Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2326 (12.8.1925)
- Date
- 1925-08-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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[Polen: 20 groszyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, IL Taborstr. 1*3, oder in einer versdileisstelle rTraflk) monatl, 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Qol dschmied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.6V. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachsahlimgeii bet P r e I «- erhöhnngea ronthwlCD' Wiener orgenzeitung unnnri England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. BulgarienrMomtOOLewj. Schweiz und aas übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Diucl|£rel lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 »r. 2326 Wie«. Mittwoch. 12. August 192S 7. Jahrgang ooooo#oooaoaoaoaooo«oaoooaooooo#o«oaoa 2 Wir lenken die Aufmerksamkeit unserer Leser luf die & IO unserer heutigen Nummer beiliegenden Prospekte der Z „h a o L A Mw | Hebräisches Organ der Zionistischen Q Weltorganisation S Bezüglich Bestellungen für Abonnement und ö Inserate wende man sich an den Leiter des „Haolam", 5 8 Konzerthaus, Zimmer 22, Wien, I., Lothringcrstr. 20 f •oeoeoeoeoeoeoeoeoeoeoeoooeoeoeoeoeoeo DieVerfaflung auf dem Cis. -y. Wien, 12. August. Der Geburtstag der deutschen Verfassung, die "die Grundlagen zur republikanischen Entwicklung legen wollte, wurde in Deutschland in recht sonderbarer Weise begangen. Es war deutlich zu merken, daß es nur eine Kalenderfeier war, die der nun einmal bestehenden Verfassung galt. Die innere Anteilnahme der Masse sowohl wie der führenden Schichten fehlte und es war trotz der Hundstagshitze bitter kalt. Die Farben der Republik waren kaum zu sehen, das offizielle Deutschland verhehlte kaum den ärgerlichen Zwang, den ihm die Pflicht auferlegte, vor dem Ausland das Gesicht zu wahren. Es wurde freilich allerlei Hübsches und Nachdenkliches über den Akt von Weimar gesagt und geschrieben, aber alles verschwand in dem. Getöse des Chauvinismus, der sich in der gewohnten. Art des. Festes erinnerte. In Berlin gab es Straßenkrawalle; die Hakenkreuzler waren ausgerückt und betätigten sich nach ihrer Weise. Sie protestierten offenbar gegen den jüdischen Terror, schlugen zwei Leute blutig und erbeuteten eine schwarz-rotgoldene Fahne. Die Demokratie in Deutschland ist aus ihrer Reserve noch immer nicht herausgetreten. Sie vermeidet es ängstlich, den Kampf um ihre Prinzipien in die Masse zu tragen, obzwar gerade in dem letzten Jahre der demokratische Gedanke der friedlichen Verständigung mit dem Ausland selbst in der Regierung einiges Terrain gewonnen hat. Die Annahme der Dawes-Verträge hat der deutschen Bevölkerung eine Atempause verschafft, und trotz der Reichstagswahlen, trotz des Sieges des Rechtskandidaten für die Präsidentschaft ist Deutschland auf dem in ,den Londoner Konferenzen betretenen Weg geblieben. Das ist ein augenfälliger Beweis, daß auch die Parteien der Revanche mit den gegebenen Tatsachen sich abfinden müssen. Auch ihre Bäume wachsen nicht in den Himmel und sie haben die Grenzen ihres Könnens wahrnehmen müssen. Sie fügen sich freilich nicht und setzen die Minierarbeit unentwegt fort. Die Republik ist für sie nur ein Fragezeichen der Zeit. Mer doch ist,der Zwang auf den offiziellen Kurs, der von außen kommt, stark genug, um sich Beachtung zu erzwingen. Die demokratische Republik ist nur in der Vorstellung vorhanden. Sie lebt auf Widerruf. Aber selbst diese Fata movgana hat dem Ausland eine Erleichterung der Konflikte abgezwungen. und die Räumung des Ruhrgebietes ist ein wertvolles Geschenk der französischen Demokratie, das die Monarchie niemals ereicht hätte. Im Gegenteil: Daß es zur Okkupation kam, war die Schuld des deutschen Rachegeistes,' dem die Politik Poincare gerne Zug für Zug folgte. Gewiß: sind nicht alle Krämpfe aus dieser Zeit geschwunden. Das Mißtrauen gegen Deutschland besteht fort und es hat vor allem in bent Sicherheitspakt seinen Niederschlag gefunden. Die Verhandlungen schleppen sich hin, aber das