Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2316 (2.8.1925)
- Date
- 1925-08-02
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Tonntag Wiener Morsteirzettung. __2. Auftust 192.:____Seite 11 Sportnachrichten. En Lob aus yeAnerischrm Munde. Wir entnehmen der Zeitung „Rigaische Sportschau" fftliftende begeifterte Besprechung über die Leistungen des Wiener jüdischen Vereines: Oesterreichs Meister—Lettlands Meister. Wiener „Hakoah" gegen Rigaer Fußballklub. 7:0 (3:0). Zwei Meister ihrer Länder — und doch welch weiter Unterschied. Das Resultat gibt ein beredtes Zeugnis von mindestens zwei Klasscnoifferenzen. Offenbarte sich dieses bei den Simmeringern noch nicht so direkt, hier trat es klar zutage. Darum jevoch nicht rosten, ein heißer Ansporn sollte uns vielmehr hiermit gegeben sein zunr Vorwärts der Vollendung. Kurz vor vier Uhr betrete ich den. Armeesportplatz. Ueberall sieht mcm Dienstmän>ne>r Postiert, welche zu 30 Centimes das Stück kleine Schriften verkaufen über Znsa-nnnensetzung, Art und Spielweise der Wiener Gäste, sowie auch einiges über unsere Rigaer Spieler. Für das Laienpnblikum eine nennenswerte Neueinführung. Am Eingang selbst verstärkte Kontrolle. Ein größeres Aufgebot von Schutzleuten und städtischen Kontrolleuren. Nachdem nran sich jedoch legitimiert hat, wird man ohne weiteres durchgelassen und zu den Pressesitzen geführt. Hier ist nun alles, was auf dem Gebiete des Futzballsports einigen Namen hat, vertreten. Vom Vorsitzenden des Verbandes über uns Zeitungsschreiber herab bis zu den auserwählten Spielern, die am Dienstag m Rigas Kombinierter spielen sollen. Nachdem man sich etwas gesammelt hat, schaut mau nun neugierig um sich. Bei drückend brennender Nachmittagssonne «das Thermometer zeigte 36 Grad) sind bereits eine Stunde vor Beginn über 2000 Zuschauer beisammen. Nachher wurden es brcintal so viel. Der halbe Strand scheint erschienen zu sein. Sonnenverbrannte Gesichter. Bekannte Strandtoiletten. Die Herren größtenteils in Hemdärmeln, die Köpfe mit schützenden Taschentüchern bebunden. Ueberall Helles, vorwiegend weiß. Vorwiegend auch überall der jüdische Volkstypus. Man denkt schliesslich, zu emenr Nabioualfost gekommen zu sein. Etwas vereinsamt kommt man sich vor. Erstaunlich das jüdische Zusammengehörigkeitsgefühl. Mengen, die einen Fußball nie gesehen haben, sind geeilt, der Reklame Folge zu leisten. Dazwischen noch die Eskimo-Brick-Berkäufer und man erhält den seltenen buntbewegten Rahmen für das kommende Spiel. Ein viertel auf sechs betritt die „Hakoah" den Platz. Fünf Minuten später der Klub. Beide begrüßt lebhaft erregter Applaus. Die „Hakoah" in blau nnd weiß halibgeteillen Hemden, der Klub im roten Dreß der Ländermcmnschaft. Obligatorische Photographen, die nötigen Ansprachen und dann pfccft Krumin zum Spiel der folgenden Mannschaften an: ,-Hakoah": FcMcm; Scheuer, Wcrmer; Pollak. Gnttmann, Heß; NeufM, Haußler. Gvünfelld, Eilsenhofer. Schüvorz. Fußballklub: Jürgens; Urban, Grawel; Rose, Sokolow, Binkis; Pawlow, Timpcr, Scheibel, Taurin, Abram. ,^Hakoah" hat Anstoß nnd Wind, jedoch die Sonne gegen sich. Mit fabelhafter technischer Vollendung fegen sie von der Mittellinie an hinweg. Der Klnb sitchl den Ball, und siehe da, der Ball sitzt bereits im Tor. In der 16. Sekunde der 1. Treffer. Und wieder kommt die „Hakoah", doch Krnmin pfeift „Abseits". In der 4. Minute macht der Klub dreimal „Hand". Es geschieht jedoch nichts und wieder ist