Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2330 (17.8.1925)
- Date
- 1925-08-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981415--23648-3011188- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
[Polen: 20 ar osay 1 Wien: Zum Abholen in der Expedition, IL Taborstr. 1-3, oder ln einer Verschieisstelle (Trafik) monati. ö Schilling Strassenverkauf in Wien durch die'Kolporteure der Firma O o I d sch mied, L, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling •Tsch echo-Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 NachMkltragen bei Prel — erhOhaagen rorbeheliea . Wiener Morgenreitung Engl and: Mon. 4 Schilling. Italien: Monati. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien :Mon.l00Lew2. Schweiz und das übrige: Ausland monatlich Ftcs. 5} Redaktion, Administration^ Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-1A Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Di uckerei lg. Steinmann), Oesterreichisches Postspar* kassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2310 Men. Montag. 17. August 1S2S 7. Fahrgang Me Eröffnung der PMstinaausftellunn. Fm «omerthans. K Unter überaus starker Beteiligung wurde gestern nachmittags im Konzerthause die anläßlich des Zionisten-' kongresses veranstaltete Palästinaausstellung eröffnet. Auf der Estrade des großen Saales erschienen als Ehrengäste sämtliche Mitglieder der Zionistischen Exekutive mit dem Präsidenten Weizmann an der Spitze, ferner die Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsrates, das Direktorium des Keren Kajemeth und Keren Hajessod. Der Präsident des zionistischen Aktionskomitees, Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes, sagte in seiner Begrüßungsansprache im wesentlichen folgendes: „Es ist mir eine große Ehre und Freude, in unserer Stadt die erste Ausstellung des arbeitenden jüdischen Palästina eröffnen zu können. Wenn Sie ihren Rundgang durch die Ausstellungsräume machen, werden diejenigen, welche große Ausstellungen besuchten, bestimmt finden, daß sie Objekte dieser Art in weit größerer Zahl, reichhaltigerer Zusammenstellung und besserer Ausführung sahen. Wenn diese Ausstellung gleichwohl in ganz besonderem Maße Ihr Interesse verdient, so liegt es nicht an den exponierten Objekten, sondern an der Art, wie diese Objekte zustande gekommen sind. 2000 Jahre ist das jüdische Heimatland ohne jüdisches Volk geblieben. In dieser Zeit sind nacheinander große Kulturvölker Herren des Landes gewesen. Bon allen diesen Großmächten, die in anderen Teilen ihres Reiches große Kulturarbeit geleistet haben, ist in Palästina fast nichts zurückgebliben. Was in den letzten Jahren ein Häuflein jüdischer Menschen, vor allem Arbeiter, geleistet haben, über st e^gt an Bedeutung alles, was die mächtigen Kulturvölker dort zurückließen. Bedenken Sie die ungeheuren Schwierigkeiten, unter denen das geschaffen wurde, was hier ausgestellt ist. Dann wird Sie Bewunderung erMen und die Hoffnung auf die Zukunft dieses Werkes, welches dem Milchen Volke und darüber hinaus dem Gedeihen der ganzen Menschheit dient." Namens der Gesellschaft M i schar w'Taassiah, welche die Ausstellung veranstaltet, sprach Herr Doktor Soskin. Er widmete Worte der Bewunderung der Republik Oesterreich, welche unter schwierigen Verhältnissen Handel und Industrie aufbaut. Noch schwieriger fn die Pionierarbeit in Palästina. Er ersuchte um Rücksicht, daß die Ausstellung noch nicht in allen Teilen vollständig fertig sei. Stürmisch begrüßt ergriff sodann der Präsident der Zionistischen Exekutive, Dr. Chatm Weizmann, das Wort: ,ß§ freut mich, an dieser Feier teilnchmen zu können. Ich danke den Veranstaltern. Sie werden einen Querschnitt dessen schen, was in dem nationalen jüdischen Heim geleistet wird. Man wird das Gesehene richtig einschätzen wenn man bedenkt, daß die elementaren Voraussetzungen der Industrie noch nicht gegeben sind. Noch fehlt das große Wasserkraftwerk, das Ruthenberg plant, noch fehlt der H a f e n, über den