Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2329 (15.8.1925)
- Date
- 1925-08-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981414--23632-3011171- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
- Tianjin 1× ep/1045845
OCR text
Men, Gam-tag - f'Kfemt diese Adressaten untereinander in brüderlicher ' Eintracht leben würden. Wir müssen mit Bedauern konstatieren, daß das nicht ganz zutrifft. Das christ- , liche Frankreich lebt mit dem christlichen Deutschland auf Kriegsfuß, auf den: Balkan schneiden die Christen einander die Hälse ab, die christlichen Minoritäten in Europa leiden unter dem Druck ihrer christlichen Zwingherren. Das sind^ erweisliche Tatsachen. Nicht erweislich aber ist, daß irgendwo Unterdrückung durch Juden geschieht. Auch nicht in Palästina. Dagegen schießen in Syrien Christen auf Drusen, in Marokko fromme Spanier und ebenso fromme Franzosen auf verdammte Kabylen. Die Logik ist nicht ganz in Ordnung. Aber darum handelt es sich bei der ganzen Sache gar nicht. Der Zweck der Uebung ist doch nur der, einen jüdischen Terror zu konstruieren und daraus die gewissen Schlüsse p: ziehen, die sich eben in diesen Tagen in Wien manifestieren. Wenn schon besorgniserregende Zustände — wozu sie denn im heiligen Land suchen? Das Schöne liegt doch so nahe. Im Stadtpark zu Wien, in den Straßen, in denen „die Iudenpest" ansgeschrien wird, und an den anderen Steller: in Wien, an denen das Hakenkreuz mit den: Kreuz in schöner Harmonie die Verfolgung der Christen bejammert. Sie wollen sich ein Alibi schaffen, die vereinigten Lügner und Fälscher, und deshalb malen sie den Juden so, wie sie eben sind. Das gehört zu ihren: Wesen. _ Sie Presse in Srez Israel. Unter dem Titel „Die jüngste Presse der Welt" bespricht der Gründer der Jüdischen Telegraphenagentnr Meier G r o ß m a n n im „New Palestine" das Zeitungswesen in Erez Israel. Wir entnehmen dem Aufsatz die folgenden Daten: Tie Presse in Erez Israel ist gegenwärtig nur bis zu einem gewissen Grade die natürliche Folge des Bedarfes an täglicher Information; sie ist zum Teile eine künstliche Schöpfung politischer Gruppen zu politischen oder erzieherischen Zwecken. Die vier Tagesblätter und etwa 32 Wochen- und Halbmonatsschriften sind weit davon entfernt, sich selbst zu erhalten, sie werden von nationalen Organisationen, politischen Parteien oder religiösen Gemeinschaften subventioniert; die übrigen kämpfen um ihre Existenz. Trotzdem nimmt die Zahl der Blätter im Lande täglich zu. Noch vor zehn Jahren hat es in Erez Israel überhaupt kein wirkliches Tagblatt gegeben und heute finden sich dort die modernsten Druckereien und sogar eine eigene Nachrichtenagentur. Das zei tungs lesende Publikum in Erez Israel kann in drei Gruppen geteilt werden: Araber, Juden und Engländer. Jede dieser Gruppen hat ihre eigene Presse und manche sogar Zeitungen in zwei Sprachen, da ein beträchtlicher Teil der eingewanderten Juden, der nur in einer europäischen Sprache zu lesen vermag, die Zahl der englischen Leser, die hauptsächlich aus Militär, Regierungsbeamten und Kausleuten bestehen, vermehrt. Der palästinensische Journalist muß allen Richtungen und Schattierungen innerhalb seiner eigenen nationalen und sprachlichen Gruppe Rechnung tragen. Eine journalistische Tradition konnte sich noch nicht herausbilden. Mit Ausnahme des hebräischen Wochenblattes „H a p o e l H a z a i r", das seit 18 Jahren ununterbrochen erscheint, gibt es im Lande keine hebräische, arabische oder englische Zeitung, die seit mehr als zehn Jahren besteht. Die arabische Presse in Erez Israel ist durch zwölf Zeitschriften vertreten,»von denen drei in Jerusalem, vier in Jaffa und eine in Bethlehem erscheinen. Eine arabische Tageszeitung konnte trotz aller Bemühungen wegen Mangels an Lesern nicht