die „Hakoäh" ^Abseits". Dann brennt Taurin auf nnd davon, schießt jedoch in der 7. Minute vorbei. Eine Minute später wieder Freistoß für „Hakoah" von der 16-Meter-Linie. „Hakoah" ist nun stark überlegen. Ein kräftiger Wind weht auf Fußballklubs Tor. Doch hält dort einer Wacht, der nicht so leicht zu schlagen ist. In der 13. Minute hält Jürgens einen scharfen Schuß von Ncnfeld, der auch „Reines" genannt wird, wirft sich dann Ersenhosor vor die Füße, liquidiert dieses und muß' dann wieder und immer wieder noch halten. Darauf ein leiser Druck des Klubfturmes, der sich jedoch nicht zitsammcnsinden kann. Auch ist die Deckung schlecht, Nienfeld wird zu wenig bewacht. So kann denn in der 17. und 20. Minute die „Hakoah" zwei weitere Tore für sich buchen. Dann ist der Klnb etwas überlegen. Krunlin verwarnt einmal. In der 28. sind 30. Minute für „Hakoah" zwei Ecken. Weiter sieht man Jürgens in einer hübschen Parade und der Klnb inacht wieder „Hand". Pawlow kommt schlecht durch. Dann ist Jürgens wieder in Aktion uub der Klub erzielt tu der 38. Minute seinen ersten Eckball. Kurz vor Schluß der Halbzeit sicht man noch Fabian wunderhübsch einen sehr hohen Ball herunter holen. In dieser Halbezit spielte der Klub recht schwach. Besser wurde es in der Fortsetzung. Die „Hakoah" spielt jetzt in blauen Hemden, während Jürgens zuerst blendendweiß, jetzt schwarz erscheint. Die anfänglichen sieben Minuten ist mm der Klub recht überlegen nnd vermag drei klare Torchancen herauszuarbciteu. Doch fehlt es an gehörigen! Nachdruck. Ein Eckball ist das Ergebnis. Gleich daraus muß die „Hakoah" einen Eckball treten. Abwehr — doch wieder ein Schuß — Jürgens lenkt über die Stange zur Ecke. In der 13. Minute macht der Klub 30 Meter vom Tor wieder mal „Hand". Ein kurzer Vorlageball — Nachsetzen — nnd das 4. Tor der „Hakoah" ist fertig. Dann folgt für die „Hakoah" eine kurze Drangperiode, sie wird Überstauden und Nenfeld erhält den Ball. Er zieht dahin, spielt vor und spielt zurück, bis er doch schließlich durchgckommen ist. Ein Zug aufs Tor und selten hübsch placiert, landet „Hcrloahs" 6. Treffer. Ihm folgen in der 22. und 26. Minute zwei weitere. Jürgens hat etwas nachgelassen. Nun kommt der Endspurt des Klubs. Alles wird drangesetzt, um einen Ehrentreffer zu erringen. Und tatsächlich sieht cs bei „Hakoah" einmal recht brenzlich aus. Doch endet das Gedränge auf dor Torlinie rcs-nlUatlos. Zwei Eckbälle sind schlicßlkch die ganze Ausbeute. Bald darauf pfeift Krnmin. ab. Er leitete düs Spiel in der ersten Halbzeit ganz vorzüglich, ließ nur in der zweiten etwas nach. Kein Wunder bei der Hitze: Die „Hakoah^ hat eine durchweg rationellere Spielart als die Siinmcringer, sic ist ganz auf den Erfolg eingestellt und äußerst schnßfrendig. Ganz glänzend ist das Täuschen des Gegners, doch wurde in der zweiten Halbzeit hiermit zu viel l)ernmgetröde1t. Der Sturm ist das Stärkste der ganzen Mannschaft. Der Klnb hatte einen schwachen Tag. Es wurde überaus fair gespielt nnd der Sektiouslciter der ,,Hakoah", Herr Baar, sprach Herrn Kapt. Redlich auch hierfür seinen Tank ans. " _ Rg. Makkabäa aus Bratislava in Wien. Die jüdische Mannschaft spielt heute gegen Lricket. Die Mannschaft des Pressbnrger Vereines Makkabäa, der sich als Vorkämpfer des jüdischen Sportes in der Slowakei •/» einem Zentrum der dortigen jüdischen Jugend entwickelt hat, kommt heute nach Wien, um gegen d'e Cricketer in der Krieau eiu Wettspiel auszutragen. Die