Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2341 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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3cttc f> '(i Ae Konferenz des Welthechaluz. Der Stand der Mmlnzbeweaung. Am Montag wurde tut Akademischen Gymnasium di« Konftrenz des Welthechaluz eröffnet. ES waren vertreten: Die Chaluzverbände von Polen, Galizien, Rumänien, Litauen, Lettland, Deutschland, der Tschechoslowakei und Oesterreich. Die beiden Chaluzorganifationen Rußlands hatten aus rechnkfchen Gründen keine Delegierten entsenden können. Außer den Delegierten beteiligte sich an den Beratungen eine zwölfgliedriige Delegation, die von der Allgemeinen Arbeiterorganisation Palästinas für die Arbeit in der Chaluzbewegnng entsandt worden ist. Im Namen des Zentralburoaus erstattete Bogdauowski den Bericht über die abgelaufene Periode. Seit der letzten Konferenz des Welthechaluz in Danzig (September 1924) hat sich die Bewegung in unvorhergesehenem Maße in allen Ländern ausgedehnt. Die Aufgab? des ZentralbureauS war Wc einheitliche Leitung der Bewegung und die Schaffung des Kontaktes zwischen den Landesverbänden. Als wirksamstes Mittel zur Herstellung dieser Verbindung wurde das Zentralorgan, die Wochenschrift „Heatid", gegründet. Eine weitere Ausgabe des ZentralbureauS war die Herstellung der Verbindung mit der organisierten zionistischen Jugend, dem ,^Srith Hanoar", der über 40.000 Mitglieder umfaßt. Es gelang dem Zeniralbureau, die Vereinheitlichung der.beiden Weltorganisation herbeizuführen, und die gesamte Vorbereitungsarbeit der großen Jngendverbände vollzieht sich fetzt im Hechalug. Ausgenommen ist der Hechaluz HamiSrachi. Bei feiner Arbeit fand das Zentralbureau ffftanzielle Unterstützung von seiten des Joint und der Welch ilfSkonfereng. Den sodann auf der Konferenz erstatteten Berichten über den Stand der Chaluzbelvegung in den einzelnen Ländern ist zu entnehmen, daß in Polen die Chaluzorganffation von 8000 aus 13.600 Mitglieder (davon 30 Prozeß Mädchen) angewachsen ist, deren 476 örtliche Organisationen auf fünf Provinzverbande verteilt sind. Für die Dorbereitungsarbeit bestehen 192 kollektivistische Gruppen (Kibuzim) mit zirka 2800 Mitgliedern. In eigener Verwaltung des Hechaluz stehen acht Farmen, in denen über 200 Chaluzim arbeiten. Ebenso unterstchen vier Tischlereien und eine Schlosserei der Verwaltung des Hechaluz. Im Lause des Jahres sind 1000 Mitglieder nach Erez Israel übersiedelt, weitere 3000 stehen zur Alijah bereit. Zur Sicherung ^des Nachwuchses wurde der Jugendbund Hechaluz Hazair geschaffen, der heute 180 Ortsgruppen mit 3800 Mitgliedern umfaßt. Der Hechaluz in Galizien umsaßt heute 3100 Mitglieder, davon etwa ein Drittel weibliche. In der landwirtschaftlichen Vorbereitung befinden sich zurzeit 1600 Mitglieder in 60 Kibuzim und Kwuzoch. Der Hechaluz in Rumänien zählt zurzeit 750 Mit- Aieder, die in 25 Ortsgruppen und Kwuzoch zusammengefaßt sind. 90 Prozent stehen in landwirtschaftlicher Vordere itungS- - arbeit. Es ist eine eigene Farm von 118 Hektar geschasfen worden. Der deutsche Hechaluz zahlt 1003 Mitglieder (gegen 604 im März 1924), 26 Prozent sind Mädchen. 