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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-04 · Heft 2318 (4.8.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2318 (4.8.1925)
Date
1925-08-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IPolen; 2Qgrosay| Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmied, I., Wolizeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Wiener rPrals^a ai orgenzeltung England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lefc Bulgarien'Mon.IOOLewt. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Nachzahlungen bet Preiserhöhungen Vorbehalten Oesterrelchisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2318 wie«. Dienstag. 4. August 1928 7. Jahrgang s Zollers Wieier ResUirnl s Berlin, ChnriottenDurg, Jouchimstiinlerstr. 41 1 Minute vom Bahnhof Zoo 1tt?2-Restaiirant fl. Ranges Unter Aufsicht des Rabbinats der Jüdischen Gemeinde und des Hamburger Vereines Vorzügliche Wiener Küche 1108 Mäßige Preise Treffpunkt der jüdischen Welt RESTAURANT NEUGROKHL II., LILIENBRUNNGASSE 12 Neu renoviert I l« mi Die „Reichspost". —y. Wien, 4. August. Die österreichische Regierung hat in verschiedenen Erklärungen zu erkennen gegeben, daß sie die hohe Bedeutung des am 18. August in Wien beginnenden Zionistenkongresses zu ivüvdigen weiß. Die gewählte Vertretung einer die ganze Welt umspannenden nationalkulturellen Organisation tritt in der österreichischen Hauptstadt zusammen, um sich und der ganzen Welk Rechenschaft zu geben über die Arbeit an dem Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina. Sie ist sich selbst dessen bewußt, daß sie in der europäischen Metropole unter den Augen der gesitteten Welt tagt, sie kennt die Verpflichtung, ihre Beratungen mit der gebotenen Würde und Sachlichkeit durchzusühren, und sie weiß, daß nicht nur die jüdische Gesamtheit, sondern die Oeffentlichkeit die Auseinandersetzungen als Aeußevungen einer Organisation betrachtet, die sich gerne den: schärfsten Urteil unterzieht. Das österreichische Volk, das selbst mit Aufbietung aller Kräfte an seiner Gesundung arbeitet, wird Hier zuhören können, wie eine vom ernstesten Willen, von einem schrankenlosen Idealismus beseelte Gemeinschaft' die Probleme ihrer nationalen Zukunft, ihrer Freiheit behandelt. Was Oesterreich zu vollbringen hat, sein Eintreten in eine neue Ordnung, sein Einfügen in das erschütterte Wirtschaftsgefüge eines völlig neuen Europa, das ist eine der schwierigsten Unternehmungen. Aber .das österreichische Volk hat sein Territorium sicher und fest unter den Füßen. Wir müssen vom Grund auf Lauen und uns schrittweise unter tausend Mühen erst den Boden ausheben, auf dem wir unser Haus auffsthren. Das ist ein Werk, das alle Menschen und Völker auf.das lebhafteste anziehen muß und das, wie wir gerne sagen, bei allen Menschen reinen und guten Willens mit Sympathie und Wohlwollen aufgenommen wird. Unser Kongrcßwar in Basel, in London, im Haag, in Hamburg, m Karlsbad zu Gast. Er hat in allen Zentren respektvolles Gehör erfahret. r . Die österreichische Regierung, die sich auf zwei Parteien stutzt, repräsentiert unbedingt die Mehrheit der Bevolkerung. Sie hat der Londoner Exekutive mitgeteilt, daß sie den Kongreß gerne in Wien sieht und daß sie es begrüßt, wenn die zionistische Tribüne in dieser Stadt Kultur aufgeschlagen wird. Es ist nun eine selbstverständliche Erscheinung, daß der Zionistenkongreß als eine indische Institution von denen, die nicht reinen und guten Willens sind, angefeindet wird. Rund um diesen Kongreß sind seit jeher die unsimligsten Verleumdungen und Märchen