wir hoffentlich in zwei Jahren verfügen werden. Ich glaube, daß eine günstige Entwicklung dazu bettragen wird, Palästina als Markt-' platz für die nähere Levante, für Syrien, Tvansjordanien, Mesopotamien zu erschließen. Nur ist festzuhalten, daß die gesunde industrielle Entwicklung Palästinas eine stetig steigende landwirtschaftliche Entwicklung zur Bori aussetzung haben Mutz. Daisiur zu sorgen, ist Sache des jüdischen Volkes. Ich beglückwünsche die Veranstalter, Möge ihnen voller Erfolg beischieden sein." Das MiWied der Exekutive, Dr. Georg Halpern, sprach namens des Finanz-- und Wirtschaftsrates, der an diesem Unternehmen besonders interessiert sei. Die Ausstellung bringe das arbeitende Pal ästin.'a "nahe und zeigen daß wenige Männer dev Privatinitiative etwas ganzes geleistet havtzn, Ueberall seien Ansätze zum Export vorhanden. Arlosoroff überüringt Grütze und Wünsche der allgemeinen Mischen Arbeiterorganisation Palästinas. Die Arbeiterschaft nimutt als solche an der Ausstellung teil, weil sie hinter diesem Werk steht. Man sieht an dieser Ausstellung den Weg, den die jüdischen Arbeiter Palästinas in ihrer kolonisatorischen Initiative zurückgelegt haben. Sie waren erst Landarbeiter, dann Straßenbauer, dann Bauarbeiter, gründeten die Arbeiterbaugiwe Solelbonch und zahlreiche andere Unternehmungen. Die Arbeiterschaft Palästinas begrüßt jede konstruktive Arbeit, Von wem immer sie geleistet wird. > Sodann wurde der Rundgang durch Sie Ausstellungssäle angetreten. Wir haben in unserer Ausgabe vom 15. d. bereits eine Vorschau veröffentlicht und werden auf die reichhaltige, überaus bemerk-nswerte Ausstellung noch näher zurückkommen. zentralrat der Welthilfskonferenz. In seinen weiteren Sitzungen hat sich der Zentralvat Mit der Frage der v e r e kn i g te n jüd is ch e n V o lksbank befaßt, die seinerzeit durch die Welthilfskonserenz gegründet worden 'war.' Sämtliche Delegierten aus Osteuropa betonten die unbedingte Notwendigkeit der Gewährung billiger und langfristiger Kredite an jüdische Handwerker und Kleingewerbetreibende. Weiters 'wurde über die Wiederaufnahme der Tätigkeit des Joint und über das Krimprojekt beraten. An der Diskussion nahmen teil die Herren Dr. Jochelm an (London), Dr. Thon (Krakau), Obermbbiner Dr. Chajes (Wien) und Alfred Berger (Berlin). Dr. Oskar Cohn ergänzte den Bericht des Herrn Motzkin über die Delegation in Amerika. Er erklärte, daß das europäische Judentum dafür Sorge tragen müsse, daß das Krim- Projekt nicht alle Geldmittel verschlinge, denn es gibt noch viele andere sehr wichtige jüdische soziale Organisationen, die unterstützt werden müssen. Herr Motzkin berichtete ausführlich über die Hilfskorlferenz, welche am 24. Mai 1926 in New Jork unter Vorsitz Dr. Stephan 'W i s e s und in Anwesenheit der Repräsentanten der vormchmsteu Misch-amerikanischen Organisationen stattgefunden hat. Diese Konferenz akzeptierte den Standpunkt der .Delegation der Wellhilfskonserenz. Das Joint-Kmnitte hat hiebei erklärt, daß es die Arbeit in Europa durch europäische Organisationen leisten werde. Es wurde vorgeschlagen, eine amerikanisch-jüdische Konsevellz in Europa abzuhalten. Redner bittet den Zentralvat, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. An die Leser der „Wiener Morgenrettnng". Während der Drucklegung unserer Festnummer zum 14. Zionistenkongreß hat sich in unserer Druckerei ein schwerer Maschinenschaden ereignet, den wir infolge der beiden Feiertage nicht beheben konnten. Der Druck der Festausgabe nlllßte unterbrochen und der Umfang um ein Drittel reduziert werden. Die in dienern Teile enthaltenen Artikel (Begrüßungen des Kongresses, Berichte von Organisationen, literarische und sportliche Beiträge sowie Reproduktionen von Kunstblättern) werden in den nächsten Nltmmern der „Wiener Morgenzeitung" nachgetragen werden. Ne sephardische Welttonferenr. Die zweite sephardische Weltkonsevenz wurde Samstag, halb 9 Uhr abends, mit einem Festakt im Tempel dev türkischen Gemeinde