Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2323 (9.8.1925)
- Date
- 1925-08-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. WS Wien, Sonntag Wlenre Moearnreituna. 9. August' 1023 Lyoner Seidenhaus I. KOHLMESSEROASSE 7 (vis-k-vis Hotel Metropole) Sensationelles Angebot 10.000 m (NL:"L'L°.Ä"'! 'L7LL fflt Illese Woche; --. > To1*« d0 So,rQ ,ur Damenwäsche. . . 0.00 Spezialhaus aller Arten SeldenschalHl 9.50 Detallverkauf zu Orig.-Engrospreisen! er den Stimmzettel ms Kuvert und -klebt es sorgfältig; zu. Es war die schönste Episode des' Wahlabends. Der nächste. „Herr, womit können Sie beweisen, daß Sie sm 9. Bezirk wohnen?" „Es ist int Lehmann drin!" Das Mitglied der Kommission ist frappiert. „Jo, was glauben Sie denn, ich kann doch den Lehmann nicht auswendig." Zwei Minuten später drängt sich der Herr mit dem ansgeschlagenen, Lehmann durch die Reihen. „Er hat recht, es sieht im Lehmann'drin." Langsam legt sich die Unruhe. Es ist viertel 10 Uhr. Die letzten Wähler geben ihre Stimmzettel äb. Die Wahlkommission zieht sich ermüdet zurück. Einige Wähler bleiben noch. Sie warten vergebens aus das Resultat und entfernen sich dann enttäuscht. Kongreßauftakt, Kongreßstimmen, Ausregung, Wahlfieber und Meinungsgegensätzc, aber ein Gedanke, ein Ziel: die -jüdische Zukunft, das indische Land. Ne Welttonserenz der Poale Sion. Die Antagonismen der zwei Gruppen, -der sich um die palästinensische Achduth Awodah Scharenden und -der Anhänger der Leiter des Weltverbandes, sind ans Anlaß des mißlungenen Versuches, ein Präsidium für die Konferenz zu bilden, gleich zu Beginn der ersten Verhandln ugssitzung Kar zutage getreten. Außerdem lassen die stundenlangen Verspätungen, mit denen die Sitzungen beginnen', ahnen, daß die Verhandlungen außerhalb des Plenums nicht gerade von Eintracht getragen sind. In der Generaldebatte erreichten die Gegensätze ihre Spitze. Es kam zu stürmischen Austritten und minutenlangen Lärmszenen. Die Gegensätze bewegen sich rund um die Frage der Vereinigung mit der linken Zerre Z i o n, die die Palästinenser und die ihnen Nahestehenden bedingungslos halben wollen, die anderen aber ablehnen. Air dieser Frage ist die ganze Problematik der poale-zionistischen Bewegung zu erkennen. Es sind innerhalb der gegenwärtigen Poale Zion- Verschiedenheiten in der Auffassung des Wesens und der Ausgaben der jüdischen Arbeiterschaft ebenso wie des gesamten jüdischen Problems vorhanden, die nur schwer beseitigt werden können. Zn der vorgestrigen Sitzung, die statt um IO Uhr vormittags um 12 Uhr mittags begann und schon nach einer Stunde abgebrochen wurde, erstattete Ephraim Blume ns eld, Vizebürgermeister von Tel-Awiw, den Bericht über den P al ä st i na a r b e i t e r so n d s. Er ist mit dem Resultat der Einnahmen, dieses Fonds unzufrieden. Der Fonds habe, -nachdem 'er dem Komitee des ^Arbeitenden Crez Israel" unterstellt wurde, keine nennenswerten Fortschritte gemacht. Er stellt fest, daß die Beziehung zu diesem Fonds von seiten der nicht poalezionistischen Mitglieder nnloyal war. Es sei Höchste Zeit, eine Aenderung in der Beziehung -dieser Gruppenim Arbciterfonds zu schassen. Zu der Na chmit tags sitz nng beginnt die Generaldebatte. H e m l i n (Amerika) bespricht die Aktion der arn-erikan'ischen