Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2321 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981406--23562-3011093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Wien, Freitag Wiener? Moeaenzeitung. »eins» vom 7. bli 10. August interessantesten Filme der ison neuen a u 7. August 1925 Nr. 2321 FRED THOMSON aus dem gesamten Gebiete der Kinematographie sowie durch das instruktive Abbildungsinaterial das anerkennenswerteste Bestreben, im Gegensatz zur bestehenden Schablone eine tat sächlich alle K r e i s e mit Einschluß des Publiku -m s inter essierende Zeitschrift .;n schassen, die au keiner aktuellen Frag vorübergeht. Sie verdient daher größte Bcachtuna. Dr. E. W. Tic Filme der Woche. „Das Wunder von Lourdes". — „Ehen, die man verbietet". — „Die unverstandene Frau". — „Fräulein Fob". — „Unschuldig verurteilt". — „Die grüne Göttin". — „Madonna der Straße". — Der behexte Neptun". — „Menschen zweier Wellen". — „Wolf". — „Sein schwerster Kampf". Das grosse Sittengemälde f mit Viola Dana und Monte Blue erscheint ab heute: Gartenbau-Kino, I. Opern-Kino, I. Zirkus Busch-Kino. II. Park-Kino, XIII. ab Dienstag, den 11. August: Imperial-Kino, I. Phönix-Kino, VIII. Tuchlauben-Kino, I. Meidlinger Biograph, XII. ab Freitag, den 14. August: Arkaden-Kino, VII. Maxim-Bio, XV. Rudolfsheimer-Bio, XIV. Apollo-Kino, XVII. Astoria-Kino, XVII. Metro - Goldwyn - Filmverleih - Gesellschaft m. b. H. Gerichtssaal. „Ein ^schlagfertiger" Chef. Die Couch toi ristin Rosa H. klagte ihren früheren Chef, den Kaufmann R. H. beim Gewerbegericht auf Zahlung der Kündigu ngse ntschadigumg, weil sie 'berechtigt gewesen fei, den Dienst ohne Kündigung sofort zu verlassen. Der Chef habe ..sie nämlich durch die Aeußerung: ,-Sie dürfen sich nicht spielen, ich schmeiße Sie hinaus, daß Sie sich das Genick abstoßen" schwer beleidigt. Der Geklagte bestritt diese Aeußerung entschieden. Das Gewerbegericht wies die Klage ab, weil Aussage gegen Aussage stehe und kein Grund vorihanden sei, den Angaben der Klägerin mehr Glauben beizumessen als denen des Geklagten. Bei der über die Berufung der Klägerin vor dem Landesgerichte für Zivilsachen statt gehübten Verhandlung führte der Klagcvertreter, Sekretär Kleb in der von -ber Reichsorganisation der kaufmännischen Angestellten, Zeugen über die Umgangsformen des Geklagten gegenüber seinen weiblichen Angestellten. Dieser habe nicht nur mit Schimpf- Worten, sondern auch mit Ohrfeigen gegen weibliche Angestellte um sich geworfen. Die Klägerin hübe er einmal derart in den Arm gezwickt, daß sie einen blauen Fleck davontrug, wofür er ihr ein „Schmerzensgeld" von 50.000 Kronen gab. Nach Einvernahme einer Angestellten, die bestätigt, eine kräftige Ohrfeige von dem Chef erhalten zu hüben, gab der Bernfungssenat (Vorsitzender Hofrat Doktor Herbst) der Berufung Folge und hob das Urteil des Gewerbegerichtes auf. Demnach wurde der Geklagte zur Zahlung der Kündigungsentschädigung verurteilt, weil mit Rücksicht auf das 'Beweisverfahren die -inkriminierte Aeußerung als erwiesen anzunehmen sei. Der Prozeß Leinkauf. I-m Prozeß gegen den Bankgeschäftsinhajber Richard Leinkauf wegen BetruMs, betrügerischer Krida, Wuchers und mangelhafter Buchführung und gegen dessen Gattin Elisabeth wegen Mitschuld an der Kvida und Schädigung fremder Gläubiger^ wurde gestern das Zeugenverhör fortgesetzt. Todesurteil für antijüdische sowjetistische Terroristen. Moskau, 6. August. (J.T.A.) Zwei sowjetistische Steuereinnehmer aus Belo Zerkow, die die jüdische