MakkabÜg-Fussballer habe» in der letzten Zeit viel von sich reden gemacht. Außer ihren. Siege» über die heimischen Mannschaften, durch die sich der jüdische Verein die Führung m der Slowakei erkämpft hat, haben die Makkübäa-Spioler feyr wertvolle Erlfolge über starke Wiener und Budapefter Klubs erzielt. Wenn auch vor allem die erfolgreiche!' Spiele gegen die starke Bratislava in Pressbnrg (3:2 nno o:(» dor jüdischen Mannschaft daheim die größten Sympathien verschafften, sind ihre Resultate gegen H e. r t ha (Wien) 2:1 und V i v o (Budapest) 3:2 besonders bcmcrkenAvcrl. Makkabäa verfügt über eine a u § g c gl i ch e ir c Man n s ch a f t und stellt für das slowakische Team die meisten Spieler. Hervorragend sind der Tormann und der Mittelläufer Armin W e i ß. Die Cricketer werden sich sehr anstreugen nnissen, um gegen die Pressbnrger gut ahznschnei'den. Das Spiel .beginnt heute um halb k» Uhr unter der Leitung des Schiedsrichters Braun. Makkabäa trifft heute um halb 10 Uhr vormittags im Ostbahnhofe ein. Weitere Spiele. Auf dem Rudolfshügel--Platz spielt heute um halb 0 Uhr der erstklassige S. C. Slovan gegen den S. C. Phönizia, der zwar geaen eine komplette Mannschaft der Wiener Tschechen leine Aussichten hat, immerhin aber das Spiel offen halten wird. — Wacker fährt nach Baden, wo um 0 Uhr ein ,'Spiel gegen den B. A. C. ausgctragen wird. Der starke Provinz-' verein ist für die Wiener ein beachtenswerter Gegner. Ein Sportfest der Wien« Polizei gelangt heute im Strandbad der Sichcrhestsstvache «tu Gänlselhaufel mr Durchführung. Außer Schwimm'bcwerben. bei denen auch Schtvimmer der einzelnen Vereine teilnchmcu, gelangen auch Steiumuud Riugkoukurreuzen sowie ein internationales Fußballspiel der Wiener gegen die Prager Polizei zur Durchführung. Bahnrennen in Hernals. Unter guter, auch anslänöiichcr Beteiligung finden heute ab 0 Uhr einige Rennen statt, die ausgezeichn'eten Sport bringen werden. Die Fernfahrt Wien—Semmering—Wien wird heute vom Kilometerstein 6 der Oedenburgerstraße aus dnrchgeführt. Start: halb 0 Uhr. Das Nennungsergebnis war ein ausgezeichnetes. W 'Theater von heute 3 SchoMbrunn«r Scbloss-Cbeattr: Doktor und Apotheker >/,8 Surggstten (bei ungünstiger Witterung Festsaal der Hofburg): Die Fledermaus 8 cdester in der üosefttadt: Ihr kleiner Freund V-8 stal«ui«I cßeattr. Die vertagte Stacht 8 CMStspieltheater: Der Meisterboxer l!A — Sally Davidsohn 8 cßentersn «er Ulfen: Der Orlow '/.8 Wf. Bürgcrtbeakr t Gräfin Dtariza Vi® 30Ä» Strau*$-Cb«atcr: Die große Unbekannte V-8 ftvlamlbüdne: Der Weg znr Hölle 8 IldiJCfte Bfibat: (Hotel Stephanie, II. Taborstr. 12): Serke wie krichste 8 Zirkus Zentral (II., Praterstern Tel. 42295): Großes Zirkus-Programm (Max Brod als Gast) V,4, '/,6. 8 SchühhausDORN II., Taborstrasse 8 a ««7 Restpaore-lierkfluf pr.*.e.^rt Hotel / Restaurant / Pension Eisen (Hirschenhanser) VILLA- DREIBAUM Gleichenberg In schöner, gesunder, freier Lage, nächst denBmnnen, den Bädern nnd dem Kurpark Vorzügliche Wiener, ungarische und polnische Küche, orthodox *|VD Zivile Preise. Gans tägige Milchspeisen an separierten Tischen. Tempel una Mikiuah im Hanse. Alle Lokalitäten modernst renoviert lOX' S BURGGARTEN Bei ungünstiger Witterung im Festsaale der Hofburg Täglich 8 Uhr abends im schönsten Garten Wiens J 514 | Symphonie-Konzerte, Opern- und I Operetten-Vorstellungen, Tanz- Palästinenser "" Absolvent des hebr. 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