Wesentlichste, um das es geht, der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, konnte bisher nicht einmal noch in den Konturen festgestellt werden. Der deutsche Kurs geht im Zickzack. Eipem Ja folgen drei Nein und diese Haltung wird noch verschlimmert durch die Unklugheit, mit der die Ostfragen behandelt werden. In der Optantenängelegenheit hat Deutschland geradezu stümperhaft gearbeitet. Es ging um nicht weniger als 30.000 .deutsche Einwohner, denen etwa 18.000 Polen gegenüberstandeu. Dieses Mißverhältnis der Ziffer hätte alle Vorsicht nahegelegt. Es hat sich übrigens auch erwiesen, daß die deutschen Grenzbehörden absolut unvorbereitet von dem Strom des Elends i'lberrascht wurden, obzwar sie ein Jahr lang Nie 38. Tagung des Bökerbundrates. Am 2. September. — Die Tagesordnung. Genf, 11. August. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der Völkerbund r a t wird am 2. S e p t e m b e r unter dem Vorsitz des französischen Vertreters zu seiner 36. Tagung zusammentreten. An der Spitze der vorläufigen Traktandenliste steht die wichtige Frage der Besetzung der Grenze zwischen der Türkei und dem Irak (Mossulfrage). Ferner wird die Lage Oesterreichs Gegenstand eingehender Beratungen sein. Der Rat wird sich mit dem Bericht des Generalkommissärs Dr. Zimmerman und mit den Ergebnissen der Unterfuchungen von Lschton und Rist zu befassen haben. Gegenstand der Beratungen werden weiters die Berichte betreffs der finanziellen Aufrichtung Ungarns und der Arbeiten des selbständigen Komitees für die A n s i e d l u n g der griechischen Flüchtlinge sein. Auf der Tagesordnung stehen dann einige Minderheitsprobleme, wie die Frage der griechischen Minderheiten in Konst antinoPe l, der türkischen Minderheiten in Westthrazien, der Minderheiten in Litaue n und die Petition der Kolonisten ungarischer Rasse in Siebenbürgen und im Banat. Der Völkerbundrat wird sich auch mit der Frage des polnischen Postdienstes auf Danziger Gebiet befassen. Schließlich wird der Völkerbundrat Kenntnis nehmen von der Tätigkeit der verschiedenen Völkerbundsorgane seit der letzten Ratstagung. Re Meinte Briand-Khamberlain. Einigung über den W.yrtlnut der Antwort an «Deutschland. > - - >• ■ :■<> Öottbott, 11. August. (Reuter.) Minister des Aeußern Briand ist gestern um halb 8 Uhr abends in London eingetroffen und wurde im Bahnhofs vom Staatssekretär Eihamb e rla i n empfangen. Heute vormittags hat die erste Besprechung zwischen den beiden Außenministern Briand und Chamberlain stattgefunden. Hiebei ist der Wortlaut der Antw o r tu o t e a n Deutschland einer Prüfung unterzogen worden. Die Ausspräche, die einen sehr herzlichen Charakter trug, hat zur Erledigung d e s e r st e n Teiles des Verhandlungsprogramms geführt. Die beiden Minister haben sich, nachdem gewisse Einzelfragen erörtert worden waren, über den Wortlaut der Antwort geeinigt. Man hofft, daß die von Briand und Chamberlain entworfeneNotedie Zeit des schriftlichen Meinungsaustauisches abkürzen und bald zu wirklichen Verhandlungen führen wird. Nachmittags fand eine weitere Zusammenkunft statt. Die Besprechungen nahmen unter solchen Bedingungen ihren Fortgang, daß Briand annimmt, sie morgen beendigen und Donnerstag morgens wieder nach Paris zurückreisen zu können. Framösisch-svanische Marokko- Sffenfibe? Ernste Situation bei Uezzan. ' Paris, 11. August. (Tel.-Komp.) Nach Meldungen aus Tetuan Mt man es dort für sicher, daß General Primo de Riverä eine Offensive ergreifen wird, eine Absicht, in der. er durch die .Anwesenheit des Mar- , ischalls P e ta i n noch bestärkt wurde. Man rechnet mit .dom Beginn der.Kämpfe in etwa zehn Tagen, und zwar unter Einfetzung f'ra n z ö s i s ch e x und spanischer Truppen auf deur ö ft l i ch e n Teile der. Front. Demgegenüber wird aus englischer Quelle gemeldet, daß in Marokko ein Angriff der Djeballoh bevorstehe, der gegen die spanische Linie bei T e t u a n gerichtet sein wird. Die Lage westlich von Uezzan soll auch jetzt noch sehr ernst sein. Abd el Krims Frredensbedingung. . Paris, 11. August. E'ur hier eingetroffenes Telegramm Primo de Riberas gibt