Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2322 (8.8.1925)
- Date
- 1925-08-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Polen: 20 flroszy I Wien: Zum Abholen in der Expedition, ll., Taborstr. 1-3. oder ln einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durdi die Kolporteure der Firma Oo.ldschmied, I, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien, und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho* Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Pol en: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 NachMhltragen bei V r e i — erhGhanäen Vorbehalten Rk. 2322 Uorgmrettung Wie». Samstag, 8. August 1928 Ifrrats England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.100Lew«. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II* Taborsh*. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D: uckerei ig. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.69 7. Fahrgang Sine RegienmgserüSrung über den Nomstenkougreß. Antwort auf elue Sutervellatio«. jDtze Siavtskorresponbenz meldet; Die Anfrage der BiMidesräte Stöcker, Berger und Genossen in der Sitzung des Bundesrates vom 30. Juli 1026, betreffend aus der Abhaltung des Ztonistenkongresses i n W i e n erwachsende Gefahren für die innere Ruhe un- Ordnung und die Schädigung der Interessen der bodenständigen Bevölkerung hat der Bundeskanzler schriftlich beantwortet wie folgt: Die Bundesregierung hat, indem sie ihre Zustimmung zur Abhaltung des Zionistenkongresses in Wien gab, sich durchaus im Rahmen internationaler Gepflogenheiten gehalten. Ueberdies hatte sie auch keinerlei politische Veranlassung, den am 18. d. M. beginnenden Zioniftenkongretz, der sich übrigens auf die gewählten Delegierten und geladenen Gäste beschränkt, zu verbieten. Vom allgemeinen Politischen Standpunkte aus kann im Hinblicke auf die Ziele des Zionismus dem Kongresse nicht entgegengetreten werden. Der Zionismus, der in seiner modernen Gestalt *1 in Wien seinen Ursprung nahm, bezweckt laut seinem offiziellen und seit Jahrzehnten festgehaltenem Programme die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Dadurch, daß Palästina den Juden vom Völkerbund als Heimstätte zugesprochen wurde und England den Auftrag des Völkerbundes erhielt und annnahm, den Aufbau dieser Heimstätte zu sichern, ist ein großer Schritt vorwärts auf dem Wege zur Vevwirklchung des zionistischeu Programms getan Wochen. Noch energischer und zielbewußter als früher ist seither die Zionistische Organisatton bestrebt, der Wanderung der Juden die Richtung nach Palästtna zu weisen. LBist sticht eine Frage der Sympathie oder Antipathie, wenn wir auch von einem rein österreichischen Jutttessenstandpuukt den Zionisten einen möglichst vollständigen Erfolg ihrer Bestrebungen wünschen. Gerade Oesterreich ist schon infolge seiner geographischen Lage das nahe Ziel einer besonders starken Einwanderung solcher jüdischer Elemente, die in ihren Aufenthaltsländern schon seit langem aus verschiedenen Gründen zur Auswanderung neigen. Wir haben wohl keinen Grund, den zionistischen Bestrebungen, diesen Auswapdererstrom nach Palästina zu lenken, entgegenzutreten. Es unterliegt nämlich keinem Zweifel, daß die zionistische Bewegung und Arbeit tatsächlich darauf gerichtet sind, die Auswanderung nach Palästina zu fördern,. schon wegen -er Ausgestaltung der dortigen jüdischen Siedlung, die immer neuer Arbeitskräfte bedarf. Die mitteleuropäischen Länder, also auch Oesterreich, haben jedenfalls Ursache, die Auswanderung von Juden in die jüdische Heimstätte und daher die z i o n i st i s ch e Bewegung gut zu heißen. Eine Polittk, die der jüdischen Wanderung andere Wege und Ziele als die mitteleuropäischen Länder