Landesorganisatiolt zur Beschaffung der finanziellen Mittel. Gr leitet die Erfolglosigkeit der Arbeiten des Komitees für das ,/arbeitende -Evez Israel" aus der divergenten, Znsaimnensetznug der darin paritätisch vertretenen Parteien ab. Nur jene, die wirklich arbeiten, ^haben das Recht, andere zu ma>jorisieren. Er spricht für die Beremigung mit der lin'ken Zeive Zion, die eine arbeitsame Gruppe im „arbeitenden Erez Israel" sei u-nd mit den Grundprinzipien der Poale Zio-n übeveinstimme. Die Sprache ns rage müsse von der Tagesordnung der Poale Zion, endgültig verschw-inden. Hingegen sprach Malkin (Warschau) gegen, die Beveinigung, die er als widersinnig bezeichnete. Redner wendet sich scharf gegendie palästinensische Achdnth Awodah, die sich das Recht annraße, sich in Angelegenheiten der Galuthpolitik einzumengen, ohne die Meinung der außerpaläftinensischon Poale Zion -über ihre eigene Politik gelten zu lassen. Ms er daran Zweifel äußerte, ob eine in der Achdnth Awodah vorhandene Minorität in dieser Delegation berücksichtigt sei, wurde er von den Palästinensern stürmisch unterbrochen. Nach Wiederherstellung der Ruhe wurde nach einer kurzen Geschästsovdnungsdebatte, die sich nur das nicht gewählte Präsidium drehte, Hemlin zum Präsidenten!für diese Sitzung ad hoc gewählt. B e n, Z w > (Paläst'ma) stellt fest, daß es -irr ider Achdnth Awodah keine Mein u n gsversch i e d e nh e i t e n \ u d e r SPr-a ch e u frage gebe. Er verlangt -die Bereinigung, die schon längst stattgesunden hätte, wenn die Leitung nicht so strikt Paragmphettgemäß Vovgegangen wäre. Die außenpolitische Lage sei ernst. -Mart habe nichts getan, um die Sympathieu bei der Labour Party wgchtzuhalten. Neustadt (Berlin) tritt für eine Verstärkung und straffere Führung der Organisation ein, worunter er die unbedingte Fügung frei: Landesorganisation unter die .Leitung des Weltverbandes versteht. Iabneeli (Palästina) verlangt die Bereinigung sämtlicher zionistischen Sozialisten. Juris meint, es sei die Tragik der Poale Zion, daß sie ihren' allweltlichen Gedanken nicht verstehe. Die Debatte mache den Eindruck der fünften Spaltungskonfereuz. Die Lag.e des jüdischen Volkes sei von heute ans morgen nicht gleich. Jede jüdische Arbeit müsse heute auf Erez Israel eingestellt sein, wobei es für i-hn gierschgültig sei, nach welcher Weltanschauung Palästina gebaut we rde. Die Achduth Awodah ist der Träger des jüdischen Avbeitergedaükens, ma» dürfe!.«W Steine auf sie werden, M LWMm seien WS den Kreisen der Zeive Zion. Als er die Zeire Zion weiterhin lobt, entsteht minuntenlauger Lärm. Juris (sortfahrend) meint, daß die Bereinigung der Arbeitsparteien in Palästina begeisternd sei. Die poale-zionistischen Chal-uzim haben zu Palästina keine richtige Beziehung. Ohne Achduth Awodah sei eine poale-zionistische Weltbewegung unmöglich. In der gestrigen Sitzung wurde die Debatte zu Ende geführt. Ben Gurion stellt fest, daß die Achduth Awodah hebräi-siert sei und daß sie niemand darin hindern könne. DieganzeInternationale werde dies nicht hindern können. Es folgt dann das Schlußwort der Vertreter der Verban-dsbureaüs. Das neue FREGOLI aus feinstem französischen Material ist für jede Dame unentbehrlich Es ist ausserordentlich leicht und bequem zu tragen und erregt durch die Einzigartig* keit des Schnittes bei allen Damen Interesse und Begeisterung. 