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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-19 · Heft 2332 (19.8.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2332 (19.8.1925)
Date
1925-08-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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^reiÄ 20 Grosdien Redaktion, Administration: Wien, Il.Taborstr. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr:~21-102, 25-2-82 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Ign. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 KONCRESSAUSGABE Wiener Bezugsbedingungen für - Oesterreich monatlich 5 8 oraemettulm t.KämlheretelHS 17. AUGUST VE R K A U F von MÄNTELN KOSTÜMEN KLEIDERN im * TIEFPARTERRE aa. ftuausT Rk. 2332 Me«. Mittwoch. 19. August 1923 7. Jahrgang WELCHE UBER GUTEN WIENER. GESCHMACK SOWIE NEUESTE RICHTUNG DER MODE INFORMIERT SEIN WOUEN BESUCHEN UNBEDINGT DA. MODEN¬ PALAIS KAISERSTR.-111-HS £* IV., Wiedner Hauptsirasse Nr. 20 > Gegründet 1883 332 Nur Faulanerhof kauft und verkauft alle Valuten, Devisen, Schecks und ' Wertpapiere zu den besten Tageskursen Wiedner Wechselhaus Möbelfabrik J. Spira WIEN, VII. Siebensterngasse 1—2 n (Ecke Karl-Schweighofer-Gasse) r: 70 Grosses Lager PELZHAUS sEBR. BRAININ KÜRSCHNER WIEN, U. GLOCKENGASSE 8 TELEPHON 45-4-33 :: FOURRURES :: «1 Nie Kongreßsestnummer der „Wiener Morgenzeitung" -ist erschienen. Die 60 Seiten starke, mit zahlreichen Illustrationen, Bildern führender Männer des Zionismus, Neuaufnahmen ans Erez Israel und künstlerischen Reproduktionen versehene Nummer enthält «. a. Beiträge von Nechmn So ko low, Dr. Artur Ruppin, Anitta Müller-Cohen, Felix Salten, M. M. Ussischritt, Dr. Max Brod, Sven Hedin, Dr. S. Gronemann, Abel P an n, Dr. I. H. Körner, Ban Friesland, Dr. Berthold Feiwel, Julius Lowy, Jakob Kransz. Preis der Festnummer ein Schilling. Der vierzehnte zionistenlongretz. Die kröffnungrsthung. — Musterhafte Srduung. - Reden der Führer. —y. Wien, 19. August. Der vierzehnte Ziomstenkongreß ist zusammengetreten. Die in ihrer Würde und Feierlichkeit imposante Eröffnungssitzung zeigte in jeder Einzelheit ihres Verlaufes den weltpolitischen Inhalt der zionistischen Idee. Das ganze jüdische Volk war in diesem prachtvollen Saal anwesend, Delegierte aus allen Teilen der Welt fanden sich mit den Führern dieser großen, vom Lebensimpuls eines befreienden Ideals erfüllten Bewegung zusammen. Dieser erste Abend war geweiht durch die Freude des Wiedersehens, die in diesen Stunden die Vertreter der verschiedensten politischen und sozialen Richtungen verband. Die untrennbare Einheit des jüdischen Volkes tritt in der Stimmung des Kongresses nt, der stärksten Klarheit ans Licht und in dieser ersten und ursprünglichsten Wirkung liegt die unüberwindliche Kraft des Zionismus, der sich durch keinerlei Hindernis von seinem Ziel trennen läßt. Dies mußte jedem bewußt werden, der diesen Abend miterlebt hat und das schöne Bild des Raumes in sich aufnahm, in welchem mehr als zweitausend jüdische Männer und Frauen den Worten der Führer lauschten. Und mit ihnen hörten die Vertreter der Völker diese Reden, die eine öffentliche Rechnunglegung darstellten. Die Gesandten und Minister der Staaten, die durch die Tatsache ihres Erscheinens den Kongreß ehrten, mußten den Eindruck gewinnen, daß unsere Sache sich auf das stärkste Fundament,gründet, das die Welt und ihre Geschichte könnt: auf die' Idee. Wir haben keinen Staat, den wir doch erst bauen wollen, wir haben kein Heer und keine Marine, wir führen keinen.Krieg. Wir stehen mit reinen Händen vor der Welt, die wir zu Richtern über unser Werk aufrufen und deren Urteil wir mit Zuversicht erwarten können. Wir können frei und offen von der Tribüne des Kongresses sagen, was wir wollen und erstreben, wir können, was noch viel mehr ist, an unserer Arbeit selbst Kritik üben. Es gibt nichts, was wir verschweigen und das Gespinst aus Lüge und Unkenntnis, das um uns gewoben wird, zerflattert in nichts vor der Tatsache, daß wir selbst ungescheut alles aussprechen. Was wollen wir denn, das ein anderes Volk nicht auch besäße? Land und Freiheit. Festen, sicheren Boden, auf dem wir unsere Zukunft ungestört durch die Enge des Hasses neu aufrichten können.. Daran kann und darf niemand Anstoß nehmen, der sein eigenes Volk liebt und der da weiß, daß nur die engste Zusammenarbeit aller Völker das Elend aus der Welt bannen kann, das die Zwietracht und die Verleumdung erzeugt haben. Die Völker wissen nichts voneinander, sie spinnen sich in ihren Grenzen ein und fallen deshalb, weil die Wahrheit niemals sichtbar wird, ins Unglück. Wir haben dies erlebt und weil wir dieses Schicksal gesehen und miterlitten