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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-23 · Heft 2336 (23.8.1925) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2336 (23.8.1925)
Date
1925-08-23
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Sette 10 Wien, Sonntag Wiener Morqenzettmtzck XI Anglist IMS ..„■‘V1 f5, ,( se2x/„i'käü'15js^-wv. i,c. ^P<^ls«««*,»is<^.«.U^^ e nt“’ 5n Me«, die KoygreNadt. Durch den Kongreß ist Wien tvkdrr 'eine Weltstadt geworden, die auch im endferutevoir Ausland, m moit fit* feilte der landesüblichen „Wiener Spezialitäten", nicht eilt mal M die Operottenschickfale bhöfer Stadt besonderes Interesse oder besonderen Respekt lMlfbvingt, wieder zu Ansehen ,ind Beachtun-g Klangt. Der Wiener August... das waren cinnuft die Tage einer ereignismvd bodeutungslost-n Langeweile, die „Sommerfrische" hatte wie ein Blutegel das Loben aus den Adern der Stadt gezogen, vor den verlassenen Häusern saß der Herr Hausmeister mit seiner Pfeife, schlurfenden Pantoffeln und einer gähnende:: Katze im Schoß*. Was mir sperren konnte, sperrte; was nur verreisen konnte, verreiste; ivas mir schlafen kmtltte, schlief. Nicht mehr als sin paar Volksfeste im Prater brachte das sommerliche Wien auf, um seirre Bevölkerung wach zu erhalten. Wer am 18. Aitgust dieses Jahres das Konzerthaus betrat, konnte sehen, wie gründlich dieses Wen heuer aus seinem einer Großstadt abträglichen Dornröschenschlaf erwacht ist; das «mkllektnelle, das politische Men lvar sehr vollzählig anwesend. Der Urlaub, bekanntlich das Heiligtum des Wiener Lebens, wurde unterbrochen und die SomMevwünsche, die Sontmersohnsrcht nach Erfrischung, K::r, Strandpromenade und Gebirgskletterei, loar irgendwie verloren gegangen. Erinnern wir uns nur, wie in der so wehmütig betrauertem Vergangenheit der Wurstelprater so zienrlich der Brennpunkt des romantisch besungene:: Wiener Lebens war, wie „Strohwitwers Leiden und Freuden", der von eillenr Herrn Regiernngsrat ausgebrachte Kaisertoast in einen: Alpenhotel, und im besten Falle einige Touristenu:vd Eisenbahnunfälle so ziemlich die äruÄiche Unterhaltung Wiens bestreiten mußten. Durch den Kongreß ist die verschlafene, kapncmische Sominerstadt eine' Weltstadt geworden! Zlutos nmschwirren die großen -Hotels, Träger schleppen bei Tag. bei Nacht hochgehäust* KofserlcsitM, in den Hotelbure aus wird toll gearbeitet, der letzte Bediente, der kleinste Listboy ist in Bcwcgl.rtg; Kellner Magen, Dienstmänner lverden, was ihnen in Wien jetzt nicht allzu häufig Passiert, wieder beschäftigt, die Reisobu-reaus sind uinlagert, die Mailcoach fährt, Mohr als gefüllt, über die Straßen und Plätze, die den Vorzug haben, so schön, und den Nachteil, nicht nach Verdienst bekannt zu fein. Nur die großen Hotels? Nein, auch die kleinen. Der Fremdenzustron: fließt überall hin. Die stiefmütterlich bedachte Leopoldstadt erhält Gäste, profitiert davon, der große, volkreiche Bezirk eines großen Bahnhofes mit dem Verkehr nach dem Osten zu sein. Es sind reicht, oder nicht nur, die offiziellen Verkehrs- und Frembenzentren Wiens, die sich an der Korrgreßstadt beteiligen. Nicht nur die Itobvlnird LnxuSviertel, die jedem Fremder:, dorn eilt Frcurdertfüher in den Weg läuft, sozusagen entgegenkommen. Nicht nur die mit dem Sternchen ausgezeichneten „Wiener Sehenswürdigkeiten", die historischen Stätten, vor: Schönbrnun ablvärts, die historischen Straßen, von der Idingstraße arrgesangen — es sind Straßen