zustandegebracht werden. Die arabischen Blätter enthalten zumeist Lokalnachrichten und Informationen, die der ägyptischen Presse nachgedruckt werden. Die Auflage eines solchen arabischen Blattes übersteigt nicht 300 Exemplare. Obgleich vier Fünftel der Bevölkerung Moslems sind, sind fast sämtliche Redakteure und Herausgeber der arabischen Zeitungen in Erez Israel C h r i st e n. Die Mehrzahl der arabischen Blätter ist antienglisch, antijüdisch und demnach auch antizionistisch. Der „Fel e st in" (Palästina) und „El Gezira" in Jaffa, „El Karmel" in Haifa, „R akib Sion" (Wächter von Zion), das offizielle Organ des lateinischen Patriarchen, und „Meraat el Schert" (Spiegel des Ostens) in Jerusalem sind Propagandablätter der arabischen Nationalisten. „F e l e st i dessen Herausgeber Israel I s s a wiederholt wegen antienglischer Propaganda und Aufreizung gegen die Juden gerichtlich verfolgt wurde, ist das offizielle Organ der christlich-moslemitischen Gesellschaft, welche vor zwei Jahren eine Abordnung nach England entsendet hat. „El Karmel" ist das älteste arabische Blatt im Dienste der arabischen nationalistischen Propaganda und wird von dem äußerst fähigen arabischen Journalisten N a s a r redigiert. Die Organe der gemäßigten Araber in den Städten sind „L i s s a n e l A r a b" in Jerusalem, „A n a p h i r" in Haifa und „ElAkhbar" (Nachrichten). Diese Blätter bekämpfen nicht das britische Mandat und treten für eine Verständigung mit den Juden und Engländern auf einer kulturellen Plattform, wenngleich sie die Balfour-Deklaration nicht anerkennen, weil sie den Juden ein politisches Uebergewicht sichert. „Lissan el Arab" ist überdies gegen Frankreich orientiert, sein Herausgeber wurde aus Syrien aus- Miener Morsenzeikuifst_ gewiesen. In: allgemeinen kann gesagt werden, daß fast alle von den Vertretern der katholischen Kirche beeinflußten Blätter mit Frankreich sympathisieren und die schärfsten Gegner der Juden und Engländer sind. Die in Bethlehem erscheinende „Sowt- Aschab (Bolksstimme) ist das Organ der christlichorthodoxen Gemeinschaft. Außer diesen Blättern erscheinen noch in arabischer Sprache die arabische Ausgabe des Gewerkschaftsorganes der Eisenbahner „H a k a t a r" und die arabische Ausgabe des Amtsblattes der Palästinaregierung. Während nun die Araber mit einer Bevölkerung von 600.000 Seelen bloß zwölf kleine periodische Zeitschriften haben, besitzen die 125.000 Juden in Erez Israel drei Tagesblätter, sieben Wochenblätter, zwei Halbmonatsschriften, sechs Monatsschrift e n und eine Anzahl unregelmäßig erscheinender Revuen, sämtliche in hebräischer Sprache. Die drei Tagesblätter, „D o a r Hajom" (Tagespost) in Jerusalem, aarez" (Das Land) unb „D a w a r (Das Wort) in Jaffa, sind durchaus moderne Tagcsjonrnale. „Dawar", welches erst seit Juni d. I. besteht, vertritt die gemäßigte sozialistische Richtung. Die Wochenblätter sind: „H a p o e l H a z a i r" (Der junge Arbeiter) in Tel-Awiw, „Kol Jakob", Organ der Orthodoxen, „Kol Israel", das Blatt der Aguda, beide in Jerusalem, „K u n t r e s" in Tel-Awiw, Organ der zionistischen Arbeiterorganisation Achduth Haawodah, „H a t o r" in Jerusalem (Misrachi), „H a j i s ch u b" in Jaffa, „He-idim" (Kunst und Literatur) und das moderne, illustrierte Wochenblatt „H a m i s r a ch" (Der Osten). Halbmonatlich erscheinen das einzige kommerzielle Fachblatt in Erez Israel „M i s'ch o r W e t a a s s i j a h" und die hebräische Ausgabe des Amtsblattes „Haiton Harischmi". Von den sechs Monatsschriften sind das ausgezeichnete Magazin „H a s ch i l o a ch", die landwirtschaftliche Zeitschrift „Hassadeh" und das Fachblatt für Kindergartenwesen „H a g i n a h" hervorzuheben. In englischer Sprache erscheinen das von der palästinensischen Telegraphenagentur herausgegebene Tagblatt „P a l e st i n e B u l l e t k n", ferner eine Wochenausgabe des „D o a r H a j o m" unter dem Titel „The Palestine Weekly" und das Amtsblatt „Official Gazette". _ Der franzöfische Marottoerfolg. Ein neuer Oberkommandicrender für Slidmarokko. Paris, 14. August. (Tel.