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Der Präsident -teilte ferner mit, daß er den bevollmächtigten Miniister in Wien beauftragt habe, bei der Eröffnung des Kongresses offiziell im Namen der argentinischen Regierunig zu erscheinen. Auch werde er sämtliche europäischen Leg all o neu der Republik in einer Zirkularnote ersuchen, dem argentinische>r Kongreßdelegierten auf seiner Reife im weiteisten Maße an die Hand zu gchen. Beim Abschied gab der ■ Präsident nochmals seinen aufrichtigsten Wünschen für eine erfolgreiche Arbeit des Kongresses Ausdruck. Bor einem Generalstreik der Bankbeamten in Frankreich? Paris, 8. - August. (Tel.-Komp.) Die Vertreter der Vereinigung der Ba n kan gest ellite.n der- Han-ptstadt und der Provinz sind heilte nachnlittags 3 Uhr zu einem Kongreß Zusammengetreten, der zurzeit noch andauert. - Sämtliche Blätter drücken die Befürchtung/aus, daß der Kongreß für Montag den Ge ne ralst're ik , der B a n 'k a n g e ist eilten in ganz Frankreich. beschließen wird. ' Der A r b e i t 8 m i n ister hat, wie amtlich mitgeteilt wird, die Direktoren! einer Anzahl von Kreditinstituten, die von dem Lohnkonslikt betroffe-n sind, gestern empfangeil und mit ihnen eine lange Unterredung gehabt. Der Avbeitsminister betonte beso-nders die Bemühungen der Regierung, eine freundschaftliche und rasche Lösung herbeiznführen. Er werde sich weiter mu die Lösung des Streites bemühen. Umzingelt und anfgerieben. Graz, 8. August. Die „Tagespost" meldet ans Belgrad: Gestern nachts ist eine Gruppe von 25 bulgarischen Komitadschis Mitwelt von Ka Wader ans jugoslawisches Gebiet übergetreten. Sie stand unter der Führung des bulgarischen Wvttvoden Stojän W a r da rs k-i. Die Bande wurde von jugoslawischen Berfolgungsabtei-lungen von allen Seiten umzingelt und vollkommen anfge riebe n. . Sie Anrtteibnng der Sdtnnten. Berlin, 8. August. (De-l.-Konvp'.) Wie die Blätter ans Melden, hat die AtWverwaltung 20 tzolnische UnMoptanten und 6 polnische Familien als Ge-gen-maßnahms für die polnischen Gewaltmaßnahmen a u s g ewi ese n. j Wie weiter aus Bremen gemeldet wird, haben dürt^ bereits die meisten polnischen Optanten Deutschland v er-,, lassen. Es befinden sich nur noch ganz wenige Optanten ürl Bremen, meist Einzelpersonen. Die ZwangsausweSsuna^ dieser Optanten wird evfol-gen. Litmtaow «nd Strefemann. Berlin, 8. Ztngust. (Tcil.-Komp.) Der vnss-ische Volks» kommissär Liiw'i'N o-w hatte aus seiner Rückkehr ans Marien-', fcoib, heute hier eine längere U-nterredun-g mit Außen minist«: - Dr. Strefemann. Seiatter begnadigt. Berlin, 8. August. Wie das „Berlirur DagMa-tt" aiusi Dresden meldet, wurde der ehemalige Ministerpräsident Doktor j Erich Z ei gne r, der bekanntlich zu drei Jahren Gefängnisverurteilt worden war, im Woge der Einzelibognadig-unig durch: den IustMÜnister begnadigt. Am 30. August würde die - Hälfte der von Zeigner abzubüßenden Strafzeit verflossen fein. MH«» in Boskowitz. Prag, 8. August. ,^i-dove Novmh" melden, daß i« Boskowitz in Mähren 90 Fälle von Bauchtyphns vorkamen, die-jedoch größtenteils günstig verliefen. Die schwavzen Blattern. Berlin, 8. August. (Del.KomP.) Nachdem der. letzten Zeit verschwdene