eröffnet. Das Gotteshaus war dort Delegierten und Gästen dicht geMt. Der Vorstand der Gemeinde Herr Leon Ha im begrüßte die Erschienenen, worauf Rabbiner Nissim Ovadia den Segen sprach. Der Oberrabbiner von Jaffa Herr Benzion Usiel hielt eine hebräische Ansprache, die eine sehr starke Wirkung! übte. Er gab die Ideologie der neuen sephardischen nativ-; nalen Bewegung, die vollwertigen Anteil an der jüdischen^ Renaissance nehmen wolle. Im Namen der Zionistischen Exekutive begrüßte Herr S o k o l o w die Konferenz, Herr Ussischkin sprach als Letter des Keren Kajemech, David Aellin als Vertreter des Waad leumi. : Hernach folgte die erste formelle Sitzung, in welcher! die Konstituierung der Konferenz vorgenommen wurdet Es wurden Herr Oberrabbiner Usiel zum Ehrenpräsidenten, Herr Piciotto zum Präsidenten, die Herren David Florentin (Saloniki), Avram Recanatti (Saloniki), Dr. S. Alkalay (Belgrad) und David Cuerca (Wien) zu Vizepräsidenten gewählt. Am Sonntag um 10 Uhr vormittags trat die Konferenz in die Beratung ihres Programmes ein. r £ Der dritte zionistische Stndenten-Welttongreb. Der zionistische Studerttenweltkougveß wurde durch einen Festkommers, der im Festsaale des Hotel de Franoe am Samstag den 15. d. um 8 Uhr abends von der Wiener zionistischen Studentenschaft zu Ehren der ausländischen Studerttendele-' gierten veranstaltet. , ' i Sonntagum 11. Uhr vormittags wurde am Hanse, 9. Bez., Dürkenstvaße 9, in welchem Dr. Theodor Herzl die Grundlagen des politischen Zionismus erstehen ließ, eine Herzl-Erinnorungsplakette enthüllt. Die Enthüllungszeremonie wurde vom Präsidenten des zionistischen Aktionskomitees, Prof. Dr. Chajes. in Anwesenheit zahlreicher Gäste und Mitwirkung des jüdischen Gesangsveremes (Leitung Prof. Braslawsky) vorgmornmen. Die Festrede hielt Herr Dr. Isidor Schaltt. Um 3 Uhr nachmittags wurde im Festsaale des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft der Kongreß vom Präsidenten Offenberger in Anwesenheit von 55 Delegierten der Universitätsstädte Brünn, Berlin, Basel, Budapest, Bukarest, Innsbruck, Agram, Czernowitz, Padua, Warschau, Krakau, Jerusalem, Riga und Wien eröffnet. Die Kongreßverhandlungen wurden in hebräischer und deutscher Sprache geführt. Nach den offiziellen Begrüßungen der erschienenen Delegierten übemcchm das Mersprüsidmm Dr. Josef Vierer (Bukowina), einer der ältesten Vorkämpfer des Hebväismus. Das Tagespräsidium führen Dr. Severin Lazarowjcz (Rumänien) und Frau Dr. Schur (Jerusale-rn). Nach Wahl der verschiedenen Ausschüsse erstattete dev Generalsekretär des Weltverbandes den Bericht über die abgelcmfene Arbeitsperiode, an welchen sich eine Debatte anschloß. an der sich Delegierte Deutschlands, Oesterreichs, Polens. Palästinas, Jugoslawiens und Rumäniens beteiligtes Erschütternd war der hebräische Bericht des Delegierten Sowjetrußlands. der die Leiden und Unterdrückungen dev jüdischen Jugend Rußlands in beredten Worten! schilderte. Dausende zionistischer Akademiker werden, weil sie ihren Idealen treu geblieben, nach Sibirien verschickt und unbarmherzig dem Untergänge preisgegehen.;; Nach Erstattung der Tätigkeitsberichte der verschieden^ Landesverbände Mrde die Generaldebatte erMnet, Arbeitrblock allgemeiner zionisten. Diejenigen Delegierten, die sich auf Grundlage eines Be# stimmten Programms an einem Ar beilsblock a l l g t* meiner Zionisten beteiligen wollen, werden zu einer Aussprache fiir heute um 5 Uhr im Akademischen Ghm-, nasrunr (gegenüber dem Konzorthaus), 1. Stock, PhysWagl, geladen. Nur stimmberechtigte MitAwder des Kongresses tzabW Zutritt. Festkonzert. Mittwoch de» 19. d. um 8 Uhr abends findet im Sophiensaal ein Festkonzert statt. Ausfivhrende: Das Wiener, Hakocch-Orchester, der Wiener jüdische Gesangsverein, Ober-! kanlor Gevson Margulies, Koirzertineister Jolsef Zimiblvr^ Maximilian Äampl, Dirigeut Prof. S. Braslawsky. Kartest an der Konzerthauskasse. Die Kongretz-Festnummer tm «Wiener Morgenzeitung" erscheint heute nachmittags.