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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-06 · Heft 2320 (6.8.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2320 (6.8.1925)
Date
1925-08-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 Polen: 20 flroszy | Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Q o 1 d sch m ied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Pol en: Mon. 4 Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei P r e i •* erhöhnngen Vorbehalten Nr. 2320 Wiener Morgenxettung e——— Men. Sonnentag. 6. August 192S I'Preis 26 a England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 18 Lire. Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien;Mon.lOO Lew?. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. gahrgang ein legales Verbrechen. —y. Wien, 6. August. Ae Besprechung Briaudkhamberlain. Roch leine Friedensverhandlungen in Marokko. Die mitteleuropäische Welt sieht Plötzlich das Wanderproblem vor sich. Seit dem Beginn dieses Monats wandern die polnischen Optanten aus Deutschland, die deutschen aus Polen. Sie tun es gezwungenermaßen. Ein vor einem Jahr in Wien von den Vertretern Deutschlands und Polens akzeptierter Schiedsspruch verurteilt diese 45.000 Menschen dazu, ihr Heim aufzugeben und ins Ungewisse hinauszugehen. Dieses Abkommen war allerdings bemüht, diese Schande , unserer Zeit in halbwegs erträgliche Formen zu bringen. Sie hatte den Zwang zur Wanderung an verschiedene Termine gebündelt und außerdem Vorsorge dafür verlangt, >daß die Betroffenen von all diesen Maßregeln so rechtzeitig verständigt werden, daß sie alle Vorbereitungen treffen können. Auch in dieser Rechtsform bleibt die ganze Frage ein Brandmal für den Rechtsbegriff dieser Zeit. Es ist eine quälende Vor- ■ stellung, daß die gelvaltsame Losreißung von Existenzen von der Grundlage ihres Erwerbes in der Vermummung des Gesetzes auftreten kann. Dieser Fall wird aber noch unerträglicher, wenn man sich daran erinnert, daß er sich auf einen Schiedsspruch stützt und daß ihm der Haager Gerichtshof später beigetreten ist. Man sollte glauben, daß sich die ganze Bevölkerung Europas dazu aufraffen müßte, einmütig gegen ein solches Zerrbild von Gesetzlichkeit und Vertrag zu protestieren. Jeder einzelne müßte das Schicksal dieser 45.000 Menschen als seine eigene Sache empfinden. Uber es ist in dieser Frage wie in allen Fragen, in idenen es um Wehrlose geht, eine Stumpfheit des öffentlichen Gewissens zu konstatieren, das ist eine Erscheinung, an die man sich wohl schon hätte gewöhnen Können. Aber es ist höchst gefährlich, dies zu tun und widerspruchslos zuzusehen, wie so und so viele Familien Zwischen den Rädern der kalten und seelenlosen politischen Maschinerie zerrieben werden. Es mag tausendmal zutreffen, daß alles in seine paraphierten Bestimmungen geordnet wurde. Diese Ordnung ist eine Schande. Der Widersinn des Vertrages, wonach die Optanten ihren Wohnsitz zu verlassen haben, hat sich auch in Oesterreich gezeigt und er hat sich vor allem gegen die nach dem Zusammenbruch der Monarchie hier verbliebenen Juden gewendet, denen durch eine listige Praxis auch die Möglichkeit der Option genommen worden war. Dieses Vorgehen hat weder in Oesterreich noch außerhalb der Republik Widerspruch erfahren und so ist das Präjudiz erzeugt worden, das nicht unmittelbar wirkte, wohl aber die öffentliche Stimmung unheilvoll in ihrem Desinteressement bestärkt« Die Buchstabenanbetung des Vertrages, die sich nur in diesem Vergehen gegen die jüdischen Rechte ausdrückte, während die Ansprüche der Juden, auch soweit sie sich aus dem Friedensvertrag ableiten, unberücksichtigt blieben — hat sich dann in der großert Volksaustreibung des Lausanner Friedens fortgesetzt. Griechen und Türken mußten wandern, aber die Welt blieb ungerührt. Nur die jüdische Oeffentlichkeit protestierte. Die Optantenfrage in Deutschland