Bevölkerung dieser Stadt lange Zeit terrorisierten und den finanziellen Ruin zahlreicher jüdischer Bürger herbeiführten, Mo r ygowsky und Perednitschenko, wurden zum Tode verurteilt. nachdem es sich herausgestellt hatte, daß sie im geheimen euw gegenrevolutionäre Tätigkeit ausubten. Diese beiden Terroristen hatten die jüdischen Bürger rin Massen ins Gefängnis gesteckt, um bei ihnen Steuersummen zu erpressen, die sie nicht leisten konnten. Ihre Waren wurden konfisziert und nach anderen Orten verschoben. In der Zarenzeir waren die beiden proininente Antisemitenführer ,und nahmen auch aktiv au Pogromen teil. Fünfzehn MHchuGgen wurde« m . Volkswirt. Sie Soldparitikt der österreichischen Krone ist keine Lollarparitüt. Die Kursnotierung de? Dollardevife im Wiener Clearing. Wir erhalten von der Oosterreichischen Nattonalbank folgende Mitteilung: Die Freigabe des De Visen Verkehr es im Zusammenhänge mit der im Schillmgrechnungsgesetz erfolgten Festsetzung der Goldrelation des Schillings hat die Geschäftsleitung der Oesterreichischen Nationalbank schon vor einiger Zeit veranlaßt, die Frage zu studieren, ob es nicht der durch die günstige Entwicklung des Standes der Notenbank gegebenen Situation entsprechen würde, das bisherige System der Ermittlung der Devisenkurse auf Basis des starren Dollarkurses von 7-10,60 anfzugeben. Dieses System war in einer Ue'bergangsperiode zwar gerechtfertigt, ja notwendig, aber doch einigermaßen gekünstelt, während die natürliche Methode, die in der Friedenszeit geübt wurde -und in -den Goldwährungsländern derzeit wieder allgemein gebräuchlich ist, dadurch charakterisiert rist, daß das jeweilige Verhältnis von Angebot u-n-d Nachfrage am Jnlandsm a r k t durch Schwankungen i m K u r se der G olddevisen innerhalb der d.urch die sogenannten Gold punkte gezogenen Grenzen znm Ausdruck gebracht wird. Diese Studien sind nunmehr abgeschlossen. Es wird demnach damit zu rechnen sein, daß in einem nahen Zeitpunkte auch bei der Notierung der Devise New-Aovk das jeweilige Angebot «und die aktuelle Nachfrage durch geringfügige Kursschwankungen unter, beziehungsweise über die Goldparität von 710,67 Schilling für 100 Dollars zum Ausdruck kommen. Der Ausschlag dieser Schwankungen ist durch die Kosten der Goldversendung eng begrenzt, dürfte aber diese äußersten Grenzen nur in Ausnahmsfällen erreichen. Durch diese Mitteilung kündigt die Nationälbank an, daß sie nunmehr in der Bestimmung der Goldparität der Krone ihren eigenen selbständigen Weg gehen will. Diese Entwicklung war vopauszusehen und auch notwendig. Die österreichische Krone hat sich solange nach der Dollarparität gerichtet, als sie sich noch nicht kräftig genug fühlte, «um ihren eigenen Weg zu gehen, Nun hat sich'das Deckungsverhältnis der österreichischen Krone, insbesondere aber der Barschatz der Oesterreichischen Natri-onalbank so günstig entwickelt, daß die Krone nunmehr aus sich heraus die Goldparität bestimmen kann, ebenso wie dies 'beim Schweizer Franken, beim holländischen Gulden und bei all denjenigen Währungen der Fall ist, welche auf Goldparität lauten. Dies ist deswegen notwendig geworden, weil auch schließlich der Dollar manchen Schwankungen im Verhältnis zur Goldparität unterworfen ist. Die österreichische Krone will sich künftighin durch diese Kursschwankungen des Dollars nicht beeinflussen lassen. Die Nationalbank selbst wird nunmehr -die Goldparität aus dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage innerhalb der Goldpunkte regeln, d. h. sie wird