Als" wir unser zionistisches Programm entwickelten, es in -die jüdischen Massen trugen und noch diesseits der. Grenze der politischen Anerkennung stehen mußten, blieben wir mit unseren Kämpfen auf den Bereich des Judentums beschränkt. Seit der Balfour-Deklaration und der Ratifizierung des Man» dates aber stehen wir in der großen weiten politischen Welt, vor Verhältnissen, deren Gestaltung von uns. gar nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil beeinflußt werden kann. Die Einflüsse der großen Kämpfe, und Krisen der Zeit wirken auch auf uns und itnsere Arbeit. Unser nationalpolitisches Ziel ist ein Land, das mitten in einer riesenhaften Kampffront zwischen der nrarastischen europäischen und der noch in'den ersten Anfängen politischer Organisation stehenden orientalischen Welt liegt. Diese, Hemmungen, an denen wir nicht schuld sind und die wir viel zu wenig bedenken, beschäftigen unsere Führung in einem sich von Tag zu Tag steigernden Maß. Wir müssen deshalb an die Persönlichkeiten, in deren Hände wir das Schicksal der Nation legen, die strengsten Anforderungen stellen. Wir vergessen vielfach,' daß sie auch nur Menschen sind und wenn wir auchin der Geschichte des Zionismus gesehen haben, daß der Mensch mit seinen höheren Zwecken wächst, so müssen wir uns doch hüten, eben diese Zwecke zu übersehen. Der Zionismus ist,' wie Svkolow sagte, in der Erfüllung begriffen. Das beschwingt die Sehnsucht und steigert.zur Ungeduld; jeder Tag bringt Sorgen und Probleme, an die man gestern nicht denken konnte. Wir. sind, nicht allein, und die Welt hat sich gewöhnt, jüdische Fragen und jüdische Arbeit mit einer durch Haß und Neid und Scheelsucht geschärfteu Aufmerksamkeit zu beobachten. Unser Land ist auch anderen heilig. Es steht im Zentrum einer Welt, die uns am liebsten alle zusammen in einem Löffel Wasser ertränken möchte. Sie gönnt uns dieses bißchen Hoffnung nicht. Sie sieht nicht die große kolonisatorische und kulturelle Leistung, die wir vollbracht haben in kaum fünf Jahren, die bei uns aufbauende, zivilisatorische Arbeit erfüllte, während die anderen Völker den Krieg gegen einander fortsctzen.. Die Influenz dieser Strömungen macht aus uns HÜBNER'S KURSALON DER STADT WIEN1 BESTE JAZZ-BAND WIENS EINTRITT FREI * - Ai-

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