und Gegenderr, die, sehr mit Unrecht, vor: Fremdenglück, vor: Passantenbesrrch vernachlässig: und erst an zweiter nutz dritter Stelle der Sehenswürdigkeiten planiert wurden. Möglich, daß dieses Viertel nn: den Fleischmarkt dem Auslmider, der -das Wiener Propagandaklischee sucht, enttäuscht, daß dieses Viertel nicht -in: landläufigen, nicht in: landesüblichen Sinne „schön" ist. Es hat nichts von der legendären Ddelancholie der Wiener Landschaft, nichts dom strahlenden Glanz der Paläste, nichts von der Romantik der schöne»: blauen Donau. Dieses Viertel ist nicht mchr und nicht wertiger als eilt geographische- Wahrzeichen Wiens, nicht mchr und nicht weniger als ein Zeichen, daß Wien die südöstliche und bi* orientalische Wett vorbereitet. Die Geschästslädem, die Teppichhäuser geben diesem Stadtteil Basarbumcheit, die kleinen, hügeligen Gäßchen drängen sich wie in einer Balkanstadt, hier hat sich die ovientälische Siedlung kolonisiert, hier haben sich insbesondere die griechischer: und türkischen Kaufleut* niedergelassen, hier ist die griechische Kirche erdamt worden. Der Hausierhandel ha-t die Typest des Balkans, und das ganze Viertel, das eigentlich nur aus verwählten Gassen und Tnrchhänjern zusanlntengewachsen ist, er- Whtt mehr von der Geschichte, von der Eigenart Mens, als drei Dutzend - eingelernter Frenw« »-sichrer und die, Von den LokachistoxiVern beglaubigten Paläste, ■ ir.— ■; ■ ■ - .. Die Fremden, loelchc der Kongreß herführt, sind rvicht Ber>gll-ügitttgSreisende. Es ist nicht das Interesse an Wien, nicht die Muglerde r:ach den „W>iei:cr Spezialitäten", die sie zu bc friedigen suchen. J-m Prachtbau des moderne»! Wien, im Großen Konzerchanssaal, halten sie ihre Beratungen, mitten tn den: inoderltei: und modernsten Wien, das noch Hunter unnachahmliche Noblesse urvd Reichtum aus-str-ahlt. Aber Ziel und Zweck der Kongreßfremdon ist nicht jener der Scnso:siremdc,uMs:chr. Für jene Frenwen, di* nicht nur die luxuriöse, strahlende Fassade suchen, sondern di* Verknüpfung Wiens mit der Ferne und Fremrde, sind nicht bloß die „Sehenstmirdigkeiten" Wiens schenstvürdig, sondern sohenstvürdig ist ihnen auch, was den: Ringstraßen-Hotelgast nicht sehenÄvürdig erscheint, vor allem deSha-lb nicht, )veil der Fremdenführer nicht die Doitenwege aus der historischen Gala des Prunkwien weist. Sehenswürdig ist diese»: Fremden auch — das andere Wien. Jene etwas entlegeneren, vom Portier nicht enrpfohlerten Stadtteile, von denen hier zwei, der Fleischmarkt mit seiner bunt bevölkerten Umgebung, und die Leopoldstadt, an-gedeutet wurden. Es sind, wie zugegeben lverden muß, keine echten „Wiener Gegenden", der Henvigenverehrer wird sich nicht begeistern. Aber sie gehören zur Kongreßstadt Wien, dir toci-tcv reicht als bis;''n: Wurst:.'prcr:rr, Und nicht erschöpft wird durch das vollzähligste Register bestimmter Architckturgrößen. Durch den Kongreß wird ein den: Fremdet: vielfach unbekanntes Wien entdeckt IVerden, nicht die Zentren der mvdernen Weltstadt, aber die interessantesten, die eigenartigsten Teile des alten und älteren Wim:, das nnwivlterische Wien, jenes Wien, das nicht in: üblichen Sprachgebrauch, sondern wirklich und wahrhaftig — das Wien der Fremden ist, eine Fremdensiedlung. .. ' D—n. Die jüdischen Fischer von Soloniki. Mittettitttgen des PtMÄinaaMtes. Vor ekwa einem halben Jahr fnhW:—wiewir seinerzett berichteten — 15 jüdische Fischerfamiliett aus Saloniki nach Er*z.'Israel. Sie ließen sich in