dann Maßnahmen ergreifen, wenn die Gefahr vorhanden ist, daß Gold nach dem Auslande ausströmt oder zu viel Gold nach dem Jnlande einstvömen könnte und -dadurch -die Geldverhältnisse ungünstig beeinflußt werden -könnten. Denn schließlich ist die Geldäbundance gerade so schädlich sür eine Wirtschaft -wie zll wenig Gold. Wohl wird auch in Zukunft das Verhältnis zwischen dem Dollar und -der Krone, da beide Goldwährungen sind, ein ziemlich enges fein. Der Entschluß der Nationalbank zeigt aber, daß sie sich stark genug fühlt und auch die österreichische Krone so fest fundiert ansieht, daß sie schon aus sich heraus die Goldrellation bestimmen tarnt. Der letzte Bankenausroeis. Der Ausweis der Oesterreichischen Nationalbank mit denr Stand vom A. Juli zeigt eine Zunahme des Bar- Dins jüdische Haus I a$ jüdische Blatt e fchatzes um 51,985.000 Schilling und hat damit einen Stand von 470,151.000 Schilling erreicht. Das Wechselportef e u i l 1 e hat eine Steigerung von 0,120.000 Schilling zu verzeichnen nnd beträgt jetzt fCy’&i.OOO Schilling. Auch der B a u k n o t e n u m l a n f ist um 00,669.000 Schilling gestiegen -und beträgt somit ft)7,016.000 Schilling. Im Einklang -m.it dem gestiegenen Banknotenumlauf sind die Verdi u dl l ch k e i t e u a u s d e m Giroverkehr um 45,835.000 Schilling zurückgegangen und betragen jetzt 29,609.000 Schilling. Zusammenbruch eines Budavefter Bankhauses. Alls Budapest, 6. d., wird telegraphiert: Wie die Abendblätter Mitteilen, konnte der genaue Sdat-us des zusantntengebrocheilcit Bankhauses Schwarz u. Co., dessen Chefs, Armin und Friedrich Surauyi, Selbstmord verübt haben, noch immer nicht festgestellt werden. Man spricht in informierten Börsenkr,eisen von fünf Milliarden Passiven, ■betten drei Milliarden Aktiven g-egeiiüberstehen sollen. Unter den Gläubigern des insolventeit Bankhauses herrscht große Erregung, weil die Witwe itach dom verstorbene>t Armin Snranyi eine Forderung von 200.000 Goldkronen angemeldet hat, welchen Betrag sie vor Jahrzehnten als Mitgift in das Geschäft eingebracht hat. Die Gläubiger haben gegen die Aunvoldung dieser Forderung Einspruch erhoben. Dett eiM-eleiteten Ausgleichsverhaudl-uitgeit sieht man mit Ivenig Zuversicht entgegen nn.d halt die Verhängu'trg des Konkltvses über das Bankhaus Schivam n. Co. für nttvermeidlich. Aufregung an der Wiener Börse. Gestern vormittags - gab es einen erregten Zwischenfall an der Wiener Börse. Düe Ursache desselben war ein Zivkularschreiben des Giro- -und Ka is if e u v e r e i n e s, welches die einzelnen Arranigcimontmitglioder aufsordertc, ihre Kautionen enlisprechend zu erhöhen. Bor dem Kriege betrug nämlich diese Arrangemev-tkautiou zirka 2000 K., d. h. 20 Groschen. Eine Reihe von Firmelt hat nur diese niedrige Kaution gehabt. Andere Firmen wieder haben ltntr Kautionen zwischen 3o bis 100 Schilling beim Giroverein besessen. Diese Kautionen find zu niedrig. Der- Giro- und Kassenvereitt ist insoferne auf diese Kawtioiteu angewiesen, als .dieselben sür ihn fast zins en-lose Einkommen, bieten, die er jetzt bei dem geringen Geschäftsverkehr schwer, entbehren tarnt. Der Giroverein hat Wohl bisher 600 Beamte abgobaut und will weitere Mbaumaßncchmen ergreifen. Doch genügt diese Einischränkung der Msgaben nicht. Der Giro-. Verein benötigt auch noch die ziusenlosen Kautionen. Jnlfolgedessen hat er das obenerwähnte Rundschreiben versendet. Nmn haben Wohl die Banken dieser Aufforderung auf Kautiorrserhöhung gleich Folge geleitet. Doch die einzelnen Banlkfivmen