-Komp.) Der heutige offizielle Bericht aus Marokko stellt fest, daß die Operationen iw Abschnitt von Uezzan.zu einem militärischen und politischen Erfolg geführt haben. Verschiedene Stämme sollen sich geweigert haben, den Aufständischen weitere Truppen zur Verfügung zu stellen. General Daugan wird das Oberkommando über ganz Südmarokko übernehmen. Reue Fremdenunruhen in Beutst«. Tientsin, 14. August. (Havas.) Im Verlaufe neuerlicher Unruhen haben Meuterer eine japanische Spinnerei gänzlich und eine von Amerikanern geleitete chinesische Spinnerei teilweise zerstört. Die BSlkerbundkommWon für geistige Ausammeuarbekt. Bergson legt die Präsidentenstelle nieder. Genf, 14. August. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der Generalsekretär des Völkerbundes hat von dem Präsidenten der Kommission für geistige Zusammenarbeit Prof. Bergfon ein Schreiben erhalten, worin er mitteilt, daß er aus Gesundheitsrücksichten sein Amt nie der lege. Die RuhrrSumuug. Düsseldorf, 14. SkWrst. (Wolff.)' Nach eurer amtlichen Mitteilung des Oberbefehlshabers der alliierten Beisatzungsarmee General Guillamnat, die heute dem Regierungspräsidenten übergeben wurde, halben die französische und die belgische Regierung beschlossen, die Brückenköpfe Düsseldorf und Duisburg zu räilpmen. Die Räumung wird am 26. d., mitternachts, vollständig beendet sein. Benikrkhr Freilassung. Budapest, 14. August. (Tel.-KomP.) Der Ministerrat nahin heute ein Referat des Justizministers zur Kenntnis, worin dieser mitteilt, daß das Justizministerium auf Grund der Ergebnisse der ärztlichen UntersnchuW des Gesundheitszustandes Edmund v. Beniczkhs der Staatsanwaltschaft den Antrag gestellt hat, den gewesenen Innenminister gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen. Tie Entscheidung über die Freilassung Edmund von Benicstys steht nunmehr dem Anklagesenat zu. Eine kommunistische Demonstration verboten. Der Verband der kommnnistischeu Proletarievjugend hatte für den heutigen Tag in die Volkshalle des Neuen Wiener Rathauses eine Versammlung mit der Tagesordnuidg: ,/D e r Kampf gegen Reaktiv w und Kriegsgefahr" einberufen, an welche sich nach der bei der Polizeidirektivn eingelaugten Anzeige des Verbandes ein Umzug über den Ring bis zum Schwarzenbergplatz anschließen sollte. Dieser Umzug wurde von der Polizeidirektiou ans Gründen des öffentlichen Wohles und der öffentlichen Sicherheit untersagt. _18. August mH_Sfr, 8888 Die nationalsozialistischen GtraßenkrawaNe vom Donnerstag. Ueber die rmtionalfoziaUstische Versammlmvg am Donnerstag und die Straßenvorgänge, die sich daran schlossen, gkbt die Korrespondenz Wilhelm nachstehendes Eommunique aus: Am 13. d„ abends, fand in der Gastwirtschaft Weigl im IS. Wiener Ge-nwindebezirk eine von der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei einberufene Versammlung mit der Tagesordnung: „Die Stellungnahme des arisch-christlichen Wien zum Zionistenkongreß" statt. Während der Versammlung sammelten sich vor der Gastwirtschaft wiederholt größere Grirppen politischer Gegner, zumeist kommunistischer Parteizugehörigkeit, an, die von der Sicherheitswache vom Versammlungslokal abgedrängt und zerstreut wurden. Bei diesem Anlaß wurden von i>en Demonstranten Steine gegen di« Sicherheitswach« geschleudert und eine Fensterscheibe einer Gastwirtschaft in der Grünbergstraße durch einen Stein- >wurf zertrümmert. Nach Beendigung der Dersammlung zogen die Teilnehmer durch die Schönbrunnevstvaße bis zur Lobkow i tz b r n ck e und lösten sich dort über