cntftanbcu, und es gibt auch in Wien Leute, die ihr Lügenhandwerk verstehen und es am Zionismus üben. Sie meinen nicht so sehr den Zionismus, den sie von ihrer Suinpfperspektive ansehen und dessen stolze Höhe sie gar nicht ermessen. Sie meinen das ganze Judentum. Sie sind eine verschwindende Minorität, die sich nur durch überlautes Schreien, durch Sine Sicherheitskonferenz? Brüssel, 3. August. (Havas.) „Etoile Belge" will erfahren haben, daß zwischen London, Paris nnd Brüssel diplomatische Besprechungen im Gange seien über die Frage der Zweckmäßigkeit des Zusammentrittes einer Konferenz zur Regelung der Sicherheitsfrage, an der Deutschland teilnehmen würde. Marotto — der Schlüssel für Frankreichs Slnslich. Das Durchmarschrecht Frankreichs. London, 3. August. Auf eine Anfrage im Unterhaus, ob die britische Regierung ihre Zustimmung dazu gegeben habe, daß Frankreich das Recht habe, im Falle eines d e u t s ch - p o l n i s ch e n K o n s l i k t e s aus eigene Entscheidung hin die entmilitarisierte Zone zu durchqueren, erwiderte Mae Neill mit Hinweis auf den veröffentlichten Gedankenaustausch zwischen der britischen und der französischen Regierung, daß darin alles enthalten sei, was die Zustimmung der britischen Regierung gefunden habe. 8in zentrumsminifter für die besetzten Gebiete. Berlin, 3. August. We das - ,Berliner Tageblatt wissen will, soll sich die Mehrheit der ZentrumSfmktion damit einverstanden erklärt haben, daß das Zentrum den Posten des Reichs Ministers für die besetzten Gebiete besetzen M. Urch zwar soll ReichstagsabgeoiÄneter'Gehermrat Gerard, ein geborener Rheinländer, den Posten übernehmen. Abgeordneter Gerard gehört dem rechten Flügel des Zentrums an. Seine Ernennung zum Reichsminister soll bereits für die nächsten Tage zu erwarten sein. Die Sptantenanrwelsimge«. Berlin, 3. August. (Wolfs.) Der preußische Minister des Innern, Severing, erklärte über seinen Besuch in dem Flüchtlingslager in Schneidemühl, die Situation im Optantenläge r,-die «sich Freitag nnd Samstag durch mehrere/taufend Neuankommenderkompliziert hatte, sei jetzt -wesentlich b esser. Die Stimmung im Lager sei gut. Ganz besondere Sorge gelte den K i n d e r n. Reichstag hat die deutschnationale VÄkspavtei eine Interpellation eingebracht, in der unter anderem gefragt wird, 'was die Reichsregierung ge ta n habe, um die Ausweisung der deutschen Optanten aus -Polen zu v e rhi ndern.' Eine Rnde Paiirleves. Paris, 3. August. Ml.-Komp.) Painleve hielt heute in Auteuil eine gwße politische Rede über die gegenwärtigen innen- und außenpolitischen Probleme. Unter anderem äußerte sich der Ministerpräsident ausführlich über die Marok'kosrage; er erklärte, es bestehe ein D i l e m m a. Entweder müsse Marokko verteidigt oder ganz Nordafrika a u f g e g e b e n werden. Das würde aber das Ende des französischen Kolonialreiches und damit das Ende der wirtschaftlichen Unabhängigkeit Frankreichs bedeuten, denn diese Unabhängigkeit sei ohne die Kolonien undenkbar. Das Ansehen Frankreichs und sein Einfluß in der Welt wären unrettbar verloren. Ein Franzose, der sich der Verantwortung der Regierungsmacht bewußt sei, könne n i ch t d i e R ä u m u n g M a r o k k o s befürworten. Die Regierung habe Leinen Tag verloren, um eine dauernde Gerechtigkeit Und einen großmütigen Frieden vorzubereiten. Es hänge nur von den Rifkabylen ab, einen solchen Frieden zustande zu bringen. Die Regierung habe aber auch Leinen Tag verloren, um die militärischen Operationen vorzübereiten, die notwendig würden, wenn die Rifkabylen düfranzösischen Frieidensvorschläge nicht annehmen wollen. 