verfugen nicht über die genügenden Mittel und waren, infolgedessen Mer diese Maßnahmen slehr aufgeregt. Schließlich Wurde die Aufregung beigelegt, als in der Börsen-Vammer. eine Koniferetrz die Vertagung dieser Maßnahme« beschloß. Insolvenzen. Gestern -fand die Ausgle-ichstagsatzung der mit 4,6 Milliarden insolvent gewordenen Zuckerfirma Haimo v i t s statt; das Ausgleichsaübot von 10 Prozent dürste angenommen werden. Der Ausgleich der „B ela ch Belieferungs- -und Warenkredit G. m. b. H. i'n Liquidation sowie ihres Alleininhabers Nathan Kusgmer wurde heute bestätigt. Abschluß eitles österreichisch-jugoslawischen Handelsübereinkommens. Die Politische Korrespondenz meldet: Im Laufe der Jahre 1919 und 1920 haiietr Oesterreich und Jugoslawien mehrere Uebereittkontmen äbgeschloss-en, die die Regelung des, gogenferligen Warenaustausches im Sittue des damals herrschenden Kontpenfattonsisylstems znm Gegenstattd hatten. Bei der Durchsühr-ttiNg uttd der 8lbrechtt-ung dieser Mkomm-en hatten sich Diff-erettzett ergeiben, über die sich die beiderseitigen Steil-, len nicht zu einigetr vermochtett. Es wurde daher Vere-inibavt, die Schlichtung di-eser .Streitigkeiten einem Schiedsgericht zu übertragen. Nach längeren Berhandilnugen hat das Schiedsgericht mm am 26. Juli d. I. auf Grund der außerordentlich, nntlfängreichen und grüMichen gutachtlichen Aeußerung des Gesandten Washbuvn zu den einzelne Forderimgen ein einstimml-ges Urteil gefällt. Hiebei tvttrde in eittzelnen Belangen dem jugoslawischert, in attdereu dem österreichischen Standpu-nkt Rechnung getragen. Int ganzen ist das Evgelbnis für Oesterreich als günstig zu bezeichlten. Die Durchsülhrung der au!f Grttnd der Ents-cheidu-ng v-oWt-n-chmenden Abrechmtn-gen wird noch einige Monate in Anspruch nehmen. Freigabe der in Italien sequestrierten KleinvermSgen. Das Abrechnungsamt macht ausmerksam, daß gentäß emer zivischenstaatlichen Bereinbarun-g die -italienische Sequesterbehörde Freigaben von seqnestriertett österreichischen Berntögenschaften im Werte von nicht mehr als 50.000 Lire unter Ausschluß vott Bargeld und Wertpapieren bewilligt. Ansuchen könnert beim Tkbrechnrt-ngsa-mt eingereicht werden. Herabsetzung des englischen Zinsfußes. Ans London imetbet Tel.-Komp.: Die Bank Volt Ettglattd setzte heute den Zinsfuß von 6 -ans 4-5 Prozent herab. Diese Nachricht -kam vollständig unerwartet -und führte heute an der lLondoner Börse zu einer gewaltigen Hausse in Staatspapieren. Andererseits wird -dieser Schritt der Bank von England zu einer Hera-bsetztllt-g des Zittsfußes der Privatbanken gegenüber der Industrie sührett. Devisen oeia Sm»t«r<l»m ....... 8. 288.18 Belgrad. 12.7080 Berlin. 188.78 Brüssel. 81.78 Budapest 88.82 Bukarest.. . 3.8626 London» ........ 34.48 Mailand. 26.74 New.York. ....... 708.36 Paris 83.24 .- *m*^*ta^*j*a*V>^»y*SSjP® Sekifen« und Bolutenkurse dom 8. August 1888. Wart 286.16 12.7460 188.38 31.81 100.02 8.8726 34,66 26.88 711.86 33.40 *M5> aotla . . , Stockholm Warschau Zürich . . Geld 6.1160 180.46 131.60 137.76 Ware 6.1650 181.06 132.— 188.26 Valuten Amerikanische Noten . Belgische Noten .... Hulgar. Not. ...... Deutsche Noten .... 706.26 708.26 188.82 188.82 Französische Noten . . Holländische Noten . . Italienische Noten . . . Jugoslawische Noten . . Polnische Noten .... Uumänlscdc Noten , . . Russische Noten (Roman.) Schweizer. Noten . . . Tschecho-slow. Noten . Türkische Pfund-Noten Oeld 8. — 2b!b6 12.88 131.— 187.80 21.0026 Ware 26,06 12*76 182.— 188.80 21.1226 arj bat*.