weist, entspricht sicherlich den I n t e ressenallerBetetligten. Es wäre daher n t ch t g« rechtfertigen, wenn eine Regierung einem Ztonist-enkongreß Schwierigkeiten bereitete. Auch die österreichisch« Regierung ist überzeugt, daß sie recht daran tut, den Arvetten und Bestrebungen des zionistlschen Kongresses nach dem Borbild Mer anderen Regierungen die volle, ihnen gebührende Aufmerksamkeit zuwenden und den Kongreßteilnehmern jene Begünstigungen riuzuräumen, die ausnahmslos bei derartigen Veranstaltungen in allen Ländern gewährt werden. Die von den Herren Interpellanten geäußerten Besorgnisse kann die Bundesregierung nicht teilen. Sanitäre Gefahren sieht sie nicht als gegeben an. Gegenüber den sonst geäußerten Bedenken verweist sie auf die geltenden Vorschriften über Einreise und Aufenthalt. Zur inneren Unruhe besteht kein gerechtfertigter Anlaß. Der Zuzug von Kongreßteilnehmern wird in einer so großen Fremdenstadt wie Men nicht sonderlich auffallen. Es wird allerdings von einigen Organisationen eine heftige Agitation gegen den Kongreß betrieben. Die Regierung ist aber überzeugt, daß sie dem gesunden, ordnungsliebenden S..inn der Bevölkerung voll vertrauen kann. Zionistenkongresse h«wen bereits in Basel, in London, im Haag, in Hamburg, in Karlsbad und auch schon in Wien stattgefunden und sind durchwegs ruhig verlaufen. Die Masse der gastfreundlichen Bevölkerung Wiens ist einsichtsvoll und besonnen und wird sich gewiß nicht von unüberlegten Elementen mißbrauchen lassen, besonders da mit der Abhaltung des Zionistenkongresses keine Schädigung per Interessen der b öden ständigen Bevö l k e t it ng verbunden ist, der Kongreß vielmehr von der Fremdenindustrie, an deren Entfaltung die ganze Bevölkerung interessiert ist, begrüßt wird. Ich darf auch daran erinnern, daß in der allerjüngsten Zeit Vertreter der verschiedensten Berufswzeige, des Gastgewerbes und des Handels ihr Interesse an der ungestörten Abhaltung des Kongresses zum Ausdruck gebracht haben. Ae ßlnwanverum in 8rei Fsrael. London, 7. August. (I. T. A.) In der Sitzung des Unterhauses am 3. August richtete Sir F. S a n d e r s o n an den Kolonienminister die Frage, ob ihm bekannt sei, daß die Palästinaregierung eine Verordnung erlassen hat, laut welcher dem jüdischen Einwanderungsoberbeamten die Vollmacht gegeben ist, alle diejenigen Personen, die sich der zionistischen Politik widersetzen, von der Einreise in Palästina fernzuhalten, und diejenigen Zionistengegner, die das palästinensische Bürgerrecht , nicht besitzen und in Palästina selbst antizionistische Propaganda betreiben, aus dem Lande auszuweisen. Sir F. Sanderson fragte weiter, was der Minister gegen die Praxis zu tun gedenke. Der Minister für die Kolonien, Mr. A m e r h erwiderte: Die Verordnung wurde nach meinen Instruktionen abgefaßt und m i t m e i n e r B i l l i g n n g v e r ö f s e n 1licht. Ich muß gegen die Insinuation, als ob der gegenwärtige Einwanderungs-Oberbeamte als Jude die ihm gegebene Vollmacht ander sals im Sinneder ihm von dem Oberkommissär und von der britischen Regierung erteilten Instruktionen ausübt, protestieren. Im übrigen hat nicht der Jnmigrations-Obetbeamte, sondern der Ober ko mmiss ä r oder die von diesem autorisierten Beamten über Ausweisungen zu entscheiden.. Sog Unterhaus vertagt. London, 7. August. (Tel.-Komp.) Das Parlament «st heute bis zum 16. November vertagt worden. Premierminister Bald Win «wird die nächsten Wochen in Aix kes Bains verbringen, während Mac Donald und andere Führer der Arbeiterpartei in Mavsaitte,mit italienischen und fra nzösi schen Arbeiterführern zu einer Besprechung znsamm'enkommen werden. Cham- ' be r l ain. hat die Absicht, Frankreich und die Schweiz zu besuchen. Lloyd George plant eine Reise durch Wales. Berlin, Charlottenbarg, JoacMmsthaierstr. 