20.000 AuSgewiesene aus Polen. Berlin, 3. Augüst. (Tel.-Komp.) Wie aus Warschau gemeldet wird, sind nach ziemlich genauen ^Schätzungen von den deutschen Paßstellen in den Woiwodschaften Posen und Pomerellen etwa 2 0.0 0 0 deutsche Optanten abgefertigt worden, wovon auf Posen rund 7000, aus Bromberg 5000, auf Hirschau 1500 und auf Thorn 6500 entfallen. Angriffe ans französische Truppen, Ein» bruchsvevsuche M^Vansjoudanien. Paris, 3. August. Nach einer Meldung der ,>T i m e s" sollen gegen die Drusen militärische Operationen vor sich gehen. Eine Fliegerbombe habe achtzehn Aufständische, als diese gerade zwei Kamele befrachteten,.getötet. Bon den Aufständischen sei ein Angriff gegen die Zitadelle von S u a i da unternommien worden, die dabei schwere Vev'luste erlitten. Auf französischer Seite seien' fünf Mann leicht verletzt. Die Pariser Agentur Havas erklärt dazu, daß es sich hier vw örtliche Ereignisse handle, die sich am 2 0. Juli abgespielt hätten. Eine kleine französische Kolonne sei beim Biwakieren angegriffen worden und habe einige Mißerfolge erlitten. General Sarrail sandte sofort Verstärkungen ab, um den Posten zu befreien. Die weiteren Berichte der Havas-Agentur aus B e ir u t besagen: Die durch örtliche Streitigkeiten und die dadurch entstandene Erregung unter den Drusen notwendig gewordenen vorläufigen Operationen gehen in befriedigender Weise-vor sich. Durch eine Fliegerbombe wurden achtzehn Aufständische getötet. Ein Angriff auf den Posten Suaida wurde unter blutigen Verlusten der Rebellen zurückgeschlagen. General Sarrail geht im vollen «Einvernehmen mit seinen britischen Kollegen vor, der- Verfügungen getroffen hat, um die in T ra nsj o rdan i en eiritz rechenden Drusen zurückzuwevfen. Gewalttätigkeiten und Exzesse bemerkbar machen kann. In der Bevölkerung der Weltstadt haben sie keinen Widerhall gefunden und das Geschrei ihrer Hetzblättchen wäre auf diese Minorität beschränkt geblieben, tvenn sich nicht merkwürdigerweise das Organ der christlichsozialen Partei, das führende Organ der Regierung, der Sache angenommen hätte. Dieses Blatt, das den im Jahre 1913 in Wien abgehaltenen elften Zionistenkongreß in loyaler Unbefangenheit besprochen hat, leiht jetzt den dunkelsten Agitatoren seine Publizität. Es verfällt in den sonst so ängstlich vermiedenen Sauherdenton und hat entdeckt, daß alle die Hetzartikel, die an den Straßenecken ausgeschrien werden, nur Gegenwehr der bodenständigen Bevölkerung gegen den jüdischen Terror sind. Das Blatt findet eine naturgegebene Verbindung Zwischen dein schrecklichen Mord aut Praterstern und den Juden. Es schiebt die Blutschuld auf die, „die gegen alles Nichtjüdische schürten", obzwar es nicht ein einziges Wort des Beweises für diese Behauptung erbringen kann. Dieses Blatt, die „Reichest", sieht geflissentlich an der Tatsache vorbei, daß ein deutscher Christ einen detttschen Christen ermordet hat — dies nur, um die Ungeheuerlichkeit aufschreibcn zu können, daß unsere Auslassungen nicht danach angetan sind, „zwischen den Mördern und den Zionisten eine strenge Trennungslinie zu ziehen". Was soll das besagen? Der Bundeskanzler Ramek, ein Christlichsozialer, hat den Kongreß der Zionisten eingeladen. Der gewesene Bundeskanzler Seipel, ein Christlichsozialer, hat in einem Schtveizer Interview dem Kongreß der Zionisten seine Sympathien ausgesprochen. Hier ist ein Gegensatz, auf den wir Hinweisen, zwischen der ehrenhaften Loyalität der vor dein Forum Europas für Oesterreich verantwortlichen Regierung und dein führenden Blatt der regierenden Koalition.' 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