Aufforderung der Sichevhsitswache in Gruppen auf. Ein in diesem Äugenblick des Weges kommendes Automobil, in welchem Demonstranten Mische Insassen vermuteten, wurde von einer Gruppe derselben umringt, wobei ein Demonstrant die Insassen tätlich insultierte. Die an Ort und Stelle befindliche Sicherheitswache schritt sofort ein, stellte die Ordnung mit blanker Waffe wieder her, arretierte den Täter und ermöglichte dem Automobil ungehinderte Weiterfahrt. Einzelne durch den 5., teils durch den 14. Bezirk abziehende Grippen, die fortgesetzt in lärmender Weise demonstrierten, wurden von der Sicherheitswache mehrmals zerstreut, wobei Sicherheitswachbeamte wiederholt den Säbel ziehen mußten, ohne jedoch von demselben Gebrauch zu machen. Kurze Zeit später sammelte sich vor dem Cafe Palmhos in der Mariahilferstrahe neuerlich eine Gruppe von Demonstranten und versuchte in das Kaffeehaus gewaltsam einzudringen, wobei zwei Fensterscheiben dieses Kaffeehauses durch Steinwürfe zertrümmert wurden. Die Sicherheitswache verhinderte das Eindringen der Demonstranten mit blanker Waffe und hielt den Führer dieser Gruppe an. Auch andere Gruppen versuchten auf dem Heimweg vor Kaffeehäusern zu demonstrieren, wurden jedoch überall von der in entsprechender Zahl beveitgestellten Sicherheitswache daran gehindert. Im Verlaufe der Demonstration ■ wurden insgesamt achtzehn Personen wegen öffentlicher Gewalttätigkeit, Auflaufes und polizeiwidrigen Verhaltens an gehalten. Gegen die Ungehaltenen, die sich zum Teil noch im polizeilichen Gewahrsam ^befinden, wurde die entsprechende Strafamt'shandlung eingeleitet. Bor dem Kode des Lemberger Prozeßes. Das Zeugenvevhöv beendet. — Anträge der Verteidigung (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 14. August. Am 30. Berhandlungstag wurde durch die Vernehmung der Zeugin Michalina Daniszowa, einer Nachbarin der FamMe des Terroristen Panzyszyn, das Zeugenverhör beendet. Der Gerichtshof enunzierte sodann durch den Vorsitzenden, daß die am vorigen Verhandlungstag gestellten Anträge der Verteidigung auf Vernehmung neuer Zeugen abgelehnt wurden. Hierauf wurde eine Reihe von protokollarischen Beweisstücken verlesen und der Staatsanwalt und die einzelne» Verteidiger stellten eine Reihe von ergänzenden Beweis an trägen. Unter anderem beantragte Dr. Kibitz, der Verteidiger des angeklagten Privatdetektivs Dwornitzki, die Einvernahme des Polizeikommissärs Ge ppert als Zeugen sowie eine Konfrontation zwischen dem Polizei in spektor L u k o m s k i und dem Redakteur DaniIuk, dem Lukomski nach verschiedenen Aussagen des öfteren Informationen gegeben haben soll. Der Verteidiger des Angeklagten Mikitin Dr. Gluszkiewiez beantragte Berufung anderer Schriftsachverständiger sowie die Untersuchung de's Geisteszustandes des Mikitin. Der Verteidiger des Angeklagten Jäger, Dr. Pieracki, beantragt die Borladung des Stanislaw Steiger als Zeugen bezüglich der Anlvefenhoit Panczhszyns am Mentatsort zur Zeit, da das Attentat erfolgte. Diesem Antrag schloß sich Verteidiger Dr. G r e k an. Nach einer Reihe weiterer Anträge der übrigen Verteidiger wurde die Verhandlung vertagt. Sollte das Gericht rächt die von der Verteidigung beantragte Durchführung der ergänzenden Beweismittel beschließen, so dürften in der nächsten Sitzung die Plaidoyers de's Staatsanwaltes und der Verteidiger gehalten werden und die Urteilsverkündigung noch ifür Montag zu erwarten sein. _' * Das Schachturnier in Debreczi». In der fünften Runk gewannen Johner gegen Asztalos, Grüirfeld gegen Matllson, Knwch gegen Bukovie, Przepiola gegen Seitz, Prokes gegen Havasi, Steiuer^Tavtakawer mwntfchieden. Die in der dritten Runde abgebrochene:: Partien Bajda-AsztaloS und Grüufeld« Seitz wurden remis erklärt. Morgen wird die Hängepartie Tartakower-Seitz fortgesetzt,