41 1 Minute vom Bahnhof Zoo ltf>Restaurant l. Ranges Unter Aufsicht des Rabbinats der Jüdischen Gemeinde und des Hamburger Vereines I Vorzügliche Wiener Küche ' llw j Mäßige Preise Treffpunkt der jüdischen Welt mUSERVERWALTUNQEN VERWALTUNGSREVISIONEN übernimmt not Berliner Bank für Handel u. Grundbesitz A G, Berlin C 2, Kaiser Wilhelmstr. 56 (Ecke Spandauerstr. 9) Tel.: Mercur 2335/6, 2595 6, 1876/7 Bank des organisierten Berliner Hausbesitzes Immobillenabteilung / SMmtl.Banktransaktionen / Hypothekenabteilung Die zionistische Arbeit. —y. Wien, 8. August. Der Zionismus ist das jüdische Volk unterwegs. Er ist die Zusammenfassung und Hinlenkung aller in diesem Volk bestehenden politischen und kulturellen Regungen auf das aus seiner Geschichte sich ergebende Ziel. Der Zionismus ist eine nationale Organisation und deshalb gehen alle Versuche, ihn in das für gewöhnlich angewendete parteipolitische Schema einzu- , ordnen, vollständig fehl. Niemand kann zum Beispiel -das deutsche Volk für kapitalistisch oder für sozialistisch, für nationalistisch oder kommunistisch erklären. Keine dieser Parteititel oder Parteiprogramme trifft auf die Nation als Ganzes zu, weil sich die politischen oder sozialen Ideen zwar an die Gesamtheit wenden, aber immer doch nur einen Teil propagandistisch und organisatorisch erfassen. Das deutsche Volk besteht aus allen diesen Parteien und so hat auch das jüdische Volk, soweit es positiv politisch orientiert ist, im Rahmen des zionistischen Gefüges alle Parteien entwickelt,, die sich in einer gesunden Nation bilden können. Alle Schattierungen, von der rechtskonsevvativen religiösen Ortho-- doxie bis zum linksradikalen Sozialismus finden sich tit der zionistischen Gemeinschaft. Sie sind durch das Bekenntnis zum Baseler Programm verbunden, das Symbol ihres Zusammenhanges ist der zionistische' Kongreß, und sie suchen naturgemäß ihre politischen , und wirffchaftlichen Sonderanschauungen über das Tempo und die Methodik der kolonisatorischen Arbeit in Palästina auf den: Boden des Kongresses durchzusetzen. Das Ergebnis dieser Bestrebungen kann natürlich immer nur das Kompromiß auf einer mittleren Linie sein. Diese Linie zieht sich nach Palästina. Das erklärt es zur Genüge, daß die Zionistische Weltorganisation und der Zionistenkongreß sich ausschließlich mit dem Palästinaaufbau zu beschäftigen haben und daß die politischen oder sonstigen Verhältnisse anderer Völker und ihrer Staaten nur in ihren Beziehungen zum Zionismus und zur zionistischen Arbeit in Palästina in Betracht und Erwähnung kommen. Es ist deshalb sachlich sowohl wie technisch wegen der Größe der zu bewältigenden Fragen ausgeschlossen, daß der Zionistenkongreß sich etwa in innere Fragen anderer Staaten einmengt oder daß er den Landesorganisationen bestimmte politische Instruktionen erteilt, die sich auf das interne Leben nichtjüdischer Völker beziehen. Es ist krasseste Ignoranz, wenn Berliner rechtsradikale Blätter behaupten, die Zionisten seien gegen den Anschluß Oesterreichs an Deutschland oder sie stünden im Dienste der freimaurerischen Tendenzen. Es ist dumme Verleumdung, wenn der Bolschewismus den Zionismus als eine von England kommandierte kapitalistische Vortruppe bekämpft und die Zionisten in den Kerkern und Tundren verkommen läßt, Zionisten, die, nebenbei bemerkt, der sozialistischen Richtung angehören. Hinter diesen, Behauptungen, die immer so aufgestellt werden, wie man sie gerade braucht, lauert die antisemitische Lüge. Sie kennt den Zionismus SommerrSumunasverkaut ih tief reduziert an Preisen Im Warenhaus r Schiff mann II. Taborstraße 48 Telephon 47»1«78 En g ros En dotall 1