Acc 0 hei .Haifa nieder und obwohl sie schön gegen Gilde der Fischfangsaisttn ankanten, konnten sie schon in dieser kurzen Zeit die Uoberzeugung gew'tti:ett, daß das Fische reigolverbe in Erez Israel ein lohne Mer Evweüb ist. Diese Cvfalhrung veranlatzte rmi das Pal äst i na amt von S a l on i k i, in eitlem Rundschreiben an die zionistischen Aemter in Ercz Israel auf diese Möglichkeiten hinzmvsisen und der: -dringenden Wunsch auszusprechen, daß für die Niederlassung von weiteren 50 bis,70 jüdischen Fischerfamilien Sorge getragen werde. Das Rundschreiben, das auch einen Rückblick ans die Entwicklung des Fischereigowerbes unter den Inder: in Saloniki ■ wirft, erzählt hierüber unter «anderem: Deshalb ist di* Zahl der jüdischen Fischer seit dem Jahre 1922 stark zurückgeganggn. Ein Teil gab das Uedgeovorbene alte Gewerbe auf und bcgaiul ein neues, und auch -diejenigen, die ans ihren Plätzetr bliüben, haben Tag um Tag schlvere Kämpfe mit öc-n Griechen auszufechten, itm ihr kleines Plätzchen an: Ufer des Meeres zu -behauptet:. Aber ihre Arbeit ist nicht mchr jo erträgnisroich wie ifrüher, weil die Zahl der Fischer jetzt bereits eine zu große «ist, um auskömmlich davon leben zu können. Unsere jüditschen Fischer, die in vechältnisniäßigon: Wohlstand zufrieden ihre Familien erhalten konnten, verarmen all- «mühlich und sie komme» auch ntählich herunrter, weit» sie sehen, wie sic von einem Erwerb, den ihre Ur-cltern hier 'geschaffen «nd aus sie vererbt haben, init BrachiukMvalt «vertriebet: werden. Biele von ihnen sind bereits ausgcwandert nach Beirut, K o u st ä n t i n o p o-l und in andere Städte und zu unserem großen Schmerz müssen Mir zusehen, wie eine ganze G e »u e n d c v o tt A r* »beiter«» zerbröckelt und vernichtet wird. 9!ach vielen Bemühungen gelang es :ms, die zi o n istische Leitung -in Erez Israel bewegen, daß sie vinc Llnzahl unserer jüdischen Fischerfainilie», wie wir 'bereits erwähnten, nach Ercz Jrarl überführe. Aber dieser Meine Erfolg kann das Probten: nicht lösen. Ere.z Israel hat ein wetthin sich erstreckendes Mecrcsnfer. Ein* große 'Zahl von Fischern, könnte dort Mit Erfolg n:D mit großem Nutzen für das Land seinem Gewerbe nachgehen. Unsere 'Fischer sind Menschen, die auch den Boden gut zu bear- 'beiten verstehen und dabe-i - äußerst anspruchslos sind. Sie ha-'ben auch den Vorzug, daß sie gleich r:ach ihrer Anknuft i'in Lande ihr Gewerbe uupeMglich aufnehmen können und daß das Ergebnis ihrer Arbeit nicht dentjenigen der Boidenar beiter gleicht, die lange Zeit auf das Produkt ihrer Avbvit warten müsse». Die Ansiedlmtg jüdischer Fischer in 'Erez Israel beansprucht auch keine große:: Kosten. Genaue Erhebungen und Berechnungen haben ergeben, daß die . Siedlung von cttva 70 Ddrscheu Fischevfamilien. unserem Lande eilten neuen Erwerbszweig bringet: könnte, der außer -in-. Saloniki st -i r g e n d s t it der Welt unter Juden antzniresseir ist. Ans diesem Grimde beauftragte unser Palästinaamt sowohl unseren Delegierten wie auch die übrigen Kougreßdelegiertelt aus Griechenlanid, lvälhrend «ihrer Anwesenheit in, W i e n bei den kompetentest Stellen des Kongreffes dafür ciuzutrelen, daß tu das Budget für B a n d e'l » n >d I n d u st r i e etwa 3000 Pisium-d Sterling Zur Uelbersührung von 400 Personen, Mitgliedern mlserer jüdischen FffchersasttW'en nach Ereg Israel ausgenommen werden. Ueber die Bedeutung dieses neuen Pr-oduktionsz-weiges für Ere.z Israel braucht Wohl nicht viel gesagt