Pockensälle in Duisburg, Karlsruhe, Mannheim u-nd anderen Orten festgestellt worden sind, hat sich nunmehr auch in Berlin ein Fall von echten Pocken ereignet. In einem hiesigen Kvanken-- hans ist ein Schlossermeister an schlvarzen Blattern geben. Die Ang>ehörigen des Schl-ossers wurden in Quarantäne genommen. Flüssige Kohle. Aus Berlin wird uns gemeldet: Die ,/B. Z. a, M." veröffentlicht neue Mitteilungen über die in den Badischen Auilinw erken gelungene Gewinnung von O e l a n s Kohl e. Die Arbeiten sind sotreit fortgeschritten, daß man bereits an einen völligen Entfall der bisher evheb- Uchen Einfuhr von Benzin nach Deutschland glaubt. Die Badischen Anilinwerke hoffen, die Gewinnng von Brennöl ans Kohle in so großem Maßstabe betreiben zu können, daß nicht nur der gesamte deutsche iMndische Bedarf an Del befriedigt werden kann, sondern darüber hinaus gro ße Mengen exportiert werden können. Die Erfindung' ist demna-ch von größter volkAwirts-chaftlicher Bedeutung. 'Hierzu kommt, daß das so gewonnene Brennöl bei weitem billiger sein wird, als der bisher verwendete Brennstoff. Falsche Millionennoten ln Budapest. Budapest, 8. August. (Tel.-Komp.) Heute mittags Erstattete die Direktion der Pester Ungarischen Kommerziäl-- 'bank bei der Oberstadthauptmannschaft die Anzeige, daß -bei ihrer Kassa dr e i falsche Ei ne-Milli-o n- K r o n e n - N o t e n eingezahlt worden feien. Die Anzeige erregte große Ueberraschung, weil es da's erste Mal seit vielen Jahren ge-schieht, -daß ^Falsifikate von ungarischen Banklloten in den Verkehr gelangen. Wie die Kom-merzialbank mitteilte, wurden alr ihrer Kassa vor einigen Tagen 2-50 Millionen Kronen in zweihundertfüntzig Stück Einc- Million-Kronen-Noten von einer angesehenen Bndapester Gvoßhandelssirma eirlgezahlt. Der Kassier zählte zunächst nur die Noten, wobei er die ansgezeich n et g-el-un-- genen Fälschungen nicht erkannte. Erft bei genauerer Durchsicht zeigte es sich, daß drei von den 260 Stück Eine-Adillion-KrouenMoten Falsifikate waren. Auf den drei Noten fehlte Serie und Nuni-mer und die Zeichnung des Fraueükopfes war etwas verschwommener als 'aus den echten Noten.! Die Obcrstadthauptmannschast hat eine Detektivgruppe aufgeboten, um den Fälschern aus die Spur zu kmmnen. Die Nachforschungen dürsten sich aber sehr schwierig gestalten, weil bei der Groß'handeWsivma, die in zweifellos gutem Glauben die Noten zur Konunerzialbank geschickt hat, keinerlei Anhaltspunkte über die Personen vorliegen, die die drei >falschen Noten bei dem Handelshaus zur Zahlung benützt haben. Lederer wist seine Fra» sehen. Budapest, 8. Ängust. (Tel.-Komp.) Der zum Tode vök« urteilte Atörder Gustav Lederer hat den Wunsch geäußert, por seiner Hinrichtung ein letztes Mal mit seiner Gattin, der sbe-nsalls zum Tode vernrtei-lten Atizzi Lederer, znsammenzutreffon. Die Erfüllung dieses Wunsches Lederers stößt jedoch' aus Schwierigkeiten, weil die Militäranwaltschast die Zulsammen-knuft nur unter der Bedingung gestatten will, daß Frau Lederer aus dem Gefängnis in der Mavkogasse in das Militävgefängnis a-m Adargaretenring überführt wird. Die Staatsanwältschaft erklärt ihrerseits, daß sie nicht gewillt sei, die Mörderin, sei es auch nur auf eiue Stunde, audem Gefängnis in der Marko-gasse herauszuklalle^