und Polen ist nun die dritte Fortsetzung des Präjudizes und es ist eine furchtbare Erinnerung für die deutsche Politik, daß sie zuerst diesen Zustand herbeigeführt hat. Es liegt denn auch auf ihrer Linie, daß die Völkischen in Bayern bereits die Ausweisung aller polnischen Staatsbürger (lies Juden) verlangen, worauf dann eine gleichgeartete Partei in Polen die Ausweisung aller deutschen Staatsbürger als Repressalie fordern würde. So könnte das blutige Spiel weitergehen, weil aus einem Unrecht immer ein anderes entsteht. Die deutsche politische Geschichte kennt übrigens ähnliche Fälle. So ließ Bismarck als Repressalie gegen die Nichtzulassung deutscher Juden eine Anzahl russischer Juden, die in Deutschland lebten, über die Grenzen schaffen, darunter auch eine 96jährige gelähmte Frau Friedländer. Man muß an diese Dinge erinnern, um immer die Kette der Sünjden wider den Geist zu zeigen. _____ _■ ■ Nächsten Montag. Paris, 5. August. Die Agence Havas meldet aus London: Außenminister B r i a n d wird am M 0 n t a g in L 0 n d 0 n eintreffen und am nächsten Tag mit dem britischen Staatssekretär für Aeußeres, Chamberlai n, die Besprechungen aufuehmen. Während der Zeit der Unterredungen Briands mit Chamberlain werden im Foreign Office auch Besprechungen des Unterstaatssekretärs Tyrrell mit dem Generalsekretär des französischen Außenamtes Philippe Berthel0t über sämtliche schwebenden politischen Fragen stattfinden. Nach den „Daily News" werde wahrscheinlich der belgische Minister Bandervelde an einer Konferenz Briand- Chamberlain teilnehmen, in der über die Einladung deutscher Minister zu einer Besprechung in Genf nach Abschluß der Völkerbttndtagung entschieden werden soll. Dev französische Gavanlievorschlag. Berthelot hat einen französischen Entwurf für den endgültigen Sicherheitspakt ausgearbeitet, der zunächst den Abschluß eines reinen Garantievertrages mit alleinig er .en g li sch e r G a r a nt i e im Falle eines deutschen Angriffes auf den Rhein Vorsicht mtb sodann den Abschluß eines deutschs r a n z ö s i sch e n, eines deutschp0l.nischen und eines deutsch-tschechoslowakischen Schiedsgerichtsvertrages. Alle diese Verträge würden aber nicht getrennt, nur von den interessierten--Staate» zu diskutieren und zu unterczichnen sein, sondern in ihrer Gesamtheit von allen Mächten. Re Lbtantenausweisimgen. Bor neuen Verhandlungen? Berlin, 6. August. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung des „Berliner Tageblattes" aus Washington verlautet in politischen Kreisen, daß Polen bereit sei, neue V e r h a n dlungen in der Angelegenheit der Ausweisungen deutscher Optanten aus Polen zu beginnen. Die Andeutung dieser Bereitschaft sei offenbar eine Folge der u n g ü n st i g e u Wirkungen des polnischen Vorgehens auf den Z l 0 t y k u r S in New-Uork. Morgen nachmittags findet im Reichstag die Beratung der Interpellationen über die Optantenaus- Weisungen aus Polen und die Zustände im Lager von S ch n e i d e m ü h l statt. ökrrdnrkir Amerikareise. New-Iork, 5. August. (Del.-Komp.) Der polnische Außenminister S k r z y n s k i hat seine Reise durch die Vereinigten Staaten beendet und wird sich heute nach Europa einschiffen. Bor einem amerikanischen Kohlenarbeiterstreik? Die Lohnverhandlungen abgebrochen. Atlantic City, 5. August. (Reuter.) Die Verhandlungen -er B e r g l e u t e und der B e s i tz e r der Steinkohlengruben über die Lohn frage sind abgebrochen worden. Die Bergleute weisen ein Schiedsgericht z u r ü ck. Ein Kohlengvubenkvedit dev englischen Regierung. London, 5. August. (Tel.