486 Mitglieder stehen in landwirtschaftlicher Vorbereitungsarbeit. Im Jahre 1925 wurden 349 Chaluzim von der Stadt aufs Land, 381 von unproduktiven zu produktiven Berufen überführt. Es gibt 50 -Ortsgruppen und Kwuzoch. Die eigene Lehrfarm Halbe entwickelt sich sehr gut und erhält sich selbst. Ihr Getreide wurde von der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft als Mustersaatgut anerkannt. Auf der Hühnerzuchtfarm Schildorf (eine der größten deutschen Zuchtfarmen) arbeiten ausschließlich Chaluzim. Der Hechaluz besitzt eiue eigene Tischlerei in Magdeburg. Der.Hechaluz in Oesterreich hat sich seit September 1924 trotz Erschwerung der Eintritlsbedinguugen von 166 auf 763 Mitglieder erweitert. Davon sind 398 Landwirte. Die landwirtschaftlichen Chaluzim wurden in 25 Arbeitsgruppen in der Umgebung Wiens konzentriert. Ihre Ausbildung wird durch Instruktoren systematisch überwacht und geleitet. Don den 177 Handwerkern sind 67 Prozent Schwerarbeiter. Es wurden Kurse für Mechaniker, Gerber, Elektrotechniker eingerichtet. Der Hechaluz umfaßt auch eine Agronomengruppe, eine Gruppe von Ingenieuren und Chemikern und eine Anzahl von Mitgliedern, die sich für das Erzichungswesen vorbereiten. In der Mädchenhachscharah wurde das Hauptgewicht auf hruswirtschaftliche Ausbildung gelegt. Eine hauswirtschaftliche und zwei Gärtnermnen'kwuzoch wurden geschaffen. In Litauen zählt der Chaluz 818 Mitglieder, davon 45 Prozent weibliche. In landwirtschaftlicher Hachscharah befinden sich 300 Mitglieder, davon die Hälfte Mädchen, die in 18 Kwuzoch arbeiten. In der eigenen Lehrfarm des Hechaluz, die seit sechs Jahren besteht, arbeiten 35 Mitglieder. Es besteht eine eigene genossenschaftliche Tischlerei, die größte Litauens. Der Hechaluz in der Tschechoslowakei hat sich im ab gelaufenen Jahre von 160 auf 420 Mitglieder erweitert. CS bestehen acht Hachscharcchgruppen. Im ganzen stehen 140 Mitglieder in landwirtschaftlicher Hachscharah, 60 in handwerklicher. Eine eigene Gärtnersarm besteht in Bratislava, sie ist besonders für die Ausbildung der Mädchen gedacht. Die Stellung des Welthechaluz in der Zionistischen Organisation wurde im Referat von B o g d a n o w s k i ausführlich erörtert. Diese Frage, führte der Referent aus, ist neu. Bis vor eineinhalb Jahren gab eS nur die Alijah der Chaluzim und dt-se Chaluzlm-Mvjah, ihre Opfer und ihre Schöpfungen, die Gestalt Chaluz selbst waren die ftärfften Argumente der zionistischen Politik und Dropagatlda. Seil erneinhaib Jahren aber har die sogenannte vierte Alijah eingesetzt, das Eiuströmen von kleinbürgerlichen Mittelstandselementen in das von Chaluzim erschlossene Land. Damit begannen auch die Angriffe gegen mmmmmmtsmmmtmh i m m 81> Vor der Abreise empfelTen wir Jedem Kongressteilnehmer den Besuch des führenden Leopoldstfldter Warenhauses IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHiM Wien, II. Taborstrasse 48 En gros t« «phon 47-1-79 Bn detail Billigste Einkaufsquelle für sämtliche Wim». Leim» Settwaren Strupf- und Wjrbwaren Herren- und Dameii- Herren- und Oamenwäsdie Vorhänge. leppidie, WMe» Regenmantel etc. etc. ENORMES LAGER Infolge kleiner Regien ausserordentlich billige Preise!! den Hechaluz. Begonnen wurden sie von seiten des Misrachi. Er behauptet — das jedoch zu Unrecht daß der Welthechalvz den religiösen Chaluzim nicht die Möglichkeit geben w.'lle und könne, entsprechend ihren religiösen Gefühlen und Idee zu leben. Diesen Angriffen schloffen sich ein Teil der Z i 0 n i st en Polens, Galiziens und Oesterreichs an. Von ihnen wurde der Pmn verfolgt neben dem Welthechaluz einen sogenannten „unabhängigen Chaluz" zu schaffen. Ihre Chaluzim sollen sich nicht der Arbeiterorganisation Erez Israels anfchließen, sollen sich nicht an Streiks beteiligen. Es wurde ferner gesagt, der Hechaluz sei parteipolitisch oder unterstände der Herrschaft der linken Parteien. Dem gegenüber stellt der Referent'fest: der Hechaluz ist keine Partei und ist von keiner Partei abhängig. Der Welthechaluz hat immer klar gesagt, was sein Ziel ist: er will das jüdische Volk zur Arbeit, z,um Aufbau Erez Israels erziehen, auf Grundlage der S e l b st a r b e i t, der