werden. Er lvürdc, von allem anderen abgesehen; der Be-Völkerung ein neues hochwertiges Nahrungsmittel und auch einen crträgnisreichei: Ausfuhrartikel schaffen. Etwa 200 jüdische Familien organisierten sich zur «Ausübung des Fischevoigewerbes llnd es ist wohl lvahr- «scheiulich, daß diese jüdische Fi,scherge-lverbegonosienschaft die einzige Iu der Welt ist. Diese Organisation besteht «schoi: seit der Eiltwanderü-ng der Jndei: in Saloniki im Mittelalter. Die jüdische:: Fischer vor: TaLotlik: sind hoch gewachsene stämmige Menschen, kräftig, ausdauerud und bis vor einigen Jcchren, ehe noch unsere Stadt von den Griechen besetzt wuvde, waren es die Inden, die mit ihren Fischevbooten den Küsteniftvlch längs unserer Stadt bchervscht haben. Der Ausländer lvar stets erstaunt bei dem Allblick dieser jüdischen Riese::, die noch ihr unverfälschtes spattiol-iisches Idiom sprechen u-tt-d ein Gelvcvbe «betreiben. dasnitrgends in der Gattrth bei Judei: auztttressen ist und die, so oft Ftemde versucht hatten, sie von ihrer attgewohnien Tätigkeit wegzukliocken, einen geradezu' gefahvdroheuiden Widerstand leistetet: und ihren Erwerb, den sie seit Jähvhun-dörten ausübest, verteidigten. Die Geschichte dieser Seefahrer ist reich an heivdonmütigen, erstaunlichen Tate:«. Voll der Zeit an, als Zehintausestde griechischer Falllilien aus Kleinasien nach Saloniki verpflanzt wurdert. Griechen, die gileichfalls dis Fischers! ausüben, mußten unsere erbgesesietten jüdlischen Fischer der Gewatt lveichen. denn die Regierung Vertrieb sie fötM-lich und auch die internationale Kommission zur UntSrbvingnng der griechichen Müchklinge stellte sich aus die Seite der Griechen. Mn Ueberreft des Tempels von Femsalem. Das jüdische Heiligtstin, welches bei der Erobermtg Jerusalems durch Titus im Jahre 70 der heute üblichen Zeitrechnung^ den: Feuer zun: Opfer siel, lvar -der kurz vor denr jüdisch-rümischeu Kriege liach fast fül-fzigjährigcr Bauarbeit bcelldete Tcmpclban des Herodes. Von diesem Bauwerk, lvelches ::ach seines Stifters Absicht zu den stolzestell von Mellschenhaltd zählen sollte, ist, wie allgcmeill bekannt, n-tlr die äußere Tempelmaucr, die soge-namüe Klageniauer, erhaltet: gebliebelt. Wenig besannt jedoch ist,, daß es noch einen zweiten authentischen Ue'berrcst des Teillpels z:: Jerusalcill gibt (die Säule im Vatikai:, welche als ehemals de-in Herodcstellipel zugehörig bezeichllet wird, ist nicht mit Sicherheit als von diesen: Ba-u stanvtnend anzusehslt). Dieser letzte Tempelrest ist eine W a r tt u n g s. t a f e I, die sich im Naiionalm-usenm zu Koustantü n o pel befindet (ein Gipsabguß wurde vor kurzem im Berliner Museum ausgestellt). Wie aus dei: Beschreibunger: bei Flavists it-itb auch lut Talmud, die sehr detailliert sind und zu vielfachen Rekollstrllktiottsmovellell des Tenvpelbaues geMrt haben, hervorg-eht, hatte der Teilipel zwei Vorhöfe. Der Äußere Vorhof, wo an Festtaget: altch Märkte albgehattel: wurden, durste von Nicht-juden Ootrcfcu lverden; der Zutritt zum Immen Borhof, den eitle Wache von Lewitell hütete, War Ntchtjuden unlersagl. Warlmugs-» —i^nnrTnmi > Täglich roll 0 Uhr früh bis 11 Uhr F abends geöflriet / Nachmiitaffskonzert m des KUnstlerqttartetts MAX GEItiER Besuchet den Basar des Keren Kajemeth im Kursolon (Marmorsaöl), L, Siadipark Grosser Ausverkauf Kaffeehausu. Bestaurationsbetrieh Sämtliche aehraachsgegenständeza spottbilligen Preisen

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