haben, stehen wir um so entschlossener bei unserem Programm des Friedens und der Völkerversöhnung. Wir dienen diesem Zweck durch unsere Arbeit und wir lassen uns nicht durch Rückschläge verwirren, noch durch bewußt geschaffene Mißverständnisse beeinflussen. Wir können stolz sagen, daß es einen Kongreß wie den unseren gar nicht gibt. In dieser Eröffnungssitzung wurde kein Wort gesprochen, das irgendein anderes Volk, eine Idee verletzen konnte. Wir hätten sicherlich ein gewisses Recht darauf gehabt, über die widerlichen Vorkommnisse der letzten Tage ein Wort zu sagen. Aber wir wissen, wie; leicht die Verhetzung in den durch Krieg und Kriegselend verbitterten Massen Verbreitung findet und wir stehen auch diesen Ereignissen mit kühler Reserve gegenüber. Es sind Erscheinungen einer Krankheit, die die Seele des Kontinentes zerrissen hat. Wir stehen ebenso wie alle anderen Völker unter diesen! Druck und wir wollen nach Kräften , an der Heilung Mitwirken. ■*> Aber wir empfinden es trotzdem als eine starke Demonstration der - Solidarität des guten Willens aller Kulturvölker, daß die Wiener Diplomatie vollzählig zu dem festlichen Abend sich eingesunden hatte. Wir erkennen daraus, daß die Völker trotz aller Verleumdung bestrebt sind, uns zu verstehen, und wir nehmen dies als ein gutes Zeichen für die Zukunft. Ser krösfnungsfestatt. Wien, von der Natur und durch seine freie, weite Architektonik.der Straßen zur Repräsentation geschaffen, hat dem Kongreß der Zionisten der ganzen Welt jenen freundlichen, hellen Rahmen gegeben, der sich in der echten europäischen Kulturtradition Wiens widerspiegelt. Helle Sonne und sattes Grün umsäumten jene in klarer Gliederung sich erstreckende Straße, die zum Konzerthaus führt und auf der bald nach fünf Uhr, als der Einlaß ins Konzerthausgebäude erfolgte, in immer dichterer Reihe die Auffahrt der Automobile und Wagen begann. Vorher waren in kleinen, wohlgeordneten Zügen die Ordner aufmarschiert und hatten sich in musterhafter Disziplin auf die ihnen zugewiesenen Plätze im Kongreßgebäude begeben. Nach sechs Uhr war der Zustrom zum Konzerthausgebäude schon ungeheuer geworden, aber der Einlaß vollzog sich glatt, ohne jede Störung; Delegierte, Pressevertreter, Gäste wiesen ihre Karten vor, wurden von Ordnern und Hausorganen ruhig und höflich an ihre Plätze geleitet und bald war der in schönen harmonischen Maßen durch lichte Säulen gegliederte Raum des Großen Konzerthaussaales von einer dichten Menge festlich gekleideter Menschen bis aus das letzte Plätzchen gefüllt. ' In das Rot und Weiß, die Grundfarben des Saales, leuchtete in wundervoller Symbolik, die Farbensatcheit des Orients spiegelnd, das dunkle Grün schmalblättriger Palmen, die aus denr Podium ausgestellt waren und sich mit dem feuchten Glanz von Lorbeersträuchern, die es umsäumten, mengten. Und ganz im Hintergrund, wie ein mystisches Geheimnis, das Dunkel jenes Bildes, welches den toten Führer darstellt. Dieses träumerische Dunkel, welches ins lebendige Grün und über ein Meer von Licht in die Menschenwoge des Prunksaales hinüberstrahlte, schien den Weg wiederzugeben, den diese Bewegung aus mystischer Träumerei in die lebendige und lebensprühende Wirklichkeit genommen hat. Die blau-weiße Fahne, welche auf dem linken Flaggenmast des Konzerchauses, knapp vor fünf Uhr aufgezogen wurde, während zugleich auf dem rechten Flaggenmast das rot-weiß-rote Fahnenzeichen der jungen, freien Republik Oesterreich omporwallte, hatte jenes Symbol des Lebens in Freiheit und. Frieden nach außen sinnfällig verkörpert; im Saal war es Wirklichkeit geworden durch Scharen, die sich gus West und Ost, aus Nord und Süd zu gemeinsamem Werk zusammengefunden hatten, zu einem Werk, das dem Frieden und der Freiheit nicht nur eines Volkes, sondern aller Völker dient. Denn der Kongreß, tvelcher gestern im Festgewande seine Tagungen erösfnete, ist nicht bloß eine Volkssache, sondern er steht im Mittelpunkt des Interesses aller Völker; ist. doch das Werk, für dessen Durchführung er die Richtlinien zu geben hat, in seiner Neuartigkeit richtunggebend für die Menschheit, der das Judentum in geeinigtem Willen durch den Ausbau von Erez Israel einen neuen Weg zum Völkeraufbau zeigt. Diese völkerverbindende internationale Perspektive zeigte der Kongreßsaal sinnfällig durch die erlesene Versammlung der Vertreter aller Staaten, welche dem Kongreß'die Ehre ihrer Anwesenheit schenkten. Der internationalen Bedeutung dieser Tagung entsprachen auch die Anordnungen der österreichischen Regierung, deren Gast der HÜBNER'S KURSALON DER STADT WIEN* BESTE JAZZ-.BAND WIENS EINTRITT FREI . -r* grü*- «HHWWHM

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