Selbstverwirklichung ht all den Lebensformen, die diese Prinzipien erfüllen. Darum kann der Hechaluz seine Autonomie, die Selbbeftimmuug, über diejenigen, die zu dieser Arbeit und zu diesem Lebe»! nach Erez Israel gehen wollen, nicht aufge'ben, ohne sich selbst aufzugeben. Don der Zionistischen Organisation und vom Kongreß fordert der Hechaluz die Achtung vor der arbeitenden Jugend, ihrem Aufbauwillen und ihrem Werk. Das Referat wurde eingehend diskutiert; das Ergebnis dieser Debatte, welches von der Permanenzkommisslon der Konferenz in Anträgen zusommengesätzt wurde, ist die Feststellung, daß die steigende vierte Alijah eine g este i g e r t e E i n w a nb c r«t n g bon Chaluzim notwendig mach:. Die Konferenz stellte weiter fest, daß der Hechaluz keine bloße Hachscharah-Jnstitution der Zionistischen Organisation ist und deshalb aus'die Autonomie, weiter die Verbindung mit der aus gleichen Grundlagen erwachsenen palästinensischen Arbeiterschaft unter keinen Umständen verzichten kann Sollte der Kongreß — so wurde von der Konferenz schließlich fchgestellr die Chalnzorganisation vor die Wahl zwilchen ihrer Autonomie und ihrer Verbindung mit der palästinensischen Arbeitcrfchaft oder der finanziellen Unterstützung durch die Zionistische Organisation stellen, dann müßte der Hechaluz unbedingt das erstere wählen. Ler Niedergang der BMischen ln Lenschland. Berlin, 37. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung". Der thürinztsche national-sozial sttsche Abgeordnete Dr. Artur D t n t e r hielt kürzlich in Weimar eine Heerschau über seine Getreuen ab. Wie taS „Jenaer Vollsblatt* erfährt, hatten von 33 Ortsgruppen der Nationalsozialisten Thüringen» nur noch 14 zu diesem Parteitag Delegierte entsendet. Diese 14 Ortsvereine sollen tnSgesavU noch ganze 260 Mitglieder aufweisen. Der H t t l e r st u r m t r u v v sei auf öS M a n n in ganz Thüringen zusammeageschmolzen. Dinier teilte in der Tagung mit, Hitler «volle sew Arbeitsfeld von Bayer« nach Sachse» verlegen. ' > 2341 Frankreichs Kolonialkriege. Die Drusen vor Damaskus? Jerusalem, 26. August. (Reuter.) Die D r u s e n habet« Khirbet el Chazali nördlich von Damaskus besetzt. Die Einwohner haben sich in den Kampf nicht ein - gemengt. Die Kämpfe bei ESraa dauern noch an. Die Drufen verfolgen die geschlagenen französischen Truppen. Ein französisches Panzerauto und ein Flugzeug wurden zerstört. Wie weiter gemeldet wird, haben die Drusen die französische Gendarmerie in Ghotta, zwei Meilen südlich von Damaskus, angegriffen und sie gezwung n. sich nach Damaskus zurückzuziehen. Die Kömpfe Itt Marokko. Rabat, 26. August. (HavaS.) Im östlichen Gebiet haben die französischen Truppen das Land der BraneS befreit und trotz dem heftigen Widerstand die wichtigen Objekte besetzt. Die Operationen gehen unter guten Umstäitden weiter. Die Fliegerauflsärung meldet, daß sich die Anfftändischen in bedeutendem Maße gegen Norden zurückziehen. Im w e st I i ch e n Abschnitt haben die französischen Truppen ohne Schwierigkeiten den P 0 st 0 n Buganus verproviantiert. Hlndeuburg besucht Ludeodorff nicht. Berlin, 37. August. «Tel-Komp.) Die Nachr'cht von einem levorstehrnden Besuch de» Reichspräsidenten v. H i n d e n b u r $ bei General Ludendorff in München wird heule offizielltnallerFormdementiert. In eingewethten politischen Kreisen verlautet, daß der Reichspräsident wohl dteAbsicht hatte, Ludendorff einen Besuch abzustatten, daß aber Hindenburg, auf da» direkte Eingreifendes Reichskanzlers Dr. Luther, von seinem Plari in letzter Minute Aostand genommen hat. »Nur ruhig verleumdend Zn einer W'ener Korrespondenz der .Deutschen Tageszeitung" (Berlin) wird behauptet, e» sei