bekannt, daß sich ein j ihre Maßnahmen hätten treffen können. Dieser Jammer der Ausgewiesenen ist ein Wertvolles Agitationsmittel der Reaktion, die an .diesem trüben Brand ihr Süppchen kocht. Hätte man ein Jahr lang ruhig und geduldig verhandelt, hätte inan Aufnahmsgelegenheit geschaffen, so wäre das alles nicht gekommen. Dann hätte nran aber auch nicht gegen Polen schüren können Emissär Abd el Krims bei ihm eingefunden habe. Der Delegierte, der anscheinend von Abd el Krim -dazu beauftragt war, hat erklärt, daß Verhandlungen mit Abd el Krim erst dann möglich wären, wenn die vollständige Unabhängigkeit de's Rifgebietes anerkannt werde. _ Set Stusenaufstand. Paris, 10. August. (Havas.) Nach einem Telegramm des Generals Sarrail herrscht in Ezraa Ruhe. Die Drusen haben die Grenze nicht überschritten. Der Posten von Sueida hat an Verlusten nur einige Verwundete zu verzeichnen, trotz der w i e verholten Angriffe der Drusen. Der Bericht Sarrails hebt neuerlich die loyale und freundschaftliche Mitwirkung der Engländer hervor, deren Flugzeuge und Maschinengewehrauto m o b i l e die Drusen zurückwarfen, die sich im Grenzgebiet Transjordaniens festsetzen wollten. Agitatoren verschiedener Sekten haben -den Versuch gemacht, angesichts dieser Ereignisse eine Älgitation zu entfalten, jedoch ohne Erfolg. Sie RuhttSumung. Die Sanktionsstädte sollen bis 28. August geräumt sein. Berlin, 11. August. Das berliner Tageblatt" Lringi in seiner morgigen Expreßausgabe folgende Meldung aus Düsseldorf: Wie amtlich mitgeteilt wird, haben die französischen Familien von der Beisatzungsbehörde die Aufforderung erhalten, zwischen dem 18. und 20. August Düsseldorf zu verlassen. Vom 21. August äb beginnt die 'Räumung ' durch die Besatzüngstruppen und am 28. August soll Düsseldorf planmäßiggeräumt sein. Die öffentlichen Gebäude ' sind größtenteils bereits freigegeben worden.; " '■ , . - Set polnische Botschaftet in Washington abbetuse«? Berlin, 11. August. (Tel.-Komp.) Die Blätter veröffentlichen einen Bericht aus Warschau über eine A ffäre, in die der polnisch e Botschafte r in Washington, Wroblewski, verwickelt ist. Wroblewski wurde von seinem P o st e n a b L e r u f e n, weil er sich angeblich bei den Verhandlungen über die amerikanische Anleihe für Polen bestechen ließ. Er soll von gewissen Banken große Summen erhalten haben. Nach Abschluß der Änleiheverhandlungen kaufte er sich, ohne daß er früher. irgendein nennenswertes Vermögen besessen hätte, in Biarritz eine auf das luxuriöseste ausgestattete, palastähnliche Villa. (Eine Bestätigung dieser Meldung ist bisher nicht erfolgt. Die Red.) Set politische Mord i« Bulgarien. Sofia, 11. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Woiwode der Mazedonier Assen Daskalow wurde am Bahnhöfe von Batanovci durch ein bisher unbekanntes Individuum getötet. Daskalow hatte vor vier Jahren in die Ministerloge des Mtioltaltheaters, in der sich St a mb u l i i s k i und andere Minister befanden, eine Bombe geschlendert._ Sie Abschaffung de» deutschen Visums. Ab heute Grenzüverlritt ohne Sichtvermerk. Das Abkoinmen zwischen der österreichischen Bundesregierung und der deutschell Reichsroglerung über die Aufhebung des, Sichtvermerkzwanges für die beiderseitigen Staatsangehörigen tritt, wie amtlich mitgeteilt wird, heute tu Kraft. Dadurch kann Volt heute ab jeder Inhaber eines gültigen österreichischen oder deutschen Passes ohne Visum die deutsche, beziehungsweise die österreichische Grenze überschreiten. Zur Vermeidung von Mißverständnissen, die zu unliebsamen Reiseverzögerutlgen und Zwischenfällen führen können, machen wir davattf aufmerksam, daß Oesterreicher die deutsche Grenze, beziehungsweise Deutsche die österreichische Grenze ohne P a ß n i ch t überschreiten dürfen. und dann hätte man nicht vergessen, daß 30.000 mehr sind als 18.000. Dieses Nebersehen und Vergessen der maßgebenden Parteien ist aber das Um und Auf der deutschen Politik, die vergißt, daß sie den Krieg verloren hat, daß die Welt sich geändert hat und daß Deutschland Republik ist. Nur der Kalender erinnert daran. D.ie DenwkraLie schweigt. mm