-Komp.) Die Regierung hat helite ein parla>mentarisches Dokument über fort Grubenkonflikt veröffentlicht und an die Abgeordneten verteilen Assen. Darin wird erklärt, die Regierung habe beschlossen, die G r u b e n i n d n st r i e, die sich nicht rentiert, zu unter-. stützen. Sie Mage zu diesem Zwecke die Gewährung eines Kredits von 10 Millionen Pfund Sierl i ng vor. Wenn dieser Betrag nicht allsreichen sollte, so ivürde die Regierung neue Kredite Vorschlägen. In keinem Falle aber dürften die Kredite z»lr Verbesserung der industriellen Einrichtungen oder zur Herabsetzung des Kohlenpreises verwendet werden. Paris, 5. August. (Havas.) Das Ministerium des Aeußern stellt fest, ixtfj Abdel Kri m bis jetzt einer Begegnung mit den Fri e d e n su n t erh ä ndl e r n Frankreichs und S p a n i e n 's aus dem Wege gegangen sei. Optimistische französische Berichte. Fes, 5. August. (Havas). In der Gegend von S a i> s a r macht sich eine starke Entspannung bemerkbar. Die Straßen von Kenitra nach Tanger und von Kenitra nach Uezzan sind vollkommen gangbar. Der Posten von Taffrvnt ist mit Lebensmitteln v e r sorg t. Die feindliche Propaganda ist andauernd tätig, aber die Zahl der Handstreiche nimmt an der ganzen Front ab, wo unsere Truppen die Oberhand gewinnen. Amerikanische freiwillige Flieger sin>- nach Marokko aibgegangen. Der Irusenausstand in Linien. Keine Erhebung dev Dv use nstämme in Tvttns« jovdanien. London, 5. August. „Times" berichten aus Beirut, daß am Sonntag ernste Zusammenfftöße zwischen den aufständischen D r u s e u des Atrasch-Stammes und den Franzosen stattgefunden haben. Wegen der außerordentlichen Hitze und des Wassermangels im Drusengebirge werde die französische militärische Aktion gegenwärtig wahrscheinlich auf ein M i ndestmaß beschränkt werden. Nach weiteren Berichten aus Syrien leisten die Drusen den Franzosen entschlossenen Widerstand. Am Sonntag seien zwei französische Angriffe bei Suaida abgeschlagen worden, wobei die Franzosen schwere Verluste erlitten hätten. Der Berichterstatter der „Times" in I e r u s a 1 e m erfährt von amtlicher Stelle, es sei nicht w a h rs ch e i n l i ch, daß b r i t i s ch e T r u p P e n mit den Franzosen Zusammenwirken. Die Drusen Palästinas seien englandfreundlich und es werde nicht erwartet, daß irgend eine Tätigkeit der Drusen in Transjordanien erfolgen werde, die sie in einen Konflikt mit den Engländern brächte. Sin Antomobilzollkrieg bei Tarvis. Die Finanzlandesdirektion Klagenfurt hat an der italienischen Grenzstelle Tarvis zwei italienische Automobile beschlagnahmt. Wie die Politische Korrespondenz erfährt, ist die Beschlagnahme in der mißbräuchlichen Ausnützung des für Ausländer bestimmte« Vermerk-Verkehres mittels Triptyques durch für den Triptyques-Verkehr nicht befugte inländische Personen begründet. (Vastehste? Die Red.) Daß die italienischen Zollbehörden aus diesem Anlaß zu Repressalien gegenüber öfter-, r e i ch i s ch e n Automobilen. gegriffen hätten, ist weder im Bundesministerium für Finanzen, noch int Bundeskanzleramt-Aeußeres bekannt. 'Diesbezüglich werden durch das Bundeskanzleramt-Aeußeres Erhebungen gepflogen werden, und zutreffendenfalls würde im diplomatischen Weg an die italienische Regierung herangetreten werden in dem Sinne, daß die österreichischen Maßnahmen zum Schutze legaler Zollinteressen getroffen wurden, und daß damit in keiner Weise eine Beschlagnahme österreichischer Automobile durch italienische Zollbehörden begründet we^ den könnte. Wieder ein Soldatenselbstmord. Amtlich wird verlautbart: In der Schloßkaserne in Linz 'hat sich Montag nachts . der Alpenjäger Josef Brunnhumer 2 des Alpettjägerreg'vments Nr. 7 mit seinem Dienstgewehr erschossen. Es wird vermutet, daß das Motiv der Tat Furcht vor Disziplinierung ist. Alpenjäger Brunnhumer 2 war zur Landesvermessung nach Traunkirchen kommandiert und versah dovt den Dienst als Topographengehilft. Er war — soweit bis nun bekannt ist — der Urheber ständigen Streites SemmeiriumuMsyeijauf fiTTT im r 1-rrTT'HI' m«WM,WMinW|WniWiiiiW»»iii»WWW^ su tief reduzierten k Pi eisen im Warenhaus in Schiff mann II. TaborstraBe 48 Telenhon 47«1»78 En groi In dgtail

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