bekannt, daß der Deutsche Volkstag hauptsächlich auf Grund eines Einspruches der Wiener englischen Gesandten verboten worden sei. Die Politische Korrespondenz ist zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Behauptung aus der Luft gegriffen ist, da ein solcher Einspruch in keiner Form stattgefunden hat. _ Sur 11. Prager Herbstmesse. Don Dr. Robert Reinhard (Prag). Bekanntlich ist die Eigenwirtschaft in Syrien und Palästma nicht zu unterschätzen und gewinnt im Laufe der letzten Jahre seit der politischen Selbständigkeit des biblischen Landes immer mehr an Bedeutung. Getreide, Olivenöl, Südfrüchte, ja selbst auch Rohseide, Tabak und Baumwolle werden in diesem Gegend immer mehr angepflanzt und bilden schon einen beträchtlichen Ausfuhrartikel über die Hafenplätze Jaffa und Haifa. > Ebenso wie der vor einigen Jahren in Karlsbad abgehaltene, aus allen Weltteilen besuchte Zionistenkongretz zu einem Massenbesuch der- Prager Messe führte, so fft durch den Wiener Zionlstenkongreß zu erhoffen, daß mcht nur Wien und seine Messe, sondern auch die Prager Messe neue Geschäftsvevbindungen erzielen werden. Inwieweit die verschiedenen parteipolitischen Unruhen in Wien direkt oder indirekt Prag in den Vordergrund schieben werden, bleibt abzuwarten, da hierzulande Unterschiede in Weltanschauungen und konfessionellen Angelegenheiten nicht mit der Faust ausgesochten werden. Die Prager Mustermessen haben sich durch besondere Betonung wirtschaftlicher und kultureller Motive seit jeher bemüht, in nationalem und konfessionellem Sinne völkerversöhnend zu wirken. Wäre nicht dieser wichtige ethische Kern seit jeher in den Vordergrund gesogen worden, so härten die Prager Messen, welche bekanntlich ohne jedwede staatliche oder städtische materielle Unterstützung sich ausgestalten mußten, nicht die Bedeutung erlangen können, welche sie in zielbewußter Arbeit durch zehn Messen bereits erreicht haben. Mit der 11. Prager Herbstmesse, welche sich in 17 Fachgruppen gliedert, ist außer einer größeren Anzahl vorr Auslandsgruppen (Südslawien, Italien, Frankreich. Griechenland, Abessinien usw.) noch eine größere Anzahl von Sondermessen verknüpft, von denen die Sport- und Radiomesse, die Wald- und Jagdmesse, die Möbel-, Piano- und Baumaterialienmesse hervovgchoben seien. Auch eine eigene Autobörse ist, wie bisher, in Aussicht genommen. Ob die im Entstehen begriffene reichsdeutsche und österreichische Sondergruppe nicht tvie bisher auf die jeweiligen Fachbranchen ausgeteilt werden muß, ist fraglich, da ja nur hiedurch eine einheitliche Gruppierung dieser ausländischen Sonderabteilungen nicht nwglich war. Zmn ersten Male wird anläßlich der 11. Prager Herbstmesse (6. bis 13. Septsmlbvr 1926) auch eine eigene Reklamemesse in die Wege geleitet, zumal in dieser Hinsicht noch sehr viel Wandel geschaffen werden mutz. O6 eS möglich oder gar nötig sein wird, den nächstjährigen Zionistenkongreß nach Prag zu verlegen, läßt sich sekbstredeud heut« noch nicht voranSbestimmen. Wenn man nur die weltberühmten SehenSwüvdigjkeffen, wie den uralten Judenfriedhof mit dom Grabmal des höhen Rabbi Löw und seiner Jünger, daS alte jüdische Rathaus, die Ali-Neu-Schule usw. fft Erwägung zieht, so wird man zugoben müssen, daß sich Prag auch in diesem Sinne zur Kongreßstadt in ganz hervorragendem Maßstab eignet. In dieser Stadt, welche seit Jahr und Tag konfessionellen Frieden zu bewahren trachtet, deren Bevölkerung sich aber gegen dis Uedevgriffe jedweder Konfession (vergl. Marmaggl-Affäre) als Nachkommen des Freidenkers Hu8 zu wchven weiß, fft für einwandfreie uiib ruhige Durchführung von Kongressen aller Art jedwede Vorsorge getroffen. 1151